
Lot Nr. 598
KatalogtextBildnis der Fürstin Franziska von Kaunitz-Rietberg, geb. Ungnad, Gräfin von Weißenwolff (1773–1859), signiert und datiert unten rechts: Angelica/Kauffman RA (ligiert)/Roma 1805, Öl auf Leinwand, 76,8 x 65 cm, gerahmt
Rückseitig beschriftet: “Franciska Gräfin Kaunitz Rietberg” sowie ein Klebezettel mit Provenienzangabe: “Eigentümer:/Nicolaus Fürst Palffy/Wien I, Josephsplatz”.
Provenienz:
aus dem Besitz der Dargestellten an ihre Tochter Leopoldine Fürstin Palffy, geb. Gräfin von Kaunitz-Rietberg, Wien; im Erbgang in österreichischen Adelsbesitz.
Gutachten:
Dr. Bettina Baumgärtel, Düsseldorf (31.01.2012).
Frau Dr. Baumgärtel wird das hier vorliegende, bislang unpublizierte Gemälde in ihr in Entstehung befindliches kritisches Werkverzeichnis zu Angelica Kauffmann aufnehmen. Sie schreibt: “Die maßgebliche Quelle für das Oeuvre Angelika Kauffmanns ist ihre Gemäldeliste “Memoria delle piture (sic) fatte”. Da sie im Jahr 1798 endet, hilft sie in diesem Fall nicht weiter. Dennoch handelt es sich ohne Zweifel bei diesem Bildnis der Franziska Xaveria, Gräfin Ungnad von Weißenwolff, verh. Fürstin von Kaunitz-Rietberg, um ein eigenhändiges, charakteristisches Spätwerk der Angelika Kauffmann. Es sind nur wenige, nach 1800 entstandene Werke der Künstlerin nachweisbar. Dieses koloristisch reizvolle Bildnis ist zwei Jahre vor dem Tod der Künstlerin entstanden. Es wurde zeitgleich zu ihrem letzten großen Auftrag, dem ganzfigurigen Bildnis Ludwigs I. von Bayern (vollendet 1807, Neue Pinakothek, München) gemalt. Ungeklärt ist, in welchem Jahr der Auftrag erfolgte. Dass die Dargestellte während eines Aufenthalts in Rom selbst Modell saß, ist anzunehmen, da sie ihren Gemahl, Fürst Alois Wenzel von Kaunitz-Rietberg, der Geheimer Rat und außerordentlicher Gesandter beim päpstlichen Stuhl war, nach Italien begleitet haben könnte. Dieser entstammte einer berühmten und am habsburgischen Hof höchst einflußreichen Familie, war er doch der Sohn von Fürst Wenzel Anton Dominik von Kaunitz-Rietberg, berühmter Reichshofrat und Staatskanzler der Kaiserin Maria Theresia...” Fürstin Franziska war die Tochter von Guidobald Ungnad, Graf von Weißenwolff, und der Josepha Salza von Heidersdorf. 1798 heiratete sie den Fürsten Alois Wenzel von Kaunitz-Rietberg. Drei ihrer Kinder überlebten: Karoline, verheiratete Fürstin Starhemberg, in 2. Ehe Prinzessin Arenberg, Leopoldine, verheiratete Fürstin Palffy und Ferdinandine, verheiratete Gräfin Karolyi. Mit dem Tod des Fürsten Alois Wenzel (1848) erlosch die mährische Linie des Hauses Kaunitz und damit die fürstliche Familie Kaunitz-Rietberg im Mannesstamme. Mit diesem Ereignis nahmen lang andauernde Erbstreitigkeiten und Prozesse ihren Anfang.
Angelika Kauffmanns Porträt der Fürstin entstand zu einer Zeit, als das Aussterben des Hauses Kaunitz noch in weiter Ferne lag. Sie ist als Muse dargestellt, mit einem Blick, der sich verströmt, ganz im Stil des Rollenbewusstseins der sich geistig emanzipierenden Frau des 18. Jahrhunderts. “Ihre Haltung ist das genuine malerische Äquivalent zur literarischen Form der schönen Seele” (B. Baumgärtel). Die Fürstin wird hier als eine Frau gezeigt, die Bekanntschaft mit der Melancholie gemacht hat und dadurch eine emotionale Fülle und verletzliche Schönheit gewonnen hat. Ihr Seelenzustand liest sich wie ein Verweis auf Angelika Kauffmanns eigenen lebenslangen Balanceakt zwischen Trauer und Glück.
Experte: Dr. Alexander Strasoldo
Alte Meister
Auktionstermin: 18.04.2012 - 17:00
Auktionsort: Palais Dorotheum
| erzielter Preis* | EUR 133.800,- |
| *USD 172.500,- | |
| *CZK 3.491.500,- |
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24.05.2013