Johann Wilhelm Baur
(Straßburg 1607-1646 Wien) Ovids Metamorphosen, 149 Blatt Radierungen, 1639-1641, in Sammelalbum eingeklebt, innerhalb der Plattenkanten beschnitten, teilweise fleckig, (148), (Sch) “Im Jahre 1639 konzentrierte Baur seine gesamte schöpferische Kraft auf die Illustrationsarbeiten zu den Metamorphosen des Ovid, die er 1641 mit einem allegorischen Titelblatt abschloss. Auf diesem spannen die Personifikationen der Weisheit und Tugendliebe, über ihre jeweiligen Widerparte triumphierend, ein Tuch mit einer Widmung an den kaiserlichen Rat Jonas von Heysperg auf, dessen Wappen mit dem Löwen über drei züngelnden Flammen über der Anrede prunkt. Das Wappen erscheint innerhalb der Radierungsfolge mehrfach auf Vorhängen oder Stuhllehnen. Baur verstand es, das inhaltlich Wesentliche aus Ovids Erzählungen in prägnanten, fesselnden Szenen festzuhalten. Die Landschaft spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Sie betont lediglich die Handlung.[...] Ein hervorstechendes Merkmal von Baurs Ovid-Interpretationen ist das Bestreben, den antiken Stoff seiner eigenen Vorstellungswelt der italienischen Villen, Gärten, Meereshäfen und Landschaftsidyllen, die sich an Elsheimer orientieren, einzuverleiben. [...] Bei aller Originalität entnahm Baur selbstverständlich eine Vielzahl von Ideen aus älteren Ovid-Illustrationen, so aus den 1557 in Lyon erschienenen Holzschnitten von Bernhard Salomon, die bereits 1563 von Virgil Solis für den Frankfurter Verleger Sigismund Feyerabent kopiert und in Deutschland verbreitet wurden. Baurs wichtigste Quelle ist jedoch die 1606 erschienene Ovid-Illustration von Antonio Tempesta, der sich ebenfalls in vielen Fällen von Salomons Holzschnitten inspirieren ließ.”
Literatur:
Régine Bonnefoit, Johann Wilhelm Baur(1607-1642). Ein Wegbereiter der barocken Kunst in Deutschland, Berlin 1997, S. 111 f.
Schätzpreis €4.000,- bis €6.000,-
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