
Willem Kalf

Friedrich von Amerling

Josephinischer Kachelofen

18kt Ring mit Brillant, ca. 10,60 ct.
Herbstliche Motive prägen viele der Objekte der dritten Auktionswoche des Dorotheum Wien. Vom 14. bis 17. Oktober 2008 beginnt die Herbstsaison mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, mit Antiquitäten (Skulpturen, Glas und Porzellan, Silber) und Juwelen.
Reiche Ernte
Besonders Stillleben eignen sich zur schmucken Präsentation von Früchten und Tischdekor, gleichzeitig demonstrieren die Maler ihre konsequent realistische Wiedergabe und Verfeinerung künstlerischer Methoden. Der für viele Fachleute als der bedeutendste Stilllebenmaler des holländischen „Goldenen Zeitalter“ geltende Willem Kalf ist mit einem Top-Bild bei der Altmeister-Auktion am 14. Oktober 2008 im Wiener Dorotheum vertreten. Das „Stillleben mit Ingwertopf und Porzellanschälchen“ dokumentiert seine Fähigkeit zu „atemberaubenden Kompositionen, in denen die Wirkung des Helldunkels und erfinderische Reflexionen des Lichts auf Metall und Glas eine Hauptrolle spielen …“, so der Katalog zur vorjährigen Ausstellung „Gemaltes Licht“, Aachen. Stillleben von Kalf von derart stupender musealer Qualität sind auf dem Kunstmarkt eine absolute Rarität, heißt es in der Dorotheum-Expertise. Eine Version dieses Gemäldes befindet sich im Louvre.
Titelmäßig gehört ein bedeutendes Gemälde noch in den Sommer, von der Abbildung her passt es mit seinen Früchten wohl auch in den Herbst. Bartolomeo Bimbi (Settignano, Firenze 1648 - 1729 Firenze), und Werkstatt schuf zwei Monatsstillleben mit Birnen, den Juli und den August. Die beiden Gemälde repräsentieren typische Beispiele für Früchtestillleben Bimbis, der besondere Wertschätzung am Hof der Medici erfuhr. Sein Hauptauftraggeber war Cosimo III. Medici, Großfürst der Toscana. (€ 250.000 - 350.000).
Üppige Pracht findet sich auch auf Abraham Brueghels (Antwerpen 1631 - 1690 Neapel), zwei monumentalen Stillleben mit Früchten und Blumen (€ 260.000 - 320.000). Abraham Brueghel gehörte zu den profiliertesten römischen Malern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der es verstand in seinen Bildern den neuen barocken Geschmack der kommenden Generation zu treffen. Und wieder Früchte: Bei den Altmeister-Zeichnungen ragt Giovanna Garzonis (Ascoli Piceno 1600 - 1670 Roma) „Stillleben mit Äpfel und Nüssen“, Tempera auf Pergament, hervor (€ 20.000 - 24.000). Vergleichbare Arbeiten der Künstlerin erreichten in vergangenen Dorotheum-Auktionen sensationelle Preise.
Einen malerischen Augenschmaus von niemand Geringerem als Luca Giordano (1634 - 1705) hat die Auktion ebenfalls zu bieten. Das Bild zeigt die aus den Metamorphosen Ovids bekannte Szene, bei der die neugierigen Töchter des Kekrops ihr Versprechen brechen, das Körbchen mit dem missgestalteten Erechteus, Sohn der Athene, zu öffnen – Sie blicken auf das mit Schlangenbeinen geborene Kind (€ 120.000 - 160.000). Weitere berühmte Maler in dieser Altmeister-Auktion sind Bernardo Canal, Gian Paolo Panini, Annibale Carracci oder Giovanni di Tano.
Bilder für jede Saison
Eine Ikone der Biedermeiermalerei steht an der Spitze der Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 15. Oktober 2008. Friedrich von Amerlings berühmtes Gemälde „Mädchen mit Strohhut“ (1835), seit 1939 in der Österreichischen Galerie im Belvedere, wurde von den Erben nach Ernst Gotthilf dem Dorotheum zum Verkauf anvertraut. Der Architekt Ernst von Gotthilf entwarf bekannte Wiener Bauwerke, etwa das Bankvereins-Gebäude (Creditanstalt) am Schottenring oder das Palais Fanto (siehe auch detaillierten Katalogtext im Anhang, der sechsstellige Schätzwert wird mit Kataloglegung bekanntgegeben). Ein weiteres Gemälde aus dem Belvedere stammt von Moritz Michael Daffinger, das Porträt von „Schauspieler Joseph Koberwein als Herzog Alfons in Goethes Torquato Tasso“ (€ 30.000 - 45.000).
Die Auktion versammelt eine Reihe bedeutender österreichischer Gemälde des 19. Jahrhunderts – wie etwa Ferdinand Georg Waldmüllers „Der Sandling bei Altaussee“ (€ 80.000 - 120.000), oder Emil Jakob Schindlers bezaubernder „Blick auf das Kloster San Giacomo bei Ragusa“ (€ 30.000 - 40.000) - sowie internationale Beispiele russischer Malerei, Gemälde von Orientalisten oder auch Venedig-Ansichten. Herausragend ist auch Oswald Achenbachs romantische „Abendstimmung über der römischen Campagna“ (€ 80.000 - 120.000), sowie virtuose Zeichnungen von Giovanni Boldini.
Wärmespender
Für wohlige Wärme in der kalten Jahreszeit sorgen etwa Kachelöfen. Jene bei der Antiquitäten-Auktion am 16. Oktober 2008 offerierten Stücke dienen gleichwohl als außergewöhnliche Dekoration. Das wären ein zinnweißer original Biedermeier-Ofen sowie ein Kachelofen mit Tempietto, der unter anderem halbplastische Darstellungen der vier Jahreszeiten aufweist (beide je € 16.000 - 25.000). Heiße Suppen schöpfte man einst aus der Deckelterrine der Manufaktur Du Paquier, heute dient das um 1725 gefertigte Gefäß als herzerwärmendes Kunstobjekt (€ 20.000 - 35.000). Für Licht in kürzeren Tagen garantiert zum Beispiel der gläserne Salonluster Wien um 1800 (€ 12.000 - 20.000). Wer es romantischer haben will setzt in der Silber-Sparte auf Kerzenlicht mit dem viktorianischen sechsflammigen Silber vergoldeten Londoner Prunkaufsatz (€ 20.000 - 30.000).
Museale Reife bringt bei den Skulpturen vor allem das Heiligen-Paar aus Terrakotta, Giovanni della Robbia zugeschrieben. Die um 1510 entstandenen, 125 cm hohen Hl. Clara und Franziskus bestechen durch außergewöhnliche Gestaltung und perfekten Erhaltungszustand (€ 240.000 - 260.000). Auch eine aus Lindenholz geschnitzte Hl. Barbara, Franken um 1480 - 1500, lässt das Herz von Skulpturenliebhabern höher schlagen (€ 120.000 - 140.000). Bei den Möbeln besticht unter anderem ein umfangreiches Angebot aus der Sammlung Bellini aus der Villa Marignolle (Florenz) und Monte Carlo.
Diamonds are forever
Diamanten sind saisonunabhängiger Klassiker jenseits aller Trends und Jahreszeiten. Zwei Ringe der Juwelen-Auktion am 17. Oktober 2008 lassen u. a. aufhorchen: Ein weißgoldener Brillantring, dessen Hauptjuwel über 10 Karat auf die Waage bringt (€ 60.000 - 90.000) sowie ein weißgoldener Diamantring im Smaragdschliff (€ 55.000 - 80.000). Venedigs Brücken waren die Inspiration für die ungewöhnliche, gelbgoldene, mit einem Aquamarin gekrönte Armspange „Ponte“, hergestellt für eine Ausstellung 1993 in Venedig (€ 8.000 - 12.000).
Eine besondere Sensation mit ideellem Wert hat die Juwelen-Auktion auch zu bieten: Das goldene Bettelarmband von Romy Schneider, die das Schmuckstück Ende der 50er Jahre kurz vor ihrer Übersiedelung nach Paris über die Chefin des Hotel Sacher verkaufen ließ. Die Anhänger zeigen etwa eine Kutsche oder eine Sissi-Widmung – die Rolle, die Schneider als 17-Jährige berühmt machte (€ 2.500 - 3.500).
3. Auktionswoche: | Alte Meister, 14. Oktober 2008 |
Besichtigung: | ab 4. Oktober 2008 |
Ort: | Palais Dorotheum, Wien 1, Dorotheergasse 17 |
Presse: | Mag. Doris Krumpl, Tel. +43 1/515 60-406 |
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