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Shuar (oder Jivaro), Ekuador: Ein Schrumpfkopf 'Tsantsa', mit langen Haaren, verschnürtem Mund und Trageband. 19. Jh.
Lot Nr. 284 
Shuar (oder Jivaro), Ekuador: Ein Schrumpfkopf Tsantsa, mit langen Haaren, verschnürtem Mund und Trageband. 19. Jh.
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Shuar (oder Jivaro), Ekuador: Ein Schrumpfkopf 'Tsantsa', mit langen Haaren, verschnürtem Mund und Trageband. 19. Jh.

Die Stammesgruppe der Shuar, früher auch 'Jivaro' genannt, lebten am Ost-Abhang der Anden, in der Dreiländer-Ecke von Ekuador, Peru und Nordwest-Brasilien. Die Shuar sind weltweit das einzige Volk, das einst traditionell (bis ins 19. Jahrhundert) Schrumpfköpfe hergestellt hat. Der Grund für diesen Brauch liegt in den Glaubens-Vorstellungen der Shuar. Sie glauben, dass jeder Mensch 3 Seelen besitzen kann:
1.: Die angeborene Seele, die man nicht beeinflussen kann. Nach dem Tod des Menschen wird sie eine Wolke am Himmel. 2.: Die zweite Seele heißt 'Arutam' und ist die wichtigste Seele für die Krieger der Shuar. Diese 'Arutam-Seele' kann und muss man sich selbst erwerben. Durch Zeremonien an 'heiligen Orten', durch Askese und Visionen.
Danach muss man diese erworbene 'Arutam-Seele' vermehren und vergrößern. Durch das Töten anderer, feindlicher Shuar-Krieger, deren 'Arutam-Seele' man übernimmt. Dadurch wird man zu einem 'großen Mann', zu einem 'Kakaram'. Diese Seelen-Vorstellung ist der eigentliche Grund für die Kopfjagd der Shuar! 3.: Im Moment des Todes eines Kopfjagd-Opfers entsteht in seinem Körper die gefährliche Rache-Seele ('Muisak wakani'). Deshalb muss der Kopf des Opfers so schnell als möglich zu einem Schrumpfkopf verarbeitet werden.
Das funktionierte so: Der Kopf wurde am Hals vom Körper getrennt, die Haut samt Haaren von den Knochen gezogen. Haut und Haare wurden lange in einem speziellen Pflanzensud gekocht. Dadurch schrumpfte die Haut auf ca. ein Drittel ihrer ursprünglichen Größe. Die Haare blieben gleich lang.
Dann wurde die Haut mit heißem Sand zu einem, nunmehr faustgroßen 'Kopf' gefüllt und ein 'neues' Gesicht geformt. Überm Feuer wurde der 'Tsantsa' getrocknet und die lederharte, steife Haut abschließend mit Ruß schwarz poliert.
Auf dem Scheitel wurde dann das Trageband montiert und die Lippen an drei Stellen fest mit weißen Baumwollschnüren verschlossen. Damit die Rache-Seele nicht herauskommt und dem Töter und seiner Gemeindschaft nicht mehr schaden kann.
Dann kehrt der Töter mit seinem 'Tsantsa' in sein Heimatdorf zurück, wo mit großen Zeremonien und Tänzen rund um den Schrumpfkopf die Übernahme, Vermehrung oder Vergrößerung der 'Arutam-Seele' des Töters gefeiert wurde.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben die Shuar die Kopfjagd und damit auch die Herstellung von Schrumpfköpfen aufgegeben. Gleichzeitig wurden 'Tsantsa' äußerst beliebte Sammel-Objekte, besonders in Nordamerika. Deshalb gibt es heute viel mehr gefälschte Schrumpfköpfe als echte in Sammlungen und im Kunsthandel (aus Tierhaut und anderem). Echte 'Tsantsa', wie der vorliegende, sind heute sehr selten!
19. Jh.; H: 12 cm (Kopf), ca. 30 cm (gesamt).

Provenienz: 168. Auktion bei Ketterer Kunstauktionen, München, am 14. Dezember 1991, Lot 700; Deutsche Privatsammlung. (ME)

Literatur:'Shrunken Heads' von J. L. Castner, mit vielen Fotos.

Experte: Prof. Erwin Melchardt

Shuar (oder Jivaro), Ekuador: Ein Schrumpfkopf 'Tsantsa', mit langen Haaren, verschnürtem Mund und Trageband. 19. Jh.
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  • erzielter Preis**
    EUR 32.500 ,-
    USD 37.000 ,-
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    EUR 6.000 ,- bis 7.000 ,-
    USD 6.800 ,- bis 7.900 ,-

Käufer Hotline
Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00 (MEZ)
+43 1 515 60 200

DETAILS ZUR AUKTION

Stammeskunst/Tribal-Art
Datum: 26.05.2015, 14:00
Auktionsort: Palais Dorotheum Wien
Besichtigung: 20.05. - 26.05.2015
Auktionator:

**Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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