Als Fundament: Kein Ornament – das Bauhaus

Sessel Sitzmaschine Marcel Breuer, Thonet,

Die Idee der Zusammenführung von Kunst und Handwerk fand in der deutschen Bauhaus-Bewegung einen neuen Höhepunkt. In seiner Zeitlosigkeit ist der Stil des Bauhauses auch noch ein Jahrhundert später aktuell und angesagt, wie Stücke aus der kommenden Design Auktion am 6. Juni beweisen.

nächstes Jahr: 100 Jahre Bauhaus

Im nächsten Jahr steht das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus an. Obwohl das Staatliche Bauhaus, 1919 als Kunstschule in Weimar von Walter Gropius gegründet, formal nur bis 1933 existierte, hat es bis in die heutige Zeit großen Einfluss. Kein Wunder, denn nicht zuletzt führte der Grundgedanke des Bauhauses – die traditionell voneinander getrennten Bereiche der bildenden, angewandten und darstellenden Künste zu vereinen – zu einer Neuorientierung über die Kunst hinaus.

„Form folgt Funktion“

Auch der Gestaltungsleitsatz „Form folgt Funktion“ des Bildhauers Horatio Greenough aus dem Jahr 1852 wurde dank der Bauhaus-Philosophie in einen neuen Kontext gesetzt – indem man nämlich auf jegliches Ornament verzichtete. Auch bei Möbelentwürfen wurden abstrakte oder abstrahierte Muster konsequent weggelassen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Armlehnsessel Modell B3, der 1925 von Marcel Breuer entworfen wurde. Breuer war zu diesem Zeitpunkt bereits Jungmeister und Leiter der Möbelwerkstatt am Bauhaus in Dessau, nachdem er 1920 seine Ausbildung als Tischler am Weimarer Bauhaus begonnen hatte. Ein früher „Wassily“-Sessel, wie das Modell B3 in Anlehnung an Wassily Kandinsky, Marcel Breuers Kollegen am Bauhaus, auch gern genannt wird, erzielte bei der vergangenen Design-Auktion am 2. November 2017 im Dorotheum 12.500 Euro.

Sessel Thonet blau Metall
Lounge-/Armlehnsessel „Wassily“ Modell B3
Entwurf Marcel Breuer 1925, Ausführung Thonet, 1930er, erzielter Preis € 12.500

das Bauhaus und Margarete Schütte-Lihotzky

Auch die Österreicherin Margarete Schütte-Lihotzky ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Zwar nicht direkt am Bauhaus tätig, lernte sie durch die Zusammenarbeit mit Adolf Loos für die Siedlung Friedensstadt am Randes des Lainz­er Tiergartens in Wien in den 1920er-Jahren den Architekten Ernst May kennen. Dieser, in besagtem Zeitraum Leiter des Hochbauamtes der Stadt Frankfurt am Main, berief Schütte-Lihotzky in seine Typisierungsabteilung, um im neuen Wohnungsbau die Einführung der Frankfurter Küche zu realisieren – ihres Zeichens Vorläuferin der modernen Einbauküche. Ein Ensemble aus Typenmöbeln der Frankfurter Küche konnte bei der Designauktion am 2. November 2017 im Dorotheum für 12.500 Euro zugeschlagen werden.

Gewürzschrank Schütten Laden Kasten
Hängeschrank mit Schütten und Gewürzbehältern
Entwurf Margarete Schütte-Lihotzky, Ausführung Harrer/Hanau, 1929
Aluminium, erzielter Preis € 2.755

Ein Hängeschrank mit zehn Schütten und sechs Gewürzbehältern von Margarete Schütte-Lihotzky erzielte im Dorotheum für 2.755 Euro.

der Ruhefauteuil Modell B25

Sessel Sitzmaschine Bauhaus gelb Stoff
Sitzmaschine B 25, Entwurf Marcel Breuer, 1928/29
Ausführung Thonet, um 1930
Konstruktion aus Stahlrohr
Schätzwert € 12.000 – 20.000

In der Design Auktion am 6. Juni 2018 werden wieder bedeutende Stücke aus der Bauhauszeit angeboten, etwa ein früher Ruhefauteuil Modell B25. Dieser Armlehnsessel wurde 1928/29 von Marcel Breuer entworfen und nur kurze Zeit von der Firma Thonet produziert. So erschien das Modell zum ersten Mal im Thonet-Katalog von 1929/30 – im Firmenprospekt von 1935 war es jedoch nicht mehr abgebildet.

Entwürfe Margarete Schütte-Lihotzkys werden ebenfalls wieder vertreten sein. So enthält der Katalog eine mehrteilige Küche aus dieser Zeit mit zahlreichen von der Österreicherin designten Schütten und Gewürzbehältern.

AUKTION

Design
6. Juni 2018, 16 Uhr
Palais Dorotheum Wien

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Mathias Harnisch, Experte für Design

Design im Dorotheum

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