Adil Besim: Eng-Geknüpfte Tradition

eine Sammlung

Die Firma „Adil Besim“ wurde 1946 in Wien gegründet und avancierte unter Ferdi Besim zu einem der international-führenden Teppichgeschäften der Welt. Am 19. Juni 2018 wird eine Sammlung zahlreicher antiker und einzigartige Stücke im Dorotheum versteigert.

Ein besonders faszinierendes Stück ist der „Vogel Uschak“ (Lot Nr. 58 / Rufpreis: 500.000 Euro), der zur Türkenbelagerung 1863 noch das Zelt des Feldherren Kara Mustapha zierte. Der Name rührt vom vogelähnlichen Feldmuster; weltweit dürften wohl nur an die 100 Stück dieser seltenen Gruppe existieren.

Märchenreise in den Orient

Der junge Wiener Adolf Böhm reiste zu Beginn 20. Jahrhunderts für fast zwei Jahrzehnte durch den Nahen Osten und erwarb sich dort ein einzigartiges Fachwissen über Orientteppiche, sowie einen eng geknüpften “Teppich” aus Beziehungen und Freundschaften. Er ließ sich in der Türkei nieder und heiratete eine Armenierin: aus Adolf Böhm wurde Adil Besim, wie sich der Wiener in Istanbul nannte. Diesem Namen blieb er treu und gründete 1946 mit 150 Teppichen in der Naglergasse sein erstes Teppichgeschäft. Drei Jahre später wurde das Stammhaus am Graben eröffnet – ein westliches Mekka für Teppichliebhaber.

Der „Teppichflüsterer“

Seit 1955 widmet Ferdi Besim sein Interesse handgeknüpften und gewebten Teppichen; insgesamt blickt er auf über 62 Jahre Teppichleidenschaft zurück. Vieles hat er dabei gesehen und noch mehr erlebt: Reisen zu den entlegensten Bazaren in Istanbul, Tehran, Kabul und in die ehemalige USSR führten Besim wiederholt in die Ursprungsländer der Teppichproduktion.

Wie der Vater, so der Sohn

Inspiriert durch seinen Vater und Firmengründer und Adil, der die Adil Besim KG mit seinem Cousin Dkfm.Friedrich Langauer im Jahre 1946 in Wien gründete, war Ferdi Besim immer schon fasziniert vom abenteuerlichen Leben im Orient, von den köstlichen Speisen und von der historischen Entwicklung des alten Zentralasiens. Ein Glücksfall war es, dass er schon in frühester Jugend durch seine armenische Mutter sowohl die türkische als auch die persische Sprache erlernte. Dies ermöglichte es, enge Beziehung zu den orientalischen Familien zu knüpfen, welche Besim bei seinen Einkäufen unterstützen und heute noch zu seinen engsten Freunden zählen.
In all den Jahren lernte er die Geheimnisse und das Wissen über die Herstellung von Textilien, die ihn zu einem engagierten Sachverständigen geformt haben.

Siebenbürger Teppich; Westanatolien (Türkei), ca. 157 x 123 cm, Mitte 17. Jh. symmetrischer Knoten; Rufpreis: EUR 22.000 ,-

Handgeknüpfte Schätze

Adil Besim legte  bei den vielen Importen immer einige hochwertige Stücke zurück, die er anschließend wie seine Kinder behandelte und nicht verkaufen wollte. So kam im Laufe vieler Jahrzehnte eine ansehnliche Sammlung einzigartiger alter und antiker Stücke zusammen, die zum Großteil im Familienbesitz blieb. Ferdi Besim will nun einen Großteil dieser Exponate über das Wiener Dorotheum veräußern. Die komplette Kollektion wurde vom Sachverständigen des Dorotheums, Herrn Wolfgang Matschek begutachtet und zu sehr attraktiven Rufpreisen angesetzt.

Mir ist es nicht wesentlich, wie viel die einzelnen Stücke erbringen. Ich möchte, dass diese Teppichraritäten einen neuen Besitzer finden, um viel Freude und Begeisterung für eine lange Zeit zu bereiten.

Ferdi Besims Sohn, Omar, führt die Geschäfte der Fa. Adil Besim weiter. Er widmet sich jedoch mehr den neuen und moderneren Arten. Der antike Bereich wird nur noch in kleinerer Form präsentiert.

Saruk Mohajeran; Westpersien(Iran), ca. 297 x 218 cm, um 1910, in bester Wollqualität und vollem Flor erhalten; Rufpreis: EUR 7.000 ,-
Khaden Skelett; Tibet, ca. 186 x 71 cm, 1. V. 20. Jh. seltener tantrischer Ritualteppich mit Abbild eines menschlichen Skeletts, Abschlüsse und Seitenkanten original, durchgehend voller Flor; Rufpreis: EUR 1.200 ,-
Tschelaberd; Südkaukasus, ca. 210 x 148 cm, Ende 19. Jh. mit einem ganzen und einem angeschnittenen Medaillon in seidenweicher Florwolle; Rufpreis: EUR 6.500 ,-
Die Türkenbelagerung 1863
Der Vogel Uschak

Anlässlich der Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1863 hieß der Burghauptmann Graf Schärffenberg. Dieser war maßgeblich an der Verteidigung Wiens gegen die Türken beteiligt. Als das Entsatzheer unter der Führung des Königs Sobjesky die Türken in die Flucht geschlagen hatte haben sowohl der polnische König Sobjesky als auch der Burghauptmann Graf Schärffenberg im Zelt des türkischen Heerführers Kara Mustapha Beute gemacht. Besagten Vogel Uschak nahm Graf Schärffenberg an sich und brachte diesen auf seine Burg nach Hohenwang. Dort verblieb der Teppich, bis er vom letzten Verwandten der Familie Schärffenberg zu einem Freund  nach Wien gebracht wurde, dessen Urenkel ihn nun dem Dorotheum zur Auktion anvertraut.

AUKTION
Die Sammlung Adil Besim
19. Juni 2018, 17.00 Uhr
Palais Dorotheum Wien

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Wolfgang Matschek, unseren Experten für Teppiche!

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