Friedrich Becker – Gold, Edelstahl, Kinetik

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Friedrich Becker vereinte Ästhetik und Technik zu kinetischer Kunst, der Bewegung als elementarer Bestandteil eingeschrieben ist. Den Impuls finden Petra Schäpers und Astrid Fialka-Herics im Schmuck des Künstlers und Goldschmieds, welcher am 4. November im Palais Dorotheum Wien zur Auktion gelangt.

Friedrich Becker – Impuls gebender Goldschmied

von Astrid Fialka-Herics

Friedrich Becker gilt als Erfinder des kinetischen Schmucks, er selbst bezeichnete sich bescheiden als Goldschmied. Für den gelernten Maschinenschlosser, Flugzeugbauer und Designer stand das Material Gold nicht im Mittelpunkt seines Schaffens.

In ihrer Mannigfaltigkeit belegen Beckers Schmuckstücke ein hohes Maß an technischer Qualität und manueller Fertigkeit sowie die Freude, unterschiedliche Werkmaterialen wie Stahl und Silber zu verarbeiten und zu verbinden. Sie wurden entworfen, in Form gebracht und in minutiöser Feinarbeit vollendet. Damit sind Beckers Schmuckstücke nicht einfach Schmuck, sondern vielmehr Kunstobjekte; sie sind Statements.

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Von 1965 an schuf Friedrich Becker kinetischen Schmuck und erreichte damit eine neue Dimension in der Schmuckerzeugung. Es war eine handwerkliche Herausforderung, der er sich mit der Verarbeitung von beweglichen Teilen, Lagern, Balance­elementen und Impulskugeln stellte.

Kinetischer Schmuck bildet eine harmonische Verbindung zwischen der grundsätzlichen Starre des Materials und der Dynamik der Bewegung. Als Antriebs­impuls dient die Bewegung des Trägers. Je nachdem, wie sich dieser verhält, überträgt sich das auf den Schmuck: Die Bewegung wird Bestandteil des Schmucks, der wiederum durch diese Synthese Bestandteil des Trägers wird.

Doch nicht nur das tatsächliche Einfangen der Bewegung zeichnet Friedrich Beckers Schmuckstücke aus. Auch Materialwahl und Farbspiel der verarbeiteten Steine verleihen den Objekten Dynamik: Einzelne Flächen, auf Hochglanz poliert, spiegeln die Schmucksteine, reflektieren einander; Mattes wird dem spiegelnden Glanz von verarbeiteten Steinen entgegengesetzt. Bei den Steinen wählte Becker oftmals Komplementärfarben und verdeutlichte damit deren Leuchtkraft: Sie zeigen Präsenz, konkurrieren aber nicht mit dem Schmuckstück. Hier spielt nicht der Wert des Steines die primäre Rolle, sondern seine Struktur und Farbvarietät.
Friedrich Becker sprach mit seinem Design eine puristische, fast nüchterne Formensprache. Er jonglierte mit weichen, runden Formen, geraden Linien und scharfen Kanten in ein und demselben Stück.

So schuf er beispielsweise Ringe, die keine Rundung aufweisen: Eine eckige Ringschiene trägt eine sich rotierende Scheibe, der ein rechteckig geschliffener Diamant aufgesetzt ist.

Am 4. November 2016 gelangt eine Sammlung von Schmuckstücken Friedrich Beckers im Dorotheum Wien zur Versteigerung.

Friedrich Becker – Kinetischer Künstler

von Petra Schäpers und Susanne Zimmermann

„Der in der Betrachtung bisheriger Kunstwerke rezeptive Mensch [… wird] selbst zum aktiven Faktor der sich entfaltenden Kräfte.“

Dieser Leitsatz aus dem Manifest von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1922 ist für die Großobjekte Friedrich Beckers (1922–1997) wie auch für die Kunst der internationalen Künstlergruppen Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre von größter Bedeutung.

Den kinetischen Arbeiten ist gemein, dass das Kunstwerk als veränderlich durch den Betrachter und durch eine wechselnde Raumsituation konzipiert wird. Die kinetische Kunst ist auf die ganzheitliche Situation, auf die Bewegung vor und im Kunstwerk ausgelegt, nicht mehr auf das starre Betrachten des Materials.

Nicht nur bei seinen Schmuckstücken, sondern auch bei anderen Projekten – Großplastiken wie dem „Düsseldorfer Radschläger“ und einer Vielzahl von Kunstwerken im öffentlichen Raum – hat Friedrich Becker größten Wert auf eine perfekte technische Ausführung und klare Gestaltung gelegt. Die strenge Konzeption und Ausführung seiner Objekte machen Beckers Vorliebe für die maschinelle Ästhetik besonders deutlich. Gerne kombinierte er die reale Bewegung wie beispielsweise der Wellen- oder Pendel­objekte, die meist zusätzlich mit Motorkraft unterstützt wird, mit optischen Effekten der Spiegelung in Glasflächen oder polierten Metallen.

Das kinetische Œuvre zeigt, dass ein Transfer von technischen, aber auch formalen Aspekten vom Großen zum Kleinen und vice versa stattfinden kann. Ausgenommen die Großplastiken der Wellen- und Pendelkinetik arbeitete Becker mit seinen Ideen im Minimal-Bereich, beim Schmuck, um sie dann in die Monumentalität des Objektbereichs zu übertragen. Viele seiner raumgreifenden kinetischen Werke transferierte er Jahre später wiederum in die Kleinteiligkeit eines Schmuckstücks.

„Die Kunstobjekte Friedrich Beckers stehen in der klaren Tradition des Konstruktivismus, sie greifen durch Bewegung, die vierte Dimension in der Architektur, kunstvoll in die funktionalistische Alltagswelt ein, provozieren Erstaunen, Verblüffung, Rätseln, lächelndes Kopfschütteln und bereichern die Wirklichkeit in der Tat um einen Aspekt, der künstlerisch und intellektuell als eigene Dimension erfahrbar wird.“

(Friedrich Becker. Schmuck. Kinetik. Objekte, 1997)

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