Gute Performance – Marina Abramović

Marina Abramovic

Bereits zum zweiten Mal unterstützte das Dorotheum heuer den „Women in Art Lunch“ – ein von den British Friends of the Art Museums of Israel initiiertes Fundraising-Projekt in London. Diesjähriger Ehrengast war Performance-Pionierin Marina Abramović.

Marina Abramović, Portrait with Black Lamb, 2010 © Marina Abramović; Courtesy Lisson Gallery

Im Juni 2018 wurde die international gefeierte Performance-Künstlerin Marina Abramović beim 18. BFAMI „Women in Art Lunch“ im Londoner Dorchester Hotel geehrt. Dieses 2001 von den British Friends of the Art Museums of Israel (BFAMI) ins Leben gerufene Fundraising-Event würdigt alljährlich bedeutende Künstlerinnen für ihr Werk. In London ansässig, unterstützt die Non-Profit-Organisation die Schulungsprogramme des Art Museum of Israel mit Spenden. Das Dorotheum London unter der Leitung von Martina Batovic hatte bereits im vergangenen Jahr die Veranstaltung zu Ehren von Jenny Holzer unterstützt; 2018 trat man zum zweiten Mal als Hauptsponsor auf.

Vor dem Women in Art Lunch besuchten die 350 geladenen Gäste eine Pop-up-Ausstellung ausgewählter Werke Abramovićs im Hotel The Dorchester. Die Schau und der Lunch wurden von 45 Park Lane, Wedgwood, der Lisson Gallery und dem venezianischen Luxury Collection Hotel Danieli unterstützt.

Maïa Morgensztern, Leiterin des BFAMI-Kulturprogramms und Chefredakteurin von CULTURE ALT.com, sprach mit Marina Abramović über Performancekunst, den Mangel an Künstlerinnen und über Projekte, für die Abramović in Erinnerung bleiben will.

In vielen Ihrer Arbeiten setzen Sie sich mit der Rolle der Frau auseinander. So haben Sie in „Art Is Beautiful, Artist Must Be Beautiful“ ebendiese titelgebende Phrase skandiert und sich dabei energisch das Haar gekämmt. Dass Sie immer wieder als Feministin bezeichnet werden, stört Sie dennoch. Warum?

Mir ist es sehr wichtig zu zeigen, dass ich zwar – jawohl – eine Frau, vor allem aber Künstlerin bin. Mein Frau-Sein spielt für meine Kunst keine Rolle, weil Kunst kein Geschlecht hat. Genau das ist der Punkt an Kunst: dass sie geschlechtsneutral ist. Ob transgender, lesbisch, schwul oder afroamerikanisch … all das ist irrelevant. Es zählt nur, ob Kunst gut oder schlecht ist. Natürlich bleibe ich auch als Künstlerin Frau; natürlich ist die weibliche Energie unglaublich wichtig. Aber man muss keine Feministin sein, um für etwas einzustehen. Wir Frauen sind von Natur aus mächtig. Wir können in unserem Körper neues Leben schaffen – gibt es Kraftvolleres? Wir dürfen bloß nicht schwach sein oder den Männern erlauben, uns zu beherrschen. Wir sind die Stärkeren, und wenn wir uns diese Rolle nehmen lassen, sind wir selbst schuld.

Haben nicht doch auch die Männer Schuld? Gehören sie erzogen?  

Nein, sie sind schuldlos. Wir Frauen haben sie zu ihren Fehlern erzogen. Sehen Sie sich doch an, wie Italiener mit ihren Kindern umgehen: Die Frauen sind Sklavinnen ihrer Söhne, verehren sie wie Götter. Das Muster wiederholt sich, wenn Mädchen heiraten, und so perpetuiert sich ihre Kultur immerfort.

Gibt es Hoffnung auf einen Wandel? Können wir unseren Söhnen beibringen, anders zu sein?

Nein, es sei denn, wir ändern uns selbst. Das Problem sind wir. Wir Frauen sind stärker als alle Männer dieser Welt. Wir sind es, die die Welt beherrschen – wir haben es bloß vergessen. Wenn wir die Männer ändern wollen, müssen wir uns wieder unserer eigenen Kraft besinnen.

Gibt es eine bestimmte Arbeit, für die Sie in Erinnerung bleiben wollen?

Ich möchte doch sehr hoffen, dass man mich für vieles in Erinnerung behalten wird! (Lacht.) Ich war es, die Performancekunst vor den Vorhang geholt und sie breitenwirksam gemacht hat. Dafür habe ich 50 Jahre gebraucht. Die Performancekünstler meiner Generation treten nicht mehr auf; die meisten von ihnen haben schon in den 1970ern aufgegeben. Die zweite Sache, für die ich im Gedächtnis bleiben will, ist meine Langzeit-Performance „The Artist Is Present“. Und schließlich die „Re-Performance“. Nur diese drei Dinge, das wär’s.

 

Cover: Marina Abramovic, The Cleaner, 2017, Copyright Marina Abramovic, Courtesy Lisson Gallery, Photographer Dawn Blackman

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