Rennsport-Rockstars: Spyder, Aprilia & Carrera

Bei der Auktion „Klassische Fahrzeuge und Automobilia“ am 23. Juni im Dorotheum Wien Vösendorf kulminieren Größen des Rennsports, brachiale PS, ikonische Designs und zeitlose Eleganz zu einer beachtlichen Ausstellung motorisierter Geschichte. Maserati Mistral Spyder 3700 Lancia Aprilia und der Porsche 911 Carrera RS dröhnen neuen Besitzern entgegen. Ein legendäres Trio mit Renn- und Filmerfahrung.

Vom Mistral zum Spyder

Der berühmte Automobildesigner Pietro Frua zeichnete eine Karosserie von außergewöhnlicher Form und Linie. Insbesondere die Glaskuppelheckklappe galt 1963 als „anders“ und „gewöhnungsbedürftig“. Heute zählt der Mistral jedoch zu den schönsten und raffiniertesten Entwürfen von Frua und auch Maserati. Ein Jahr später folgte mit dem Mistral Spyder die offene Ausführung, bei dem Giovanni Michelotti den Entwurf von Frua weiterentwickelt hatte. Auch dem Innenleben des Gefährts verpasste man mit dem Doppelknoten-Reihenzylinder ein deftiges Upgrade: Dieser hat seine Wurzeln im Rennsport und wurde auf einen 4 Liter Hubraum aufgewertet. Bis 1970 wurden nur 125 Stück des Cabrios gefertigt, somit zählt der Maserati Mistral Spyder zu einem der seltensten und begehrtesten Schmuckstücke der Marke!

Laufleistung: 58.122 km), Hubraum: 4.014 ccm/R6, Leistung: 255 PS, Farbe: Schwarz/Hellbraun (Leder), Getriebe: 5-Gang, Papiere: Deutscher Fahrzeugbrief; erzielter Preis EUR 663.800 ,-

Begehrtes Gefährt

Der Mistral Spyder wurde im November 1965 über die römische Niederlassung Sport Auto Roma bestellt: in „Rosso Arcoveggio“ – italienisch für Dunkelrot – mit Conolli-Leder in Biancho. Fünf Monate später wurde der Wagen fertiggestellt und an seine erste Besitzerin, Elisa Menchini, ausgeliefert. Noch im selben Jahr wechselte der Mistral erneut den Besitzer, wobei er auch bei Cineasten begehrt war: Im Film „Scusi, lei è favorevole o contrario?“ flitzte Alberto Sordi mit dem Maserati über die Leinwand.

Ende der 1970erJahre fiel der Spyder in die leidenschaftlichen Hände eines Berliners, der ihn fast 30 Jahre lang behalten sollte. Im Zuge einer umfangreichen Restauration lackierte er das Cabriolet in elegantem Schwarz und versah es mit hellbraunem Leder. Auch der Motor des Spyders wurde gegen das stärkere und begehrte 4-Liter Aggregat getauscht. Er fand in einer der bedeutendsten deutschen Oldtimersammlungen ein neues Zuhause und glänzt heute noch in alter Pracht: Durch die hingebungsvolle Pflege seiner Vorbesitzer und sparsame Nutzung weist der Mistral nach all den Jahren kaum Gebrauchsspuren auf. Er zählt zweifelsohne zu den aufregendsten Cabrios, die je gebaut wurden. Dieses betörend schöne und bestens dokumentierte Exemplar ist geballte Rennsport – Technik im italienischen Maßanzug.

Auf Überholspur

Wie heißt es doch so schön: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. In diesem Fall in Form der Lancia Aprilia Spider Touring, deren anmutige und aerodynamische Kurven den italienischen Rennfahrer Luigi Bellucci bei mehreren Rennen auf die Überholspur gesetzt haben.

1938 Lancia Aprilia Spider Touring; Laufleistung: 49.539 km, Hubraum: 1.352 ccm/V4, Leistung: 63 PS, Farbe: Silber/Rot (Leder), Getriebe: 4-Gang, Papiere: Italienische Fahrzeugpapiere; erzielter Preis EUR 350.200 ,-

Beim Rennen von Brescia nach Rom und wieder zurück im Jahr 1938 düste Bellucci auf seiner Aprilia mit der Startnummer 85 los und kam als Dritter in der Eineinhalbliter-Klasse ins Ziel. Im selben Jahr belegte Bellucci mit seiner Lancia auch noch einen beachtlichen dritten Rang bei der Targa Abruzzi. Für die kommende Saison hauchte Paolo Alberto Paganelli der Aprilia noch mehr Leistung ein, was sich bezahlt machen sollte: Gemeinsam gewannen die beiden die Targa Abruzzi und ließen alle anderen im Staub zurück. Dank weiterer Siege und Podestplätze gewann Luigi Bellucci auf seiner treuen Gefährtin die Eineinhalbliter-Klasse der Italienischen Meisterschaft. Dieser Oldtimer lässt die Herzen von Rennsport – Fans und Sammlern höher schlagen.

Karrieren-Karosse

Wie die meisten großen Romanzen, fand auch Belluccis Rennsport – Liaison mit seiner Lancia 1940 ein abruptes Ende. Beide überstanden den Krieg und setzten ihre Karrieren fort. 1947 fand die Aprilia mit Gino Meschi einen neuen Liebhaber und ging an der Mille Miglia mit der Startnummer 185 ins Rennen. Mit im Schnitt über 130 km/h beförderte sie beide in einen Klassensieg und elften Gesamtrang. Im Jahr darauf stand die Aprilia ein letztes Mal am Start des Rennens aller Rennen: Aldo Bianchi und Sebastiano Arretto führten sie als 26. ins Ziel, gleichbedeutend mit Platz 7. In ihrer Klasse.

In den Folgejahren verschnaufte die Aprilia von ihren brisanten Rennsport – Abenteuern und wechselte mehrmals die Besitzer, ehe sich Mitte der 1950er Jahre ihre Spur verlor. Erst Jahrzehnte später, in den 1990ern, tauchte sie in einer Lancia Sammlung wieder auf. Wer hätte gedacht, dass in dem Rennfahrt-Champion auch schauspielerisches Potential steckt: Sie glänzte noch im selben Jahr in einem Film über Enzo Ferrari.

RS wie Rennsport

Der Porsche 911 Carrera RS ist eines der ersten 500 Homologationsmodelle, also jener Fahrzeuge, die vom Hersteller für die Zulassung zum Motorsport gefertigt werden mussten. Porsche traf 1972 die Entscheidung, einen ebenbürtigen Konkurrenten zu BMW und Ford auf die Rennstrecke zu setzen, nicht ganz unvorbereitet: Das Entwicklungsteam um Wolfgang Berger schöpfte aus dem Vollen, damit war eine Rennsport – Legende geboren: der Carrera RS.

1972 Porsche 911 Carrera RS; Laufleistung: 58.122. km, Hubraum: 2.681 ccm/B6, Motor: 6630259, Farbe: Grand Prix Weiß/Schwarz (Stoff), Getriebe: 5-Gang, Leistung: 210 PS, Papiere: Dänische Fahrzeugpapiere

Mit extra dünnem Blech gebaut, um das Homologationsgewicht möglichst zu drücken, wurde es in Signalgelb mit Sportsitzen, Kopfstützen, einem Sperrdifferenzial, beheizbarer Heckscheibe und 3-Punkt Sicherheitsgurten ausgestattet.

In Professioneller Obhut

Im Laufe der 1980er fand der RS einen würdigen Platz bei Horst Derkum in Mönchengladbach. Der Porsche-Liebhaber und Experte gilt als Koryphäe im Aufbau von Rennwagen und unterhielt jahrelang erfolgreich einen privaten Rennstall. Ein weiterer Sammler streckte die Fühler nach dem Wunderwagen aus, und so landete der RS um 1990 bei Esben Kraen. Dieser holte den Wagen zu sich nach Dänemark, wo er ihn im Zuge einer 4-jährigen Restauration aufpeppte. 20 Jahre lang nahm er mit dem Wagen an zahlriechen Veranstaltungen in ganz Europa teil, bis er ihn schließlich an einen Freund verkaufte. Der aktuell eingebaute Motor basiert auf einem 911/81 Magnesium -Gehäuse und zeugt von der tiefen Hingabe, mit der Esben Kraen seinen RS präpariert hat.

Der Carrera RS ist eine Hommage an den Rennsport, er füllt Bücher genauso wie Träume. Jahrzehntelang war er in den Händen der besten Porsche-Kenner, die ihn hegten und pflegten wie ihr eigenes Kind. Wer weiß, wer sich diesmal seiner annehmen wird, doch eines ist sicher: Der RS hält seine Besitzer auch noch 46 Jahre später in Atem.

AUKTION

Klassische Fahrzeuge
23. Juni 2018, 16 Uhr
Fahrzeug- und Technikzentrum, Wien-Vösendorf

 

Lesen Sie hier mehr über die außergewöhnlichen Oldtimer der Auktion!

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