Anthonis van Dycks Dame mit Geheimnis

Bildnis einer Edeldame mit Papagei

Anthonis van Dyck gilt als der bekannteste und einflussreichste Porträtmaler seiner Zeit. Sein „Bildnis einer Edeldame mit Papagei“ ist einer der Höhepunkte der Dorotheum-Auktion Alte Meister am 23. Oktober und als Neuentdeckung eine kunsthistorische Sensation. Wer die Dargestellte tatsächlich ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

 

Anthonis van Dyck,
Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei,
Öl auf Holz, 121 x 88 cm, Schätzwert € 300.000 – 500.000

Eine Neuentdeckung, eine kunsthistorische Sensation

Das „Bildnis einer Edeldame mit Papagei“ stellt einen wichtigen Neuzugang zum Werkkorpus Anthonis van Dycks dar und ist auch wegen seiner Entstehungszeit von großer Bedeutung: Es wurde während des ersten Antwerpen-Aufenthalts van Dycks von etwa 1615 bis 1621 geschaffen. In dieser wichtigen künstlerischen Entwicklungsphase machte van Dyck sich mit einer auf Porträts spezialisierten Werkstatt selbstständig und arbeitete nebenbei für das Atelier des bedeutendsten europäischen Vertreters großformatiger Historienmalerei, Peter Paul Rubens. Das Gemälde ist in unglaublich gutem Erhaltungszustand.

Möglicherweise erkannte der Meister Peter Paul Rubens das große Talent van Dycks und legte seinem Schützling das Genre Porträtmalerei ans Herz. Vermutlich öffnete Rubens dem aufstrebenden Künstler auch Zutritt zu seinem eigenen Netz potenter Kunden und ermöglichte ihm auf diese Weise, als Porträtist zu reüssieren. Zu van Dycks Kunden zählten bald Königs- und Adelshäuser sowie betuchte Bürger von Rang und Namen aus Kontinentaleuropa und England.

Bereits 1620 wurde er nach England eingeladen und war dort am Hof König Jakobs I. tätig. Von Oktober 1620 bis Februar 1621 blieb van Dyck in England, Ende 1621 brach er nach Italien auf, um sich dort sechs Jahre lang als Porträtmaler zu betätigen. Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen im Juli 1627 wurde er Hofmaler in Brüssel und Den Haag. 1631 begab sich van Dyck auf Einladung König Karls I. abermals nach England, wo er bis zu seinem Tod in London überaus produktiv arbeitete. Im Jahr 1641 starb er als berühmtester und einflussreichster Porträtmaler seiner Zeit.

 

Das Bildnis einer Edeldame

Das prächtige Gemälde „Bildnis einer Edeldame mit Papagei“ zeigt stilistisch eine große Nähe zu van Dycks Porträts der Isabella Bant und der Susanna Fourment mit Tochter. Auch in anderen Werken findet sich die für die Mode der 1620er-Jahre charakteristische Kombination von „Mühlsteinkrause“, Spitzenmanschetten, perlenbesetzter Kopfbedeckung und goldbesticktem Korsett, wie es die Dargestellte trägt.

Doch wer ist die edle Dame?

Bislang ist die Identität der Porträtierten mit Augen von unterschiedlicher Farbe ungeklärt. Die Ringe an den Händen lassen auf einen Gemahl schließen, von dem vermutlich ein bislang unbekanntes Pendant-Gemälde existiert. Vielleicht ist das Gegenstück mit dem Gemahl auch zerstört worden oder verschollen.

Das „Bildnis einer Edeldame mit Papagei“ stand einst im Besitz der historischen Arenberg-Sammlung; danach verliert sich seine Spur. Möglicherweise gehörte die Porträtierte dem Haus Arenberg an. Wir wissen, dass Anthonis van Dyck – wie sein Mentor Peter Paul Rubens – für die Familie Arbeiten anfertigte, allen voran für Albert de Ligne, Fürst von Arenberg und Barbançon.

Rubens war als Knabe Page der Herzogin Margaretha de Ligne-Arenberg gewesen und pflog 1616, als der junge Van Dyck bereits in seinen Diensten stand, engen Kontakt zu Philipp-Karl von Arenberg, Herzog von Aarschot. Derselbe heiratete 1620, fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, ein zweites Mal, und zwar Isabelle Claire de Berlaymont, Comtesse de Lalaing. Vielleicht gab er ja anlässlich dieser Verbindung dieses Bildnis beim jungen Anthonis van Dyck in Auftrag. Handelt es sich bei der Porträtierten um die Comtesse? Wir können nur spekulieren …

Erfahren Sie hier in dem Video mehr zu dem außergewöhnlichen Bild!

AUKTION

Gemälde Alter Meister
23. Oktober 2018, 17 Uhr
Palais Dorotheum Wien

 

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