Vienna Art Week 2018

Vienna Art Week 2018

Die Vienna Art Week verspricht das Paradies

Ist es nun ein viel versprechendes Paradies oder ein Paradies, das versprochen wird?
Von 19. bis 25. November 2018 findet heuer die VIENNA ART WEEK unter dem Motto „Promising Paradise“ statt.

Rund 200 Veranstaltungen wie der performative Interview-Marathon im MAK, Ausstellungseröffnungen, Performances, Sonderführungen, Talks und Diskussionen behandeln die Frage. Zu den spannendsten Gästen der VIENNA ART WEEK zählt die renommierte New Yorker Performance-Spezialistin RoseLee Goldberg, die mit ihren Publikationen die Sicht von Performance-Kunst maßgeblich prägte. Robert Punkenhofer, Künstlerischer Leiter der VIENNA ART WEEK, traf sie vorab zum Gespräch über Performance-Kunst und die Suche nach dem Paradies.

Robert Punkenhofer im Gespräch mit RoseLee Goldberg

RoseLee Goldberg
RoseLee Goldberg, Performa 17
Biennial Hub, 2018
Foto: Paula Court, Courtesy Performa

Robert Punkenhofer: Wie kam es dazu, dass Sie als Kuratorin und Wissenschaftlerin Ihren Schwerpunkt auf Performance-Kunst setzten? Hat ein bestimmter Moment, eine wichtige persönliche Begegnung den Ausschlag dafür gegeben?

RoseLee Goldberg: In Südafrika, wo ich aufwuchs, war der Alltag sehr stark von Musik, vom Körper, von Politik und Gesellschaft geprägt. Ich habe schon sehr früh zu tanzen begonnen, mich auch mit Malerei auseinandergesetzt, und war im Zwiespalt: Tanz oder Malerei? Als ich das Thema meiner Dissertation am Courtauld Institute of Artfestlegen musste, entdeckte ich Oskar Schlemmers Arbeiten über Performance – und fand vollkommene Übereinstimmung. In den 1970ern kam ich nach New York und begann über die Tanzszene zu schreiben. Von da an ergab eins das andere.

Robert Punkenhofer: Vor 40 Jahren erschien Ihr bahnbrechendes Buch über Performance. Wie weit hat sich die Performance-Kunst seither verändert? Und finden sich aktuell Strömungen, die richtungweisend sein könnten?

Robert Punkenhofer
© Florian Rainer

RoseLee Goldberg: Das Buch, das den Bogen von der Performance des beginnenden 20. Jahrhunderts weg spannt, spiegelt den Wandel des kulturellen und politischen Klimas wider. Die Kunst des 20. Jahrhunderts dreht sich weitgehend um Live-Performance. Nehmen wir als Beispiel den Dadaismus, in dem es stets um Sprache und Handlung geht. Performance ist fixer Bestandteil der Geschichte der Kunst; seit der Renaissance haben Künstler live performt. Mein neues Buch über Performance seit der Jahrtausendwende richtet den Blick auf die Szene in Indien und Südafrika. An jedem Ort unterliegen Kunst, Performance, Musik und Klang ganz eigenen Regeln.

Robert Punkenhofer: Die VIENNA ART WEEK steht heuer unter dem Motto „Promising Paradise“. Assoziieren Sie etwas damit – persönlich, künstlerisch, in Bezug auf Performance?

RoseLee Goldberg: Das Paradies erscheint mir als Bruegel’sche oder Bosch’sche Parodie, als fantastische Vision. Obwohl Utopie, kann es doch auch dystopische Wesenszüge tragen. Nichts davon ist statisch, die Vorstellung des Versprechens ist eine immerwährende. Das Paradies steht wohl auch für die Wirklichkeit, in der wir uns tagtäglich wiederfinden. Wir sehnen uns nach mehr Menschlichkeit. Wir schlagen morgens die Augen auf und versuchen, die Welt zu einem empfindsameren, einfühlsameren Ort zu machen.

Robert Punkenhofer: In der Entwicklung der österreichischen Nachkriegskunst spielte der Wiener Aktionismus eine gewichtige Rolle. Welcher Einfluss kam und kommt dem Aktionismus international zu?

RoseLee Goldberg: Der Wiener Aktionismus hat eine bedeutende Stellung in der Geschichte der Kunst und der Politik. Er bringt die Beklommenheit und das große Leid dieser Zeit zum Ausdruck und wird sowohl in der zeitgenössischen Kunst als auch generell stets beispielhaft für ein Werk von besonders starker Symbolkraft stehen.

Robert Punkenhofer ist künstlerischer Leiter der VIENNA ART WEEK, RoseLee Goldberg ist Expertin für Performance-Kunst, Gründungsdirektorin und Chefkuratorin von Performa.

Podiumsdiskussionen im Dorotheum

22. & 23. November 2018

Vienna Art Week 2018

„Das Museum heute – ein internationaler Konzern?“
Do., 22. November 2018, 17.00 – 18.00 Uhr
In englischer Sprache 

„Learning through Art. Künstlerische Aktivität fördert Fantasie und Kreativität“
Do., 22. November 2018, 18.30 – 19.30 Uhr
In deutscher und englischer Sprache 

„Faszination Kunst – der Antrieb des Sammelns. Welche Persönlichkeiten stehen hinter Privatsammlungen und weshalb sammeln sie Kunst?“
Fr., 23. November 2018, 16.30 – 17.30 Uhr
In deutscher Sprache 

„Kunstmarkt global – über die Zukunft von Kunstkauf, Kunstvermittlung und Kunstmessen im digitalen Zeitalter“
Fr., 23. November 2018, 18.00 – 19.00 Uhr
In englischer Sprache

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