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Čís. položky 306


Weber, Carl Maria v.,


deutscher Komponist, 1786 - 1826. E. B. m. U., Prag, 13. 5. 1814, 1 S., leicht fleckig, Siegelreste, gr.-8vo.

An Giacomo Meyerbeer in Wien (Adresse: Sr. Wohlgebohren. Herrn Herrn Meyerbeer berühmten Tonkünstler und großherzogl. Heßischen Hof und Kammer Compositeur. dermalen zu Wien im Baron Arnsteinschen Comptoir zu erfragen). "Durch H. Barthel habe ich erfahren, daß du noch lebst und zwar in Wien, und auch noch meiner gedenkst, welches mich nach deinem langen Stillschweigen herzlich gefreut hat. Ich weiß wohl, daß man so mit Arbeit überhäuft sein, und so wenig Lust zum Schreiben haben kann, daß es einem, besonders wenn man ohne auffallende Lebens Freigenüße fortduselt, - beinahe unmöglich ist zu schreiben. Aber gefreut hätte es mich doch recht sehr wenn du mir wenigstens auf den Brief wo ich dir die Aufführung deines Oratoriums: Gott und die Natur, so ausführlich berichtete, ein paar Zeilen geantwortet hättest aus denen ich hätte sehen können, daß dir dieses Unternehmen von mir nicht unlieb war. - Ich hatte mir übrigens schon lange wieder vorgenommen dir zu schreiben. Heute veranlaßt mich aber ein höchst schmerzlicher Grund dazu. Ich erhielt gestern Abend einen Brief von H. Reiner aus Darmstadt wo er mir den Tod unseres großen Lehrers Vogler d. 6t Maj früh 1/2 5 Uhr meldet. Ich kann und brauche dir wohl nicht erst zu sagen wie mich dieses erschüttert hat. Friede sey mit seiner Asche, die Welt verliert Großes an ihm, und uns wird sein Andenken stets heilig seyn, denn wie sehr schwinden kleine Flecken im Vergleich seines großen Geistes, am meisten bin ich nun um seine Bibliothek und Manuskripte besorgt. Es sollte mich sehr wundern, wenn er nicht Einen von uns zum Erben seiner Werke gemacht hätte, wahrscheinlich aber wird der Großherzog zugreifen, gib acht wie die Schlingels in der Kunst Welt ihn jetzt vergöttern werden. - Nun auch ein paar Worte von dir und mir. Ich höre du hast eine neue Oper geschrieben, die du in Wien auf das Theater bringst. ich bitte dich im Namen der Direktion sowohl um diese als um Jephta, den wir hoffentlich zu deiner Zufriedenheit geben können, antworte mir sogleich hierüber, denn ich werde wahrscheinlich d. 1. Juni eine Reise nach Leipzig, Gotha, Eger und vielleicht Berlin antreten von der ich erst August zurückkomme. Wie wäre es wenn du dann selbst hierher kämst? Bei mir wohntest und sähest wie es thut und wie es ist wenn Freundeshand etwas mit wahrer Liebe auf die Scene bringt. Meine Gesundheit hat sehr gelitten, deßhalb muß ich ein Baad brauchen. Viel, viel hätte ich dir noch zu sagen, aber ich will diesen Posttag nicht versäumen und kann also nur noch wiederholen daß ich ewig unveränderlich dein dich herzlich liebender Bruder bleibe. Weber“.      Vgl. Complete Works of Carl Maria von Weber. Digital Edition http//weber-gesamtausgabe.de/A040684 (Version 4.2.0 of September 21. 2020), Zugriff 14. 10. 2020.  

Expert: Mag. Andreas Löbbecke Mag. Andreas Löbbecke
+43-1-515 60-389

books@dorotheum.at

30.11.2020 - 16:45

Dosažená cena: **
EUR 4.000,-
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EUR 3.000,-

Weber, Carl Maria v.,


deutscher Komponist, 1786 - 1826. E. B. m. U., Prag, 13. 5. 1814, 1 S., leicht fleckig, Siegelreste, gr.-8vo.

An Giacomo Meyerbeer in Wien (Adresse: Sr. Wohlgebohren. Herrn Herrn Meyerbeer berühmten Tonkünstler und großherzogl. Heßischen Hof und Kammer Compositeur. dermalen zu Wien im Baron Arnsteinschen Comptoir zu erfragen). "Durch H. Barthel habe ich erfahren, daß du noch lebst und zwar in Wien, und auch noch meiner gedenkst, welches mich nach deinem langen Stillschweigen herzlich gefreut hat. Ich weiß wohl, daß man so mit Arbeit überhäuft sein, und so wenig Lust zum Schreiben haben kann, daß es einem, besonders wenn man ohne auffallende Lebens Freigenüße fortduselt, - beinahe unmöglich ist zu schreiben. Aber gefreut hätte es mich doch recht sehr wenn du mir wenigstens auf den Brief wo ich dir die Aufführung deines Oratoriums: Gott und die Natur, so ausführlich berichtete, ein paar Zeilen geantwortet hättest aus denen ich hätte sehen können, daß dir dieses Unternehmen von mir nicht unlieb war. - Ich hatte mir übrigens schon lange wieder vorgenommen dir zu schreiben. Heute veranlaßt mich aber ein höchst schmerzlicher Grund dazu. Ich erhielt gestern Abend einen Brief von H. Reiner aus Darmstadt wo er mir den Tod unseres großen Lehrers Vogler d. 6t Maj früh 1/2 5 Uhr meldet. Ich kann und brauche dir wohl nicht erst zu sagen wie mich dieses erschüttert hat. Friede sey mit seiner Asche, die Welt verliert Großes an ihm, und uns wird sein Andenken stets heilig seyn, denn wie sehr schwinden kleine Flecken im Vergleich seines großen Geistes, am meisten bin ich nun um seine Bibliothek und Manuskripte besorgt. Es sollte mich sehr wundern, wenn er nicht Einen von uns zum Erben seiner Werke gemacht hätte, wahrscheinlich aber wird der Großherzog zugreifen, gib acht wie die Schlingels in der Kunst Welt ihn jetzt vergöttern werden. - Nun auch ein paar Worte von dir und mir. Ich höre du hast eine neue Oper geschrieben, die du in Wien auf das Theater bringst. ich bitte dich im Namen der Direktion sowohl um diese als um Jephta, den wir hoffentlich zu deiner Zufriedenheit geben können, antworte mir sogleich hierüber, denn ich werde wahrscheinlich d. 1. Juni eine Reise nach Leipzig, Gotha, Eger und vielleicht Berlin antreten von der ich erst August zurückkomme. Wie wäre es wenn du dann selbst hierher kämst? Bei mir wohntest und sähest wie es thut und wie es ist wenn Freundeshand etwas mit wahrer Liebe auf die Scene bringt. Meine Gesundheit hat sehr gelitten, deßhalb muß ich ein Baad brauchen. Viel, viel hätte ich dir noch zu sagen, aber ich will diesen Posttag nicht versäumen und kann also nur noch wiederholen daß ich ewig unveränderlich dein dich herzlich liebender Bruder bleibe. Weber“.      Vgl. Complete Works of Carl Maria von Weber. Digital Edition http//weber-gesamtausgabe.de/A040684 (Version 4.2.0 of September 21. 2020), Zugriff 14. 10. 2020.  

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Datum: 30.11.2020 - 16:45
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