Arnulf Rainer für den Wiener Opernball
Charity-Kunstauktion zugunsten von Österreich hilft Österreich
Arnulf Rainer zählt zu den einflussreichsten Vertretern der Gegenwartskunst. Sein übermaltes Gesicht ist zur Ikone der österreichischen Nachkriegskunst geworden. Das Gemälde „Schwarzer Samt, rote Seide“ des im Dezember 2025 verstorbenen Künstlers dient als Plakatsujet des 68. Wiener Opernballs und wird am 19. Februar im Dorotheum im Rahmen der Opernball-Charity-Auktion versteigert. Der Erlös der Auktion kommt, wie auch alle anderen Spenden rund um den Ball, der Hilfsaktion Österreich hilft Österreich zugute. Nähere Informationen finden Sie unter https://www.wiener-staatsoper.at/
Schwarzer Samt, rote Seide – ein Sehpoem
von Helmut Friedel
Mit dem Bildtitel tönen bereits zentrale Botschaften des Festes an: Samt und Seide knistern und schmiegen sich schmeichelnd in die Gedanken an die bevorstehe Feier; sie sprechen nicht allein unser Schauen an, zugleich locken die weichen, feinen Stoffe mehr noch unseren Tastsinn. Arnulf Rainer bringt in seinem Gemälde mit gekurvten Linien einen Schwung von geschmeidiger Körperlichkeit zur Geltung dem zarte, durchscheinende Farbbahnen seidenen Schleiern gleich die Malfläche durchwehen. Ein Fest an Verhüllung und Vorzeigen führt zu dem heiteren Gesamtklang des Bildes.
Täuschen wir uns da? Ist nicht Arnulf Rainer der große Übermaler unter dessen Malattacken die gefundenen Bildideen wieder absacken und verschwinden müssen, um einer weiteren Schicht in der Malhaut zu weichen? Dabei haben wir in der Erinnerung diese Gemälde mit schwarzen, mattglänzenden Oberflächen, die in ihrer melancholischen Stimmung düstere Ahnungen heraufbeschwören. Sie entstanden ab den 1950er Jahren beim Versuch mit dem Überstandenen, Holocaust und Hiroshima, Krieg und Zerstörung und den Ängsten der Gegenwart zurecht zu kommen. Damals 1951 publizierte Rainer eine Fotomappe mit dem Titel „Perspektiven der Vernichtung“. Darin eine Aufzählung von Defiziten – Schweigen, Verlust, Abwesenheit, Tod, das Andere, das Nichts. So tönt es aus den Äußerungen des 22-jährigen Künstlers, der von seinen Ängsten gefangen zu sein scheint und der sich in einer existenzialistischen Welt einzurichten beginnt. Wir sind hier besser beraten, auch die andere Seite zu sehen: Rainer malt seine Farbzudeckungen auch in Rot, Grün und sogar in Weiß. Die Farbe lässt er auch damals nicht aus dem Sinn und demonstriert das den „Proportionen“, die zum Teil aus Buntpapieren geklebt sind.
In der großartigen Erzählung „Das unbekannte Meisterwerk“ (Le chef-d’oeuvre inconnu, 1831) schildert Honoré Balzac das Verschwinden eines Abbildes in der Malerei. Das Bild verglüht gleichsam im Ansturm des Malimpetus in leuchtenden Farben. Schritt für Schritt versinkt das abbildhaft Erkennbare im Farbgewühl. Rainer verfolgt hingegen einen gänzlich anderen Ansatz in seinem Kampf mit der Leere und gegen sie – gegen die Leere, das Nichts, die weiße Fläche.
Ein weiterer Wendepunkt in einer Spirale die Arnulf Rainers Werk nach oben brachte, findet durch die Auseinandersetzung mit der Fotografie statt; ab Ende der 60er Jahre. Es entstehen die Befassungen mit der eigenen Physiognomie durch die Automatenfotos, die nächtens am Wiener Westbahnhof erfolgten. In den Überarbeitungen der vergrößerten Motive entsteht ein völlig neuer Umgang mit dem Abbild. Dieses wird zum Ort und Ausgangspunkt einer neuen Malerei von emotionaler Spannung und vehementer Malgestik. „Als ich einmal bei einem Großphoto über die Wangen malte, brach mir im Malrausch der Pinsel. In der Hast versuchte ich es mit den Händen, schlug, drosch auf die Wange und war fasziniert von der Ohrfeigerei, von den Spuren meiner Handschläge.“ (A.R. 1974)
Zuerst in den Face Farces und in weiteren Verlauf in der „Handmalerei“ entdeckt Rainer immer weitere Möglichkeiten der Farbe vom unmittelbaren Ausdruck von Farbe durch die Finger und die Hand auf dem Malgrund. Die Zudeckungen durch Farbe sind nicht mehr absolut und so schließen sich daran Malereien mit lasierendem, transparentem Farbauftrag an. In den Schleierbildern, zu denen das vorliegende Gemälde „Schwarzer Samt, rote Seide“ (2001) gehört, liegen die Farbtöne so dicht in der Abfolge wie dünn im jeweiligen Auftrag übereinander, dass sie durchscheinend wirken wie echte Schleier aus Gaze. Hier durchweben sich die Linien der Zeichnung mit der Leuchtkraft von Farbe zu einem glücklichen Höhepunkt im Spätwerk des Malers. Glücklich insofern als er sich aus der lastenden Schwere des Frühwerks hin zu lichten Bildern in „Rosa–Rot und Himmel–Blau“ entfalten konnte.
Die Auktion wird vom Dorotheum im Namen und auf Rechnung (Vermittlung) der Caritas Österreich, die treuhändig die Spendenadministration für Hilfsaktionen von Österreich hilft Österreich übernimmt, durchgeführt. Dadurch entsteht eine direkte Vertragsbeziehung zwischen der Caritas Österreich (als treuhändige Vertreterin) und dem Käufer. Es werden keine Gebühren und Zuschläge verrechnet.
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Spendenabsetzbarkeit
Die mit der Einnahme der Spende beauftragte Caritas Österreich ist eine spendenbegünstigte Organisation (Reg. Nr. SO 1126) Bei Kauf eines Werkes bei dieser Auktion besteht die Möglichkeit, 50 % des Kaufpreises als Spende beim Finanzamt geltend zu machen. Für Privatpersonen wird die entsprechende Spendenmeldung beim Finanzamt – mit den gesetzlichen Neuerungen 2017 – von der spendenbegünstigten Organisation vorgenommen. Dafür wird zusätzlich zu Ihrem Namen (wie im Melderegister) auch Ihr Geburtsdatum benötigt. Weitere Informationen Finanzamt/Spendenabsetzbarkeit ab 1. 1. 2017:
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Auktionstermin:
19.02.2026, 16:00
Standort:
Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung:
16.01. – 19.02.2026
Auktionstyp:
Online Auction
19.02.2026, 16:00 -
Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung:
16.01. – 19.02.2026
Auktionstyp:
Online Auction