Friedrich von Amerling zählt zu den herausragendsten Porträtmalern des 19. Jahrhunderts und prägte die österreichische Malerei nachhaltig. Seinen entscheidenden Durchbruch erzielte Amerling mit dem Porträt Kaiser Franz I. Die weite Verbreitung dieses Bildnisses in Form von Druckgrafiken machte ihn schlagartig berühmt und besiegelte seinen gesellschaftlichen Aufstieg – bald wollte alles, was Rang und Namen hatte, von ihm porträtiert werden. Amerling avancierte zum "fashionabelsten" Maler Wiens.
Eine besondere Stellung innerhalb seines Œuvres nimmt jedoch eine Reihe von Bildnissen ein, die weniger auf repräsentative Wirkung als auf psychologische Tiefe abzielen. Diese Charakterstudien verzichten auf schmückendes Beiwerk und bestechen durch ihre Unmittelbarkeit und intime Konzentration auf das Wesentliche. Sie zeugen von Amerlings außerordentlicher Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, Persönlichkeit und Stimmung sensibel einzufangen. Der virtuose Umgang mit Licht und die meisterhaft gesetzten Weißhöhungen verleihen seinen Bildnissen eine besondere Leuchtkraft und Lebendigkeit.
In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Porträts seiner Frau Antonie von Kaltenthaler, Tochter eines pensionierten Hauptmannes, hervorzuheben. Das Paar heiratete 1832 und übersiedelte im Sommer 1840 mit den drei Kindern nach Rom. Dort verstarb Antonie bereits drei Jahre später an einem chronischen Leiden. Amerlings Bildnis seiner Frau am Krankenbett führt die existentielle Bedrohung des bevorstehenden Verlustes eindringlich vor Augen. Wohl in dem Wunsch, ihren Blick über den Tod hinaus festzuhalten, malte Amerling eines ihrer Augen – eine berührende, zutiefst persönliche Geste der Erinnerung.
Sammlung Otto und Renée Schenk
26. Februar 2026, 14 Uhr
Besichtigung
19. – 26. Februar 2026
Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien