Lot Nr. 93


Jean-Michel Picart


(Antwerpen 1600–1682 Paris)
Stillleben mit Blumenkorb und Früchten auf einem skulpturierten Steintisch mit einer mit Gold- und Silberborten besetzten blauen Samtdecke, im Hintergrund Draperien und eine Steinsäule,
Öl auf Leinwand, 115.5 x 159.5 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich das von Guiffrey im Inventar von König Ludwig XIV. beschriebene Gemälde;
J. Kugel, Paris, 1971 (Inserat in der Revue du Louvre, Nr. 3);
Auktion, Christie’s, London, 7. Juli 2000, Lot 45, verkauft für £ 410.750 (als Jean-Michel Picart in Zusammenarbeit mit Willem van Aelst);
Richard Green, London;
Auktion, Sotheby’s, New York, 24. Januar 2008, Lot 55, verkauft für $ 601.000 (als Jean-Michel Picart in Zusammenarbeit mit Willem van Aelst und dann im Auktionssaal korrigiert auf Jean-Michel Picart);
Bernheimer-Colnaghi, München/London;
Privatsammlung, Bayern

Literatur:
M. Faré, Le Grand Siècle de la Nature Morte en France, Le XVIIe Siècle, Genf 1974, S. 97, mit Abb.

Wir danken Fred Meijer für die Rückbestätigung, dass es sich bei dem vorliegenden Gemälde um ein zur Gänze eigenhändiges Werk Jean-Michel Picarts handelt. Es ist in der Datenbank des RKD unter Nr. 71903 registriert.

Dieses prachtvolle Stillleben ist eines der schönsten Beispiele im Schaffen von Jean-Michel Picart, einem Künstler flämischer Herkunft, der im Paris des Grand Siècle eine Vorrangstellung einnahm. Fred Meijer hat das großformatige Gemälde einst ihm und Willem van Aelst (1627 – um 1683), einem Maler aus Delft, der von 1645 bis 1649 in Frankreich lebte, als Gemeinschaftswerk zugeschrieben. Letzterem wies er das Arrangement aus Pflaumen und Pfirsichen im rechten Bildbereich zu. Als er jedoch das vorliegende Gemälde (das er zunächst nur von einer Fotografie her kannte) im Original sah, schrieb er es zur Gänze Picart zu und erkannte in ihm ein von einem heute im Prinsenhof Museum in Delft aufbewahrten Stillleben van Aelsts aus dem Jahr 1649 (53,5 x 65 cm) inspiriertes Werk. Van Aelsts Stillleben mit der kleinen Schnecke im Zentrum der Komposition und dem zum Teil über den Marmortisch gebreiteten blauen Samttuch ist vom Bildthema her praktisch identisch. In Anbetracht der Datierung von van Aelsts Gemälde datiert Fred Meijer Picarts Stillleben in die frühen 1650er-Jahre.

In dem großartigen Bild des aus Antwerpen stammenden Künstlers zeigt sich seine Fähigkeit, jedes realistische Detail mit akribischer Genauigkeit darzustellen – von den kleinen Schönheitsfehlern der Pfirsichhaut und den welk gewordenen Blättern bis hin zu dem kostbaren über den Tisch gebreiteten Tuch und den Vorhängen im Hintergrund. Das Gemälde lässt zudem die für die flämische Bildtradition typische penible Detailfreude erkennen, gleichzeitig aber auch die im Paris Ludwigs XIV. herrschende Vorliebe für die üppige Natur. Picart wurde ob seiner Talente so sehr bewundert, dass Félibien ihn in die Liste der „Noms des peintres les plus celebres et les plus connus anciens at modernes“ (A. Felibien, Entretiens sur les vies et sur les ouvrages des plus excellents peintres anciens et modernes, Paris 1666–1668) aufnahm.

Diese Wertschätzung wird auch durch den Erfolg seiner Stillleben in der zweiten Hälfte der 17. Jahrhunderts belegt. Sie waren bei französischen Sammlern und selbst beim Sonnenkönig, der den Künstler in den 1670er-Jahren zum Hofmaler ernannte, überaus begehrt. Zahlreiche Werke des flämischen Malers befanden sich in den königlichen Palästen in Versailles und Marly, wie aus einem zeitgenössischen Inventar hervorgeht. Darin wird auch ein Stillleben erwähnt, das mit dem vorliegenden Gemälde identifiziert werden kann.

25.04.2017 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 393.400,-
Schätzwert:
EUR 120.000,- bis EUR 160.000,-

Jean-Michel Picart


(Antwerpen 1600–1682 Paris)
Stillleben mit Blumenkorb und Früchten auf einem skulpturierten Steintisch mit einer mit Gold- und Silberborten besetzten blauen Samtdecke, im Hintergrund Draperien und eine Steinsäule,
Öl auf Leinwand, 115.5 x 159.5 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich das von Guiffrey im Inventar von König Ludwig XIV. beschriebene Gemälde;
J. Kugel, Paris, 1971 (Inserat in der Revue du Louvre, Nr. 3);
Auktion, Christie’s, London, 7. Juli 2000, Lot 45, verkauft für £ 410.750 (als Jean-Michel Picart in Zusammenarbeit mit Willem van Aelst);
Richard Green, London;
Auktion, Sotheby’s, New York, 24. Januar 2008, Lot 55, verkauft für $ 601.000 (als Jean-Michel Picart in Zusammenarbeit mit Willem van Aelst und dann im Auktionssaal korrigiert auf Jean-Michel Picart);
Bernheimer-Colnaghi, München/London;
Privatsammlung, Bayern

Literatur:
M. Faré, Le Grand Siècle de la Nature Morte en France, Le XVIIe Siècle, Genf 1974, S. 97, mit Abb.

Wir danken Fred Meijer für die Rückbestätigung, dass es sich bei dem vorliegenden Gemälde um ein zur Gänze eigenhändiges Werk Jean-Michel Picarts handelt. Es ist in der Datenbank des RKD unter Nr. 71903 registriert.

Dieses prachtvolle Stillleben ist eines der schönsten Beispiele im Schaffen von Jean-Michel Picart, einem Künstler flämischer Herkunft, der im Paris des Grand Siècle eine Vorrangstellung einnahm. Fred Meijer hat das großformatige Gemälde einst ihm und Willem van Aelst (1627 – um 1683), einem Maler aus Delft, der von 1645 bis 1649 in Frankreich lebte, als Gemeinschaftswerk zugeschrieben. Letzterem wies er das Arrangement aus Pflaumen und Pfirsichen im rechten Bildbereich zu. Als er jedoch das vorliegende Gemälde (das er zunächst nur von einer Fotografie her kannte) im Original sah, schrieb er es zur Gänze Picart zu und erkannte in ihm ein von einem heute im Prinsenhof Museum in Delft aufbewahrten Stillleben van Aelsts aus dem Jahr 1649 (53,5 x 65 cm) inspiriertes Werk. Van Aelsts Stillleben mit der kleinen Schnecke im Zentrum der Komposition und dem zum Teil über den Marmortisch gebreiteten blauen Samttuch ist vom Bildthema her praktisch identisch. In Anbetracht der Datierung von van Aelsts Gemälde datiert Fred Meijer Picarts Stillleben in die frühen 1650er-Jahre.

In dem großartigen Bild des aus Antwerpen stammenden Künstlers zeigt sich seine Fähigkeit, jedes realistische Detail mit akribischer Genauigkeit darzustellen – von den kleinen Schönheitsfehlern der Pfirsichhaut und den welk gewordenen Blättern bis hin zu dem kostbaren über den Tisch gebreiteten Tuch und den Vorhängen im Hintergrund. Das Gemälde lässt zudem die für die flämische Bildtradition typische penible Detailfreude erkennen, gleichzeitig aber auch die im Paris Ludwigs XIV. herrschende Vorliebe für die üppige Natur. Picart wurde ob seiner Talente so sehr bewundert, dass Félibien ihn in die Liste der „Noms des peintres les plus celebres et les plus connus anciens at modernes“ (A. Felibien, Entretiens sur les vies et sur les ouvrages des plus excellents peintres anciens et modernes, Paris 1666–1668) aufnahm.

Diese Wertschätzung wird auch durch den Erfolg seiner Stillleben in der zweiten Hälfte der 17. Jahrhunderts belegt. Sie waren bei französischen Sammlern und selbst beim Sonnenkönig, der den Künstler in den 1670er-Jahren zum Hofmaler ernannte, überaus begehrt. Zahlreiche Werke des flämischen Malers befanden sich in den königlichen Palästen in Versailles und Marly, wie aus einem zeitgenössischen Inventar hervorgeht. Darin wird auch ein Stillleben erwähnt, das mit dem vorliegenden Gemälde identifiziert werden kann.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 25.04.2017 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 15.04. - 25.04.2017


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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