Lot Nr. 66


Giacinto Gimignani


(Pistoia 1606–1681 Rom)
Jakobs Begegnung mit Rahel und Laban,
signiert und datiert unten rechts: Hyacinthus Gemignanus/P... 1653,
Öl auf undoublierter Leinwand, 150 x 214 cm, gerahmt

Mit Spuren eines Rospigliosi-Wappens auf der Rückseite des Keilrahmens.

Provenienz:
wohl ausgeführt für die Familie Rospigliosi;
Europäische Privatsammlung;
dort vom heutigen Besitzer erworben

Die vorliegende Szene stellt eine Begebenheit aus dem Alten Testament dar (Genesis 29, 13–14): die Begegnung Jakobs mit Rahel und Laban am Brunnen, wo Rahel die Schafe ihres Vaters hütete. Jakob verliebte sich in Rahel und bat Laban um ihre Hand. Nach sieben Jahren unbelohnten Dienstes bei Laban sollte er Rahel zur Frau bekommen.

Themen aus dem Alten Testament in unterschiedlichen Formaten begegnen uns im Schaffen Gimignanis immer wieder, vermehrt in den 1630er-Jahren, darunter Rahel verbirgt die Götzenbilder in der Sammlung Corsini in Florenz, ein mit HYACINTHUS GIMIGNANUS PISTORIENISIS. A.S. 1638 signiertes und datiertes Gemälde (248 x 349 cm). Wahrscheinlich aus den 1650er-Jahren datiert das im Palazzo Pitti in Florenz befindliche Gemälde Jakob und Rahel am Brunnen, das vermutlich aus Medici-Besitz stammt. Das kleinformatigere Gemälde in Florenz ist allerdings figurenreicher und zeigt eine andere Landschaftsgestaltung. Vergleichbar ist jedoch die Figurenanordnung auf einer Bühne, die noch Pietro da Cortonas Bildkompositionen verwandt ist, zu dessen Schülern Gimignani zu Beginn seiner römischen Zeit (ab 1630) gehörte.
1652 zog Giacinto Gimignani mit seiner Familie nach Florenz, wo er sich bis 1661 aufhielt. In dieser Zeit entstand auch das vorliegende Gemälde. Das auf dem Keilrahmen vorhandene Fragment eines Rospigliosi-Wappens verweist unmittelbar auf einen Auftrag aus Pistoia, der Heimatstadt Gimignanis und dem Geburtsort seines bedeutendsten Mäzens, Giulio Rospigliosi. Nach einer langen kirchlichen Laufbahn ab den 1630er-Jahren in Rom bestieg Giulio 1667 als Clemens IX. den päpstlichen Thron. Sein Pontifikat endete 1669. Während seines Aufenthalts in Florenz malte Gimignani zwischen 1652 und 1654 25 Gemälde mit Themen aus dem Alten und Neuen Testament und der Mythologie. Das beeindruckendste unter ihnen war wohl der Raub der Sabinerinnen für den Familienpalast der Rospigliosi in Pistoia (aufgeteilt zwischen dem Museo Clemente Rospigliosi in Pistoia und der Sammlung der Cassa di Risparmio von Pistoia; Il Palazzo Rospigliosi di Ripa del Sale in una descrizione del 1832, hrsg. von Francesca Rafanelli, Pistoia 2011; Itinerari Rospigliosiani. Clemente IX e la famiglia Rospigliosi, hrsg. von Chiara d’Afflitto und Danilo Romei, Pistoia 2000). Im Vergleich mit der vorliegenden Komposition sind dort die Figuren nahsichtiger gemalt und damit weiter in den Vordergrund gerückt. Die differenziertere Farbgebung ist der zeitgenössischen Florentiner Malerei verpflichtet. Zudem wird das sinnliche Element durch die Darstellung der weiblichen Figuren betont, erzielt durch den Kontrast zwischen den plastisch modellierten Körpern und den sie umspielenden faltenreichen Gewändern. Die von Gimignani verwendete Gebärdensprache entspricht der Rhetorik des zeitgenössischen geistlichen und weltlichen Theaters.

Wir danken Ursula Verena Fischer Pace für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

25.04.2017 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 222.600,-
Schätzwert:
EUR 120.000,- bis EUR 150.000,-

Giacinto Gimignani


(Pistoia 1606–1681 Rom)
Jakobs Begegnung mit Rahel und Laban,
signiert und datiert unten rechts: Hyacinthus Gemignanus/P... 1653,
Öl auf undoublierter Leinwand, 150 x 214 cm, gerahmt

Mit Spuren eines Rospigliosi-Wappens auf der Rückseite des Keilrahmens.

Provenienz:
wohl ausgeführt für die Familie Rospigliosi;
Europäische Privatsammlung;
dort vom heutigen Besitzer erworben

Die vorliegende Szene stellt eine Begebenheit aus dem Alten Testament dar (Genesis 29, 13–14): die Begegnung Jakobs mit Rahel und Laban am Brunnen, wo Rahel die Schafe ihres Vaters hütete. Jakob verliebte sich in Rahel und bat Laban um ihre Hand. Nach sieben Jahren unbelohnten Dienstes bei Laban sollte er Rahel zur Frau bekommen.

Themen aus dem Alten Testament in unterschiedlichen Formaten begegnen uns im Schaffen Gimignanis immer wieder, vermehrt in den 1630er-Jahren, darunter Rahel verbirgt die Götzenbilder in der Sammlung Corsini in Florenz, ein mit HYACINTHUS GIMIGNANUS PISTORIENISIS. A.S. 1638 signiertes und datiertes Gemälde (248 x 349 cm). Wahrscheinlich aus den 1650er-Jahren datiert das im Palazzo Pitti in Florenz befindliche Gemälde Jakob und Rahel am Brunnen, das vermutlich aus Medici-Besitz stammt. Das kleinformatigere Gemälde in Florenz ist allerdings figurenreicher und zeigt eine andere Landschaftsgestaltung. Vergleichbar ist jedoch die Figurenanordnung auf einer Bühne, die noch Pietro da Cortonas Bildkompositionen verwandt ist, zu dessen Schülern Gimignani zu Beginn seiner römischen Zeit (ab 1630) gehörte.
1652 zog Giacinto Gimignani mit seiner Familie nach Florenz, wo er sich bis 1661 aufhielt. In dieser Zeit entstand auch das vorliegende Gemälde. Das auf dem Keilrahmen vorhandene Fragment eines Rospigliosi-Wappens verweist unmittelbar auf einen Auftrag aus Pistoia, der Heimatstadt Gimignanis und dem Geburtsort seines bedeutendsten Mäzens, Giulio Rospigliosi. Nach einer langen kirchlichen Laufbahn ab den 1630er-Jahren in Rom bestieg Giulio 1667 als Clemens IX. den päpstlichen Thron. Sein Pontifikat endete 1669. Während seines Aufenthalts in Florenz malte Gimignani zwischen 1652 und 1654 25 Gemälde mit Themen aus dem Alten und Neuen Testament und der Mythologie. Das beeindruckendste unter ihnen war wohl der Raub der Sabinerinnen für den Familienpalast der Rospigliosi in Pistoia (aufgeteilt zwischen dem Museo Clemente Rospigliosi in Pistoia und der Sammlung der Cassa di Risparmio von Pistoia; Il Palazzo Rospigliosi di Ripa del Sale in una descrizione del 1832, hrsg. von Francesca Rafanelli, Pistoia 2011; Itinerari Rospigliosiani. Clemente IX e la famiglia Rospigliosi, hrsg. von Chiara d’Afflitto und Danilo Romei, Pistoia 2000). Im Vergleich mit der vorliegenden Komposition sind dort die Figuren nahsichtiger gemalt und damit weiter in den Vordergrund gerückt. Die differenziertere Farbgebung ist der zeitgenössischen Florentiner Malerei verpflichtet. Zudem wird das sinnliche Element durch die Darstellung der weiblichen Figuren betont, erzielt durch den Kontrast zwischen den plastisch modellierten Körpern und den sie umspielenden faltenreichen Gewändern. Die von Gimignani verwendete Gebärdensprache entspricht der Rhetorik des zeitgenössischen geistlichen und weltlichen Theaters.

Wir danken Ursula Verena Fischer Pace für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 25.04.2017 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 15.04. - 25.04.2017


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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