Lot Nr. 743


Pier Paolo Calzolari *


(Bologna 1943 geb.)
Ohne Titel, 1970, auf der Rückseite signiert und datiert Calzolari 1970, Blei und Kerze auf Karton, 103 x 72 x 8 cm

Fotozertifikat vom Künstler signiert.

Die Registrierung des vorliegenden Lots bei der Fondazione Calzolari wurde beantragt.

Provenienz:
Giovanni und Gian Ruggero Manzoni
Sammlung Fiorentini, Rom
Poleschi Casa d’Aste, Mailand, 15. Mai 2013, Lot 234
Europäische Privatsammlung

Calzolari wurde 1943 in Bologna geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in der segensreichen Lagunenstadt, eingehüllt von ihren untastbaren Atmosphären und geheimnisvollen Lichtern der Gemälde Giorgiones. Ab 1965 beginnt er durch die Welt zu reisen (Bologna, Paris, New York, Berlin, Mailand, Wien, Kreta, Marokko…) auf der Suche nach dem idealen Ort, um seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit und sein plastisches Vokabular weiterzuentwickeln.
Die unterschiedlichen, künstlerischen Verfahren, die er sich aneignet – Skulptur, Malerei, Performance, Installation, Video – macht es nicht leicht, das Werk Calzolaris genau zu umschreiben, auch wenn er normalerweise der Arte Povera Bewegung zugeordnet wird. Obwohl seine Schrift La Casa Ideale zu einem der Schlüsselwerke der von Germano Celant theoretisch initiierten Bewegung gehört, kennt Calzolari niemanden der Arte Povera (mit Ausnahme von Pascali, Pistoletto und Paolini), bis er von dem Turiner Galleristen Gian Enzo Sperone (einem Verfechter der Arte Povera) angeworben wird, der seine Werke 1970 in einer Ausstellung in Bologna kennenlernte.
1972 gingen dann die Vorstellungen dieser Künstler auseinander und verliefen auf parallelen, aber doch getrennten, Wegen und so verlief es auch für Calzolari, dessen Werk – gerade nicht repetitiv und voraussehbar – sich nicht auf vorgegebene Schemata zurückführen lässt.
Wie viele andere Kollegen der Arte Povera gebraucht Calzolari natürliche, ephemere, zerbrechliche Materialien, mit denen er Werke kreiert, deren Poesie nicht in ihrer endgültigen Form liegt, sondern in der Idee die sie evozieren, in dem ursprünglichen Gefühl dem sie entspringen, in der Empfindung die sie auslösen, im vergessenen Traum den sie der Wirklichkeit wiedergeben.
Darüber hinaus betitelte der Künstler selbst eine Werkreihe mit dem eindrücklichen Satz, dem er dem australischen Science-Fiction Autor Arthur Bertam Chandler entliehen hat:
Wenn der Träumer stirbt, was passiert mit dem Traum?
Dass Calzolari diese Materialen für seine Suche nach dem Absoluten gebraucht, zeigt deutlich sein Konzept von Kunst als unaufhörliche Transformation und Veränderung. Das Equilibrium zwischen dieser Recherche und der relativen Welt, die aus zufälligen Ereignissen besteht, ist eine Konstante im Werk des Künstlers, der betont: „Das Gleichbleibende ist absolut kein Teil von mir.“
Und tatsächlich bezeugen seine Werke und Materialien eine immerwährende Bewegung, eine konstante Veränderung (wie letztlich auch unsere eigene Existenz).
Die Poesie seiner Kreationen und die ihr zu Grunde liegende Feinheit seiner Gedanken, neben der Schönheit seiner durch die Wertschätzung der intrinsischen Qualitäten der Materialen erzeugten stilistischen Lösungen, macht Calzolari zu einem Protagonisten der italienischen und internationalen Kunst der späten 60er Jahre, nah an der Arte Povera sowie an der Konzeptkunst, am amerikanischen Minimalismus, oder an den künstlerischen Entwürfen eines Joseph Beuys.

22.11.2016 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 149.400,-
Schätzwert:
EUR 120.000,- bis EUR 160.000,-

Pier Paolo Calzolari *


(Bologna 1943 geb.)
Ohne Titel, 1970, auf der Rückseite signiert und datiert Calzolari 1970, Blei und Kerze auf Karton, 103 x 72 x 8 cm

Fotozertifikat vom Künstler signiert.

Die Registrierung des vorliegenden Lots bei der Fondazione Calzolari wurde beantragt.

Provenienz:
Giovanni und Gian Ruggero Manzoni
Sammlung Fiorentini, Rom
Poleschi Casa d’Aste, Mailand, 15. Mai 2013, Lot 234
Europäische Privatsammlung

Calzolari wurde 1943 in Bologna geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in der segensreichen Lagunenstadt, eingehüllt von ihren untastbaren Atmosphären und geheimnisvollen Lichtern der Gemälde Giorgiones. Ab 1965 beginnt er durch die Welt zu reisen (Bologna, Paris, New York, Berlin, Mailand, Wien, Kreta, Marokko…) auf der Suche nach dem idealen Ort, um seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit und sein plastisches Vokabular weiterzuentwickeln.
Die unterschiedlichen, künstlerischen Verfahren, die er sich aneignet – Skulptur, Malerei, Performance, Installation, Video – macht es nicht leicht, das Werk Calzolaris genau zu umschreiben, auch wenn er normalerweise der Arte Povera Bewegung zugeordnet wird. Obwohl seine Schrift La Casa Ideale zu einem der Schlüsselwerke der von Germano Celant theoretisch initiierten Bewegung gehört, kennt Calzolari niemanden der Arte Povera (mit Ausnahme von Pascali, Pistoletto und Paolini), bis er von dem Turiner Galleristen Gian Enzo Sperone (einem Verfechter der Arte Povera) angeworben wird, der seine Werke 1970 in einer Ausstellung in Bologna kennenlernte.
1972 gingen dann die Vorstellungen dieser Künstler auseinander und verliefen auf parallelen, aber doch getrennten, Wegen und so verlief es auch für Calzolari, dessen Werk – gerade nicht repetitiv und voraussehbar – sich nicht auf vorgegebene Schemata zurückführen lässt.
Wie viele andere Kollegen der Arte Povera gebraucht Calzolari natürliche, ephemere, zerbrechliche Materialien, mit denen er Werke kreiert, deren Poesie nicht in ihrer endgültigen Form liegt, sondern in der Idee die sie evozieren, in dem ursprünglichen Gefühl dem sie entspringen, in der Empfindung die sie auslösen, im vergessenen Traum den sie der Wirklichkeit wiedergeben.
Darüber hinaus betitelte der Künstler selbst eine Werkreihe mit dem eindrücklichen Satz, dem er dem australischen Science-Fiction Autor Arthur Bertam Chandler entliehen hat:
Wenn der Träumer stirbt, was passiert mit dem Traum?
Dass Calzolari diese Materialen für seine Suche nach dem Absoluten gebraucht, zeigt deutlich sein Konzept von Kunst als unaufhörliche Transformation und Veränderung. Das Equilibrium zwischen dieser Recherche und der relativen Welt, die aus zufälligen Ereignissen besteht, ist eine Konstante im Werk des Künstlers, der betont: „Das Gleichbleibende ist absolut kein Teil von mir.“
Und tatsächlich bezeugen seine Werke und Materialien eine immerwährende Bewegung, eine konstante Veränderung (wie letztlich auch unsere eigene Existenz).
Die Poesie seiner Kreationen und die ihr zu Grunde liegende Feinheit seiner Gedanken, neben der Schönheit seiner durch die Wertschätzung der intrinsischen Qualitäten der Materialen erzeugten stilistischen Lösungen, macht Calzolari zu einem Protagonisten der italienischen und internationalen Kunst der späten 60er Jahre, nah an der Arte Povera sowie an der Konzeptkunst, am amerikanischen Minimalismus, oder an den künstlerischen Entwürfen eines Joseph Beuys.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 22.11.2016 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.11. - 22.11.2016


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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