Lot Nr. 742


Ilya Kabakov


Ilya Kabakov - Zeitgenössische Kunst I

(Dnepropetrowsk/Ukraine 1933 geb. – lebt und arbeitet in New York)
Landschaft mit Barge, auf der Rückseite signiert und betitelt in kyrillischer Schrift und datiert 2002 , Öl auf Leinwand, 89 x 138 cm, in Künstlerrahmen

Provenienz:
Der Künstler
Galerie Michael Kewenig, Köln
Sammlung Harrie van der Moesdijk, Niederlande

Ausgestellt:
Cleveland, Cleveland Museum of Contemporary Art, The Teacher and the Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov, 9. September 2004 – 2. Januar 2005, Ausst.-Kat. Seite 169
Moskau, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin und Garage Zentrum für zeitgenössische Kultur, Ilya & Emilia Kabakov, Retrospektive,
15. September - 18. Oktober 2008, Ausst.-Kat. mit Abb.

Literatur:
Renate Petzinger (Hrsg.), Ilya Kabakov: Catalogue Raisonné, Paintings/Gemälde 1957 – 2008, Bielefeld, 2009, Bd. II, Seite 135, mit Abb.

Ilya Kabakov setzt sich in seinem künstlerischen Werk, das vom Tafelbild bis zu großen Rauminstallationen reicht, mit einer oft lyrischen Intensität kritisch mit der realsozialistischen Gesellschaft seines Heimatlandes und dem Sozialistischen Realismus auseinander. 1933 in der Ukraine geboren, besuchte Ilya Kabakov die Surikov Kunstakademie in Moskau und arbeitet zunächst als Kinderbuchillustrator. 1987 emigrierte er aus der Sowjetunion und lebt derzeit in New York.

Das vorliegende Gemälde Landscape with a barge, 1972 (2002) wurde erstmals 2005 in der Ausstellung The Teacher and the Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov im Contemporary Museum of Modern Art in Cleveland gezeigt. Das Bild war Teil einer riesigen Installation, die eine ‚alternative’ Geschichte der russischen Malerei des 20. Jahrhunderts mit drei imaginären Künstlern vorschlägt: Charles Rosenthal, Ilya Kabakov und Igor Spivak.

Die drei verschiedenen Künstler, die gänzlich der Fantasie Kabakovs entsprungen sind, nehmen darin durch ihre Werke Gestalt an. ‚Ilya Kabakov‘ ist in diesem komplexen Spiel mit der Verdopplung von Identitäten, Stil und Autorschaft als ein Nachfolger Rosenthals konzipiert, der hauptsächlich in den 1970ern aktiv war und durch die Gemälde seines Mentors zu eigenen Arbeiten angeregt wird. Der reale Kabakov fungiert im Rahmen seiner Erfindung als Kurator, der die unbekannten Künstler entdeckt und ihre Kunst kommentiert.
In diesem Zusammenhang äußert er sich im Katalog zur Ausstellung über die Bilder seines Doppelgängers:

„I. Kabakov gehörte einer anderen Generation an, die in der UdSSR aufgewachsen war; einer Generation, die keine „hellen Hoffnungen“ mehr hatte, nicht in der Gegenwart, schon gar nicht für die Zukunft. Deshalb ersetzt er den weißen Raum hinter Rosenthals Gemälden mit einer dunklen, trüben Finsternis. In diesem Raum ist etwas los, es raschelt; es liegt eine Art unendliches, unergründliches Chaos jenseits des feinen Films der sichtbaren Wirklichkeit. Aber unsere Realität versucht, das was man dahinter sehen könnte, von uns zu verbergen und dem Betrachter bleibt bloß ein Gefühl von einer Art Balance zwischen diesen beiden Dingen.“ (Ilya Kabakov: An alternative History of Art : Rosenthal – Kabakov – Spivak, Katalog: Bielefeld: Kerber Verlag, 2005, S. 162)

Das Gemälde Landscape with a barge, 1972 (2002) wird dominiert durch das Aufeinandertreffen der verschiedenen Bildebenen und Realitäten: die atmosphärische, nahezu impressionistisch gehaltene Darstellung der Flusslandschaft, ein typisches Thema der sowjetischen Genremalerei, und die geometrisch abstrakte Form des dunklen Rechtecks, als Referenz an die radikale russische Moderne.

22.11.2016 - 18:00

Schätzwert:
EUR 160.000,- bis EUR 240.000,-

Ilya Kabakov


(Dnepropetrowsk/Ukraine 1933 geb. – lebt und arbeitet in New York)
Landschaft mit Barge, auf der Rückseite signiert und betitelt in kyrillischer Schrift und datiert 2002 , Öl auf Leinwand, 89 x 138 cm, in Künstlerrahmen

Provenienz:
Der Künstler
Galerie Michael Kewenig, Köln
Sammlung Harrie van der Moesdijk, Niederlande

Ausgestellt:
Cleveland, Cleveland Museum of Contemporary Art, The Teacher and the Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov, 9. September 2004 – 2. Januar 2005, Ausst.-Kat. Seite 169
Moskau, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin und Garage Zentrum für zeitgenössische Kultur, Ilya & Emilia Kabakov, Retrospektive,
15. September - 18. Oktober 2008, Ausst.-Kat. mit Abb.

Literatur:
Renate Petzinger (Hrsg.), Ilya Kabakov: Catalogue Raisonné, Paintings/Gemälde 1957 – 2008, Bielefeld, 2009, Bd. II, Seite 135, mit Abb.

Ilya Kabakov setzt sich in seinem künstlerischen Werk, das vom Tafelbild bis zu großen Rauminstallationen reicht, mit einer oft lyrischen Intensität kritisch mit der realsozialistischen Gesellschaft seines Heimatlandes und dem Sozialistischen Realismus auseinander. 1933 in der Ukraine geboren, besuchte Ilya Kabakov die Surikov Kunstakademie in Moskau und arbeitet zunächst als Kinderbuchillustrator. 1987 emigrierte er aus der Sowjetunion und lebt derzeit in New York.

Das vorliegende Gemälde Landscape with a barge, 1972 (2002) wurde erstmals 2005 in der Ausstellung The Teacher and the Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov im Contemporary Museum of Modern Art in Cleveland gezeigt. Das Bild war Teil einer riesigen Installation, die eine ‚alternative’ Geschichte der russischen Malerei des 20. Jahrhunderts mit drei imaginären Künstlern vorschlägt: Charles Rosenthal, Ilya Kabakov und Igor Spivak.

Die drei verschiedenen Künstler, die gänzlich der Fantasie Kabakovs entsprungen sind, nehmen darin durch ihre Werke Gestalt an. ‚Ilya Kabakov‘ ist in diesem komplexen Spiel mit der Verdopplung von Identitäten, Stil und Autorschaft als ein Nachfolger Rosenthals konzipiert, der hauptsächlich in den 1970ern aktiv war und durch die Gemälde seines Mentors zu eigenen Arbeiten angeregt wird. Der reale Kabakov fungiert im Rahmen seiner Erfindung als Kurator, der die unbekannten Künstler entdeckt und ihre Kunst kommentiert.
In diesem Zusammenhang äußert er sich im Katalog zur Ausstellung über die Bilder seines Doppelgängers:

„I. Kabakov gehörte einer anderen Generation an, die in der UdSSR aufgewachsen war; einer Generation, die keine „hellen Hoffnungen“ mehr hatte, nicht in der Gegenwart, schon gar nicht für die Zukunft. Deshalb ersetzt er den weißen Raum hinter Rosenthals Gemälden mit einer dunklen, trüben Finsternis. In diesem Raum ist etwas los, es raschelt; es liegt eine Art unendliches, unergründliches Chaos jenseits des feinen Films der sichtbaren Wirklichkeit. Aber unsere Realität versucht, das was man dahinter sehen könnte, von uns zu verbergen und dem Betrachter bleibt bloß ein Gefühl von einer Art Balance zwischen diesen beiden Dingen.“ (Ilya Kabakov: An alternative History of Art : Rosenthal – Kabakov – Spivak, Katalog: Bielefeld: Kerber Verlag, 2005, S. 162)

Das Gemälde Landscape with a barge, 1972 (2002) wird dominiert durch das Aufeinandertreffen der verschiedenen Bildebenen und Realitäten: die atmosphärische, nahezu impressionistisch gehaltene Darstellung der Flusslandschaft, ein typisches Thema der sowjetischen Genremalerei, und die geometrisch abstrakte Form des dunklen Rechtecks, als Referenz an die radikale russische Moderne.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 22.11.2016 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.11. - 22.11.2016