Lot Nr. 88 -


Jan Brueghel I und Jan Brueghel II und Hendrik van Balen


(Brüssel 1568–1625 Antwerpen) und (Antwerpen 1601–1678) und (Antwerpen 1575–1632)
Blumengirlande um eine Madonna mit Kind,
Öl auf Kupfer, 45,9 x 36,6 cm, gerahmt

Wir danken Klaus Ertz für die Bestätigung der Eigenhändigkeit. Ein schriftliches Gutachten liegt vor (25. August 2016).

Der „Blumenkranz um Maria mit Kind“ ist eines der wenigen Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Jan Brueghel dem Älteren und Jan Brueghel dem Jüngeren der Zeit um 1620 und zeigt zugleich die enge künstlerische Verbindung zwischen Vater und Sohn zu jener Zeit. Während Klaus Ertz die Komposition des Gemäldes als eine Erfindung Jan Brueghel des Älteren betrachtet und auch die meisten Blüten Jan dem Älteren zuschreibt, lassen einzelne Blüten die Teilhabe des jüngeren Brueghel erkennen. Dazu Ertz: „In der Blumenmalerei sind uns aus der Zeit um 1620 einige Beispiele bekannt, die in der Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn Jan Brueghel entstanden sind – was nicht verwundern kann, hat der Sohn doch beim Vater gelernt, bis dieser ihn zu Beginn der 1620er-Jahre auf die obligatorische Italienreise geschickt hat. In diesem überwältigend bunten, farbenprächtig vor dunklem Hintergrund stehenden Blütenkranz kann nur derjenige zwei Malerhände erkennen, der sich jahrzehntelang intensiv mit diesen beiden Malern beschäftigt hat. Obwohl Jan Brueghel d.J. wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit an das väterliche Qualitätsniveau herankommt, sind es gerade die Blumen, die einen Unterschied zwischen diesen beiden erkennen lassen. Dazu gehören z.B.: die rosa Rose links oberhalb des Kopfes der Maria ist meiner Meinung nach ebenso von Jan Brueghel d.J. wie die große rote Blüte links unten, sowie die ebenfalls rote mit dem schwarzen Punkt unten oder die rote Rose rechts neben dem Arm des Jesuskindes. In den meisten Blüten allerdings sehe ich die Hand des Älteren Brueghel, weil sie in einer handwerklichen Qualität gemalt sind, die über die der anderen Blüten hinausgeht.“

Ertz weiter: „Der Erhaltungszustand dieses Gemäldes ist als ganz hervorragend zu bezeichnen. Die Farben des Bildes machen einen leuchtenden und strahlenden Eindruck und sind typisch für die Zeit um 1620, vor der Italienreise des Jan Brueghel d.J. Die übereinanderliegenden in Lasurtechnik aufgetragenen Farbschichten sind in perfektem Zustand erhalten und vermitteln dem Betrachter die für flämische Gemälde so typische, eigentümliche Dreidimensionalität. […] Auf einem indifferent dunklen Untergrund leuchtet ein juwelenhaft bunter hochrechteckig ovaler Blumenkranz dem Betrachter entgegen. Luftumflossen füllt dieser Kranz die Bildfläche nicht vollständig aus, sondern lässt vor allem in den vier Ecken aber auch in den inneren und äußeren Rändern „Luft“ zum atmen. Diese luftige, lockere Raumhaltigkeit der Gesamtkomposition, bestärkt durch das „Schweben“ des inneren Medaillons, das nicht durch irgendeine Halterung fixiert ist, wird übernommen und gestärkt durch eine von Luft durchflossene Binnenstruktur des Kranzes, der, geflochten aus kräftigen dreidimensionalen Blüten und Blattformen, jedem Motiv den ihm zustehenden Freiraum innerhalb des Gesamt-Ensembles zubilligt. Im Medaillon sehen wir Maria als Halbfigur, das nackte Jesuskind im Arm haltend. Maria, gewandet in ein rotes Kleid mit rundem Halsausschnitt und einem über die linke Schulter gelegten blauen Tuch, das auch als Hintergrund für das nach oben zu einer Blume in seiner rechten Hand schauende Kind dient, hat den Kopf im Dreiviertelprofil leicht nach rechts zu dem Kind und der Blume hin geneigt. Ein bräunlicher Heiligenschein umhüllt ihr Haupt, das von einem dünnen braunen Schleier über brünettem Haar umfangen ist. Eine botanische Aufzählung der dargestellten einzelnen Blumen sei einem Biologen vorbehalten. Wir verweisen auf solche Auflistungen, die wir für den Wiener Holzbottich publiziert haben (vgl. Ertz/Nitze-Ertz 2008-10, Band III, S. 33). Der Hinweis hier möge genügen, dass sich in einem wohlabgewogenen Rhythmus um den Kranz große, füllige Formen, hinter denen Rosen aller Formen und Farben, Nelken, Anemonen und Tagetes zu beschreiben sind, Akzente setzen. Die Räume zwischen diesen in Überschneidungen sich räumlich in der Dreidimensionalität eigenwertig behauptenden Großformen werden gefüllt mit einer kaum überschaubaren Anzahl von Stängelchen, Blättern und „Füll-Blumen“ in den Farben rot, blau, gelb und weiß, so dass sich zwangsläufig der Eindruck von Vielfältigkeit bis zum manieristisch wirkenden Überfluss und Reichtum einstellt.“

Klaus Ertz, der als den Urheber der Figuren der Madonna und Kind Hendrick van Balen identifiziert, vergleicht die vorliegende Komposition mit den folgenden Gemälden:

„Madonna im Blumenkranz“
Geraardsbergen, St. Adreaansmuseum, Inv.Nr. 5503
Holz, 74 x 62 cm
Jan Brueghel d.J., Jan Brueghel d.Ä., Frans Francken d.J.
vorgeschlagene Datierung: um 1620
Literatur: Ertz/NitzeErtz 2008-10, Band III, Kat. 466 mit Ft.

„Blumengirlande mit Muttergottes und Kind“
Sermentizon, Château d’Aulteribe
Holz, 114 x 74 cm
Jan Brueghel d.Ä., Jan Brueghel d.J.
vorgeschlagene Datierung: 1620-22
Literatur: ebenda Kat. 467 mit Ft.

“Blumenkranz mit Madonna”
Madrid, Museo del Prado, Inv.Nr. 1416
Holz, 48 x 41 cm
Jan Brueghel d.Ä., Hendrick van Balen
Vorgeschlagene Datierung: um 1621
Literatur: ebenda Kat. 468 mit Ft.

„Blumen- und Früchtekranz um Madonna mit Kind“
Privatbesitz, Schweiz
Holz, 55 x 45 cm
Jan Brueghel d.Ä., Jan Brueghel d.J., Hendrick van Balen
Vorgeschlagene Datierung: um 1621
Literatur: ebenda Kat. 469 mit Ft.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

18.10.2016 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 68.275,-
Schätzwert:
EUR 30.000,- bis EUR 40.000,-

Jan Brueghel I und Jan Brueghel II und Hendrik van Balen


(Brüssel 1568–1625 Antwerpen) und (Antwerpen 1601–1678) und (Antwerpen 1575–1632)
Blumengirlande um eine Madonna mit Kind,
Öl auf Kupfer, 45,9 x 36,6 cm, gerahmt

Wir danken Klaus Ertz für die Bestätigung der Eigenhändigkeit. Ein schriftliches Gutachten liegt vor (25. August 2016).

Der „Blumenkranz um Maria mit Kind“ ist eines der wenigen Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Jan Brueghel dem Älteren und Jan Brueghel dem Jüngeren der Zeit um 1620 und zeigt zugleich die enge künstlerische Verbindung zwischen Vater und Sohn zu jener Zeit. Während Klaus Ertz die Komposition des Gemäldes als eine Erfindung Jan Brueghel des Älteren betrachtet und auch die meisten Blüten Jan dem Älteren zuschreibt, lassen einzelne Blüten die Teilhabe des jüngeren Brueghel erkennen. Dazu Ertz: „In der Blumenmalerei sind uns aus der Zeit um 1620 einige Beispiele bekannt, die in der Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn Jan Brueghel entstanden sind – was nicht verwundern kann, hat der Sohn doch beim Vater gelernt, bis dieser ihn zu Beginn der 1620er-Jahre auf die obligatorische Italienreise geschickt hat. In diesem überwältigend bunten, farbenprächtig vor dunklem Hintergrund stehenden Blütenkranz kann nur derjenige zwei Malerhände erkennen, der sich jahrzehntelang intensiv mit diesen beiden Malern beschäftigt hat. Obwohl Jan Brueghel d.J. wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit an das väterliche Qualitätsniveau herankommt, sind es gerade die Blumen, die einen Unterschied zwischen diesen beiden erkennen lassen. Dazu gehören z.B.: die rosa Rose links oberhalb des Kopfes der Maria ist meiner Meinung nach ebenso von Jan Brueghel d.J. wie die große rote Blüte links unten, sowie die ebenfalls rote mit dem schwarzen Punkt unten oder die rote Rose rechts neben dem Arm des Jesuskindes. In den meisten Blüten allerdings sehe ich die Hand des Älteren Brueghel, weil sie in einer handwerklichen Qualität gemalt sind, die über die der anderen Blüten hinausgeht.“

Ertz weiter: „Der Erhaltungszustand dieses Gemäldes ist als ganz hervorragend zu bezeichnen. Die Farben des Bildes machen einen leuchtenden und strahlenden Eindruck und sind typisch für die Zeit um 1620, vor der Italienreise des Jan Brueghel d.J. Die übereinanderliegenden in Lasurtechnik aufgetragenen Farbschichten sind in perfektem Zustand erhalten und vermitteln dem Betrachter die für flämische Gemälde so typische, eigentümliche Dreidimensionalität. […] Auf einem indifferent dunklen Untergrund leuchtet ein juwelenhaft bunter hochrechteckig ovaler Blumenkranz dem Betrachter entgegen. Luftumflossen füllt dieser Kranz die Bildfläche nicht vollständig aus, sondern lässt vor allem in den vier Ecken aber auch in den inneren und äußeren Rändern „Luft“ zum atmen. Diese luftige, lockere Raumhaltigkeit der Gesamtkomposition, bestärkt durch das „Schweben“ des inneren Medaillons, das nicht durch irgendeine Halterung fixiert ist, wird übernommen und gestärkt durch eine von Luft durchflossene Binnenstruktur des Kranzes, der, geflochten aus kräftigen dreidimensionalen Blüten und Blattformen, jedem Motiv den ihm zustehenden Freiraum innerhalb des Gesamt-Ensembles zubilligt. Im Medaillon sehen wir Maria als Halbfigur, das nackte Jesuskind im Arm haltend. Maria, gewandet in ein rotes Kleid mit rundem Halsausschnitt und einem über die linke Schulter gelegten blauen Tuch, das auch als Hintergrund für das nach oben zu einer Blume in seiner rechten Hand schauende Kind dient, hat den Kopf im Dreiviertelprofil leicht nach rechts zu dem Kind und der Blume hin geneigt. Ein bräunlicher Heiligenschein umhüllt ihr Haupt, das von einem dünnen braunen Schleier über brünettem Haar umfangen ist. Eine botanische Aufzählung der dargestellten einzelnen Blumen sei einem Biologen vorbehalten. Wir verweisen auf solche Auflistungen, die wir für den Wiener Holzbottich publiziert haben (vgl. Ertz/Nitze-Ertz 2008-10, Band III, S. 33). Der Hinweis hier möge genügen, dass sich in einem wohlabgewogenen Rhythmus um den Kranz große, füllige Formen, hinter denen Rosen aller Formen und Farben, Nelken, Anemonen und Tagetes zu beschreiben sind, Akzente setzen. Die Räume zwischen diesen in Überschneidungen sich räumlich in der Dreidimensionalität eigenwertig behauptenden Großformen werden gefüllt mit einer kaum überschaubaren Anzahl von Stängelchen, Blättern und „Füll-Blumen“ in den Farben rot, blau, gelb und weiß, so dass sich zwangsläufig der Eindruck von Vielfältigkeit bis zum manieristisch wirkenden Überfluss und Reichtum einstellt.“

Klaus Ertz, der als den Urheber der Figuren der Madonna und Kind Hendrick van Balen identifiziert, vergleicht die vorliegende Komposition mit den folgenden Gemälden:

„Madonna im Blumenkranz“
Geraardsbergen, St. Adreaansmuseum, Inv.Nr. 5503
Holz, 74 x 62 cm
Jan Brueghel d.J., Jan Brueghel d.Ä., Frans Francken d.J.
vorgeschlagene Datierung: um 1620
Literatur: Ertz/NitzeErtz 2008-10, Band III, Kat. 466 mit Ft.

„Blumengirlande mit Muttergottes und Kind“
Sermentizon, Château d’Aulteribe
Holz, 114 x 74 cm
Jan Brueghel d.Ä., Jan Brueghel d.J.
vorgeschlagene Datierung: 1620-22
Literatur: ebenda Kat. 467 mit Ft.

“Blumenkranz mit Madonna”
Madrid, Museo del Prado, Inv.Nr. 1416
Holz, 48 x 41 cm
Jan Brueghel d.Ä., Hendrick van Balen
Vorgeschlagene Datierung: um 1621
Literatur: ebenda Kat. 468 mit Ft.

„Blumen- und Früchtekranz um Madonna mit Kind“
Privatbesitz, Schweiz
Holz, 55 x 45 cm
Jan Brueghel d.Ä., Jan Brueghel d.J., Hendrick van Balen
Vorgeschlagene Datierung: um 1621
Literatur: ebenda Kat. 469 mit Ft.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 18.10.2016 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 08.10. - 18.10.2016


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.