Lot Nr. 98


Giuseppe Bernardino Bison



(Palmanova 1762–1844 Mailand)

Die Regatta auf dem Canal Grande in Venedig,
Öl auf Leinwand, 58,5 x 78 cm, gerahmt 



Die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes wurde von Fabrizio Magani und Dario Succi bestätigt.

Das vorliegende Gemälde ist das Gegenstück zu Giuseppe Bernardino Bisons Bucintoro an der Mole von San Marco am Himmelfahrtstag (siehe Los 99).

Diese Darstellung eines Festes ist gemeinsam mit ihrem Pendant (Los 99) eine der beliebtesten Ansichten Venedigs, mit denen man Reisenden auf ihrer Grand Tour eine Dokumentation des Glanzes der Serenissima zu bieten suchte. Derart festliche Ereignisse wurden inszeniert, um die Macht und Bedeutung Venedigs zur Schau zu stellen. Bison hatte die Gabe, diese Szenen einzufangen, und wurde damit zum würdigsten Erben der großen venezianischen Tradition der Vedutenmalerei des 18. Jahrhunderts.

Die Regatta wurde seit dem Mittelalter zu Maria Lichtmess während des Karnevals abgehalten. Einige Figuren im Vordergrund tragen die Bauta, das zur Karnevalssaison übliche Kostüm mit weißer Maske und schwarzem Umhang. Das Bootsrennen startete an der Motta di Sant’Antonio und verlief entlang des Canal Grande bis zur Brücke von Santa Croce und dann zurück bis zur Biegung zwischen Palazzo Balbi und Ca' Foscari, wo ein temporärer, von Holzkähnen getragener Aufbau errichtet wurde. Hier erhielten die Sieger ihren Preis und eine bunte Fahne. Im vorliegenden Gemälde setzt Bison das Rennen in Szene; der Aufbau mit Säulen auf hohen Sockeln erscheint links. Der Künstler stellt hier mit dem auf einen Fluchtpunkt zulaufenden Blick auf die farbenprächtig geschmückten Paläste und mit der Wiedergabe der auf das Spektakel zuströmenden Menschenmengen seine szenografischen Fähigkeiten unter Beweis. Damit gelingt es ihm, die allgemeine Festtagsstimmung zu evozieren.

Das vorliegende Werk ist zwar von Canaletto inspiriert, doch erscheint der Pinselstrich fließender und flüssiger; man erkennt kleine, fleckenartig gesetzte Glanzlichter, wobei durch den Einsatz der Farbe ein Raumgefühl zum Fluchtpunkt hin erzeugt wird, an dem die Rialtobrücke auszumachen ist. Antonio Visentini fertigte eine Serie von Radierungen auf Grundlage von Canalettos Gemälden an, die sich in der Sammlung von Konsul Smith, einem berühmten Sammler und Kunsthändler, befanden. Diese Druckgrafiken erschienen 1742 im Ansichtenwerk Urbis Venetiarum Prospectus Celebriores. Das vorliegende Gemälde weist Ähnlichkeiten mit Tafel XIII, aber auch mit anderen Werken Canalettos auf, etwa der Regatta auf dem Canal Grande in der National Gallery in London. Das Thema wurde seit dem 17. Jahrhundert weiterentwickelt und stellt eine bedeutende Tradition in der Geschichte der venezianischen Malerei dar.

Das große Zeitalter der venezianischen Vedute bildete den Bezugspunkt für den im Friaul geborenen Künstler Giuseppe Bernardino Bison, der in den 1780er-Jahren an der Accademia in Venedig ausgebildet wurde. Er erlernte die Perspektivmalerei von dem angesehenen Bühnenbildner und Maler Antonio Mauro, dessen Lehre für die zahlreichen Freskendekorationen, die Bison später in vielen Privatpalästen in Norditalien schuf, richtungsweisend werden sollte. In Venedig stieß Bison auch auf die großen Vertreter der venezianischen Maltradition, darunter Francesco Guardi, Giandomenico Tiepolo und Pietro Longhi, sowie auf spätere Meister wie Giambattista Tiepolo, Marieschi, die Ricci und natürlich Canaletto.

In der klassizistischen Ära – einer Zeit des kulturellen Umbruchs – blieb Bison dem venezianischen Erbe treu und widmete sich zahlreichen Genres, die aus der Glanzzeit des 18. Jahrhunderts überliefert worden waren: Landschaften, Architekturcapriccios, mythologischen Szenen und vor allem topografischen Ansichten, für die das vorliegende Werk und sein Gegenstück zu den allerbesten Beispielen zählen.

19.04.2016 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 125.000,-
Schätzwert:
EUR 100.000,- bis EUR 150.000,-

Giuseppe Bernardino Bison



(Palmanova 1762–1844 Mailand)

Die Regatta auf dem Canal Grande in Venedig,
Öl auf Leinwand, 58,5 x 78 cm, gerahmt 



Die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes wurde von Fabrizio Magani und Dario Succi bestätigt.

Das vorliegende Gemälde ist das Gegenstück zu Giuseppe Bernardino Bisons Bucintoro an der Mole von San Marco am Himmelfahrtstag (siehe Los 99).

Diese Darstellung eines Festes ist gemeinsam mit ihrem Pendant (Los 99) eine der beliebtesten Ansichten Venedigs, mit denen man Reisenden auf ihrer Grand Tour eine Dokumentation des Glanzes der Serenissima zu bieten suchte. Derart festliche Ereignisse wurden inszeniert, um die Macht und Bedeutung Venedigs zur Schau zu stellen. Bison hatte die Gabe, diese Szenen einzufangen, und wurde damit zum würdigsten Erben der großen venezianischen Tradition der Vedutenmalerei des 18. Jahrhunderts.

Die Regatta wurde seit dem Mittelalter zu Maria Lichtmess während des Karnevals abgehalten. Einige Figuren im Vordergrund tragen die Bauta, das zur Karnevalssaison übliche Kostüm mit weißer Maske und schwarzem Umhang. Das Bootsrennen startete an der Motta di Sant’Antonio und verlief entlang des Canal Grande bis zur Brücke von Santa Croce und dann zurück bis zur Biegung zwischen Palazzo Balbi und Ca' Foscari, wo ein temporärer, von Holzkähnen getragener Aufbau errichtet wurde. Hier erhielten die Sieger ihren Preis und eine bunte Fahne. Im vorliegenden Gemälde setzt Bison das Rennen in Szene; der Aufbau mit Säulen auf hohen Sockeln erscheint links. Der Künstler stellt hier mit dem auf einen Fluchtpunkt zulaufenden Blick auf die farbenprächtig geschmückten Paläste und mit der Wiedergabe der auf das Spektakel zuströmenden Menschenmengen seine szenografischen Fähigkeiten unter Beweis. Damit gelingt es ihm, die allgemeine Festtagsstimmung zu evozieren.

Das vorliegende Werk ist zwar von Canaletto inspiriert, doch erscheint der Pinselstrich fließender und flüssiger; man erkennt kleine, fleckenartig gesetzte Glanzlichter, wobei durch den Einsatz der Farbe ein Raumgefühl zum Fluchtpunkt hin erzeugt wird, an dem die Rialtobrücke auszumachen ist. Antonio Visentini fertigte eine Serie von Radierungen auf Grundlage von Canalettos Gemälden an, die sich in der Sammlung von Konsul Smith, einem berühmten Sammler und Kunsthändler, befanden. Diese Druckgrafiken erschienen 1742 im Ansichtenwerk Urbis Venetiarum Prospectus Celebriores. Das vorliegende Gemälde weist Ähnlichkeiten mit Tafel XIII, aber auch mit anderen Werken Canalettos auf, etwa der Regatta auf dem Canal Grande in der National Gallery in London. Das Thema wurde seit dem 17. Jahrhundert weiterentwickelt und stellt eine bedeutende Tradition in der Geschichte der venezianischen Malerei dar.

Das große Zeitalter der venezianischen Vedute bildete den Bezugspunkt für den im Friaul geborenen Künstler Giuseppe Bernardino Bison, der in den 1780er-Jahren an der Accademia in Venedig ausgebildet wurde. Er erlernte die Perspektivmalerei von dem angesehenen Bühnenbildner und Maler Antonio Mauro, dessen Lehre für die zahlreichen Freskendekorationen, die Bison später in vielen Privatpalästen in Norditalien schuf, richtungsweisend werden sollte. In Venedig stieß Bison auch auf die großen Vertreter der venezianischen Maltradition, darunter Francesco Guardi, Giandomenico Tiepolo und Pietro Longhi, sowie auf spätere Meister wie Giambattista Tiepolo, Marieschi, die Ricci und natürlich Canaletto.

In der klassizistischen Ära – einer Zeit des kulturellen Umbruchs – blieb Bison dem venezianischen Erbe treu und widmete sich zahlreichen Genres, die aus der Glanzzeit des 18. Jahrhunderts überliefert worden waren: Landschaften, Architekturcapriccios, mythologischen Szenen und vor allem topografischen Ansichten, für die das vorliegende Werk und sein Gegenstück zu den allerbesten Beispielen zählen.


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 19.04.2016 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 09.04. - 19.04.2016


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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