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Lot Nr. 101


Pietro Longhi


Pietro Longhi - Alte Meister

(Venedig 1700/02–1785)
Gruppenbildnis einer Familie in einem Interieur,
Öl auf Leinwand, 62 x 48,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Paris;
europäische Privatsammlung

Literatur:
E. Martini, La pittura del settecento veneto, Venedig 1982, S. 545, Abb. 277

Wir danken Bernard Aikema, der die Zuschreibung nach Untersuchung des vorliegenden Gemäldes im Original bestätigt hat.

Pietro Longhi war ein Schüler Antonio Balestras und scheint erstmals 1737 in der Fraglia (der venezianischen Malergilde) auf. Zu dieser Zeit entfernte er sich von den großen Historiengemälden und wandte sich jenen kleinformatigen Genrebildern zu, für die er Berühmtheit erlangt hat (siehe Oxford Art Dictionary). Das Fehlen datierter Werke in seinem gesamten Oeuvre erschwert eine chronologische Rekonstruktion seines Schaffens, doch ist man sich allgemein einig, dass seine frühesten Werke dieser Art Szenen aus dem bäuerlichen Leben wie Die Polentazubereitung im Ca’ Rezzonico in Venedig sind. Aus dem Jahr 1741 stammen Longhis signiertes und datiertes Gemälde Das Konzert in der Accademia in Venedig, eine in der venezianischen Aristokratie angesiedelte Interieurszene, sowie dem Zeitgeschmack entsprechende Interieurs wie Das Konzert oder Die Vorstellung im Pariser Louvre, wo beinahe alle Figuren des Bildgeschehens zumindest zum Teil von holländischen Genrebildern des 17. Jahrhunderts angeregt sind, welche man im Venedig des 18. Jahrhunderts sammelte.

Auch ab den 1740er-Jahren malte Longhi venezianische Interieurs wie das vorliegende Gemälde: kleine Formate, die zumeist nur eine Wand und selten Fenster beinhalten. Sie sind in klaren, reinen Farben gemalt und lassen eine große Aufmerksamkeit für Stofflichkeit erkennen, wobei die Oberflächen gelegentlich von flackernden Farbtupfern belebt werden. Dass die Puppenhaftigkeit der Figuren ein bewusster Manierismus ist, belegen nicht nur die früheren Historienbilder des Künstlers, sondern auch seine zahlreich erhaltenen Zeichnungen. In diesen hervorragenden Beispielen der Zeichenkunst fängt Longhi mühelos die Gesten und Gesichtszüge seiner Figuren ein, von denen er manche am lebenden Modell studiert hat. Er zeichnete in schwarzer Kreide oder Bleistift mit Höhungen in weißer Kreide oder in einem hellen Braun auf braunem oder blaugrauem Papier. Als fähiger Zeichner unterrichtete er bis 1780 an der Aktklasse der Accademia dei Pittori und war Gründungsdirektor der Akademie für Zeichnung und Druckgrafik im Palazzo Pisani.

Martini datierte das vorliegende Gemälde zwischen 1770 und 1780 (siehe Literatur). In seiner Reifezeit schuf Longhi sowohl bäuerliche Szenen als auch Interieurs aus dem Adelsmilieu. Longhi war zu seinen Lebzeiten äußerst beliebt; man feierte ihn als herausragenden Naturbeobachter, den man wohlwollend mit Tiepolo verglich. In einer Gesellschaft, die beständig auf ihre vergangene Größe zurückblickte und deren zeitgenössische Kunst nahezu zur Gänze aus Allegorien bestand, waren Longhis Szenen aus dem Leben des 18. Jahrhunderts eine Novität. Sein Schaffen wird ob seiner reizvollen puppenartigen Interieurs, wie es auch das vorliegende Gemälde darstellt, nach wie vor sehr geschätzt. Seine Bilder beinhalten viele Einzelheiten, darunter heute unerkannte Porträts, die zweifellos Teil der Attraktion dieser Werke waren. Es wohnt ihnen zudem eine bestimmte, heute nicht mehr offensichtliche Bedeutung inne, die sie zu einem visuellen Gegenstück der Werke seines Freundes und Bewunderers, des Theaterschriftstellers Carlo Goldoni (1707–1793), machen.

20.10.2015 - 18:00

Schätzwert:
EUR 25.000,- bis EUR 30.000,-

Pietro Longhi


(Venedig 1700/02–1785)
Gruppenbildnis einer Familie in einem Interieur,
Öl auf Leinwand, 62 x 48,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Paris;
europäische Privatsammlung

Literatur:
E. Martini, La pittura del settecento veneto, Venedig 1982, S. 545, Abb. 277

Wir danken Bernard Aikema, der die Zuschreibung nach Untersuchung des vorliegenden Gemäldes im Original bestätigt hat.

Pietro Longhi war ein Schüler Antonio Balestras und scheint erstmals 1737 in der Fraglia (der venezianischen Malergilde) auf. Zu dieser Zeit entfernte er sich von den großen Historiengemälden und wandte sich jenen kleinformatigen Genrebildern zu, für die er Berühmtheit erlangt hat (siehe Oxford Art Dictionary). Das Fehlen datierter Werke in seinem gesamten Oeuvre erschwert eine chronologische Rekonstruktion seines Schaffens, doch ist man sich allgemein einig, dass seine frühesten Werke dieser Art Szenen aus dem bäuerlichen Leben wie Die Polentazubereitung im Ca’ Rezzonico in Venedig sind. Aus dem Jahr 1741 stammen Longhis signiertes und datiertes Gemälde Das Konzert in der Accademia in Venedig, eine in der venezianischen Aristokratie angesiedelte Interieurszene, sowie dem Zeitgeschmack entsprechende Interieurs wie Das Konzert oder Die Vorstellung im Pariser Louvre, wo beinahe alle Figuren des Bildgeschehens zumindest zum Teil von holländischen Genrebildern des 17. Jahrhunderts angeregt sind, welche man im Venedig des 18. Jahrhunderts sammelte.

Auch ab den 1740er-Jahren malte Longhi venezianische Interieurs wie das vorliegende Gemälde: kleine Formate, die zumeist nur eine Wand und selten Fenster beinhalten. Sie sind in klaren, reinen Farben gemalt und lassen eine große Aufmerksamkeit für Stofflichkeit erkennen, wobei die Oberflächen gelegentlich von flackernden Farbtupfern belebt werden. Dass die Puppenhaftigkeit der Figuren ein bewusster Manierismus ist, belegen nicht nur die früheren Historienbilder des Künstlers, sondern auch seine zahlreich erhaltenen Zeichnungen. In diesen hervorragenden Beispielen der Zeichenkunst fängt Longhi mühelos die Gesten und Gesichtszüge seiner Figuren ein, von denen er manche am lebenden Modell studiert hat. Er zeichnete in schwarzer Kreide oder Bleistift mit Höhungen in weißer Kreide oder in einem hellen Braun auf braunem oder blaugrauem Papier. Als fähiger Zeichner unterrichtete er bis 1780 an der Aktklasse der Accademia dei Pittori und war Gründungsdirektor der Akademie für Zeichnung und Druckgrafik im Palazzo Pisani.

Martini datierte das vorliegende Gemälde zwischen 1770 und 1780 (siehe Literatur). In seiner Reifezeit schuf Longhi sowohl bäuerliche Szenen als auch Interieurs aus dem Adelsmilieu. Longhi war zu seinen Lebzeiten äußerst beliebt; man feierte ihn als herausragenden Naturbeobachter, den man wohlwollend mit Tiepolo verglich. In einer Gesellschaft, die beständig auf ihre vergangene Größe zurückblickte und deren zeitgenössische Kunst nahezu zur Gänze aus Allegorien bestand, waren Longhis Szenen aus dem Leben des 18. Jahrhunderts eine Novität. Sein Schaffen wird ob seiner reizvollen puppenartigen Interieurs, wie es auch das vorliegende Gemälde darstellt, nach wie vor sehr geschätzt. Seine Bilder beinhalten viele Einzelheiten, darunter heute unerkannte Porträts, die zweifellos Teil der Attraktion dieser Werke waren. Es wohnt ihnen zudem eine bestimmte, heute nicht mehr offensichtliche Bedeutung inne, die sie zu einem visuellen Gegenstück der Werke seines Freundes und Bewunderers, des Theaterschriftstellers Carlo Goldoni (1707–1793), machen.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 20.10.2015 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 10.10. - 20.10.2015