Lot Nr. 32


Seltenes, huf- oder röhrenförmiges Ornament aus grüner Jade


Seltenes, huf- oder röhrenförmiges Ornament aus grüner Jade - Asiatische Kunst

China, Neolithikum, Hongshan-Kultur, Niuheliang-Periode, ca. 3500-3000 v. Chr. H: 16,6 cm; max. D.: 8 cm. (BA)

Dem vorliegenden Objekt liegt ein schriftliches Gutachten (Nr. AA03-01573-01) von Dr. R. Neunteufel, Antique Analytics GmbH, vom 11.4.2003 vor, in dem er schreibt: „Die Befunde zeigen, dass das untersuchte Objekt aus Nephrit besteht. Bis auf eine neuzeitliche Feinpolitur wurden keine Hinweise für eine Bearbeitung der ursprünglichen Oberfläche mit modernen, schnell routierenden Werkzeugen gefunden. Die Oberflächenveränderungen weisen darauf hin, dass das Objekt längere Zeit der Verwitterung ausgesetzt war.“

Wir danken Filippo Salviati, Professor für Chinesische Kunst und Archäologie am Italienischen Institut für Orientalistik der Sapienza-Universität in Rom, für die Begutachtung im Original und die genauere zeitliche und geographische Zuordnung dieses Objektes.

Dieses außergewöhnliche Ornament gehört zu den repräsentativsten Arten von Jadeobjekten, die in den Gräbern der Oberschicht aus der späten Hongshan-Kultur gefunden wurden. Die Hongshan-Kultur erlebte ihre Blüte im jungsteinzeitlichen China etwa zwischen 4500 und 3000 v. Chr. Der Name leitet sich von der Ausgrabungsstätte ab, bei der die Überreste dieser Kultur im frühen 20. Jahrhundert erstmals identifiziert wurden. Die Hongshan-Kultur entwickelte sich in Nordostchina, die Fundstätten verteilen sich über den westlichen Teil der Provinz Liaoning und den Südosten der Inneren Mongolei. Sie war eine der jungsteinzeitlichen Kulturen, die der Jade als Symbol für Status und Autorität ihrer Träger großen Wert beimaß. Und sie bildete die erste komplexe Gesellschaft der prähistorischen Zeit in Nordostchina aus.

Einige der bekanntesten und am umfassendsten ausgegrabenen Fundstätten gehören zur Spätphase dieser Kultur, die etwa zwischen 3650 und 3150 v. Chr. datiert. Dazu zählen eine Reihe von Zeremonialstätten, die sich durch ihre komplexe Architektur und die umfassende Verwendung von Stein auszeichnen, darunter Erdaltäre, erhöhte Plattformen, in den Boden eingetiefte Gebäude und Gräber der Oberschicht mit Steinplatten. Eine der am besten erforschten Zeremonialstätten dieser Art liegt bei Niuheliang im Bezirk Jianping (Provinz Liaoning). Sie ist auch bekannt als Nüshenmiao 女神廟 oder „Tempel der Göttin“, da die Archäologen dort architektonische Strukturen mit Überresten von lebensgroßen Tonfiguren fanden, darunter Teile einer Frauenskulptur mit großem Kopf und Augen aus eingesetzten Steinen mit geringer Härte. Niuheliang muss einer der wichtigsten Ritualplätze gewesen sein und außerdem für eine gewisse Zeit der Bestattungsort bedeutender Personen der Hongshan-Kultur. Ihre Gräber befinden sich in der Nähe der architektonischen Strukturen. Es handelt sich um Steinkistengräber: Steinplatten bilden Boden und Wände, so dass eine Art Sarg entsteht. In den meisten dieser Gräber finden sich als einzige Beigaben Gegenstände aus Jade in verschiedenen Formen, darunter röhrenförmige Ornamente wie das hier vorliegende Stück. Im Hinblick auf Material, Form, Maße und die Techniken des Schnitzens und Polierens kann es den Fundstücken aus den Gräbern der Oberschicht der Hongshan-Kultur von Niuheliang zugeordnet werden.

Diese Art von Jadeobjekten wird auch als mati 马蹄 oder „Pferdehuf“ bezeichnet, weil die Kontur ihres oberen Randes an einen Huf erinnert, während der untere Teil eben ist und einen runden bis leicht ovalen Querschnitt aufweist. Bei diesem Stück wurde die Jade in einem vergleichsweise spitzen Winkel von 35° abgesägt, was den Höhenunterschied zwischen der niedrigeren Vorderseite und der höheren und leicht nach oben und außen geneigten Rückseite betont. Die Vorderseite ist oben abgeflacht und ihre Kontur erscheint von vorn beinahe gerade. Die Rückseite dagegen hat eine leicht gewölbte Kontur. Der Jadetubus ist sehr dünnwandig, sodass das Licht durch den Stein scheint und die natürliche Maserung des Nephrits vom aktinolithischen Typ hervorhebt. Dieses Mineral weist einen Eisengehalt von bis zu 50 % auf, der nicht nur für die grüne Färbung der Jade verantwortlich ist, sondern auch für die dunklen Bereiche und Streifen, die eine schöne Textur ergeben. Zwei kleine Löcher sind an den Hauptscheitelpunkten in den leicht ovalen unteren Rand des Tubus gebohrt und dienten wahrscheinlich der Einführung einer Nadel oder eines Bandes. Diese Löcher sind typisch für Jadeobjekte der Hongshan-Kultur. Ihr äußerer Rand ist stark angeschrägt und weist die gleiche Pferdehuf-Form auf wie das Stück als Ganzes. Solche Löcher finden sich in vielen, wenn auch nicht in allen bekannten Exemplaren dieses Typs und hängen mit der praktischen Funktion des Objekts zusammen. Aufgrund ihrer Lage in den Gräbern herrscht unter Wissenschaftlern die einhellige Vermutung, dass es sich um Haarschmuck handelt. So wurde in Grab 4 von Grabhügel 1 an der Fundstelle 2 von Niuheliang ein ähnliches Jade-Objekt unter dem Schädel der bestatteten Person gefunden (Yang Xiaoneng, Foto auf S. 80). Wahrscheinlich wurden die Haare einfach durch den Jadetubus gezogen, der sie dann zusammenhielt. Anschließend wurde der Schopf mit einer Nadel festgesteckt, die durch die beiden Löcher im unteren Bereich des Tubus geschoben wurde. Die glatten vertikalen Rillen an der Innenseite des Tubus sind ein weiteres Detail, das sich auch an anderen ausgegrabenen Objekten dieses Typs findet. Da die gesamte Fläche und auch die Ränder des Stückes sorgfältig poliert und abgerundet wurden, sodass es sich sehr glatt anfühlt, hatten die Rillen vielleicht lediglich dekorative Funktion und wurden möglicherweise nur in solche Stücke eingearbeitet, die für besondere Personen vorgesehen waren.
Bei der Bearbeitung des Rohmaterials scheinen sie jedenfalls nicht entstanden zu sein. Nachdem das Stück aus dem Block gearbeitet worden war, begann die arbeits- und zeitintensive Aushöhlung.
Dazu bohrte man ein feines Loch der Länge nach durch den Block und sägte ausgehend davon dann den Kern heraus. Die Innenseite und die anderen Jadeflächen wurden anschließend auf Hochglanz poliert, wobei alle sichtbaren Spuren der Rohbearbeitung verschwanden. So wurde aus einem der am schwersten zu bearbeitenden Steine ein leichtes, fast ätherisches Kunstwerk. Die Technik des Aushöhlens ist durch den Fund der Jadekerne dieser Ornamente in einigen Hongshan-Gräbern belegt, etwa aus Grab 15 in Niuheliang (Abbildung bei Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 4).

VERGLEICHBARE EXEMPLARE:

a) Ausgrabungen:
Alle vergleichbaren Beispiele aus Ausgrabungen stammen aus dem Grabungsgebiet von Niuheliang. Bei den wichtigsten Fundstätten handelt es sich um mit Steinen bedeckte Grabhügel über Steingräbern mit Objekten aus Jade als wichtigster, wenn nicht einziger Grabbeigabe:
- Ein Jadetubus aus ähnlichem Material mit ähnlich abgeflachter Vorderseite und ähnlichem Schnittwinkel, 11,5 cm hoch, aus dem Provinzmuseum von Liaoning, findet sich bei Mou Yongkang auf Tafel 3 abgebildet. Als Herkunftsort wird Niuheliang angegeben.
- Ein weiteres röhrenförmiges Ornament mit ähnlicher Kontur, 13,6 cm hoch, wurde in Grab 25, Grabhügel 1, Fundstelle 2 ausgegraben: siehe dazu Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 62.
- Ein drittes Jadestück, 18,6 cm hoch und mit leicht gewölbter Rückseite, Rillen an der Innenseite und zwei Löchern nahe dem unteren Rand wurde in Grab 4, Grabhügel 1, Fundstelle 2 entdeckt: siehe Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 60-61. Eine Abbildung findet sich auch bei Yang Xiaoneng, Kat.-Nr. 11, dort ist das Objekt auch von hinten abgebildet.
- Zwei weitere vergleichbare Exemplare aus Niuheliang, 17,2 und 12,7 cm hoch, stammen aus den Gräbern 2 und 9, Grabhügel 4, Fundstätte 2. Sie sind bei Zhang Shuwei und Li Xiangdong auf S. 59 und 63 wiedergegeben.

b) Öffentliche Sammlungen in Europa und Amerika:
- Zwei ähnliche Objekte aus der Sammlung von Arthur M. Sackler befinden sich in den Freer/Sackler Galleries in Washington (Objektnummern S1987.842 und S1987.626).
- Ein Tubus aus der Sammlung Avery Brundage befindet sich jetzt im Asian Art Museum von San Francisco (Nr. B60J226).
- Ein Jadetubus aus der Sammlung Grenville L. Winthrop des Fogg Museum wird im Harvard Art Museum aufbewahrt (Objektnummer 1943.50.628)
- Ein weiterer Tubus aus der Sammlung Joseph Hotung wird heute in der „Jade-Galerie“ des British Museum in London gezeigt. Illustration bei Rawson, Nr. 1:2.

Literatur:
Mou Yongkang 牟永抗: Zhongguo yuqi quanji - 1 Yuanshi shehui 中國玉器全集–
1:原始社會 (Chinese Jades: Vol.1, Early Societies), Hebei Meishu Chubanshe, Shijiazhuang 1993

Rawson, Jessica: Chinese Jade from the Neolithic to the Qing, British Museum Publications, London 1995 (Nachdruck bei Art Media Resources, Chicago 2002)

Yang Xiaoneng (Hrsg.): The Golden Age of Chinese Archaeology. Celebrated Discoveries from The People’s Republic of China, New Haven und London, Yale University Press 1999

Zhang Shuwei 張樹偉 und Li Xiangdong 李向東 (Hrsgg.): Shikong chuanyue: Hongshan wenhua chutu yuqi jing pin zhan 時空穿越:红山文化玉器精品展 (Through time and space: Unearthed jade articles of the Hongshan Culture), Peking 2012

Internet-Links:

Sackler Beispiele:
www.asia.si.edu/collections/edan/object.cfm
www.asia.si.edu/collections/edan/object.cfm

Harvard Art Museum:
www.harvardartmuseums.org/collections/object/204580

Asian Art Museum, San Francisco:
searchcollection.asianart.org/view/objects/asitem/nid/4051

Wir danken Filippo Salviati, Professor für Chinesische Kunst und Archäologie am Italienischen Institut für Orientalistik der Sapienza-Universität in Rom, für diesen Katalogeintrag.

Expertin: M.A. Angelika Borchert M.A. Angelika Borchert
+43-1-515 60-641

angelika.borchert@dorotheum.at

18.06.2015 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 11.250,-
Schätzwert:
EUR 6.000,- bis EUR 9.000,-

Seltenes, huf- oder röhrenförmiges Ornament aus grüner Jade


China, Neolithikum, Hongshan-Kultur, Niuheliang-Periode, ca. 3500-3000 v. Chr. H: 16,6 cm; max. D.: 8 cm. (BA)

Dem vorliegenden Objekt liegt ein schriftliches Gutachten (Nr. AA03-01573-01) von Dr. R. Neunteufel, Antique Analytics GmbH, vom 11.4.2003 vor, in dem er schreibt: „Die Befunde zeigen, dass das untersuchte Objekt aus Nephrit besteht. Bis auf eine neuzeitliche Feinpolitur wurden keine Hinweise für eine Bearbeitung der ursprünglichen Oberfläche mit modernen, schnell routierenden Werkzeugen gefunden. Die Oberflächenveränderungen weisen darauf hin, dass das Objekt längere Zeit der Verwitterung ausgesetzt war.“

Wir danken Filippo Salviati, Professor für Chinesische Kunst und Archäologie am Italienischen Institut für Orientalistik der Sapienza-Universität in Rom, für die Begutachtung im Original und die genauere zeitliche und geographische Zuordnung dieses Objektes.

Dieses außergewöhnliche Ornament gehört zu den repräsentativsten Arten von Jadeobjekten, die in den Gräbern der Oberschicht aus der späten Hongshan-Kultur gefunden wurden. Die Hongshan-Kultur erlebte ihre Blüte im jungsteinzeitlichen China etwa zwischen 4500 und 3000 v. Chr. Der Name leitet sich von der Ausgrabungsstätte ab, bei der die Überreste dieser Kultur im frühen 20. Jahrhundert erstmals identifiziert wurden. Die Hongshan-Kultur entwickelte sich in Nordostchina, die Fundstätten verteilen sich über den westlichen Teil der Provinz Liaoning und den Südosten der Inneren Mongolei. Sie war eine der jungsteinzeitlichen Kulturen, die der Jade als Symbol für Status und Autorität ihrer Träger großen Wert beimaß. Und sie bildete die erste komplexe Gesellschaft der prähistorischen Zeit in Nordostchina aus.

Einige der bekanntesten und am umfassendsten ausgegrabenen Fundstätten gehören zur Spätphase dieser Kultur, die etwa zwischen 3650 und 3150 v. Chr. datiert. Dazu zählen eine Reihe von Zeremonialstätten, die sich durch ihre komplexe Architektur und die umfassende Verwendung von Stein auszeichnen, darunter Erdaltäre, erhöhte Plattformen, in den Boden eingetiefte Gebäude und Gräber der Oberschicht mit Steinplatten. Eine der am besten erforschten Zeremonialstätten dieser Art liegt bei Niuheliang im Bezirk Jianping (Provinz Liaoning). Sie ist auch bekannt als Nüshenmiao 女神廟 oder „Tempel der Göttin“, da die Archäologen dort architektonische Strukturen mit Überresten von lebensgroßen Tonfiguren fanden, darunter Teile einer Frauenskulptur mit großem Kopf und Augen aus eingesetzten Steinen mit geringer Härte. Niuheliang muss einer der wichtigsten Ritualplätze gewesen sein und außerdem für eine gewisse Zeit der Bestattungsort bedeutender Personen der Hongshan-Kultur. Ihre Gräber befinden sich in der Nähe der architektonischen Strukturen. Es handelt sich um Steinkistengräber: Steinplatten bilden Boden und Wände, so dass eine Art Sarg entsteht. In den meisten dieser Gräber finden sich als einzige Beigaben Gegenstände aus Jade in verschiedenen Formen, darunter röhrenförmige Ornamente wie das hier vorliegende Stück. Im Hinblick auf Material, Form, Maße und die Techniken des Schnitzens und Polierens kann es den Fundstücken aus den Gräbern der Oberschicht der Hongshan-Kultur von Niuheliang zugeordnet werden.

Diese Art von Jadeobjekten wird auch als mati 马蹄 oder „Pferdehuf“ bezeichnet, weil die Kontur ihres oberen Randes an einen Huf erinnert, während der untere Teil eben ist und einen runden bis leicht ovalen Querschnitt aufweist. Bei diesem Stück wurde die Jade in einem vergleichsweise spitzen Winkel von 35° abgesägt, was den Höhenunterschied zwischen der niedrigeren Vorderseite und der höheren und leicht nach oben und außen geneigten Rückseite betont. Die Vorderseite ist oben abgeflacht und ihre Kontur erscheint von vorn beinahe gerade. Die Rückseite dagegen hat eine leicht gewölbte Kontur. Der Jadetubus ist sehr dünnwandig, sodass das Licht durch den Stein scheint und die natürliche Maserung des Nephrits vom aktinolithischen Typ hervorhebt. Dieses Mineral weist einen Eisengehalt von bis zu 50 % auf, der nicht nur für die grüne Färbung der Jade verantwortlich ist, sondern auch für die dunklen Bereiche und Streifen, die eine schöne Textur ergeben. Zwei kleine Löcher sind an den Hauptscheitelpunkten in den leicht ovalen unteren Rand des Tubus gebohrt und dienten wahrscheinlich der Einführung einer Nadel oder eines Bandes. Diese Löcher sind typisch für Jadeobjekte der Hongshan-Kultur. Ihr äußerer Rand ist stark angeschrägt und weist die gleiche Pferdehuf-Form auf wie das Stück als Ganzes. Solche Löcher finden sich in vielen, wenn auch nicht in allen bekannten Exemplaren dieses Typs und hängen mit der praktischen Funktion des Objekts zusammen. Aufgrund ihrer Lage in den Gräbern herrscht unter Wissenschaftlern die einhellige Vermutung, dass es sich um Haarschmuck handelt. So wurde in Grab 4 von Grabhügel 1 an der Fundstelle 2 von Niuheliang ein ähnliches Jade-Objekt unter dem Schädel der bestatteten Person gefunden (Yang Xiaoneng, Foto auf S. 80). Wahrscheinlich wurden die Haare einfach durch den Jadetubus gezogen, der sie dann zusammenhielt. Anschließend wurde der Schopf mit einer Nadel festgesteckt, die durch die beiden Löcher im unteren Bereich des Tubus geschoben wurde. Die glatten vertikalen Rillen an der Innenseite des Tubus sind ein weiteres Detail, das sich auch an anderen ausgegrabenen Objekten dieses Typs findet. Da die gesamte Fläche und auch die Ränder des Stückes sorgfältig poliert und abgerundet wurden, sodass es sich sehr glatt anfühlt, hatten die Rillen vielleicht lediglich dekorative Funktion und wurden möglicherweise nur in solche Stücke eingearbeitet, die für besondere Personen vorgesehen waren.
Bei der Bearbeitung des Rohmaterials scheinen sie jedenfalls nicht entstanden zu sein. Nachdem das Stück aus dem Block gearbeitet worden war, begann die arbeits- und zeitintensive Aushöhlung.
Dazu bohrte man ein feines Loch der Länge nach durch den Block und sägte ausgehend davon dann den Kern heraus. Die Innenseite und die anderen Jadeflächen wurden anschließend auf Hochglanz poliert, wobei alle sichtbaren Spuren der Rohbearbeitung verschwanden. So wurde aus einem der am schwersten zu bearbeitenden Steine ein leichtes, fast ätherisches Kunstwerk. Die Technik des Aushöhlens ist durch den Fund der Jadekerne dieser Ornamente in einigen Hongshan-Gräbern belegt, etwa aus Grab 15 in Niuheliang (Abbildung bei Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 4).

VERGLEICHBARE EXEMPLARE:

a) Ausgrabungen:
Alle vergleichbaren Beispiele aus Ausgrabungen stammen aus dem Grabungsgebiet von Niuheliang. Bei den wichtigsten Fundstätten handelt es sich um mit Steinen bedeckte Grabhügel über Steingräbern mit Objekten aus Jade als wichtigster, wenn nicht einziger Grabbeigabe:
- Ein Jadetubus aus ähnlichem Material mit ähnlich abgeflachter Vorderseite und ähnlichem Schnittwinkel, 11,5 cm hoch, aus dem Provinzmuseum von Liaoning, findet sich bei Mou Yongkang auf Tafel 3 abgebildet. Als Herkunftsort wird Niuheliang angegeben.
- Ein weiteres röhrenförmiges Ornament mit ähnlicher Kontur, 13,6 cm hoch, wurde in Grab 25, Grabhügel 1, Fundstelle 2 ausgegraben: siehe dazu Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 62.
- Ein drittes Jadestück, 18,6 cm hoch und mit leicht gewölbter Rückseite, Rillen an der Innenseite und zwei Löchern nahe dem unteren Rand wurde in Grab 4, Grabhügel 1, Fundstelle 2 entdeckt: siehe Zhang Shuwei und Li Xiangdong, S. 60-61. Eine Abbildung findet sich auch bei Yang Xiaoneng, Kat.-Nr. 11, dort ist das Objekt auch von hinten abgebildet.
- Zwei weitere vergleichbare Exemplare aus Niuheliang, 17,2 und 12,7 cm hoch, stammen aus den Gräbern 2 und 9, Grabhügel 4, Fundstätte 2. Sie sind bei Zhang Shuwei und Li Xiangdong auf S. 59 und 63 wiedergegeben.

b) Öffentliche Sammlungen in Europa und Amerika:
- Zwei ähnliche Objekte aus der Sammlung von Arthur M. Sackler befinden sich in den Freer/Sackler Galleries in Washington (Objektnummern S1987.842 und S1987.626).
- Ein Tubus aus der Sammlung Avery Brundage befindet sich jetzt im Asian Art Museum von San Francisco (Nr. B60J226).
- Ein Jadetubus aus der Sammlung Grenville L. Winthrop des Fogg Museum wird im Harvard Art Museum aufbewahrt (Objektnummer 1943.50.628)
- Ein weiterer Tubus aus der Sammlung Joseph Hotung wird heute in der „Jade-Galerie“ des British Museum in London gezeigt. Illustration bei Rawson, Nr. 1:2.

Literatur:
Mou Yongkang 牟永抗: Zhongguo yuqi quanji - 1 Yuanshi shehui 中國玉器全集–
1:原始社會 (Chinese Jades: Vol.1, Early Societies), Hebei Meishu Chubanshe, Shijiazhuang 1993

Rawson, Jessica: Chinese Jade from the Neolithic to the Qing, British Museum Publications, London 1995 (Nachdruck bei Art Media Resources, Chicago 2002)

Yang Xiaoneng (Hrsg.): The Golden Age of Chinese Archaeology. Celebrated Discoveries from The People’s Republic of China, New Haven und London, Yale University Press 1999

Zhang Shuwei 張樹偉 und Li Xiangdong 李向東 (Hrsgg.): Shikong chuanyue: Hongshan wenhua chutu yuqi jing pin zhan 時空穿越:红山文化玉器精品展 (Through time and space: Unearthed jade articles of the Hongshan Culture), Peking 2012

Internet-Links:

Sackler Beispiele:
www.asia.si.edu/collections/edan/object.cfm
www.asia.si.edu/collections/edan/object.cfm

Harvard Art Museum:
www.harvardartmuseums.org/collections/object/204580

Asian Art Museum, San Francisco:
searchcollection.asianart.org/view/objects/asitem/nid/4051

Wir danken Filippo Salviati, Professor für Chinesische Kunst und Archäologie am Italienischen Institut für Orientalistik der Sapienza-Universität in Rom, für diesen Katalogeintrag.

Expertin: M.A. Angelika Borchert M.A. Angelika Borchert
+43-1-515 60-641

angelika.borchert@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Asiatische Kunst
Datum: 18.06.2015 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.06. - 18.06.2015


** Kaufpreis exkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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