Lot Nr. 551 #


Pablo Picasso * - Klassische Moderne

Pablo Picasso *

(Malaga 1881–1973 Mougins)
Tête d’homme, datiert, nummeriert 29.10.70 VI, Wachskreide auf festem Papier (mit Lochkante links), 37,2 x 27 cm, gerahmt, (PS)

Expertise:
Claude Picasso, Paris 8.2.2006; Maya Picasso, Paris, 3.4.2005

Provenienz:
Sammlung Francois Lachenal (1918-1997), Paris
Privatsammlung
Christie’s London, 23.6.2005, Lot 308
Privatsammlung, Frankreich

Mithilfe von Zeichnungen hat Picasso seine Gemälde vorbereitet und begleitet. Zeichnend tastete er sich an neue andere Formen heran und sezierte ein Thema um es durch viele Wiederholungen auf frei verfügbare Strukturen zu verdichten.
Der formalen Darstellung von Gesichtern, die er wiederkehrend in immer neuen Varianten einsetzte, kam im Oeuvre Picassos dabei eine besondere Bedeutung zu.
„Er streicht weder durch noch radiert er; er nimmt Formen und Objekte in schnellen Entwürfen wieder auf und hält auf dem Papier eine Unzahl von Formen und Bewegungen fest, die das Gedächtnis fast nicht hätte festhalten können“.
(Zervos 1949, zitiert in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: Verlag Gerd Hatje, 1986, S.46)

Mit schnellen, kurzen Strichen modifizierte er die angedeutete Form des Gesichtes auf einer deduktiv-freien Ebene, und variierte die Gesichtszüge in Frontal -und Profilansichten wie freie Fund-bzw Versatzstücke die sich übereinander zu schieben scheinen und zugleich von der Lokalfarbe Braun konterkariert werden. Mit dem Wechsel von Frontal – zu Profilansicht und dem Aufgreifen der Positiv – als Negativform wird gleichsam eine Bewegung des Gesichtes beschrieben.

Er modellierte unverwechselbare, unvergessliche Gesichter in denen er das Fremdartige, Fixierende des Blickes festhielt. Char interpretiert die unterschiedlichen Augen als ein Sinnbild des Lebens, das linke Auge sei „ganz normal, während das rechte Auge ein schwarz ausgefüllter Kreis ist. Dies bedeutet jedoch nicht Blindheit, auch nicht unterschiedliche Sehkraft. Es ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Es ist das Leben.“
(Char, René. 1976. Picasso under the Etesian Winds. Picasso in Perspective. pp. 168-171. Ed. by Gert Schiff; Preface to the exhibition catalog Picasso 1970-1972, 201 peintures, du 23 mai au 23 septembre 1973. Englewood Cliffs, N.J.; Prentice-Hall, S.171)

Aufschluss über die Identität des dargestellten Mannes geben nur einzelne Fragmente. Auf einer figurativ-detailfreudigen Ebene erfasst der Betrachter Augen, die dem dargestellten Gesicht Präsenz und die beschriebene, ausstrahlende Lebensenergie verleihen. Zudem deuten ausgeprägte Gesichtszüge mit Augenbrauen, einem Schnurrbart, einer markanten Nase sowie einer gelockten Langhaarfrisur flächige Abkürzungen von Volumen an. Trotz dieser Fragmente bleibt die Erscheinung rätselhaft, ebenso erschreckend wie faszinierend: Die Haartracht, der gezwirbelte Schnurrbart und die angedeutete Halskrause lassen sich nur mit Hilfe des Vergleichs von Musketier Darstellungen identifizieren, deren Vorbilder Picasso im Studium der alten Meister u.a. bei El Greco, Rembrandt und Velazquez fand. Die Darstellung, wenngleich modern aufgefasst, beruft sich auf die Tracht der Regenten und höheren Bürger Spaniens und der Niederlande des 17. Jahrhunderts.

Christian Zervos notierte, als er 1949 eine Auswahl aus Picassos Zeichnungen vorlegte: „Man kann sich nur schwer einen einzelnen Menschen vorstellen, der ein solches Verlangen hat mehrere künstlerische Vorstellungen auszuleben, und so viele Mittel um es zu befriedigen. Picasso interessiert sich viel stärker für die Experimente, die er macht, als für die Ergebnisse, die sie versprechen“.
(Zervos 1949, quoted in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: published by Gerd Hatje, 1986, p.45)

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

09.06.2015 - 19:00

Schätzwert:
EUR 200.000,- bis EUR 250.000,-
Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200

Auktion:

Klassische Moderne

Datum:

09.06.2015 - 19:00

Auktionsort:

Wien | Palais Dorotheum

Besichtigung:

30.05. - 09.06.2015

Pablo Picasso *

(Malaga 1881–1973 Mougins)
Tête d’homme, datiert, nummeriert 29.10.70 VI, Wachskreide auf festem Papier (mit Lochkante links), 37,2 x 27 cm, gerahmt, (PS)

Expertise:
Claude Picasso, Paris 8.2.2006; Maya Picasso, Paris, 3.4.2005

Provenienz:
Sammlung Francois Lachenal (1918-1997), Paris
Privatsammlung
Christie’s London, 23.6.2005, Lot 308
Privatsammlung, Frankreich

Mithilfe von Zeichnungen hat Picasso seine Gemälde vorbereitet und begleitet. Zeichnend tastete er sich an neue andere Formen heran und sezierte ein Thema um es durch viele Wiederholungen auf frei verfügbare Strukturen zu verdichten.
Der formalen Darstellung von Gesichtern, die er wiederkehrend in immer neuen Varianten einsetzte, kam im Oeuvre Picassos dabei eine besondere Bedeutung zu.
„Er streicht weder durch noch radiert er; er nimmt Formen und Objekte in schnellen Entwürfen wieder auf und hält auf dem Papier eine Unzahl von Formen und Bewegungen fest, die das Gedächtnis fast nicht hätte festhalten können“.
(Zervos 1949, zitiert in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: Verlag Gerd Hatje, 1986, S.46)

Mit schnellen, kurzen Strichen modifizierte er die angedeutete Form des Gesichtes auf einer deduktiv-freien Ebene, und variierte die Gesichtszüge in Frontal -und Profilansichten wie freie Fund-bzw Versatzstücke die sich übereinander zu schieben scheinen und zugleich von der Lokalfarbe Braun konterkariert werden. Mit dem Wechsel von Frontal – zu Profilansicht und dem Aufgreifen der Positiv – als Negativform wird gleichsam eine Bewegung des Gesichtes beschrieben.

Er modellierte unverwechselbare, unvergessliche Gesichter in denen er das Fremdartige, Fixierende des Blickes festhielt. Char interpretiert die unterschiedlichen Augen als ein Sinnbild des Lebens, das linke Auge sei „ganz normal, während das rechte Auge ein schwarz ausgefüllter Kreis ist. Dies bedeutet jedoch nicht Blindheit, auch nicht unterschiedliche Sehkraft. Es ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Es ist das Leben.“
(Char, René. 1976. Picasso under the Etesian Winds. Picasso in Perspective. pp. 168-171. Ed. by Gert Schiff; Preface to the exhibition catalog Picasso 1970-1972, 201 peintures, du 23 mai au 23 septembre 1973. Englewood Cliffs, N.J.; Prentice-Hall, S.171)

Aufschluss über die Identität des dargestellten Mannes geben nur einzelne Fragmente. Auf einer figurativ-detailfreudigen Ebene erfasst der Betrachter Augen, die dem dargestellten Gesicht Präsenz und die beschriebene, ausstrahlende Lebensenergie verleihen. Zudem deuten ausgeprägte Gesichtszüge mit Augenbrauen, einem Schnurrbart, einer markanten Nase sowie einer gelockten Langhaarfrisur flächige Abkürzungen von Volumen an. Trotz dieser Fragmente bleibt die Erscheinung rätselhaft, ebenso erschreckend wie faszinierend: Die Haartracht, der gezwirbelte Schnurrbart und die angedeutete Halskrause lassen sich nur mit Hilfe des Vergleichs von Musketier Darstellungen identifizieren, deren Vorbilder Picasso im Studium der alten Meister u.a. bei El Greco, Rembrandt und Velazquez fand. Die Darstellung, wenngleich modern aufgefasst, beruft sich auf die Tracht der Regenten und höheren Bürger Spaniens und der Niederlande des 17. Jahrhunderts.

Christian Zervos notierte, als er 1949 eine Auswahl aus Picassos Zeichnungen vorlegte: „Man kann sich nur schwer einen einzelnen Menschen vorstellen, der ein solches Verlangen hat mehrere künstlerische Vorstellungen auszuleben, und so viele Mittel um es zu befriedigen. Picasso interessiert sich viel stärker für die Experimente, die er macht, als für die Ergebnisse, die sie versprechen“.
(Zervos 1949, quoted in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: published by Gerd Hatje, 1986, p.45)

Expertise:
Claude Picasso, Paris 8.2.2006; Maya Picasso, Paris, 3.4.2005

Provenienz:
Sammlung Francois Lachenal (1918-1997), Paris
Privatsammlung
Christie’s London, 23.6.2005, Lot 308
Privatsammlung, Frankreich

Mithilfe von Zeichnungen hat Picasso seine Gemälde vorbereitet und begleitet. Zeichnend tastete er sich an neue andere Formen heran und sezierte ein Thema um es durch viele Wiederholungen auf frei verfügbare Strukturen zu verdichten.
Der formalen Darstellung von Gesichtern, die er wiederkehrend in immer neuen Varianten einsetzte, kam im Oeuvre Picassos dabei eine besondere Bedeutung zu.
„Er streicht weder durch noch radiert er; er nimmt Formen und Objekte in schnellen Entwürfen wieder auf und hält auf dem Papier eine Unzahl von Formen und Bewegungen fest, die das Gedächtnis fast nicht hätte festhalten können“.
(Zervos 1949, zitiert in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: Verlag Gerd Hatje, 1986, S.46)

Mit schnellen, kurzen Strichen modifizierte er die angedeutete Form des Gesichtes auf einer deduktiv-freien Ebene, und variierte die Gesichtszüge in Frontal -und Profilansichten wie freie Fund-bzw Versatzstücke die sich übereinander zu schieben scheinen und zugleich von der Lokalfarbe Braun konterkariert werden. Mit dem Wechsel von Frontal – zu Profilansicht und dem Aufgreifen der Positiv – als Negativform wird gleichsam eine Bewegung des Gesichtes beschrieben.

Er modellierte unverwechselbare, unvergessliche Gesichter in denen er das Fremdartige, Fixierende des Blickes festhielt. Char interpretiert die unterschiedlichen Augen als ein Sinnbild des Lebens, das linke Auge sei „ganz normal, während das rechte Auge ein schwarz ausgefüllter Kreis ist. Dies bedeutet jedoch nicht Blindheit, auch nicht unterschiedliche Sehkraft. Es ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Es ist das Leben.“
(Char, René. 1976. Picasso under the Etesian Winds. Picasso in Perspective. pp. 168-171. Ed. by Gert Schiff; Preface to the exhibition catalog Picasso 1970-1972, 201 peintures, du 23 mai au 23 septembre 1973. Englewood Cliffs, N.J.; Prentice-Hall, S.171)

Aufschluss über die Identität des dargestellten Mannes geben nur einzelne Fragmente. Auf einer figurativ-detailfreudigen Ebene erfasst der Betrachter Augen, die dem dargestellten Gesicht Präsenz und die beschriebene, ausstrahlende Lebensenergie verleihen. Zudem deuten ausgeprägte Gesichtszüge mit Augenbrauen, einem Schnurrbart, einer markanten Nase sowie einer gelockten Langhaarfrisur flächige Abkürzungen von Volumen an. Trotz dieser Fragmente bleibt die Erscheinung rätselhaft, ebenso erschreckend wie faszinierend: Die Haartracht, der gezwirbelte Schnurrbart und die angedeutete Halskrause lassen sich nur mit Hilfe des Vergleichs von Musketier Darstellungen identifizieren, deren Vorbilder Picasso im Studium der alten Meister u.a. bei El Greco, Rembrandt und Velazquez fand. Die Darstellung, wenngleich modern aufgefasst, beruft sich auf die Tracht der Regenten und höheren Bürger Spaniens und der Niederlande des 17. Jahrhunderts.

Christian Zervos notierte, als er 1949 eine Auswahl aus Picassos Zeichnungen vorlegte: „Man kann sich nur schwer einen einzelnen Menschen vorstellen, der ein solches Verlangen hat mehrere künstlerische Vorstellungen auszuleben, und so viele Mittel um es zu befriedigen. Picasso interessiert sich viel stärker für die Experimente, die er macht, als für die Ergebnisse, die sie versprechen“.
(Zervos 1949, quoted in Spies, Werner, Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle. Stuttgart: published by Gerd Hatje, 1986, p.45)

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de