Lot Nr. 728


Ilya Kabakov - Zeitgenössische Kunst, Teil 1

Ilya Kabakov

(Dnjepropetrovsk/Ukraine 1933 geb.; lebt und arbeitet in New York)
Landschaft mit Pionierlager 1973, 2002, Öl auf Leinwand, 160 x 250 cm, rückseitig kyrillisch signiert, datiert und betitelt Ilya Kabakov 2002, gerahmt, (PS)

Provenienz:
Der Künstler
Galerie Michael Kewenig Köln
Sammlung Harrie van der Moesdijk, Niederlande

Die Arbeit ist im Archiv mit der Werknummer 382 registriert.

Literatur:
Renate Petzinger und Emilia Kabakov (Hrsg), Ilya Kabakov, Paintings/Gemälde 1998-2008, Catalogue Raisonné, Bd. II, Museum Wiesbaden, Kerber Verlag, 2008, S. 140, Nr. 420 Ausst. Kat. Ilya/Emilia Kabakov, An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Museum of Contemporary Art Cleveland, Bielefeld 2005, S. 177 (Farbabb.)

Ausgestellt/Ausstellungskataloge:
Cleveland Ott., Museum of Contemporary Art, The teacher and the student, Charles Rosenthal and Ilya Kabakov, kuratiert von Jill Synder, Direktor des Moca Cleveland, 10.9.2004–2.1.2005
The State Pushkin Museum of Fine Arts, Center for Contemporary Culture Garage, Winzavod Moskau Contemporary Art Center, Moscow, Ilya and Emilia Kabakov, Retrospective, 15.9.-18.10.2008, organized by the Ministry of Culture and Cinematography and the Moscow Biennale Foundation (3 catalogues)

„Landscape with a Pioneer camp 1973“ war erstmals in einer großen Installation Kabakovs ausgestellt, die 2004 als Einzelausstellung mit dem Namen‚ The teacher and his Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov’ im Museum of Contemporary Art Cleveland, gezeigt wurde. Die politische Situation im Russland der 70er Jahre führte dazu, dass viele Künstler gezwungen wurden ein dialektisches Verhältnis zwischen sich und ihrer Außenwelt entstehen zu lassen. Dieses Dilemma der Dialektik verarbeitet Kabakov in seiner Ausstellung „The Teacher and his Student“ indem er ein alter ego, Charles Rosenthal, erschafft und sein eigenes Werk in den 70er Jahren der Sowjetunion ansetzt und so eine „alternative Geschichte“ der russischen Malerei des 20 Jahrhunderts als Installation konstruiert.

Alle Alternativen entsprangen der Fantasie Kabakovs und nahmen als drei verschiedene, von ihm erfundene Künstler Gestalt an: Charles Rosenthal und Ilya Kabakov und Igor Spivak, dessen Arbeiten in den 1990er Jahren entstanden waren. „Kabakov“ ist nicht der Urheber der anderen beiden Künstler sondern vielmehr der Nachfolger Rosenthals, den Fotos seines Mentors zu eigenen Arbeiten anregten und der haupsächlich in den 1970ern aktiv war. Die Werke der Installation/ Ausstellung, die er mit Ilya Kabakov signiert hat, sind zwischen 1970 und 1975 datiert, wobei die meisten in die Zeitspanne von 1971-1972 fallen.

Die Serie ist als ‚Paraphrase’ der Werke Rosenthals, die Kabakov im Original sah, zu verstehen und könnte den Titel tragen „If Rosenthal had lived in Russia during the 1970s…“ „The white backgrounds behind the depictions of the new reality of the 1920s in the USSR can be interpreted as a space of the ‚bright future’, a space of ‚hope’ that not only Rosenthal desired to see in the post-revolutionary period, but so did many European intellectuals at the beginning of the 20th century. I. Kabakov belonged to another generation that had grown up in USSR, a generation that had no more ‘bright hopes’, neither in the present, nor even more so, in the future. Therefore he replaces the white space behind Rosenthal’s paintings with a dark, murky gloom. Something is going on in this space, it is rustling about; there is some kind of infinite, unfathomable chaos living beyond the fine film of visible reality” (Ausstellungskatalog: An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Bielefeld 2005, S. 162)

Der Künstler gibt dem Betrachter Hinweise und Einblicke in das Leben der Sowjetunion der 1970er Jahre in dem er den utopischen Sovjetallltag konstruiert und inszeniert. Den Konventionen des sowjetischen Realismus gehorchenden Alltagsszenen aus dem Arbeits- und Freizeitleben stellt er geometrische Formen gegenüber, die an Motive des Suprematismus erinnern.
Dabei zeigen die Gemälde Kabakovs nur einen Teilaspekt der Gesamtansicht. Er schneidet Menschen und Orte an und lässt die Gegebenheiten in einer atmosphärischen, fast impressionistischen Technik hervorblitzen, um sie wieder durch dunkle Balken zu überlagern. Durch die dunklen Randflächen wird die Darstellung der für die sowjetische Genremalerei typischen Themen, die in hellem Sonnenlicht dargestellt sind, wechselseitig gestört.

Das Thema der Kindheit und Jugend, bzw der Lebendigkeit, Beweglichkeit und Unbefangenheit, die der Mensch im jungen Alter hat, zieht sich als Konformitätsdiskurs durch Kabakovs Werke. In diesem Gemälde ist ein Pionierlager als Kinderferienlager für Jugendorganisationen stellvertretend für einen Teil des Erziehungssystems in den sowjetischen Bündnisstaaten. Schon in den ersten Schulklassen wurde die Teilnahme an einem Ferienlager als „ein Paradies auf Erden“, den verdienstvollen „jungen Pionieren“ als Auszeichnung in Aussicht gestellt. Für diejenigen, die in den Bündnisstaaten sozialisiert wurden, ist der Begriff und die Darstellung des Pionierlagers mit Assoziationen und Erinnerungen aufgeladen und weist somit auf eine bewusste Nostalgie hin. Die „totale Installation“, bemerkte Kabakov, sei ein „sakraler Raum“ und er lädt den Betrachter ein, die Installationsräume wie Gläubige bei der Versenkung in eine Ikone als Auszeit, im Sinne des orthodoxen Glaubens, zu erfahren. Die Augenblicke der Zeitlosigkeit wirken wie Inseln der Sehnsucht nach einem Paradies und nach Heimat. In Ländern der westlichen Welt blieben die Pionierlager eher unbekannt, und so stellen sie für diesen Teil einen weißen Fleck auf der Landkarte dar.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

10.06.2015 - 19:00

Erzielter Preis: **
EUR 491.000,-
Schätzwert:
EUR 450.000,- bis EUR 600.000,-
Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200

Auktion:

Zeitgenössische Kunst, Teil 1

Datum:

10.06.2015 - 19:00

Auktionsort:

Wien | Palais Dorotheum

Besichtigung:

30.05. - 10.06.2015



** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.

Ilya Kabakov

(Dnjepropetrovsk/Ukraine 1933 geb.; lebt und arbeitet in New York)
Landschaft mit Pionierlager 1973, 2002, Öl auf Leinwand, 160 x 250 cm, rückseitig kyrillisch signiert, datiert und betitelt Ilya Kabakov 2002, gerahmt, (PS)

Provenienz:
Der Künstler
Galerie Michael Kewenig Köln
Sammlung Harrie van der Moesdijk, Niederlande

Die Arbeit ist im Archiv mit der Werknummer 382 registriert.

Literatur:
Renate Petzinger und Emilia Kabakov (Hrsg), Ilya Kabakov, Paintings/Gemälde 1998-2008, Catalogue Raisonné, Bd. II, Museum Wiesbaden, Kerber Verlag, 2008, S. 140, Nr. 420 Ausst. Kat. Ilya/Emilia Kabakov, An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Museum of Contemporary Art Cleveland, Bielefeld 2005, S. 177 (Farbabb.)

Ausgestellt/Ausstellungskataloge:
Cleveland Ott., Museum of Contemporary Art, The teacher and the student, Charles Rosenthal and Ilya Kabakov, kuratiert von Jill Synder, Direktor des Moca Cleveland, 10.9.2004–2.1.2005
The State Pushkin Museum of Fine Arts, Center for Contemporary Culture Garage, Winzavod Moskau Contemporary Art Center, Moscow, Ilya and Emilia Kabakov, Retrospective, 15.9.-18.10.2008, organized by the Ministry of Culture and Cinematography and the Moscow Biennale Foundation (3 catalogues)

„Landscape with a Pioneer camp 1973“ war erstmals in einer großen Installation Kabakovs ausgestellt, die 2004 als Einzelausstellung mit dem Namen‚ The teacher and his Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov’ im Museum of Contemporary Art Cleveland, gezeigt wurde. Die politische Situation im Russland der 70er Jahre führte dazu, dass viele Künstler gezwungen wurden ein dialektisches Verhältnis zwischen sich und ihrer Außenwelt entstehen zu lassen. Dieses Dilemma der Dialektik verarbeitet Kabakov in seiner Ausstellung „The Teacher and his Student“ indem er ein alter ego, Charles Rosenthal, erschafft und sein eigenes Werk in den 70er Jahren der Sowjetunion ansetzt und so eine „alternative Geschichte“ der russischen Malerei des 20 Jahrhunderts als Installation konstruiert.

Alle Alternativen entsprangen der Fantasie Kabakovs und nahmen als drei verschiedene, von ihm erfundene Künstler Gestalt an: Charles Rosenthal und Ilya Kabakov und Igor Spivak, dessen Arbeiten in den 1990er Jahren entstanden waren. „Kabakov“ ist nicht der Urheber der anderen beiden Künstler sondern vielmehr der Nachfolger Rosenthals, den Fotos seines Mentors zu eigenen Arbeiten anregten und der haupsächlich in den 1970ern aktiv war. Die Werke der Installation/ Ausstellung, die er mit Ilya Kabakov signiert hat, sind zwischen 1970 und 1975 datiert, wobei die meisten in die Zeitspanne von 1971-1972 fallen.

Die Serie ist als ‚Paraphrase’ der Werke Rosenthals, die Kabakov im Original sah, zu verstehen und könnte den Titel tragen „If Rosenthal had lived in Russia during the 1970s…“ „The white backgrounds behind the depictions of the new reality of the 1920s in the USSR can be interpreted as a space of the ‚bright future’, a space of ‚hope’ that not only Rosenthal desired to see in the post-revolutionary period, but so did many European intellectuals at the beginning of the 20th century. I. Kabakov belonged to another generation that had grown up in USSR, a generation that had no more ‘bright hopes’, neither in the present, nor even more so, in the future. Therefore he replaces the white space behind Rosenthal’s paintings with a dark, murky gloom. Something is going on in this space, it is rustling about; there is some kind of infinite, unfathomable chaos living beyond the fine film of visible reality” (Ausstellungskatalog: An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Bielefeld 2005, S. 162)

Der Künstler gibt dem Betrachter Hinweise und Einblicke in das Leben der Sowjetunion der 1970er Jahre in dem er den utopischen Sovjetallltag konstruiert und inszeniert. Den Konventionen des sowjetischen Realismus gehorchenden Alltagsszenen aus dem Arbeits- und Freizeitleben stellt er geometrische Formen gegenüber, die an Motive des Suprematismus erinnern.
Dabei zeigen die Gemälde Kabakovs nur einen Teilaspekt der Gesamtansicht. Er schneidet Menschen und Orte an und lässt die Gegebenheiten in einer atmosphärischen, fast impressionistischen Technik hervorblitzen, um sie wieder durch dunkle Balken zu überlagern. Durch die dunklen Randflächen wird die Darstellung der für die sowjetische Genremalerei typischen Themen, die in hellem Sonnenlicht dargestellt sind, wechselseitig gestört.

Das Thema der Kindheit und Jugend, bzw der Lebendigkeit, Beweglichkeit und Unbefangenheit, die der Mensch im jungen Alter hat, zieht sich als Konformitätsdiskurs durch Kabakovs Werke. In diesem Gemälde ist ein Pionierlager als Kinderferienlager für Jugendorganisationen stellvertretend für einen Teil des Erziehungssystems in den sowjetischen Bündnisstaaten. Schon in den ersten Schulklassen wurde die Teilnahme an einem Ferienlager als „ein Paradies auf Erden“, den verdienstvollen „jungen Pionieren“ als Auszeichnung in Aussicht gestellt. Für diejenigen, die in den Bündnisstaaten sozialisiert wurden, ist der Begriff und die Darstellung des Pionierlagers mit Assoziationen und Erinnerungen aufgeladen und weist somit auf eine bewusste Nostalgie hin. Die „totale Installation“, bemerkte Kabakov, sei ein „sakraler Raum“ und er lädt den Betrachter ein, die Installationsräume wie Gläubige bei der Versenkung in eine Ikone als Auszeit, im Sinne des orthodoxen Glaubens, zu erfahren. Die Augenblicke der Zeitlosigkeit wirken wie Inseln der Sehnsucht nach einem Paradies und nach Heimat. In Ländern der westlichen Welt blieben die Pionierlager eher unbekannt, und so stellen sie für diesen Teil einen weißen Fleck auf der Landkarte dar.

Provenienz:
Der Künstler
Galerie Michael Kewenig Köln
Sammlung Harrie van der Moesdijk, Niederlande

Die Arbeit ist im Archiv mit der Werknummer 382 registriert.

Literatur:
Renate Petzinger und Emilia Kabakov (Hrsg), Ilya Kabakov, Paintings/Gemälde 1998-2008, Catalogue Raisonné, Bd. II, Museum Wiesbaden, Kerber Verlag, 2008, S. 140, Nr. 420 Ausst. Kat. Ilya/Emilia Kabakov, An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Museum of Contemporary Art Cleveland, Bielefeld 2005, S. 177 (Farbabb.)

Ausgestellt/Ausstellungskataloge:
Cleveland Ott., Museum of Contemporary Art, The teacher and the student, Charles Rosenthal and Ilya Kabakov, kuratiert von Jill Synder, Direktor des Moca Cleveland, 10.9.2004–2.1.2005
The State Pushkin Museum of Fine Arts, Center for Contemporary Culture Garage, Winzavod Moskau Contemporary Art Center, Moscow, Ilya and Emilia Kabakov, Retrospective, 15.9.-18.10.2008, organized by the Ministry of Culture and Cinematography and the Moscow Biennale Foundation (3 catalogues)

„Landscape with a Pioneer camp 1973“ war erstmals in einer großen Installation Kabakovs ausgestellt, die 2004 als Einzelausstellung mit dem Namen‚ The teacher and his Student: Charles Rosenthal and Ilya Kabakov’ im Museum of Contemporary Art Cleveland, gezeigt wurde. Die politische Situation im Russland der 70er Jahre führte dazu, dass viele Künstler gezwungen wurden ein dialektisches Verhältnis zwischen sich und ihrer Außenwelt entstehen zu lassen. Dieses Dilemma der Dialektik verarbeitet Kabakov in seiner Ausstellung „The Teacher and his Student“ indem er ein alter ego, Charles Rosenthal, erschafft und sein eigenes Werk in den 70er Jahren der Sowjetunion ansetzt und so eine „alternative Geschichte“ der russischen Malerei des 20 Jahrhunderts als Installation konstruiert.

Alle Alternativen entsprangen der Fantasie Kabakovs und nahmen als drei verschiedene, von ihm erfundene Künstler Gestalt an: Charles Rosenthal und Ilya Kabakov und Igor Spivak, dessen Arbeiten in den 1990er Jahren entstanden waren. „Kabakov“ ist nicht der Urheber der anderen beiden Künstler sondern vielmehr der Nachfolger Rosenthals, den Fotos seines Mentors zu eigenen Arbeiten anregten und der haupsächlich in den 1970ern aktiv war. Die Werke der Installation/ Ausstellung, die er mit Ilya Kabakov signiert hat, sind zwischen 1970 und 1975 datiert, wobei die meisten in die Zeitspanne von 1971-1972 fallen.

Die Serie ist als ‚Paraphrase’ der Werke Rosenthals, die Kabakov im Original sah, zu verstehen und könnte den Titel tragen „If Rosenthal had lived in Russia during the 1970s…“ „The white backgrounds behind the depictions of the new reality of the 1920s in the USSR can be interpreted as a space of the ‚bright future’, a space of ‚hope’ that not only Rosenthal desired to see in the post-revolutionary period, but so did many European intellectuals at the beginning of the 20th century. I. Kabakov belonged to another generation that had grown up in USSR, a generation that had no more ‘bright hopes’, neither in the present, nor even more so, in the future. Therefore he replaces the white space behind Rosenthal’s paintings with a dark, murky gloom. Something is going on in this space, it is rustling about; there is some kind of infinite, unfathomable chaos living beyond the fine film of visible reality” (Ausstellungskatalog: An alternative history of art, Rosenthal, Kabakov, Spivak, Bielefeld 2005, S. 162)

Der Künstler gibt dem Betrachter Hinweise und Einblicke in das Leben der Sowjetunion der 1970er Jahre in dem er den utopischen Sovjetallltag konstruiert und inszeniert. Den Konventionen des sowjetischen Realismus gehorchenden Alltagsszenen aus dem Arbeits- und Freizeitleben stellt er geometrische Formen gegenüber, die an Motive des Suprematismus erinnern.
Dabei zeigen die Gemälde Kabakovs nur einen Teilaspekt der Gesamtansicht. Er schneidet Menschen und Orte an und lässt die Gegebenheiten in einer atmosphärischen, fast impressionistischen Technik hervorblitzen, um sie wieder durch dunkle Balken zu überlagern. Durch die dunklen Randflächen wird die Darstellung der für die sowjetische Genremalerei typischen Themen, die in hellem Sonnenlicht dargestellt sind, wechselseitig gestört.

Das Thema der Kindheit und Jugend, bzw der Lebendigkeit, Beweglichkeit und Unbefangenheit, die der Mensch im jungen Alter hat, zieht sich als Konformitätsdiskurs durch Kabakovs Werke. In diesem Gemälde ist ein Pionierlager als Kinderferienlager für Jugendorganisationen stellvertretend für einen Teil des Erziehungssystems in den sowjetischen Bündnisstaaten. Schon in den ersten Schulklassen wurde die Teilnahme an einem Ferienlager als „ein Paradies auf Erden“, den verdienstvollen „jungen Pionieren“ als Auszeichnung in Aussicht gestellt. Für diejenigen, die in den Bündnisstaaten sozialisiert wurden, ist der Begriff und die Darstellung des Pionierlagers mit Assoziationen und Erinnerungen aufgeladen und weist somit auf eine bewusste Nostalgie hin. Die „totale Installation“, bemerkte Kabakov, sei ein „sakraler Raum“ und er lädt den Betrachter ein, die Installationsräume wie Gläubige bei der Versenkung in eine Ikone als Auszeit, im Sinne des orthodoxen Glaubens, zu erfahren. Die Augenblicke der Zeitlosigkeit wirken wie Inseln der Sehnsucht nach einem Paradies und nach Heimat. In Ländern der westlichen Welt blieben die Pionierlager eher unbekannt, und so stellen sie für diesen Teil einen weißen Fleck auf der Landkarte dar.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de