Lot Nr. 717


Enrico Castellani * - Zeitgenössische Kunst, Teil 1

Enrico Castellani *

(Castelmassa, Rovigo 1930 geb.)
“Superficie”, 1960, auf dem Keilrahmen betitelt, signiert, datiert Castellani 1960, reliefierte Leinwand, 100 x 120 cm, in Objektkasten gerahmt, (PP)

Video: Dorotheum Expertin für Zeitgenössische Kunst Patricia Pálffy spricht über Enrico Castellani’s "Superficie".

Fotozertifikat:
Archivio Castellani, Mailand, Archiv-Nr. 60–011

Provenienz:
Galleria Arturo Schwarz, Mailand (Aufkleber auf dem Keilrahmen)
Privatsammlung, Deutschland
Lempertz, Köln, Zeitgenössische Kunst, 5. Dezember 2009, Lot 357
Europäische Privatsammlung

Ausstellungen:
Zürich, Kunsthaus, Zero. Bildvorstellungen einer europäischen Avantgarde 1958–1964, 1. Juni - 5. August 1979, Ausst.-Kat. Nr. 14 (rückseitig Aufkleber)
Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Zero International, 4. März - 11. April 1980, Ausst.-Kat. Nr. 22
Frankfurt, Frankfurter Kunstverein Steinernes Haus, Kunst nach 45 aus Frankfurter Privatbesitz, 7. Oktober - 27. November 1983, Ausst.-Kat. Seite 94 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)
Wien, Museum des 20. Jahrhunderts, Bildlicht: Malerei zwischen Material und Immaterialität, 3. Mai - 7. Juli 1991, Ausst.-Kat. Seite 145 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)

Literatur:
A. Bonito Oliva, A. C. Quintavalle, Enrico Castellani, Ausst.-Kat., Università di Parma, Centro Studi e Archivio della Comunicazione, Parma, 1976, Nr. 15;
Renata Wirz, Federico Sardella (Hg.), Enrico Castellani. Catalogo ragionato, Opere 1955–2005, Skira, Mailand 2012, Band I, Seite 91 mit Abb., Band II, Seite 324, Nr. 57 mit Abb.

Enrico Castellani zählte zusammen mit Manzoni, Bonalumi und Scheggi zu den Protagonisten des lebhaften Mailänder Milieus der Sechziger Jahre. Von Germano Celant als Vorgänger des Minimalismus bezeichnet, gilt der 1930 in Castelmassa geborene, seit 1953 nach dem Studium der Skulptur und Architektur in Mailand ansässige Künstler als einer der innovativsten künstlerischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit und als Schöpfer einer einzigartigen, erkennbaren Formsprache. Ähnlich wie Lucio Fontana und die anderen Vertreter der Objektkunst strebt Castellani die Überwindung der Malerei und ihres traditionell täuschenden Bildes an; seine Bemühungen gelten dem Schaffen von „selbstdarstellenden“ Gegenständen, die eine „Bedeutung“ an sich haben.
Nach einer kurzfristigen, wenn auch wichtigen Erfahrung mit der Zeitschrift Azimuth (1959) widmete sich der Künstler konsequent seiner eigenen, revolutionären Forschung, die auf der geduldigen, konstanten Wiederholung ein und derselben Geste basiert, die immer gleich bleibt und dennoch extrem neu ist. 1959 verzichtete Castellani auf seine informellen Forschungen und begann, die Unterlage der Leinwand zu deformieren, um sie dadurch mit dem Raum in Verbindung zu setzen und mittels der seitdem ohne Variationen verwendeten Technik der Extroflexion wahrnehmbar zu machen.
Mit jenen Jahren der ersten Experimente lässt sich das Werk „Superficie“ [Oberfläche] in Verbindung setzen. Es handelt sich dabei um eine reliefierte Leinwand aus dem Jahr 1960, die keine andere Farbe als die des verwendeten Materials selbst aufweist: Eine von einer ganz besonderen Textur – mit deutlich erkennbarem Schussfaden – gekennzeichneten Leinwand, deren innerer Rhythmus durch Einwirkung der Nägel variiert, die in einem vollkommenen Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte eine elegante Abwechslung von leeren und vollen Stellen, von Licht und Schatten schaffen. Dieses in seiner Typologie besondere und seltene Werk macht Castellanis Absicht spürbar, auf die Verwendung der traditionellen Eigenmittel der Malerei, d.h. die Komposition und die Farbe, zu verzichten. Seine einzige Absicht ist, so wenig wie möglich hinzuzufügen. Es ist so, als ob der Künstler der Leinwand selbst das Wort überlassen würde. Die Verwendung des Gewebes in seinem ursprünglichen Zustand bewirkt einen einzigen Effekt: Sie zeigt es genauso wie es ist. Mit einer minimalistischen, spannungsgeladener Formsprache schafft der Künstler jede deskriptive, sentimentale Metapher ab und erreicht dadurch eine komplette Unpersönlichkeit des Gegenstandes, an welchem nichts Anderes zu deuten bzw. zu sehen ist als das, was er eigentlich ist.

Die Oberfläche ist der Ort unendlicher Begegnungen, verzweifelter Erwartungen, tautologischer Vermessungen, existentieller Leiden und utopischer Konkretisierungen.
Enrico Castellani

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

10.06.2015 - 19:00

Erzielter Preis: **
EUR 965.000,-
Schätzwert:
EUR 450.000,- bis EUR 650.000,-
Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200

Auktion:

Zeitgenössische Kunst, Teil 1

Datum:

10.06.2015 - 19:00

Auktionsort:

Wien | Palais Dorotheum

Besichtigung:

30.05. - 10.06.2015



** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.

Enrico Castellani *

(Castelmassa, Rovigo 1930 geb.)
“Superficie”, 1960, auf dem Keilrahmen betitelt, signiert, datiert Castellani 1960, reliefierte Leinwand, 100 x 120 cm, in Objektkasten gerahmt, (PP)

Video: Dorotheum Expertin für Zeitgenössische Kunst Patricia Pálffy spricht über Enrico Castellani’s "Superficie".

Fotozertifikat:
Archivio Castellani, Mailand, Archiv-Nr. 60–011

Provenienz:
Galleria Arturo Schwarz, Mailand (Aufkleber auf dem Keilrahmen)
Privatsammlung, Deutschland
Lempertz, Köln, Zeitgenössische Kunst, 5. Dezember 2009, Lot 357
Europäische Privatsammlung

Ausstellungen:
Zürich, Kunsthaus, Zero. Bildvorstellungen einer europäischen Avantgarde 1958–1964, 1. Juni - 5. August 1979, Ausst.-Kat. Nr. 14 (rückseitig Aufkleber)
Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Zero International, 4. März - 11. April 1980, Ausst.-Kat. Nr. 22
Frankfurt, Frankfurter Kunstverein Steinernes Haus, Kunst nach 45 aus Frankfurter Privatbesitz, 7. Oktober - 27. November 1983, Ausst.-Kat. Seite 94 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)
Wien, Museum des 20. Jahrhunderts, Bildlicht: Malerei zwischen Material und Immaterialität, 3. Mai - 7. Juli 1991, Ausst.-Kat. Seite 145 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)

Literatur:
A. Bonito Oliva, A. C. Quintavalle, Enrico Castellani, Ausst.-Kat., Università di Parma, Centro Studi e Archivio della Comunicazione, Parma, 1976, Nr. 15;
Renata Wirz, Federico Sardella (Hg.), Enrico Castellani. Catalogo ragionato, Opere 1955–2005, Skira, Mailand 2012, Band I, Seite 91 mit Abb., Band II, Seite 324, Nr. 57 mit Abb.

Enrico Castellani zählte zusammen mit Manzoni, Bonalumi und Scheggi zu den Protagonisten des lebhaften Mailänder Milieus der Sechziger Jahre. Von Germano Celant als Vorgänger des Minimalismus bezeichnet, gilt der 1930 in Castelmassa geborene, seit 1953 nach dem Studium der Skulptur und Architektur in Mailand ansässige Künstler als einer der innovativsten künstlerischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit und als Schöpfer einer einzigartigen, erkennbaren Formsprache. Ähnlich wie Lucio Fontana und die anderen Vertreter der Objektkunst strebt Castellani die Überwindung der Malerei und ihres traditionell täuschenden Bildes an; seine Bemühungen gelten dem Schaffen von „selbstdarstellenden“ Gegenständen, die eine „Bedeutung“ an sich haben.
Nach einer kurzfristigen, wenn auch wichtigen Erfahrung mit der Zeitschrift Azimuth (1959) widmete sich der Künstler konsequent seiner eigenen, revolutionären Forschung, die auf der geduldigen, konstanten Wiederholung ein und derselben Geste basiert, die immer gleich bleibt und dennoch extrem neu ist. 1959 verzichtete Castellani auf seine informellen Forschungen und begann, die Unterlage der Leinwand zu deformieren, um sie dadurch mit dem Raum in Verbindung zu setzen und mittels der seitdem ohne Variationen verwendeten Technik der Extroflexion wahrnehmbar zu machen.
Mit jenen Jahren der ersten Experimente lässt sich das Werk „Superficie“ [Oberfläche] in Verbindung setzen. Es handelt sich dabei um eine reliefierte Leinwand aus dem Jahr 1960, die keine andere Farbe als die des verwendeten Materials selbst aufweist: Eine von einer ganz besonderen Textur – mit deutlich erkennbarem Schussfaden – gekennzeichneten Leinwand, deren innerer Rhythmus durch Einwirkung der Nägel variiert, die in einem vollkommenen Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte eine elegante Abwechslung von leeren und vollen Stellen, von Licht und Schatten schaffen. Dieses in seiner Typologie besondere und seltene Werk macht Castellanis Absicht spürbar, auf die Verwendung der traditionellen Eigenmittel der Malerei, d.h. die Komposition und die Farbe, zu verzichten. Seine einzige Absicht ist, so wenig wie möglich hinzuzufügen. Es ist so, als ob der Künstler der Leinwand selbst das Wort überlassen würde. Die Verwendung des Gewebes in seinem ursprünglichen Zustand bewirkt einen einzigen Effekt: Sie zeigt es genauso wie es ist. Mit einer minimalistischen, spannungsgeladener Formsprache schafft der Künstler jede deskriptive, sentimentale Metapher ab und erreicht dadurch eine komplette Unpersönlichkeit des Gegenstandes, an welchem nichts Anderes zu deuten bzw. zu sehen ist als das, was er eigentlich ist.

Die Oberfläche ist der Ort unendlicher Begegnungen, verzweifelter Erwartungen, tautologischer Vermessungen, existentieller Leiden und utopischer Konkretisierungen.
Enrico Castellani

Fotozertifikat:
Archivio Castellani, Mailand, Archiv-Nr. 60–011

Provenienz:
Galleria Arturo Schwarz, Mailand (Aufkleber auf dem Keilrahmen)
Privatsammlung, Deutschland
Lempertz, Köln, Zeitgenössische Kunst, 5. Dezember 2009, Lot 357
Europäische Privatsammlung

Ausstellungen:
Zürich, Kunsthaus, Zero. Bildvorstellungen einer europäischen Avantgarde 1958–1964, 1. Juni - 5. August 1979, Ausst.-Kat. Nr. 14 (rückseitig Aufkleber)
Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Zero International, 4. März - 11. April 1980, Ausst.-Kat. Nr. 22
Frankfurt, Frankfurter Kunstverein Steinernes Haus, Kunst nach 45 aus Frankfurter Privatbesitz, 7. Oktober - 27. November 1983, Ausst.-Kat. Seite 94 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)
Wien, Museum des 20. Jahrhunderts, Bildlicht: Malerei zwischen Material und Immaterialität, 3. Mai - 7. Juli 1991, Ausst.-Kat. Seite 145 mit Abb. (rückseitig Aufkleber)

Literatur:
A. Bonito Oliva, A. C. Quintavalle, Enrico Castellani, Ausst.-Kat., Università di Parma, Centro Studi e Archivio della Comunicazione, Parma, 1976, Nr. 15;
Renata Wirz, Federico Sardella (Hg.), Enrico Castellani. Catalogo ragionato, Opere 1955–2005, Skira, Mailand 2012, Band I, Seite 91 mit Abb., Band II, Seite 324, Nr. 57 mit Abb.

Enrico Castellani zählte zusammen mit Manzoni, Bonalumi und Scheggi zu den Protagonisten des lebhaften Mailänder Milieus der Sechziger Jahre. Von Germano Celant als Vorgänger des Minimalismus bezeichnet, gilt der 1930 in Castelmassa geborene, seit 1953 nach dem Studium der Skulptur und Architektur in Mailand ansässige Künstler als einer der innovativsten künstlerischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit und als Schöpfer einer einzigartigen, erkennbaren Formsprache. Ähnlich wie Lucio Fontana und die anderen Vertreter der Objektkunst strebt Castellani die Überwindung der Malerei und ihres traditionell täuschenden Bildes an; seine Bemühungen gelten dem Schaffen von „selbstdarstellenden“ Gegenständen, die eine „Bedeutung“ an sich haben.
Nach einer kurzfristigen, wenn auch wichtigen Erfahrung mit der Zeitschrift Azimuth (1959) widmete sich der Künstler konsequent seiner eigenen, revolutionären Forschung, die auf der geduldigen, konstanten Wiederholung ein und derselben Geste basiert, die immer gleich bleibt und dennoch extrem neu ist. 1959 verzichtete Castellani auf seine informellen Forschungen und begann, die Unterlage der Leinwand zu deformieren, um sie dadurch mit dem Raum in Verbindung zu setzen und mittels der seitdem ohne Variationen verwendeten Technik der Extroflexion wahrnehmbar zu machen.
Mit jenen Jahren der ersten Experimente lässt sich das Werk „Superficie“ [Oberfläche] in Verbindung setzen. Es handelt sich dabei um eine reliefierte Leinwand aus dem Jahr 1960, die keine andere Farbe als die des verwendeten Materials selbst aufweist: Eine von einer ganz besonderen Textur – mit deutlich erkennbarem Schussfaden – gekennzeichneten Leinwand, deren innerer Rhythmus durch Einwirkung der Nägel variiert, die in einem vollkommenen Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte eine elegante Abwechslung von leeren und vollen Stellen, von Licht und Schatten schaffen. Dieses in seiner Typologie besondere und seltene Werk macht Castellanis Absicht spürbar, auf die Verwendung der traditionellen Eigenmittel der Malerei, d.h. die Komposition und die Farbe, zu verzichten. Seine einzige Absicht ist, so wenig wie möglich hinzuzufügen. Es ist so, als ob der Künstler der Leinwand selbst das Wort überlassen würde. Die Verwendung des Gewebes in seinem ursprünglichen Zustand bewirkt einen einzigen Effekt: Sie zeigt es genauso wie es ist. Mit einer minimalistischen, spannungsgeladener Formsprache schafft der Künstler jede deskriptive, sentimentale Metapher ab und erreicht dadurch eine komplette Unpersönlichkeit des Gegenstandes, an welchem nichts Anderes zu deuten bzw. zu sehen ist als das, was er eigentlich ist.

Die Oberfläche ist der Ort unendlicher Begegnungen, verzweifelter Erwartungen, tautologischer Vermessungen, existentieller Leiden und utopischer Konkretisierungen.
Enrico Castellani

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at