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Lot Nr. 33


Federico Barocci


Federico Barocci - Alte Meister

(Urbino 1535–1612)
Bildnis der Lavinia della Rovere (?),
Öl auf Leinwand, 49,5 x 38 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Urbino, Palazzo Ducale, I Della Rovere. Piero della Francesca, Raffaello, Tiziano, 4. April – 3. Oktober 2004, Nr. VIII.14
(als zugeschrieben an Federico Barocci)

Literatur:
I Della Rovere. Piero della Francesca, Raffaello, Tiziano, hg. von P. Dal Poggetto, Kat. Ausst., Mailand 2004, S. 349, Nr. VIII.14 (als Federico Barocci zugeschrieben);
A. Emiliani, Federico Barocci, Ancona 2008, Bd. I, S. 246, Nr. 31 (als Federico Barocci)

Das Gemälde zeichnet sich durch eine feine Ausgewogenheit zwischen idealisiertem Ausdruck und authentischen und von größtem Realismus gekennzeichneten Formen aus. Es vermittelt die für die Jugendzeit typische Mischung von Melancholie und Neugier, wobei im rechten Auge des Mädchens als kleines Detail ein ganz leichtes Schielen zu bemerken ist. Eine diagnostische Analyse hat gezeigt, dass der Künstler selbst die Pupille des betreffenden Auges im Nachhinein modifiziert hat, um diese bezaubernde Eigenart im Aussehen der Dargestellten hervorzuheben.
Stilistisch ist das Gemälde typisch für Baroccis Arbeitsweise. Mit großem Spürsinn macht er sich die Grundierung der Leinwand zunutze und baut diese in der von ihm meisterhaft beherrschten „Velatura“-Technik auf, indem er eine Malschicht über die andere legt. Das Bild ist im Bereich der Augen, der Wangen und der Wölbung des Gesichts, auf dem der Blick des Betrachters verweilt, vollendet ausgeführt, während es darüber hinaus nur skizziert oder grob umrissen ist. Barocci war ein kultivierter und feinsinniger Künstler mit einer ganz bestimmten Vorstellung von „finitura“ (Vollendung). Zuweilen wechseln selbst in seinen ambitioniertesten und größten Gemälden bis ins Detail ausgeführte Passagen mit bloß skizzierten ab. Im Fall des vorliegenden Gemäldes kann davon ausgegangen werden, dass es konzeptuell „vollendet“ ist. Das Gemälde weist eine akzentuierte Handhabung der Maltechnik in Öl in Richtung einer pastellartigen Weichheit auf, wie sie Barocci ab den 1560er-Jahren einsetzte, sodass das vorliegende Werk in diese Zeit datiert werden kann. Die subtilen Wechsel in der Farbigkeit und die bildnerische Ausführung rücken das vorliegende Werk in die Nähe von Gemälden, die in den frühen 1570er-Jahren entstanden sind, vor allem dem Bildnis des Francesco Maria della Rovere (Florenz, Uffizien; siehe A. Emiliani, Federico Barocci, I, Pesaro 1985, S. 87, Bildtafel S. 86), welches um 1572 zu datieren ist und denselben Hang zu einer weichen Lichtführung zeigt. Emiliani zufolge kann das vorliegende Bild nicht vor den Zeitraum zwischen 1575 und 1580 datiert werden, als die Madonna del Popolo in Florenz entstanden ist. Hinsichtlich der Identität der hier Dargestellten wurde vermutet, dass es sich um Lavinia della Rovere, eine Schwester Francesco Marias, handelt. Sie wurde 1559 geboren und heiratete 1583 Alfonso Felice d’Avalos, den Marchese del Vasto. Die Jugendlichkeit der Dargestellten, die hier zwischen dreizehn und sechzehn Jahre alt zu sein scheint, wäre genau Lavinias Alter in diesem Zeitraum gewesen. Ein von Barocci ausgeführtes Bildnis der Lavinia della Rovere wird nicht nur von Bellori (G. P. Bellori, Le Vite de’ Pittori, Scultori ed Architetti moderni, Rom 1672, S. 192) und Baldinucci (F. Baldinucci, Notizie de’ Professori del Disegno, Florenz 1681–1728, S. 349) erwähnt, sondern auch in einem von Bernardino Baldi zitierten Epigramm (B. Baldi, Gli epigrammi inediti, gli apologhi e le egloghe, hg. von D. Ciampoli, Lanciano 1914, Nr. 371).

Durch die Identifikation des vorliegenden Gemäldes mit jenem Porträt, auf das sich die oben erwähnten Quellen beziehen, würde die traditionelle Gleichsetzung von Lavinias Gesichtszügen mit dem Bildnis eines jungen Mädchens in den Uffizien (siehe Emiliani ebd., S. 244, Anm. 30; H. Olsen, Federico Barocci, Kopenhagen 1962, S. 157, Anm. 25) hinfällig.

Zusatzabbildung
F. Barocci, Porträt des Francesco Maria II. della Rovere, Uffizien, Florenz
© Su concessione del Ministero dei beni e delle attività culturali del turismo.

21.04.2015 - 18:00

Schätzwert:
EUR 300.000,- bis EUR 400.000,-

Federico Barocci


(Urbino 1535–1612)
Bildnis der Lavinia della Rovere (?),
Öl auf Leinwand, 49,5 x 38 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Urbino, Palazzo Ducale, I Della Rovere. Piero della Francesca, Raffaello, Tiziano, 4. April – 3. Oktober 2004, Nr. VIII.14
(als zugeschrieben an Federico Barocci)

Literatur:
I Della Rovere. Piero della Francesca, Raffaello, Tiziano, hg. von P. Dal Poggetto, Kat. Ausst., Mailand 2004, S. 349, Nr. VIII.14 (als Federico Barocci zugeschrieben);
A. Emiliani, Federico Barocci, Ancona 2008, Bd. I, S. 246, Nr. 31 (als Federico Barocci)

Das Gemälde zeichnet sich durch eine feine Ausgewogenheit zwischen idealisiertem Ausdruck und authentischen und von größtem Realismus gekennzeichneten Formen aus. Es vermittelt die für die Jugendzeit typische Mischung von Melancholie und Neugier, wobei im rechten Auge des Mädchens als kleines Detail ein ganz leichtes Schielen zu bemerken ist. Eine diagnostische Analyse hat gezeigt, dass der Künstler selbst die Pupille des betreffenden Auges im Nachhinein modifiziert hat, um diese bezaubernde Eigenart im Aussehen der Dargestellten hervorzuheben.
Stilistisch ist das Gemälde typisch für Baroccis Arbeitsweise. Mit großem Spürsinn macht er sich die Grundierung der Leinwand zunutze und baut diese in der von ihm meisterhaft beherrschten „Velatura“-Technik auf, indem er eine Malschicht über die andere legt. Das Bild ist im Bereich der Augen, der Wangen und der Wölbung des Gesichts, auf dem der Blick des Betrachters verweilt, vollendet ausgeführt, während es darüber hinaus nur skizziert oder grob umrissen ist. Barocci war ein kultivierter und feinsinniger Künstler mit einer ganz bestimmten Vorstellung von „finitura“ (Vollendung). Zuweilen wechseln selbst in seinen ambitioniertesten und größten Gemälden bis ins Detail ausgeführte Passagen mit bloß skizzierten ab. Im Fall des vorliegenden Gemäldes kann davon ausgegangen werden, dass es konzeptuell „vollendet“ ist. Das Gemälde weist eine akzentuierte Handhabung der Maltechnik in Öl in Richtung einer pastellartigen Weichheit auf, wie sie Barocci ab den 1560er-Jahren einsetzte, sodass das vorliegende Werk in diese Zeit datiert werden kann. Die subtilen Wechsel in der Farbigkeit und die bildnerische Ausführung rücken das vorliegende Werk in die Nähe von Gemälden, die in den frühen 1570er-Jahren entstanden sind, vor allem dem Bildnis des Francesco Maria della Rovere (Florenz, Uffizien; siehe A. Emiliani, Federico Barocci, I, Pesaro 1985, S. 87, Bildtafel S. 86), welches um 1572 zu datieren ist und denselben Hang zu einer weichen Lichtführung zeigt. Emiliani zufolge kann das vorliegende Bild nicht vor den Zeitraum zwischen 1575 und 1580 datiert werden, als die Madonna del Popolo in Florenz entstanden ist. Hinsichtlich der Identität der hier Dargestellten wurde vermutet, dass es sich um Lavinia della Rovere, eine Schwester Francesco Marias, handelt. Sie wurde 1559 geboren und heiratete 1583 Alfonso Felice d’Avalos, den Marchese del Vasto. Die Jugendlichkeit der Dargestellten, die hier zwischen dreizehn und sechzehn Jahre alt zu sein scheint, wäre genau Lavinias Alter in diesem Zeitraum gewesen. Ein von Barocci ausgeführtes Bildnis der Lavinia della Rovere wird nicht nur von Bellori (G. P. Bellori, Le Vite de’ Pittori, Scultori ed Architetti moderni, Rom 1672, S. 192) und Baldinucci (F. Baldinucci, Notizie de’ Professori del Disegno, Florenz 1681–1728, S. 349) erwähnt, sondern auch in einem von Bernardino Baldi zitierten Epigramm (B. Baldi, Gli epigrammi inediti, gli apologhi e le egloghe, hg. von D. Ciampoli, Lanciano 1914, Nr. 371).

Durch die Identifikation des vorliegenden Gemäldes mit jenem Porträt, auf das sich die oben erwähnten Quellen beziehen, würde die traditionelle Gleichsetzung von Lavinias Gesichtszügen mit dem Bildnis eines jungen Mädchens in den Uffizien (siehe Emiliani ebd., S. 244, Anm. 30; H. Olsen, Federico Barocci, Kopenhagen 1962, S. 157, Anm. 25) hinfällig.

Zusatzabbildung
F. Barocci, Porträt des Francesco Maria II. della Rovere, Uffizien, Florenz
© Su concessione del Ministero dei beni e delle attività culturali del turismo.


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 21.04.2015 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 11.04. - 21.04.2015