Lot Nr. 710 #


Sigmar Polke *


Sigmar Polke * - Zeitgenössische Kunst, Teil 1

(Oels/Niederschlesien 1942–2010 Köln)
Ohne Titel, signiert, datiert Sigmar Polke 1986, Acryl, Gouache auf Karton, 199 x 135,5 cm, gerahmt, (PS)

Die Arbeit wurde dem Sigmar Polke Estate, Köln im Original vorgelegt und wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog aufgenommen.

Wir danken Herrn Michael Trier, Sigmar Polke Estate Köln für die freundliche Unterstützung

Provenienz:
Galerie Stefan Röpke, Köln (Galerieaufkleber auf der Rahmenrückwand)
Privatsammlung, Deutschland

„Als ich wiederkam von der Reise, bin ich sofort an die Arbeit gegangen und habe sehr viel gemalt. Das war 1981/82. Da fing ich an über Farbe nachzudenken und über die Handhabe, aber ich reflektierte auch darüber, beispielsweise wie der Hinduismus Farbe erklärt und benutzt oder wie die Australier die Farbe benutzen. Wie sie die Farbe gewinnen und was Farbe ist. Und die ganze Geschichte mit dem Rot und dem Gelb und Grün aus der Tube, was schon seine Richtigkeit hat, aber ich habe angefangen, darüber nachzudenken, was das ist. Da kommst du auch auf die Farbpsychologie, die irgendwie hier praktiziert wird, was man mit der Farbe machen kann.
Aber wenn Du siehst, wie die Farbe gewonnen wird, was das z.B. für Erden sind […]
Ich bin bei den Farben eingestiegen, bin aber nicht auf Erdfarben gekommen, sondern auf Violett.
Eine ganz abstrakte Angelegenheit, die es nur hier gibt.“ (1)
(1) Sigmar Polke, la peinture est une ignonimie interwie pas Bice Curiger, Art Press Nr. 91 Paris 1984, S. 8

„Es sind die Prozesse an und für sich, die mich interessieren. Das Bild ist nicht wirklich nötig.
Das Unvorhersehbare erweist sich als das Interessante.“ (1)

In den 1960er Jahren begründete Sigmar Polke zusammen mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner eine neue Stilrichtung, die sie „Kapitalistischer Realismus“ nannten. Darin karikierten die Künstler die Sehnsüchte der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Polkes Strategien waren jedoch heterogen und lassen sich keiner Stilrichtung eindeutig zuordnen. Vielen Menschen gibt Sigmar Polke als Künstler als auch als Person Rätsel auf. Immer voller Überraschungen und nie vorhersehbar entzieht sich seine Kunst den bequemen Regeln und Strukturen einer linearen Geschichte oder Säuberlichen Klassifikation.

„Ich mag es wenn meine Kunst Bezüge zur Vergangenheit, zu meinen Wurzeln aufweist. Ich kann nicht vergessen was meine Vorfahren gemacht haben. Auch wenn die Resultate neu aussehen, was mich betrifft, ich schlage als Künstler einen akademischen Pfad ein. Ich verfolge gerne gewisse Bilder, Techniken und Probleme. Es ist eine Methode, das zu verstehen, was stark von der Tradition bedingt ist. Je mehr man weiß, desto mehr sieht man was andere geleistet haben. Man existiert nicht in einem Vakuum, man ist eingebunden in der Zeit.“ (2)

Polke gehört zu den wenigen Künstlern die unabhängig vom Maßstab arbeiten können und gerade deshalb hat er das ständige Spielen mit Größenverhältnissen zu einem bevorzugten schöpferischen Prinzip erkoren. Im Unterschied zu amerikanischen Künstlern der Popart beanspruchen Tafelbild und Zeichnung bei Polke einen gleichwertigen Rang.
Von dem traditionellen Medium der Leinwand wendet sich Polke bewusst ab und verwendet häufig andere Materialien als Malgrund. Unter den zahlreichen Materialien und Techniken, derer Polke sich bedient, kommt damit der Leinwand keine wesentlich andere Rolle als etwa vorbedruckten Dekostoffen, dem Karton, oder der Fotografie zu.
In den achtziger und neunziger Jahren kehrt Polke zur Malerei zurück. Minimiert und dem gegenständlich-lesbaren verhaftet, vertiefte Polke Einsichten, die seine früheren Arbeiten auf Papier bereits vorbereiteten und steigert sie wie bei diesem Werk auf ein monumentales Maß. In lavierender Manier und zeichnerischer Technik variiert Polke Motive aus der Werbung, Filmwelt oder Comics.

Der Betrachter ist angehalten zu ergründen was ein Gemälde eigentlich ausmacht: die Abbildung auf der Oberfläche, der Aufbau der physischen Halterung oder die magische Kombination aus den Grundmaterialien und der Inspiration des Künstlers.
In diesem Werk werden erprobte Linienfigurationen wie riesige Versatzstücke in die farbige Textur eines Gemäldes übersetzt. Gesättigte, deckende Linien in der dominierenden Form eines Gitters oder eines Rahmenmusters bilden lineare, Raum durchmessenden Koordinaten. Das Thema des Gitters als eine der einfachsten zeichnerischen Grundformen wird gleichsam verwandelt und ironisiert, indem an- und abschwellenden Konturen wiedergegebener Symbole das Liniengefüge konterkarieren. Diese Technik erzeugt ein oszillierende Ineinander Spielen von Positiv und Negativ, von Plastischem Skelett und immaterieller „Haut“, die sich in den flächig aufgetragene Lasuren mit verdünnter, blau violetter Farbe durchscheinend dazwischen spannt.

(1) Sigmar Polke zitiert in: Sigmar Polke Farbproben- Materialversuche-Probierbilder aus den Jahren 1973-86, Köln 1999 o. S.
(2) Sigmar Polke im Gespräch mit Martin Gayford: A weird Intelligence, in: Modern Painters, Winter 2003 S.8

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

26.11.2014 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 588.533,-
Schätzwert:
EUR 450.000,- bis EUR 550.000,-

Sigmar Polke *


(Oels/Niederschlesien 1942–2010 Köln)
Ohne Titel, signiert, datiert Sigmar Polke 1986, Acryl, Gouache auf Karton, 199 x 135,5 cm, gerahmt, (PS)

Die Arbeit wurde dem Sigmar Polke Estate, Köln im Original vorgelegt und wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog aufgenommen.

Wir danken Herrn Michael Trier, Sigmar Polke Estate Köln für die freundliche Unterstützung

Provenienz:
Galerie Stefan Röpke, Köln (Galerieaufkleber auf der Rahmenrückwand)
Privatsammlung, Deutschland

„Als ich wiederkam von der Reise, bin ich sofort an die Arbeit gegangen und habe sehr viel gemalt. Das war 1981/82. Da fing ich an über Farbe nachzudenken und über die Handhabe, aber ich reflektierte auch darüber, beispielsweise wie der Hinduismus Farbe erklärt und benutzt oder wie die Australier die Farbe benutzen. Wie sie die Farbe gewinnen und was Farbe ist. Und die ganze Geschichte mit dem Rot und dem Gelb und Grün aus der Tube, was schon seine Richtigkeit hat, aber ich habe angefangen, darüber nachzudenken, was das ist. Da kommst du auch auf die Farbpsychologie, die irgendwie hier praktiziert wird, was man mit der Farbe machen kann.
Aber wenn Du siehst, wie die Farbe gewonnen wird, was das z.B. für Erden sind […]
Ich bin bei den Farben eingestiegen, bin aber nicht auf Erdfarben gekommen, sondern auf Violett.
Eine ganz abstrakte Angelegenheit, die es nur hier gibt.“ (1)
(1) Sigmar Polke, la peinture est une ignonimie interwie pas Bice Curiger, Art Press Nr. 91 Paris 1984, S. 8

„Es sind die Prozesse an und für sich, die mich interessieren. Das Bild ist nicht wirklich nötig.
Das Unvorhersehbare erweist sich als das Interessante.“ (1)

In den 1960er Jahren begründete Sigmar Polke zusammen mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner eine neue Stilrichtung, die sie „Kapitalistischer Realismus“ nannten. Darin karikierten die Künstler die Sehnsüchte der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Polkes Strategien waren jedoch heterogen und lassen sich keiner Stilrichtung eindeutig zuordnen. Vielen Menschen gibt Sigmar Polke als Künstler als auch als Person Rätsel auf. Immer voller Überraschungen und nie vorhersehbar entzieht sich seine Kunst den bequemen Regeln und Strukturen einer linearen Geschichte oder Säuberlichen Klassifikation.

„Ich mag es wenn meine Kunst Bezüge zur Vergangenheit, zu meinen Wurzeln aufweist. Ich kann nicht vergessen was meine Vorfahren gemacht haben. Auch wenn die Resultate neu aussehen, was mich betrifft, ich schlage als Künstler einen akademischen Pfad ein. Ich verfolge gerne gewisse Bilder, Techniken und Probleme. Es ist eine Methode, das zu verstehen, was stark von der Tradition bedingt ist. Je mehr man weiß, desto mehr sieht man was andere geleistet haben. Man existiert nicht in einem Vakuum, man ist eingebunden in der Zeit.“ (2)

Polke gehört zu den wenigen Künstlern die unabhängig vom Maßstab arbeiten können und gerade deshalb hat er das ständige Spielen mit Größenverhältnissen zu einem bevorzugten schöpferischen Prinzip erkoren. Im Unterschied zu amerikanischen Künstlern der Popart beanspruchen Tafelbild und Zeichnung bei Polke einen gleichwertigen Rang.
Von dem traditionellen Medium der Leinwand wendet sich Polke bewusst ab und verwendet häufig andere Materialien als Malgrund. Unter den zahlreichen Materialien und Techniken, derer Polke sich bedient, kommt damit der Leinwand keine wesentlich andere Rolle als etwa vorbedruckten Dekostoffen, dem Karton, oder der Fotografie zu.
In den achtziger und neunziger Jahren kehrt Polke zur Malerei zurück. Minimiert und dem gegenständlich-lesbaren verhaftet, vertiefte Polke Einsichten, die seine früheren Arbeiten auf Papier bereits vorbereiteten und steigert sie wie bei diesem Werk auf ein monumentales Maß. In lavierender Manier und zeichnerischer Technik variiert Polke Motive aus der Werbung, Filmwelt oder Comics.

Der Betrachter ist angehalten zu ergründen was ein Gemälde eigentlich ausmacht: die Abbildung auf der Oberfläche, der Aufbau der physischen Halterung oder die magische Kombination aus den Grundmaterialien und der Inspiration des Künstlers.
In diesem Werk werden erprobte Linienfigurationen wie riesige Versatzstücke in die farbige Textur eines Gemäldes übersetzt. Gesättigte, deckende Linien in der dominierenden Form eines Gitters oder eines Rahmenmusters bilden lineare, Raum durchmessenden Koordinaten. Das Thema des Gitters als eine der einfachsten zeichnerischen Grundformen wird gleichsam verwandelt und ironisiert, indem an- und abschwellenden Konturen wiedergegebener Symbole das Liniengefüge konterkarieren. Diese Technik erzeugt ein oszillierende Ineinander Spielen von Positiv und Negativ, von Plastischem Skelett und immaterieller „Haut“, die sich in den flächig aufgetragene Lasuren mit verdünnter, blau violetter Farbe durchscheinend dazwischen spannt.

(1) Sigmar Polke zitiert in: Sigmar Polke Farbproben- Materialversuche-Probierbilder aus den Jahren 1973-86, Köln 1999 o. S.
(2) Sigmar Polke im Gespräch mit Martin Gayford: A weird Intelligence, in: Modern Painters, Winter 2003 S.8

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst, Teil 1
Datum: 26.11.2014 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 15.11. - 26.11.2014


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.