Lot Nr. 808


Lucio Fontana *


Lucio Fontana * - Zeitgenössische Kunst, Teil 1

(Rosario di Santa Fe, Argentinien 1899–1968 Comabbio)
Concetto Spaziale, signiert, datiert L. Fontana 57, rückseitig betitelt, signiert, datiert Concetto Spaziale l. fontana 57, Öl, Glitzer, Löcher auf Leinwand, 100 x 81,4 cm, gerahmt, (PP)

Das Werk ist im Archivio Lucio Fontana unter der Nummer 57 BA 26 registriert.

Provenienz:
Galleria La Salita, Rom (rückseitig Aufkleber)
Privatsammlung, Bologna
Christie’s London, 30. Juni 2009, Lot 17 (Provenienz-Zertifikat vorhanden)
Privatsammlung, Europa

Ausstellungen:
Kopenhagen, Moderne Italienisk Maleri, 1958, Nr. 74 mit Abb. (rückseitig Aufkleber);
Rom, Galleria d’Arte Moderna, Pittura italiana contemporanea, Juni - Oktober 1958;
Faenza, Galleria Comunale d’Arte, Omaggio a Gian Tomaso Liverani gentiluomo faentino e gallerista d’avanguardia, September 2002 - Januar 2003, Nr. 2 mit Abb.

Literatur:
A. Pellegrini, New Tendencies in Art, New York 1966 mit Abb. Seite 81;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogue raisonné des peintures, sculptures et environnements spatiaux, Band II, Brüssel 1974, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 53;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogo generale, Band I, Mailand 1986, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 180;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogo ragionato di sculture, dipinti, ambientazioni, Band I, Mailand 2006, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 334

„[Ü]ber die Perspektive hinaus … stellt die Entdeckung des Kosmos eine neue Dimension dar, jene der Unendlichkeit, also mache ich ein Loch in diese Leinwand, die aller Kunst zugrunde lag, und habe damit eine Dimension des Unendlichen geschaffen… Genau dieser Gedanke steckt dahinter, es handelt sich um eine neue Dimension, die dem Kosmos gleichkommt… Und eben durch das Loch entsteht diese Leere dahinter… Einsteins Entdeckung des Kosmos in der Dimension der Unendlichkeit, des Grenzenlosen. Und was wir hier haben sind: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund… Was muss also ich tun, um weiter zu gehen? … Ich mache Löcher, die Unendlichkeit geht durch sie hindurch, Licht geht durch sie hindurch…”
(Lucio Fontana, zitiert in E. Crispolti, „Spatialism and Informel. The Fifties“, S. 144–150, in: Lucio Fontana, Ausstellungskatalog, Mailand 1998, S. 146)

„Jetzt ist eine Kunstform gefordert, die auf die Notwendigkeit dieser neuen Vision eingeht. Das Barock hat uns in all seiner immer noch unerreichten Pracht diesen Weg gewiesen – wo die plastische Form untrennbar mit der Vorstellung von Zeit verbunden ist, scheinen die Bilder die Fläche hinter sich zu lassen und die Bewegungen, die sie suggerieren, sich im Raum fortzusetzen. Diese Auffassung ergab sich aus der neuen Vorstellung des Menschen vom Sein der Dinge; in der Physik hat sich damals erstmals das Wesen der Dynamik offenbart. Es gilt als gegeben, dass Bewegung eine wesentliche Conditio von Materie am Beginn der Entstehung des Universums ist.“
(Lucio Fontana, Manifesto tecnico dello Spazialismo, 1946)

Im Jahr 1957 entstanden, zählt Concetto Spaziale zu Lucio Fontanas wichtiger und berühmter Barockserie. Die lebendige Komposition erinnert zusammen mit der kühnen Pinselführung und dem strahlenden Leuchten an Elemente des Informel; die Oberfläche wird von Kontrasten bestimmt, wobei glitzernde, über die dick aufgetragene Farbschicht verstreute Sandpartikel und tiefe Löcher das Glühen noch verstärken. Das Aufblitzen der gelben Farbe verleiht der Oberfläche, die bereits mit Gegensätzen in der Textur – Glitter und in die Oberfläche gestochenen Löchern -– übersät ist, noch ein zusätzliches dynamisches Moment. Die gewagte Farbigkeit und die eindrucksvolle Verteilung von Licht intensivieren das Gefühl räumlicher Unendlichkeit und weisen das Gemälde als ein Meisterwerk des Künstlers aus. Die Dynamik des Bildes ergibt sich nicht zuletzt aus den gelben Flecken, die das Gemälde strukturieren und deren Konturen und Formen den Eindruck von Bewegung erwecken.
Wie kein anderer Zyklus bringen die Barocchi Fontanas Begeisterung für die Ästhetik des Barock zum Ausdruck, auf die er sich sein gesamtes Schaffen hindurch immer wieder berief. Bewegung, das Vergehen von Zeit, die den Raum durchwandernde Materie bilden den Kern von Fontanas Raumkunst. Und genau dieser Sinn für Bewegung war im Barock so entscheidend, wie Fontana selbst immer wieder erklärte.

Ein sehr ähnliches zu dem hier vorliegenden Werk der Barockserie (ref. 57 BA 52) ist in Rom in der GNAM (Galleria Nazionale d’Arte Moderna) aufbewahrt.

Artikel Lucio Fontana – Barock Neu

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

20.05.2014 - 19:00

Erzielter Preis: **
EUR 1.079.300,-
Schätzwert:
EUR 700.000,- bis EUR 1.000.000,-

Lucio Fontana *


(Rosario di Santa Fe, Argentinien 1899–1968 Comabbio)
Concetto Spaziale, signiert, datiert L. Fontana 57, rückseitig betitelt, signiert, datiert Concetto Spaziale l. fontana 57, Öl, Glitzer, Löcher auf Leinwand, 100 x 81,4 cm, gerahmt, (PP)

Das Werk ist im Archivio Lucio Fontana unter der Nummer 57 BA 26 registriert.

Provenienz:
Galleria La Salita, Rom (rückseitig Aufkleber)
Privatsammlung, Bologna
Christie’s London, 30. Juni 2009, Lot 17 (Provenienz-Zertifikat vorhanden)
Privatsammlung, Europa

Ausstellungen:
Kopenhagen, Moderne Italienisk Maleri, 1958, Nr. 74 mit Abb. (rückseitig Aufkleber);
Rom, Galleria d’Arte Moderna, Pittura italiana contemporanea, Juni - Oktober 1958;
Faenza, Galleria Comunale d’Arte, Omaggio a Gian Tomaso Liverani gentiluomo faentino e gallerista d’avanguardia, September 2002 - Januar 2003, Nr. 2 mit Abb.

Literatur:
A. Pellegrini, New Tendencies in Art, New York 1966 mit Abb. Seite 81;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogue raisonné des peintures, sculptures et environnements spatiaux, Band II, Brüssel 1974, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 53;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogo generale, Band I, Mailand 1986, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 180;
E. Crispolti, Lucio Fontana: catalogo ragionato di sculture, dipinti, ambientazioni, Band I, Mailand 2006, Nr. 57 BA 26 mit Abb. Seite 334

„[Ü]ber die Perspektive hinaus … stellt die Entdeckung des Kosmos eine neue Dimension dar, jene der Unendlichkeit, also mache ich ein Loch in diese Leinwand, die aller Kunst zugrunde lag, und habe damit eine Dimension des Unendlichen geschaffen… Genau dieser Gedanke steckt dahinter, es handelt sich um eine neue Dimension, die dem Kosmos gleichkommt… Und eben durch das Loch entsteht diese Leere dahinter… Einsteins Entdeckung des Kosmos in der Dimension der Unendlichkeit, des Grenzenlosen. Und was wir hier haben sind: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund… Was muss also ich tun, um weiter zu gehen? … Ich mache Löcher, die Unendlichkeit geht durch sie hindurch, Licht geht durch sie hindurch…”
(Lucio Fontana, zitiert in E. Crispolti, „Spatialism and Informel. The Fifties“, S. 144–150, in: Lucio Fontana, Ausstellungskatalog, Mailand 1998, S. 146)

„Jetzt ist eine Kunstform gefordert, die auf die Notwendigkeit dieser neuen Vision eingeht. Das Barock hat uns in all seiner immer noch unerreichten Pracht diesen Weg gewiesen – wo die plastische Form untrennbar mit der Vorstellung von Zeit verbunden ist, scheinen die Bilder die Fläche hinter sich zu lassen und die Bewegungen, die sie suggerieren, sich im Raum fortzusetzen. Diese Auffassung ergab sich aus der neuen Vorstellung des Menschen vom Sein der Dinge; in der Physik hat sich damals erstmals das Wesen der Dynamik offenbart. Es gilt als gegeben, dass Bewegung eine wesentliche Conditio von Materie am Beginn der Entstehung des Universums ist.“
(Lucio Fontana, Manifesto tecnico dello Spazialismo, 1946)

Im Jahr 1957 entstanden, zählt Concetto Spaziale zu Lucio Fontanas wichtiger und berühmter Barockserie. Die lebendige Komposition erinnert zusammen mit der kühnen Pinselführung und dem strahlenden Leuchten an Elemente des Informel; die Oberfläche wird von Kontrasten bestimmt, wobei glitzernde, über die dick aufgetragene Farbschicht verstreute Sandpartikel und tiefe Löcher das Glühen noch verstärken. Das Aufblitzen der gelben Farbe verleiht der Oberfläche, die bereits mit Gegensätzen in der Textur – Glitter und in die Oberfläche gestochenen Löchern -– übersät ist, noch ein zusätzliches dynamisches Moment. Die gewagte Farbigkeit und die eindrucksvolle Verteilung von Licht intensivieren das Gefühl räumlicher Unendlichkeit und weisen das Gemälde als ein Meisterwerk des Künstlers aus. Die Dynamik des Bildes ergibt sich nicht zuletzt aus den gelben Flecken, die das Gemälde strukturieren und deren Konturen und Formen den Eindruck von Bewegung erwecken.
Wie kein anderer Zyklus bringen die Barocchi Fontanas Begeisterung für die Ästhetik des Barock zum Ausdruck, auf die er sich sein gesamtes Schaffen hindurch immer wieder berief. Bewegung, das Vergehen von Zeit, die den Raum durchwandernde Materie bilden den Kern von Fontanas Raumkunst. Und genau dieser Sinn für Bewegung war im Barock so entscheidend, wie Fontana selbst immer wieder erklärte.

Ein sehr ähnliches zu dem hier vorliegenden Werk der Barockserie (ref. 57 BA 52) ist in Rom in der GNAM (Galleria Nazionale d’Arte Moderna) aufbewahrt.

Artikel Lucio Fontana – Barock Neu

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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst, Teil 1
Datum: 20.05.2014 - 19:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 10.05. - 20.05.2014


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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