Lot Nr. 198


Josef Danhauser


Josef Danhauser - Gemälde des 19. Jahrhunderts

(Wien 1805–1845)
Im Maleratelier, Öl auf Leinwand, 33,4 x 27,4 cm, gerahmt, (Rei)

Wir danken Dr. Sabine Grabner für die wissenschaftliche Unterstützung.

Josef Danhauser ist einer der ersten Künstler, die den Alltag im Atelier auf humorvolle Weise abgebildet haben. Damals konnte er noch auf keine gebräuchliche Bildform zurückgreifen, denn Darstellungen von Malern waren bis dahin auf Selbstportraits beschränkt. Im Gegensatz zu diesen, die allein die eigene Person und die berufliche Würde thematisieren, klammerte sich Danhauser in seinen Atelierdarstellungen selbst aus, brachte eigene Situationskenntnisse ein und schilderte die Begebenheiten als Beobachter von außen. Schon mit seinen ersten Werken dieses Genres, dem „Scholarenzimmer“ (1828) und der „Komischen Szenen im Atelier“ (1829, beide Wien, Belvedere), ermöglichte er den Blick hinter die Kulisse des Malerdaseins. Doch konzentrierte er sich nicht nur aufs Darstellen, sondern er nutzte dieses Thema zugleich für einen humorvoll vorgetragenen Tadel an der zu seiner Zeit gängigen Kunstpraxis, das Leben anhand von Bildvorlagen zu veranschaulichen, anstatt es in natura zu studieren.
Diese kritische Haltung ist im vorliegenden Bild beiseite gelassen. Zwar findet man nun wieder denselben Maler mit den grünen Gamaschenhosen und der blauen Mütze, doch ist er hier nicht als Vertreter des veralteten Malerbetriebes zu verstehen, sondern als gewandter Künstler, der mit raschen Strichen die Figur eines antiken Soldaten auf die Leinwand zeichnet. Ein Augenzwinkern konnte sich Danhauser aber auch hier nicht verkneifen, denn die bunten Klekse auf der Hose des Malers geben Anlass zur Vermutung, dass der Meister kurz zuvor auf der Malerkiste Platz genommen hatte, entsprechen doch die Farben eben jenen auf der dort liegenden Palette. Zusätzlich ist die Szene anekdotisch angereichert, das Modell macht es sich soeben bequem, hat den Helm abgenommen und langt mit der anderen Hand nach der Tabakdose, die ihm der Maler entgegen hält. Wie wir es bei Danhauser gewohnt sind, sind die Einzelheiten liebevoll ausgeführt, so sehen wir etwa das Messer, mit dem zuvor die Kreide zum Zeichnen zugeschnitten wurde, wir erhalten einen Eindruck vom Zeichengerät in der Hand des Künstlers, das an der unteren Seite vermutlich den Rötel fasst, auf der anderen Seite die weiße Kreide. Interessant ist auch die Mechanik der beiden hinteren Staffeleien, deren drei Füße sich durch ein rundes Drehgelenk beliebig weit ausdehnen lassen. Dazu finden sich viele weitere bemerkenswerte Details, etwa der dünne Polster am Boden, der verhindern soll, dass des „Kriegers“ Füße zu kalt würden, die wohlig zusammengerollte Katze, das notdürftig umkleidete Ofenrohr oder das Brennholz in der Steige darunter. Darüber hinaus zeigt dieses Bild eine weitere Besonderheit, denn an dessen Schmalseiten, also auf der Leinwand, die sich über den Keilrahmen legt, gibt es mehrere Farbstriche in verschiedenen Tönungen. Danhauser hat hier offensichtlich die Farbe aus seinem Pinsel gestrichen, ihn auf diese Weise sozusagen „zugespitzt“, um feiner zeichnen zu können.
Die liebevolle Schilderung des Ateliers mit dem Maler und seinem Modell lässt Danhausers ausgeprägte Beobachtungsgabe nicht übersehen. Schon als junger Künstler hatte er erkannt, dass sein Metier viele interessante Darstellungsmotive bereithält, denn Atelierdarstellungen begleiteten ihn vom Beginn seiner Laufbahn an sein ganzes Leben hindurch. Das vorliegende Bild stimmt jedoch mit keiner dieser im Werkverzeichnis (1) genannten Arbeiten überein, sei es wegen unterschiedlicher Maße, eines anderen Bildträgers, oder aber aufgrund einer divergierenden Beschreibung des Bildes. (2) Es handelt sich hier tatsächlich um ein bislang völlig unbekanntes Werk des jungen Malers Josef Danhauser. Seine Entstehung ist im Umkreis der „Komischen Szene im Atelier“ anzusetzen, also im Jahre 1829 und wird als Nr. 47a ins Werkverzeichnis aufgenommen.
Dr. Sabine Grabner

(1) Sabine Grabner, Der Maler Josef Danhauser. Biedermeierzeit im Bild. Monografie und Werkverzeichnis, Wien-Köln-Weimar 2011.
(2) Werkverzeichnis-Nr. 48 kommt dafür, trotz ähnlicher Maße, nicht in Frage, zumal die Beschreibung im Auktionskatalog von 1907 von einem Maler mit der neben ihm stehenden Frau und einem Knaben berichtet (Kunstauktionen Wawra, 6./7.12.1905, Nr. 27).

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

08.04.2014 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 24.700,-
Schätzwert:
EUR 20.000,- bis EUR 25.000,-

Josef Danhauser


(Wien 1805–1845)
Im Maleratelier, Öl auf Leinwand, 33,4 x 27,4 cm, gerahmt, (Rei)

Wir danken Dr. Sabine Grabner für die wissenschaftliche Unterstützung.

Josef Danhauser ist einer der ersten Künstler, die den Alltag im Atelier auf humorvolle Weise abgebildet haben. Damals konnte er noch auf keine gebräuchliche Bildform zurückgreifen, denn Darstellungen von Malern waren bis dahin auf Selbstportraits beschränkt. Im Gegensatz zu diesen, die allein die eigene Person und die berufliche Würde thematisieren, klammerte sich Danhauser in seinen Atelierdarstellungen selbst aus, brachte eigene Situationskenntnisse ein und schilderte die Begebenheiten als Beobachter von außen. Schon mit seinen ersten Werken dieses Genres, dem „Scholarenzimmer“ (1828) und der „Komischen Szenen im Atelier“ (1829, beide Wien, Belvedere), ermöglichte er den Blick hinter die Kulisse des Malerdaseins. Doch konzentrierte er sich nicht nur aufs Darstellen, sondern er nutzte dieses Thema zugleich für einen humorvoll vorgetragenen Tadel an der zu seiner Zeit gängigen Kunstpraxis, das Leben anhand von Bildvorlagen zu veranschaulichen, anstatt es in natura zu studieren.
Diese kritische Haltung ist im vorliegenden Bild beiseite gelassen. Zwar findet man nun wieder denselben Maler mit den grünen Gamaschenhosen und der blauen Mütze, doch ist er hier nicht als Vertreter des veralteten Malerbetriebes zu verstehen, sondern als gewandter Künstler, der mit raschen Strichen die Figur eines antiken Soldaten auf die Leinwand zeichnet. Ein Augenzwinkern konnte sich Danhauser aber auch hier nicht verkneifen, denn die bunten Klekse auf der Hose des Malers geben Anlass zur Vermutung, dass der Meister kurz zuvor auf der Malerkiste Platz genommen hatte, entsprechen doch die Farben eben jenen auf der dort liegenden Palette. Zusätzlich ist die Szene anekdotisch angereichert, das Modell macht es sich soeben bequem, hat den Helm abgenommen und langt mit der anderen Hand nach der Tabakdose, die ihm der Maler entgegen hält. Wie wir es bei Danhauser gewohnt sind, sind die Einzelheiten liebevoll ausgeführt, so sehen wir etwa das Messer, mit dem zuvor die Kreide zum Zeichnen zugeschnitten wurde, wir erhalten einen Eindruck vom Zeichengerät in der Hand des Künstlers, das an der unteren Seite vermutlich den Rötel fasst, auf der anderen Seite die weiße Kreide. Interessant ist auch die Mechanik der beiden hinteren Staffeleien, deren drei Füße sich durch ein rundes Drehgelenk beliebig weit ausdehnen lassen. Dazu finden sich viele weitere bemerkenswerte Details, etwa der dünne Polster am Boden, der verhindern soll, dass des „Kriegers“ Füße zu kalt würden, die wohlig zusammengerollte Katze, das notdürftig umkleidete Ofenrohr oder das Brennholz in der Steige darunter. Darüber hinaus zeigt dieses Bild eine weitere Besonderheit, denn an dessen Schmalseiten, also auf der Leinwand, die sich über den Keilrahmen legt, gibt es mehrere Farbstriche in verschiedenen Tönungen. Danhauser hat hier offensichtlich die Farbe aus seinem Pinsel gestrichen, ihn auf diese Weise sozusagen „zugespitzt“, um feiner zeichnen zu können.
Die liebevolle Schilderung des Ateliers mit dem Maler und seinem Modell lässt Danhausers ausgeprägte Beobachtungsgabe nicht übersehen. Schon als junger Künstler hatte er erkannt, dass sein Metier viele interessante Darstellungsmotive bereithält, denn Atelierdarstellungen begleiteten ihn vom Beginn seiner Laufbahn an sein ganzes Leben hindurch. Das vorliegende Bild stimmt jedoch mit keiner dieser im Werkverzeichnis (1) genannten Arbeiten überein, sei es wegen unterschiedlicher Maße, eines anderen Bildträgers, oder aber aufgrund einer divergierenden Beschreibung des Bildes. (2) Es handelt sich hier tatsächlich um ein bislang völlig unbekanntes Werk des jungen Malers Josef Danhauser. Seine Entstehung ist im Umkreis der „Komischen Szene im Atelier“ anzusetzen, also im Jahre 1829 und wird als Nr. 47a ins Werkverzeichnis aufgenommen.
Dr. Sabine Grabner

(1) Sabine Grabner, Der Maler Josef Danhauser. Biedermeierzeit im Bild. Monografie und Werkverzeichnis, Wien-Köln-Weimar 2011.
(2) Werkverzeichnis-Nr. 48 kommt dafür, trotz ähnlicher Maße, nicht in Frage, zumal die Beschreibung im Auktionskatalog von 1907 von einem Maler mit der neben ihm stehenden Frau und einem Knaben berichtet (Kunstauktionen Wawra, 6./7.12.1905, Nr. 27).

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 08.04.2014 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 29.03. - 08.04.2014


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.