Lot Nr. 112


Jan van Kessel I.


(Antwerpen 1626–1679)
Blumenkranz um eine Kartusche mit der Heiligen Familie und Putten,
signiert: J. V. Kessel fecit,
Öl auf Leinwand, 119,4 x 88,9 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Campo & Campo, Antwerpen, 12. Dezember 2000, Lot 605;
Privatsammlung, Belgien

Literatur:
K. Ertz, Die Maler Jan van Kessel, Lingen 2012, S. 346, Nr. 600

Klaus Ertz datiert das vorliegende Gemälde in die Zeit um 1660. Die Figuren des vorliegenden Gemäldes stammen vermutlich von Cornelis Schut (1597–1655).

Jan van Kessel stützt sich bei diesem reich gestalteten Blumenstück auf eine etablierte flämische Ikonografie. Er war ein Schüler des Antwerpener Künstlers Daniel Seghers, dessen Stils er sich bei diesem Gemälde bedient haben mag, welches wohl auch Einflüsse aus dem Schaffen Jan Davidsz. de Heems, eines der führenden Stilllebenmaler Flanderns, zeigt. Die eine steinerne Kartusche umschließende Blumengirlande wurde in der Tat zum Markenzeichen der Malerei Daniel Seghers’. Diese wichtige flämische Bildinnovation lässt sich bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts und zum Werk Jan Brueghels d. Ä. zurückverfolgen. In der Sammlung des später heiliggesprochenen Kardinals Karl Borromäus befand sich das von einem Blumenkranz gerahmte Bild einer Madonna mit Kind von Jan Brueghel d. Ä. Interessant ist, dass im Umkreis Karl Borromäus’ sowohl der religiöse Stellenwert von Kunst als auch deren Nachahmung der Wirklichkeit Diskussionsthemen waren.

Das Bild einer ein religiöses Motiv umschließenden Blumengirlande gestattete es, Darstellungen dieser Art aus einem theologischen und aus einem kunsttheoretischen Blickwinkel zu betrachten. So wird es verständlich, dass das vorliegende Gemälde sowohl zur religiösen Kontemplation als auch zum theoretischen Diskurs hinsichtlich einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe durch die Malerei einlud. Erstere wird durch die biblische Szene der von der Geburt Christi erfahrenden Hirten sowie durch die Blütenpracht und symbolische Bedeutung der einzelnen Blumen angeregt, in welchen die Herrlichkeit Gottes zum Ausdruck kommt. Letzterer wird durch die duale Realität herbeigeführt, die einerseits durch die leblose Materialität der steinernen Kartusche und andererseits durch die damit kontrastierenden, lebensecht wiedergegebenen Blumen geschaffen wird, wobei die kriechenden Insekten die Lebendigkeit der die Mittelkartusche umgebenden Blütengirlande noch verstärken.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

17.10.2017 - 18:00

Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Jan van Kessel I.


(Antwerpen 1626–1679)
Blumenkranz um eine Kartusche mit der Heiligen Familie und Putten,
signiert: J. V. Kessel fecit,
Öl auf Leinwand, 119,4 x 88,9 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Campo & Campo, Antwerpen, 12. Dezember 2000, Lot 605;
Privatsammlung, Belgien

Literatur:
K. Ertz, Die Maler Jan van Kessel, Lingen 2012, S. 346, Nr. 600

Klaus Ertz datiert das vorliegende Gemälde in die Zeit um 1660. Die Figuren des vorliegenden Gemäldes stammen vermutlich von Cornelis Schut (1597–1655).

Jan van Kessel stützt sich bei diesem reich gestalteten Blumenstück auf eine etablierte flämische Ikonografie. Er war ein Schüler des Antwerpener Künstlers Daniel Seghers, dessen Stils er sich bei diesem Gemälde bedient haben mag, welches wohl auch Einflüsse aus dem Schaffen Jan Davidsz. de Heems, eines der führenden Stilllebenmaler Flanderns, zeigt. Die eine steinerne Kartusche umschließende Blumengirlande wurde in der Tat zum Markenzeichen der Malerei Daniel Seghers’. Diese wichtige flämische Bildinnovation lässt sich bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts und zum Werk Jan Brueghels d. Ä. zurückverfolgen. In der Sammlung des später heiliggesprochenen Kardinals Karl Borromäus befand sich das von einem Blumenkranz gerahmte Bild einer Madonna mit Kind von Jan Brueghel d. Ä. Interessant ist, dass im Umkreis Karl Borromäus’ sowohl der religiöse Stellenwert von Kunst als auch deren Nachahmung der Wirklichkeit Diskussionsthemen waren.

Das Bild einer ein religiöses Motiv umschließenden Blumengirlande gestattete es, Darstellungen dieser Art aus einem theologischen und aus einem kunsttheoretischen Blickwinkel zu betrachten. So wird es verständlich, dass das vorliegende Gemälde sowohl zur religiösen Kontemplation als auch zum theoretischen Diskurs hinsichtlich einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe durch die Malerei einlud. Erstere wird durch die biblische Szene der von der Geburt Christi erfahrenden Hirten sowie durch die Blütenpracht und symbolische Bedeutung der einzelnen Blumen angeregt, in welchen die Herrlichkeit Gottes zum Ausdruck kommt. Letzterer wird durch die duale Realität herbeigeführt, die einerseits durch die leblose Materialität der steinernen Kartusche und andererseits durch die damit kontrastierenden, lebensecht wiedergegebenen Blumen geschaffen wird, wobei die kriechenden Insekten die Lebendigkeit der die Mittelkartusche umgebenden Blütengirlande noch verstärken.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 17.10.2017 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 07.10. - 17.10.2017