Lot Nr. 106 -


Gaspar van Wittel, gen. Vanvitelli


(Amersfoort 1653–1736 Rom)
Ideallandschaft,
Öl auf Leinwand, 48 x 100 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung;
dort vom jetzigen Besitzer erworben

Wir danken Laura Laureati, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat.

Im vorliegenden Gemälde zeigen sich einige der charakteristischsten Merkmale von van Wittels Malweise, vor allem das sich auf der Wasseroberfläche im Vordergrund kräuselnde Licht, die Spiegelungen auf dem durchsichtigen Gewässer und die Schärfe, mit der links die Klosteranlage dargestellt ist.

Die vorliegende Ansicht ist laut Laureati der Fantasie entsprungen, indem sie zwei geografisch unterschiedliche Regionen zusammenführt. Links ist ein Klosterkomplex mit einem Renaissanceportal und einem romanischen Glockenturm dargestellt, wie sie für Mittelitalien typisch sind, wohingegen die hohen Berge im Hintergrund an Norditalien denken lassen. Die im rechten Hintergrund erkennbare Stadt lässt von ihrer Anlage und Örtlichkeit her an die Lombardei bzw. das Gebiet um den Lago Maggiore denken, etwa an die Borromäischen Inseln, die Gaspar van Wittel besucht und gezeichnet hatte und gut kannte. Im Zentrum erscheint ein breites Gewässer, vielleicht ein Fluss oder ein See, während die ockerfarbene und grüne Felsenlandschaft im linken Vordergrund skizzenhaft wirkt, als hätte der Künstler sie unvollendet gelassen.

Die Bildkomposition steht in Zusammenhang mit einer diese veduta ideata zum Teil vorbereitenden Zeichnung. Zu Gaspar van Wittels reichem grafischem Werk gehört eine nur leicht skizzierte Vorzeichnung im Gabinetto dei disegni e delle stampe, Rom (Inv. F. C. 130921), welche den linken Bereich der vorliegenden Idealansicht exakt vorwegnimmt. Dargestellt ist eine Berglandschaft mit einem Kloster an einem Fluss- oder Seeufer. Als G. J. Hoogewerff die Zeichnung 1915 ohne Abbildung publizierte, beschrieb er sie wie folgt: „Landschaft mit einem Kloster am hohen Ufer eines breiten Flusses. Gebirgshintergrund“ (G. J. Hoogewerff, Disegni di maestri fiamminghi ed olandesi nel Gabinetto Nazionale delle Stampe in Roma, in: Bollettino d’arte, 1915, S. 330, Nr. 18). 1966 bildete Giuliano Briganti die Zeichnung ab und beschrieb sie mit den Worten: „Idealansicht, angeregt von den Sabinischen Hügeln an den Ufern des Tiber“ (G. Briganti, Gaspar van Wittel e l’origine della veduta settecentesca, Rom 1966, S. 333, Nr. 236d, und G. Briganti, Gaspar van Wittel, Neuauflage, hrsg. von L. Laureati/L. Trezzani, Mailand 1996, S. 420–421, Nr. D378). Die große Wasserfläche im Vordergrund des vorliegenden Gemäldes lässt sich entweder als ein Fluss in Mittelitalien wie der Tiber oder, was wahrscheinlicher ist, als See lesen.

Gaspar van Wittel spezialisierte sich auf die städtische Vedutenmalerei und gilt als Erfinder des Stadtporträts. Mit seinen Idealansichten, die größtenteils ab Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden, etablierte er ein neues Genre: das des frei nach Claude Lorrain interpretierten fantastischen Capriccios. Er arbeitete in dieser Disziplin mit einer derartigen Präzision und mit einem solchen Streben nach Realismus, dass man meinen könnte, die Villen, Kirchen, Burgen, Klöster und – am häufigsten dargestellten – antiken Tempel wären nach der Natur gemalt worden. Zudem waren einige seiner Bildfindungen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von real existierenden Landschaften angeregt. Doch da sie stark verändert wurden, lassen sie sich nicht mehr identifizieren.

Wir danken Laura Laureati für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

17.10.2017 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 61.447,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Gaspar van Wittel, gen. Vanvitelli


(Amersfoort 1653–1736 Rom)
Ideallandschaft,
Öl auf Leinwand, 48 x 100 cm, gerahmt

Provenienz:
Europäische Privatsammlung;
dort vom jetzigen Besitzer erworben

Wir danken Laura Laureati, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat.

Im vorliegenden Gemälde zeigen sich einige der charakteristischsten Merkmale von van Wittels Malweise, vor allem das sich auf der Wasseroberfläche im Vordergrund kräuselnde Licht, die Spiegelungen auf dem durchsichtigen Gewässer und die Schärfe, mit der links die Klosteranlage dargestellt ist.

Die vorliegende Ansicht ist laut Laureati der Fantasie entsprungen, indem sie zwei geografisch unterschiedliche Regionen zusammenführt. Links ist ein Klosterkomplex mit einem Renaissanceportal und einem romanischen Glockenturm dargestellt, wie sie für Mittelitalien typisch sind, wohingegen die hohen Berge im Hintergrund an Norditalien denken lassen. Die im rechten Hintergrund erkennbare Stadt lässt von ihrer Anlage und Örtlichkeit her an die Lombardei bzw. das Gebiet um den Lago Maggiore denken, etwa an die Borromäischen Inseln, die Gaspar van Wittel besucht und gezeichnet hatte und gut kannte. Im Zentrum erscheint ein breites Gewässer, vielleicht ein Fluss oder ein See, während die ockerfarbene und grüne Felsenlandschaft im linken Vordergrund skizzenhaft wirkt, als hätte der Künstler sie unvollendet gelassen.

Die Bildkomposition steht in Zusammenhang mit einer diese veduta ideata zum Teil vorbereitenden Zeichnung. Zu Gaspar van Wittels reichem grafischem Werk gehört eine nur leicht skizzierte Vorzeichnung im Gabinetto dei disegni e delle stampe, Rom (Inv. F. C. 130921), welche den linken Bereich der vorliegenden Idealansicht exakt vorwegnimmt. Dargestellt ist eine Berglandschaft mit einem Kloster an einem Fluss- oder Seeufer. Als G. J. Hoogewerff die Zeichnung 1915 ohne Abbildung publizierte, beschrieb er sie wie folgt: „Landschaft mit einem Kloster am hohen Ufer eines breiten Flusses. Gebirgshintergrund“ (G. J. Hoogewerff, Disegni di maestri fiamminghi ed olandesi nel Gabinetto Nazionale delle Stampe in Roma, in: Bollettino d’arte, 1915, S. 330, Nr. 18). 1966 bildete Giuliano Briganti die Zeichnung ab und beschrieb sie mit den Worten: „Idealansicht, angeregt von den Sabinischen Hügeln an den Ufern des Tiber“ (G. Briganti, Gaspar van Wittel e l’origine della veduta settecentesca, Rom 1966, S. 333, Nr. 236d, und G. Briganti, Gaspar van Wittel, Neuauflage, hrsg. von L. Laureati/L. Trezzani, Mailand 1996, S. 420–421, Nr. D378). Die große Wasserfläche im Vordergrund des vorliegenden Gemäldes lässt sich entweder als ein Fluss in Mittelitalien wie der Tiber oder, was wahrscheinlicher ist, als See lesen.

Gaspar van Wittel spezialisierte sich auf die städtische Vedutenmalerei und gilt als Erfinder des Stadtporträts. Mit seinen Idealansichten, die größtenteils ab Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden, etablierte er ein neues Genre: das des frei nach Claude Lorrain interpretierten fantastischen Capriccios. Er arbeitete in dieser Disziplin mit einer derartigen Präzision und mit einem solchen Streben nach Realismus, dass man meinen könnte, die Villen, Kirchen, Burgen, Klöster und – am häufigsten dargestellten – antiken Tempel wären nach der Natur gemalt worden. Zudem waren einige seiner Bildfindungen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von real existierenden Landschaften angeregt. Doch da sie stark verändert wurden, lassen sie sich nicht mehr identifizieren.

Wir danken Laura Laureati für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 17.10.2017 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 07.10. - 17.10.2017


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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