Lot Nr. 28


Paar neobarocke Armsesseln


Paar neobarocke Armsesseln - Aus aristokratischem Besitz

Mitte 19. Jh., braun gebeizte, sowie goldstaffierte Nussholzgestelle in weit ausladender Form, freistehend ergänzte Tapezierung, guter Zustand. (DOC) Prov.: Grafen Czernin von und zu Chudenitz

Das Palais Czernin und seine Gemäldegalerie 

Johann Rudolf Czernin, Graf von und zu Chudenitz - Czyhlarz (Wien 9.6.1775  - Wien 23.4.1845) trug in seiner Funktion als Oberstkämmerer des kaiserlichen Hofes die Verantwortung sowohl für das Wiener Burgtheater als auch für die kaiserlichen Hofsammlungen. Czernins intensiver Einsatz für die Bildende Kunst schlug sich neben seinen Aufgaben am Wiener Hof auch in seinem Amt als Präsident der Akademie der Bildenden Künste nieder, welches er 1823-1827 innehatte. Bereits seit ungefähr 1800 begann Czernin in kaiserlichem Auftrag eine umfangreiche und höchst qualitätsvolle Sammlung an Gemälden und Kupferstichen anzulegen. Zu den von ihm erworbenen Höhepunkten zählten Vermeers „Die Malkunst“ oder Tizians „Portrait des Dogen Andrea Gritti“. Bis 1845 befanden sich die bis dato 300 gesammelten Werke im Familienpalais der Czernins in der Wallensteinstraße. Kurz vor seinem Tod ließ Graf Johann Rudolf Czernin die Gemälde in die von seinem Sohn Eugen 1839 als Fideikomißpalais neu erbaute Familieresidenz am Friedrich-Schmidt Platz überführen. Bis 1955 sollte die weltbekannte Gemäldesammlung hier ihren Platz haben. Ein Teil der Sammlung, die durch den Krieg schlimme Verluste hinnehmen musste, befindet sich heute als Leihgabe in der Salzburger Residenzgalerie. Ein historisches Foto des Wiener Hoffotografen Löwi zeigt einen Einblick in die luxuriöse Innenausstattung der czernin´schen Gemäldegalerie (an der rechten Wand Vermeers „Malkunst“). Als Sitzgelegenheit dienten dem Besucher breite und komfortable Armlehnstühle, die mit Stoff gepolstert und dekorativ vergoldet waren. Mit passenden Sitzbänken und  Tischen wurden sie zu Sitzgruppen zusammen gefügt oder freistehend an die Wände der Galerie gestellt, die den  kunstsinnigen Besucher zur  Betrachtung und Diskussion über die gemalten Schätze einluden. Die Gestaltung der Armlehnstühle folgte den stilistischen Vorgaben des Neorokoko, welches ausgehend vom Kaiserhaus um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch von der Hocharistokratie und in einfacherer Ausführung vom Bürgertum als Repräsentationsstil aufgegriffen wurde. Dessen Formgefühl entsprechen die geschwungenen Stuhlbeine, Zarge und Armlehnen. Anstatt üppiger Schnitzereien zieren die Armlehnstühle profilierte Holzrahmen, die zur Wahrung des repräsentativen und luxuriösen Anspruchs teilweise vergoldet wurden und dem Armlehnstuhl ein elegantes Erscheinungsbild verleihen. Einen Höhepunkt der Ausstattung im Neorokoko stellte die Adaptierungen der Innenräume des Palais Lichtenstein in Wien um 1836 dar, die dieses Stilzitat -ebenso wie die Grafen Czernin- als prunkvollen Ausdruck des Luxus und des Einflussreichtums der Familie, einzusetzen wussten.

Lit.:
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Bd.1, Wien 1992, S.604f.
Eva. B. Ottilinger (Hg), Kaiserliche Interieurs, Die Wohnkultur des Wiener Hofes im 19. Jahrhundert, Wien 1997.

Experte: Alexander Doczy Alexander Doczy
+43-1-515 60-302

alexander.doczy@dorotheum.at

16.09.2009 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 3.750,-
Schätzwert:
EUR 3.400,- bis EUR 3.800,-

Paar neobarocke Armsesseln


Mitte 19. Jh., braun gebeizte, sowie goldstaffierte Nussholzgestelle in weit ausladender Form, freistehend ergänzte Tapezierung, guter Zustand. (DOC) Prov.: Grafen Czernin von und zu Chudenitz

Das Palais Czernin und seine Gemäldegalerie 

Johann Rudolf Czernin, Graf von und zu Chudenitz - Czyhlarz (Wien 9.6.1775  - Wien 23.4.1845) trug in seiner Funktion als Oberstkämmerer des kaiserlichen Hofes die Verantwortung sowohl für das Wiener Burgtheater als auch für die kaiserlichen Hofsammlungen. Czernins intensiver Einsatz für die Bildende Kunst schlug sich neben seinen Aufgaben am Wiener Hof auch in seinem Amt als Präsident der Akademie der Bildenden Künste nieder, welches er 1823-1827 innehatte. Bereits seit ungefähr 1800 begann Czernin in kaiserlichem Auftrag eine umfangreiche und höchst qualitätsvolle Sammlung an Gemälden und Kupferstichen anzulegen. Zu den von ihm erworbenen Höhepunkten zählten Vermeers „Die Malkunst“ oder Tizians „Portrait des Dogen Andrea Gritti“. Bis 1845 befanden sich die bis dato 300 gesammelten Werke im Familienpalais der Czernins in der Wallensteinstraße. Kurz vor seinem Tod ließ Graf Johann Rudolf Czernin die Gemälde in die von seinem Sohn Eugen 1839 als Fideikomißpalais neu erbaute Familieresidenz am Friedrich-Schmidt Platz überführen. Bis 1955 sollte die weltbekannte Gemäldesammlung hier ihren Platz haben. Ein Teil der Sammlung, die durch den Krieg schlimme Verluste hinnehmen musste, befindet sich heute als Leihgabe in der Salzburger Residenzgalerie. Ein historisches Foto des Wiener Hoffotografen Löwi zeigt einen Einblick in die luxuriöse Innenausstattung der czernin´schen Gemäldegalerie (an der rechten Wand Vermeers „Malkunst“). Als Sitzgelegenheit dienten dem Besucher breite und komfortable Armlehnstühle, die mit Stoff gepolstert und dekorativ vergoldet waren. Mit passenden Sitzbänken und  Tischen wurden sie zu Sitzgruppen zusammen gefügt oder freistehend an die Wände der Galerie gestellt, die den  kunstsinnigen Besucher zur  Betrachtung und Diskussion über die gemalten Schätze einluden. Die Gestaltung der Armlehnstühle folgte den stilistischen Vorgaben des Neorokoko, welches ausgehend vom Kaiserhaus um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch von der Hocharistokratie und in einfacherer Ausführung vom Bürgertum als Repräsentationsstil aufgegriffen wurde. Dessen Formgefühl entsprechen die geschwungenen Stuhlbeine, Zarge und Armlehnen. Anstatt üppiger Schnitzereien zieren die Armlehnstühle profilierte Holzrahmen, die zur Wahrung des repräsentativen und luxuriösen Anspruchs teilweise vergoldet wurden und dem Armlehnstuhl ein elegantes Erscheinungsbild verleihen. Einen Höhepunkt der Ausstattung im Neorokoko stellte die Adaptierungen der Innenräume des Palais Lichtenstein in Wien um 1836 dar, die dieses Stilzitat -ebenso wie die Grafen Czernin- als prunkvollen Ausdruck des Luxus und des Einflussreichtums der Familie, einzusetzen wussten.

Lit.:
Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Bd.1, Wien 1992, S.604f.
Eva. B. Ottilinger (Hg), Kaiserliche Interieurs, Die Wohnkultur des Wiener Hofes im 19. Jahrhundert, Wien 1997.

Experte: Alexander Doczy Alexander Doczy
+43-1-515 60-302

alexander.doczy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Aus aristokratischem Besitz
Datum: 16.09.2009 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 10.09. - 16.09.2009


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.