Lot Nr. 283


Mario Schifano *


(Homs/Libyen 1934–1998 Rom)
Ohne Titel (Compagni Compagni), ca. 1975, rückseitig signiert, Emailfarbe und Pastelle auf Papier auf Leinwand, 123 x 83 cm, gerahmt

Das Werk ist beim Archivio Mario Schifano, Rom, unter der Nr. 03653180120 registriert. Ein Fotozertifikat (datiert „2. H. der 1970er Jahre“) liegt bei.

Das Werk ist ebenfalls bei der Fondazione Mario Schifano, Rom, unter der Nr. PM70/142 registriert. Ein Fotozertifikat (datiert „1. H. der 1970er Jahre“) liegt bei.

Provenienz:
Sammlung G. Tonelli, Terni
Europäische Privatsammlung

Literatur:
Mario Schifano. A) Opere su tela 1956–1982, Università degli Studi di Genova, S. 157, Nr. pm70/142 mit Abb.

Diese Arbeit ist Teil des berühmten Compagni Compagni (Kameraden Kameraden) Zyklus, den Schifano 1968 begann. In dieser Serie von Gemälden fängt und filtert der Künstler seine Vision der Erfahrung des sozialistischen und kommunistischen Protestes, die ihn mehr auf ästhetischer als politischer Ebene anspricht. Vielmehr erzählt Schifano in seinem eigenen Stil und mit seinen bevorzugten Werkzeugen, eine einzigartige Periode der Geschichte nach, in der es kurz darauf (in den 1970er Jahren) aufgrund eines frustrierten und unterdrückten sozialen Kampfes zu Weigerung und Gewalt führen würde. In diesem hektischen und turbulenten Umfeld war jede Art des künstlerischen oder kulturellen Ausdrucks – von der Literatur bis zum Kino, vom Tanz bis zur Musik – von Politik durchdrungen und verschmutzt. Schifano begann seinen Weg in den „Pop“ nach einer Reise nach New York im Jahre 1962, bei der er Andy Warhols berühmte Fabrik besuchte. Künstler aus der ganzen Welt trafen sich hier und machten Kunst von polemischer Respektlosigkeit, die genau jene Konsumkultur anprangerte und verspottete, die Amerika so viel Erfolg gebrachte hatte. Schifano würde eine direkte Verbindung mit der amerikanischen Pop Art jedoch immer ablehnen: „Ich habe meine Werke zeitgleich gemacht und sie sind nicht von den Erfahrungen des Pop abgeleitet [...].

Die machten Pop Art und stellten diese fast als politische Tatsache vor.“
Es ist in der Tat bekannt, dass Warhol den berühmten Hammer und die Sichel, die universellen Symbole des Kampfes des Proletariats und internationale Symbole des Kommunismus, in sein Pop-Repertoire aufnahm, als er 1972 in Rom war. Dieses erste Beispiel wurde zur Vorlage für die Werke in der Hammer-und-Sichel-Reihe, die zwischen 1972 und 1976 entstanden und welche 1977 in der Leo Castelli Gallery in New York ausgestellt waren.

Warhol aber „entleerte“ in seinen Werken solche Symbole ihrer ideologischen Bedeutung und verwandelte sie so in Stillleben. Schifano zeigt in seiner ehrfurchtslosen Darstellung auch die Figuren kämpfender Proletarier, die in diesem Bild wie starre und unbelebte Holzmarionetten aus einem monochromen Hintergrund von intensivem Rot treten. Der Kopf des Mannes auf der rechten Seite scheint sogar von einer weiteren Sichel „durchstochen“ worden zu sein, die mit einem subtilen roten Strich gezeichnet ist. Einige Kunstkritiker haben versucht, Schifano auf verschiedene Weise dem italienischen Sozialismus und Kommunismus zuzurechnen. Solche Werke aber als Lobgesang auf die genannten Ideologien zu interpretieren, wäre wohl ein Irrtum. Schifanos wahre Absicht – und er war für seinen freien und rebellischen Geist bekannt, – war höchstwahrscheinlich, ein symbolisches Bild seiner Zeit durch seine eigene ehrfurchtslose Sprache zu filtern, und so Fragmente der Realität auf seiner Tagebuch-Leinwand einzufangen, und zwar berühmte Bilder, die aus dieser Verflechtung des Lebens mit der Kunst entstanden sind, einer Verflechtung, die immer im Mittelpunkt Mario Schifanos Poetik stand.

16.05.2018 - 19:00

Erzielter Preis: **
EUR 50.000,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Mario Schifano *


(Homs/Libyen 1934–1998 Rom)
Ohne Titel (Compagni Compagni), ca. 1975, rückseitig signiert, Emailfarbe und Pastelle auf Papier auf Leinwand, 123 x 83 cm, gerahmt

Das Werk ist beim Archivio Mario Schifano, Rom, unter der Nr. 03653180120 registriert. Ein Fotozertifikat (datiert „2. H. der 1970er Jahre“) liegt bei.

Das Werk ist ebenfalls bei der Fondazione Mario Schifano, Rom, unter der Nr. PM70/142 registriert. Ein Fotozertifikat (datiert „1. H. der 1970er Jahre“) liegt bei.

Provenienz:
Sammlung G. Tonelli, Terni
Europäische Privatsammlung

Literatur:
Mario Schifano. A) Opere su tela 1956–1982, Università degli Studi di Genova, S. 157, Nr. pm70/142 mit Abb.

Diese Arbeit ist Teil des berühmten Compagni Compagni (Kameraden Kameraden) Zyklus, den Schifano 1968 begann. In dieser Serie von Gemälden fängt und filtert der Künstler seine Vision der Erfahrung des sozialistischen und kommunistischen Protestes, die ihn mehr auf ästhetischer als politischer Ebene anspricht. Vielmehr erzählt Schifano in seinem eigenen Stil und mit seinen bevorzugten Werkzeugen, eine einzigartige Periode der Geschichte nach, in der es kurz darauf (in den 1970er Jahren) aufgrund eines frustrierten und unterdrückten sozialen Kampfes zu Weigerung und Gewalt führen würde. In diesem hektischen und turbulenten Umfeld war jede Art des künstlerischen oder kulturellen Ausdrucks – von der Literatur bis zum Kino, vom Tanz bis zur Musik – von Politik durchdrungen und verschmutzt. Schifano begann seinen Weg in den „Pop“ nach einer Reise nach New York im Jahre 1962, bei der er Andy Warhols berühmte Fabrik besuchte. Künstler aus der ganzen Welt trafen sich hier und machten Kunst von polemischer Respektlosigkeit, die genau jene Konsumkultur anprangerte und verspottete, die Amerika so viel Erfolg gebrachte hatte. Schifano würde eine direkte Verbindung mit der amerikanischen Pop Art jedoch immer ablehnen: „Ich habe meine Werke zeitgleich gemacht und sie sind nicht von den Erfahrungen des Pop abgeleitet [...].

Die machten Pop Art und stellten diese fast als politische Tatsache vor.“
Es ist in der Tat bekannt, dass Warhol den berühmten Hammer und die Sichel, die universellen Symbole des Kampfes des Proletariats und internationale Symbole des Kommunismus, in sein Pop-Repertoire aufnahm, als er 1972 in Rom war. Dieses erste Beispiel wurde zur Vorlage für die Werke in der Hammer-und-Sichel-Reihe, die zwischen 1972 und 1976 entstanden und welche 1977 in der Leo Castelli Gallery in New York ausgestellt waren.

Warhol aber „entleerte“ in seinen Werken solche Symbole ihrer ideologischen Bedeutung und verwandelte sie so in Stillleben. Schifano zeigt in seiner ehrfurchtslosen Darstellung auch die Figuren kämpfender Proletarier, die in diesem Bild wie starre und unbelebte Holzmarionetten aus einem monochromen Hintergrund von intensivem Rot treten. Der Kopf des Mannes auf der rechten Seite scheint sogar von einer weiteren Sichel „durchstochen“ worden zu sein, die mit einem subtilen roten Strich gezeichnet ist. Einige Kunstkritiker haben versucht, Schifano auf verschiedene Weise dem italienischen Sozialismus und Kommunismus zuzurechnen. Solche Werke aber als Lobgesang auf die genannten Ideologien zu interpretieren, wäre wohl ein Irrtum. Schifanos wahre Absicht – und er war für seinen freien und rebellischen Geist bekannt, – war höchstwahrscheinlich, ein symbolisches Bild seiner Zeit durch seine eigene ehrfurchtslose Sprache zu filtern, und so Fragmente der Realität auf seiner Tagebuch-Leinwand einzufangen, und zwar berühmte Bilder, die aus dieser Verflechtung des Lebens mit der Kunst entstanden sind, einer Verflechtung, die immer im Mittelpunkt Mario Schifanos Poetik stand.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 16.05.2018 - 19:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 05.05. - 16.05.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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