Lot Nr. 26


Fernando Botero *


(Medellin, Kolumbien 1932 geb.; lebt und arbeitet in Paris und New York)
L’Odalisque, 1998, Öl auf Leinwand, 52 x 42 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Dieter Brusberg, Deutschland
Privatsammlung, Italien (dort erworben)
Telemarket, Italien
Privatsammlung, GB (dort 2002 vom heutigen Besitzer erworben)

Fernando Boteros unverwechselbarer Stil basiert auf seinen Darstellungen von überdimensionierten und üppigen menschlichen Figuren, die den Bildraum füllen, sowie dem Experimentieren des Künstlers und seiner auf der anhaltenden Faszination mit dem Volumen und der Sinnlichkeit der Form.

Kolumbiens berühmtester lebender Maler und Bildhauer begann seine Experimente mit Proportionen, Volumen und Form in den 1950er Jahren, mit einem Mandolinen-Stillleben, in dem er ein unverhältnismäßig kleines Schallloch in den Instrumentenkörper malte: „Nach dieser Mandoline, wurde meine Welt größer. Ich machte mit Figuren weiter und schuf bald ein formales Universum, das seinen höchsten Ausdruck in kleinen Details fand.“ (Fernando Botero, zitiert in AM Escallón, Botero: New Works on Canvas, New York: Rizzoli, 1997, S. 23). Für Botero eröffnete das Malen der Mandoline so das Potenzial, jede Figur oder jedes Objekt in ein Objekt von Masse und Monumentalität zu verwandeln. In dem vorliegenden Gemälde hat der Künstler nicht nur die charakteristische Mandoline, sondern auch eine nackte Frau oder „Odaliske“, die das Instrument auf ihrem Schoß hält, dargestellt. Sie projiziert eine monumentale Präsenz, sowohl durch ihre übertriebenen körperlichen Proportionen als auch durch die Art und Weise, in der ihre Form den größten Teil des Bildraums und der Leinwand einnimmt und ihrer Figur so kaum einen Hintergrund lässt. Während die Figur das Gemälde dominiert, schafft Botero durch die Verwendung einer begrenzten Farbpalette, in der eine Anzahl von Farben bewusst für verschiedene Elemente des Gemäldes wiederholt wird (wie etwa das Rot des Haarbandes, des Stuhls, des Ringes und der Halskette) eine Harmonie in der Komposition.

Der suggestive Titel dieses Gemäldes „L'Odalisque“ ist eine Anspielung auf Boteros hoch geschätztes Verständnis der Kunstgeschichte und seine Neigung, berühmte Themen oder Szenen aus dem Kanon der Kunstgeschichte in sein eigenes Werk einzuarbeiten. Die Figur einer Frau, als Odaliske oder Konkubine präsentiert, war ein außerordentlich beliebtes Symbol für Sexualität und Erotik, das besonders im Orientalismus des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Künstler wie Jean-Auguste Dominique Ingres produzierten sehr berühmte Gemälde dieser Thematik. In jenen Bildern wurden Frauen oft nackt oder spärlich bekleidet und mit Kopftüchern und Juwelen geschmückt, gezeigt. In dem vorliegenden Gemälde greift Botero diese markanten Motive wieder auf, indem er an kunsthistorische Präzedenzfälle anknüpft und diese überarbeitet bis sie seine eigene Vision und seinen eigenen Stil widerspiegeln. In einer Weise, die zum Synonym für die vielen Frauenbilder des Künstlers geworden ist, experimentiert er erneut mit den verschiedenen Rollen, welche die Gesellschaft Frauen zuschreibt – von der Matriarchin bis hin zur Prostituierten – und schafft so ein Kunstwerk, das ganz unverkennbar seiner Hand entstammt.

15.05.2018 - 19:00

Erzielter Preis: **
EUR 393.400,-
Schätzwert:
EUR 140.000,- bis EUR 180.000,-

Fernando Botero *


(Medellin, Kolumbien 1932 geb.; lebt und arbeitet in Paris und New York)
L’Odalisque, 1998, Öl auf Leinwand, 52 x 42 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Dieter Brusberg, Deutschland
Privatsammlung, Italien (dort erworben)
Telemarket, Italien
Privatsammlung, GB (dort 2002 vom heutigen Besitzer erworben)

Fernando Boteros unverwechselbarer Stil basiert auf seinen Darstellungen von überdimensionierten und üppigen menschlichen Figuren, die den Bildraum füllen, sowie dem Experimentieren des Künstlers und seiner auf der anhaltenden Faszination mit dem Volumen und der Sinnlichkeit der Form.

Kolumbiens berühmtester lebender Maler und Bildhauer begann seine Experimente mit Proportionen, Volumen und Form in den 1950er Jahren, mit einem Mandolinen-Stillleben, in dem er ein unverhältnismäßig kleines Schallloch in den Instrumentenkörper malte: „Nach dieser Mandoline, wurde meine Welt größer. Ich machte mit Figuren weiter und schuf bald ein formales Universum, das seinen höchsten Ausdruck in kleinen Details fand.“ (Fernando Botero, zitiert in AM Escallón, Botero: New Works on Canvas, New York: Rizzoli, 1997, S. 23). Für Botero eröffnete das Malen der Mandoline so das Potenzial, jede Figur oder jedes Objekt in ein Objekt von Masse und Monumentalität zu verwandeln. In dem vorliegenden Gemälde hat der Künstler nicht nur die charakteristische Mandoline, sondern auch eine nackte Frau oder „Odaliske“, die das Instrument auf ihrem Schoß hält, dargestellt. Sie projiziert eine monumentale Präsenz, sowohl durch ihre übertriebenen körperlichen Proportionen als auch durch die Art und Weise, in der ihre Form den größten Teil des Bildraums und der Leinwand einnimmt und ihrer Figur so kaum einen Hintergrund lässt. Während die Figur das Gemälde dominiert, schafft Botero durch die Verwendung einer begrenzten Farbpalette, in der eine Anzahl von Farben bewusst für verschiedene Elemente des Gemäldes wiederholt wird (wie etwa das Rot des Haarbandes, des Stuhls, des Ringes und der Halskette) eine Harmonie in der Komposition.

Der suggestive Titel dieses Gemäldes „L'Odalisque“ ist eine Anspielung auf Boteros hoch geschätztes Verständnis der Kunstgeschichte und seine Neigung, berühmte Themen oder Szenen aus dem Kanon der Kunstgeschichte in sein eigenes Werk einzuarbeiten. Die Figur einer Frau, als Odaliske oder Konkubine präsentiert, war ein außerordentlich beliebtes Symbol für Sexualität und Erotik, das besonders im Orientalismus des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Künstler wie Jean-Auguste Dominique Ingres produzierten sehr berühmte Gemälde dieser Thematik. In jenen Bildern wurden Frauen oft nackt oder spärlich bekleidet und mit Kopftüchern und Juwelen geschmückt, gezeigt. In dem vorliegenden Gemälde greift Botero diese markanten Motive wieder auf, indem er an kunsthistorische Präzedenzfälle anknüpft und diese überarbeitet bis sie seine eigene Vision und seinen eigenen Stil widerspiegeln. In einer Weise, die zum Synonym für die vielen Frauenbilder des Künstlers geworden ist, experimentiert er erneut mit den verschiedenen Rollen, welche die Gesellschaft Frauen zuschreibt – von der Matriarchin bis hin zur Prostituierten – und schafft so ein Kunstwerk, das ganz unverkennbar seiner Hand entstammt.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 15.05.2018 - 19:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 05.05. - 15.05.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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