Lot Nr. 626


Jan Brueghel d. J. und Jan Boeckhorst


Jan Brueghel d. J. und Jan Boeckhorst - Alte Meister

Schlafende Nymphen werden von Satyrn belauscht,
Öl auf Holz, 61 x 106 cm, gerahmt

Wir danken Dr. Klaus Ertz, der Jan Brueghel II als den Maler der Landschaft, der Hunde und des erlegten Wildes sowie Jan Boeckhorst als den Maler der Figuren identifizieren konnte. Ein schriftliches Gutachten liegt bei.

Das vorliegende Gemälde ist ein Beleg für die Zusammenarbeit der beiden flämischen Künstler Jan Brueghel II und Jan Boeckhorst. Laut Ertz ist das Gemälde gegen Ende der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts in Antwerpen entstanden und die malerischen Anteile beider Maler erscheinen ihm gleich dynamisch, bewegt und kontrastreich, sodass sich das Gemälde als homogene Einheit präsentiert.

Das Vorbild des vorliegenden Gemäldes ist eine Darstellung der Schlafenden Nymphen von Satyrn belauscht von Jan Brueghel I und Peter Paul Rubens (Paris, Musée de la Chasse et de la Nature, Inv. 68-3-2), wobei der Betrachter bedingt durch den gesenkten Augenpunkt praktisch in das Bild hingeführt wird. Ertz beschreibt die dichte Fülle von Mensch und Tier in der unteren Bildhälfte als etwas Neues. Wie auf einer Bühne sind die Dargestellten in der vorderen Raumschicht „aufgebaut“, sodass kaum Platz für die Landschaft bleibt. Sie erweitert allerdings den Bühnenraum in die Tiefe und deutet das Nichtdargestellte an: die Jagd.

Die Vorbilder Jan Boeckhorsts sind in Peter Paul Rubens, Anthony van Dyck und Jakob Jordaens zu finden. Die kraftvollen bewegten Körper der Satyrn weisen auf den Einfluss Jordaens‘ und des späten Rubens hin. Der Stil Boeckhorsts ist vor allem in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts durch die Plastizität der Personen und die starke Beziehung der Figuren zum Raum gekennzeichnet.
Die Jagdhunde Brueghels II sind ebenfalls von Licht und Schatten bestimmt und eine imaginäre Lichtquelle in der linken oberen Ecke beleuchtet die Körper der Frauen und modelliert die athletischen Körper der beiden Satyrn. Ein Putto verbindet die Gruppe der in sich kompliziert gedrehten Frauenkörper mit jener der Hunde. Das Gemälde ist geprägt von Kontrasten: die hellen Frauenkörper gegen die dunkleren Satyrn, die schwarz-weißen Hunde gegen die braun-weißen und hellen sowie die helleren Blattzonen der vorderen Bäume vor dem dunklen Wald.

Deutlich ist in diesem Gemälde die Emanzipation Breughels II von seinem Vater zu erkennen, die sich in der Farbigkeit der Landschaft, dem malerisch wirkenden, temperamentvollen Pinselstrich sowie in der summarischen Behandlung der Details zeigt.

Obwohl aus den Quellen eine Kooperation der beiden Künstler erst im Jahr 1660 hervorgeht, ist eine Zusammenarbeit bereits seit 1626 möglich. In diesem Jahr ließ sich Boeckhorst in Antwerpen nieder und ein Jahr davor war Jan Brueghel II von seiner Italienreise zurückgekehrt. Ertz vergleicht das vorliegende Werk mit weiteren Kompositionen von Jan Brueghel II und Jan Boeckhorst, wie Dianas Nymphen im Schlaf von Satyrn belauscht (Paris, Galerie d’Art St. Honoré; Amsterdam, Galerie Watermann 1982) oder Nymphe, Satyr und Bacchanten mit Leoparden (Deutschland, Privatsammlung).

17.04.2013 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 49.100,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Jan Brueghel d. J. und Jan Boeckhorst


Schlafende Nymphen werden von Satyrn belauscht,
Öl auf Holz, 61 x 106 cm, gerahmt

Wir danken Dr. Klaus Ertz, der Jan Brueghel II als den Maler der Landschaft, der Hunde und des erlegten Wildes sowie Jan Boeckhorst als den Maler der Figuren identifizieren konnte. Ein schriftliches Gutachten liegt bei.

Das vorliegende Gemälde ist ein Beleg für die Zusammenarbeit der beiden flämischen Künstler Jan Brueghel II und Jan Boeckhorst. Laut Ertz ist das Gemälde gegen Ende der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts in Antwerpen entstanden und die malerischen Anteile beider Maler erscheinen ihm gleich dynamisch, bewegt und kontrastreich, sodass sich das Gemälde als homogene Einheit präsentiert.

Das Vorbild des vorliegenden Gemäldes ist eine Darstellung der Schlafenden Nymphen von Satyrn belauscht von Jan Brueghel I und Peter Paul Rubens (Paris, Musée de la Chasse et de la Nature, Inv. 68-3-2), wobei der Betrachter bedingt durch den gesenkten Augenpunkt praktisch in das Bild hingeführt wird. Ertz beschreibt die dichte Fülle von Mensch und Tier in der unteren Bildhälfte als etwas Neues. Wie auf einer Bühne sind die Dargestellten in der vorderen Raumschicht „aufgebaut“, sodass kaum Platz für die Landschaft bleibt. Sie erweitert allerdings den Bühnenraum in die Tiefe und deutet das Nichtdargestellte an: die Jagd.

Die Vorbilder Jan Boeckhorsts sind in Peter Paul Rubens, Anthony van Dyck und Jakob Jordaens zu finden. Die kraftvollen bewegten Körper der Satyrn weisen auf den Einfluss Jordaens‘ und des späten Rubens hin. Der Stil Boeckhorsts ist vor allem in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts durch die Plastizität der Personen und die starke Beziehung der Figuren zum Raum gekennzeichnet.
Die Jagdhunde Brueghels II sind ebenfalls von Licht und Schatten bestimmt und eine imaginäre Lichtquelle in der linken oberen Ecke beleuchtet die Körper der Frauen und modelliert die athletischen Körper der beiden Satyrn. Ein Putto verbindet die Gruppe der in sich kompliziert gedrehten Frauenkörper mit jener der Hunde. Das Gemälde ist geprägt von Kontrasten: die hellen Frauenkörper gegen die dunkleren Satyrn, die schwarz-weißen Hunde gegen die braun-weißen und hellen sowie die helleren Blattzonen der vorderen Bäume vor dem dunklen Wald.

Deutlich ist in diesem Gemälde die Emanzipation Breughels II von seinem Vater zu erkennen, die sich in der Farbigkeit der Landschaft, dem malerisch wirkenden, temperamentvollen Pinselstrich sowie in der summarischen Behandlung der Details zeigt.

Obwohl aus den Quellen eine Kooperation der beiden Künstler erst im Jahr 1660 hervorgeht, ist eine Zusammenarbeit bereits seit 1626 möglich. In diesem Jahr ließ sich Boeckhorst in Antwerpen nieder und ein Jahr davor war Jan Brueghel II von seiner Italienreise zurückgekehrt. Ertz vergleicht das vorliegende Werk mit weiteren Kompositionen von Jan Brueghel II und Jan Boeckhorst, wie Dianas Nymphen im Schlaf von Satyrn belauscht (Paris, Galerie d’Art St. Honoré; Amsterdam, Galerie Watermann 1982) oder Nymphe, Satyr und Bacchanten mit Leoparden (Deutschland, Privatsammlung).


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 17.04.2013 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 06.04. - 17.04.2013


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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