Lot Nr. 621


Jan Brueghel d. Ä., Werkstatt


Jan Brueghel d. Ä., Werkstatt - Alte Meister

(Brüssel 1568-1625 Antwerpen)
Allegorie des Frühlings;
Allegorie des Sommers;
Allegorie des Herbstes;
Allegorie des Winters,
bezeichnet MDCXVI auf dem Buch in der Allegorie des Winters,
Öl auf Leinwand, je 80,2 x 106,5 cm, gerahmt (4)

Provenienz:
möglicherweise ehem. Galerie Chaucer Fine Arts, London
Europäische Privatsammlung

Literatur:
möglicherweise K. Ertz , Jan Brueghel der Ältere (1568 - 1625) : kritischer Katalog der Gemälde, Lingen 2008 – 2010, Bd. 3, S. 1090, Abb. 521/1, 522/1, 523/1, 524/1

Die vorliegenden Gemälde basieren auf einer Jahreszeiten-Folge Jan Brueghels des Älteren und Hendrick van Balens aus dem Jahr 1616, heute in der Staatsgalerie in Neuburg a.d. Donau (vgl. Literatur, Kat. Nr. 521-524) und sind möglicherweise ident mit den von Ertz in Zusammenhang mit den Neuburger Bildern erwähnten Kopien eines „unidentifizierten Malers“ (siehe Literatur).
Die Bilder ergeben in ihrer natürlichen Reihenfolge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter eine in sich abgeschlossene formale Komposition, die von den Hauptszenen in den Allegorien des Frühlings und Winters am jeweils äußeren Bildrand eingefasst wird. Für die Darstellung der Jahreszeiten hielt sich Breughel an Cesare Ripas „Iconologia“. Den Frühling symbolisiert Flora mit Blumen im Arm und von einem Blumenkranz bekrönt, ein Teller mit Eiern im Mittelgrund steht sinnbildlich für die Fruchtbarkeit. Der Sommer erscheint in Gestalt der Ceres mit Ähren im Haar; dem Überfluss im Vordergrund wird die Tätigkeit der Ernte im Hintergrund gegenübergestellt. Bacchus und eine Wein trinkende Gesellschaft verkörpern den Herbst. Für den Winter folgen Brueghel und Balen jedoch nicht den ikonographischen Ideen Ripas, mit Venus in der Schmiede des Vulkan, sondern zeigen eine profane Variante des Themas: ein alter Mann hält an einem Tisch ein Festmahl.

Zusätzlich sind in jedem Bild Mädchen durch Tierkreiszeichen als Sinnbilder der Monate kenntlich gemacht, die Abfolge der Zeichen verläuft dabei von links nach rechts (einzig das Zeichen des Krebses fehlt in den vorliegenden Bildern). Von besonderem kunsthistorischem Interesse ist die Winterszene, die die Essgewohnheiten und übliche Tischdekoration der höheren Gesellschaft im 17. Jahrhundert zeigt. Janus symbolisiert als doppelköpfiger Mann mit Schlüssel in der Hand hinter der Säule den Übergang ins neue Jahr, die Frau mit entblößter Brust – Luxuria – das Böse und Lasterhafte. Der alte Mann verdeutlicht den Winter zusätzlich als Jahreszeit des Sterbens und des Todes.

Gegenüber den Neuburger Originalen sind die vorliegenden Bilder in den Details etwas reduziert, die zahlreichen wenig bekleideten Figuren in zusätzliche Gewänder gehüllt. Die Neuburger „Allegorie des Frühling“ unterscheidet sich von der Vorliegenden durch die Darstellung eines Satyrs anstelle von Mönch und Nonne am linken Bildrand sowie durch das Fehlen der aufgeschlagenen Bibel im linken Vordergrund. In der „Allegorie des Sommers“ fehlt der Korb des Mädchens auf der linken Seite. Entgegen der Inschrift auf dem aufgeschlagenen Buch im linken Vordergrund der „Allegorie des Winters“ hält Ertz die Bilder nicht für Arbeiten des frühen 17. Jahrhunderts, sondern rückt den ausführenden Künstler in die Nähe von Balthasar Beschey (1708-1776).

17.04.2013 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 97.900,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Jan Brueghel d. Ä., Werkstatt


(Brüssel 1568-1625 Antwerpen)
Allegorie des Frühlings;
Allegorie des Sommers;
Allegorie des Herbstes;
Allegorie des Winters,
bezeichnet MDCXVI auf dem Buch in der Allegorie des Winters,
Öl auf Leinwand, je 80,2 x 106,5 cm, gerahmt (4)

Provenienz:
möglicherweise ehem. Galerie Chaucer Fine Arts, London
Europäische Privatsammlung

Literatur:
möglicherweise K. Ertz , Jan Brueghel der Ältere (1568 - 1625) : kritischer Katalog der Gemälde, Lingen 2008 – 2010, Bd. 3, S. 1090, Abb. 521/1, 522/1, 523/1, 524/1

Die vorliegenden Gemälde basieren auf einer Jahreszeiten-Folge Jan Brueghels des Älteren und Hendrick van Balens aus dem Jahr 1616, heute in der Staatsgalerie in Neuburg a.d. Donau (vgl. Literatur, Kat. Nr. 521-524) und sind möglicherweise ident mit den von Ertz in Zusammenhang mit den Neuburger Bildern erwähnten Kopien eines „unidentifizierten Malers“ (siehe Literatur).
Die Bilder ergeben in ihrer natürlichen Reihenfolge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter eine in sich abgeschlossene formale Komposition, die von den Hauptszenen in den Allegorien des Frühlings und Winters am jeweils äußeren Bildrand eingefasst wird. Für die Darstellung der Jahreszeiten hielt sich Breughel an Cesare Ripas „Iconologia“. Den Frühling symbolisiert Flora mit Blumen im Arm und von einem Blumenkranz bekrönt, ein Teller mit Eiern im Mittelgrund steht sinnbildlich für die Fruchtbarkeit. Der Sommer erscheint in Gestalt der Ceres mit Ähren im Haar; dem Überfluss im Vordergrund wird die Tätigkeit der Ernte im Hintergrund gegenübergestellt. Bacchus und eine Wein trinkende Gesellschaft verkörpern den Herbst. Für den Winter folgen Brueghel und Balen jedoch nicht den ikonographischen Ideen Ripas, mit Venus in der Schmiede des Vulkan, sondern zeigen eine profane Variante des Themas: ein alter Mann hält an einem Tisch ein Festmahl.

Zusätzlich sind in jedem Bild Mädchen durch Tierkreiszeichen als Sinnbilder der Monate kenntlich gemacht, die Abfolge der Zeichen verläuft dabei von links nach rechts (einzig das Zeichen des Krebses fehlt in den vorliegenden Bildern). Von besonderem kunsthistorischem Interesse ist die Winterszene, die die Essgewohnheiten und übliche Tischdekoration der höheren Gesellschaft im 17. Jahrhundert zeigt. Janus symbolisiert als doppelköpfiger Mann mit Schlüssel in der Hand hinter der Säule den Übergang ins neue Jahr, die Frau mit entblößter Brust – Luxuria – das Böse und Lasterhafte. Der alte Mann verdeutlicht den Winter zusätzlich als Jahreszeit des Sterbens und des Todes.

Gegenüber den Neuburger Originalen sind die vorliegenden Bilder in den Details etwas reduziert, die zahlreichen wenig bekleideten Figuren in zusätzliche Gewänder gehüllt. Die Neuburger „Allegorie des Frühling“ unterscheidet sich von der Vorliegenden durch die Darstellung eines Satyrs anstelle von Mönch und Nonne am linken Bildrand sowie durch das Fehlen der aufgeschlagenen Bibel im linken Vordergrund. In der „Allegorie des Sommers“ fehlt der Korb des Mädchens auf der linken Seite. Entgegen der Inschrift auf dem aufgeschlagenen Buch im linken Vordergrund der „Allegorie des Winters“ hält Ertz die Bilder nicht für Arbeiten des frühen 17. Jahrhunderts, sondern rückt den ausführenden Künstler in die Nähe von Balthasar Beschey (1708-1776).


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 17.04.2013 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 06.04. - 17.04.2013


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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