Lot Nr. 583


Peter Paul Rubens, Werkstatt


Peter Paul Rubens, Werkstatt - Alte Meister

(Siegen 1577–1640 Antwerpen)
Der Christusknabe mit dem kindlichen Johannes dem Täufer in einer Landschaft,
Öl auf Leinwand, 125 x 158 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Freiherr Franz Josef von Zandt (gest. 1951), Schloss Seehof bei Bamberg;
Sammlung Peter Wirth, Zürich;
Österreichische Privatsammlung

Der große Rubens-Kenner Julius Held schrieb 1982 an den damaligen Eigentümer des Bildes: “I believe that the best version (of this composition) that has come down to us is the one at present in the reserve of the Alte Pinakothek in Munich. This picture was formerly exhibited at Castle Schleissheim. [...] While the Munich picture, as I said, is the best version known to me, and indeed in my opinion is a work of Rubens himself (though in Munich it is listed at present as coming from the Rubens-School), your painting comes very close to it in quality and is certainly the best version after the Munich one, known to me. I am very confident that Rubens must have had a hand in it, not only in the beautiful figure of the Infant Christ, but also in the brilliantly painted landscape. The brushwork throughout is forceful and spontaneous, the impasto - particularly in the trees and sky - of a solidity known to me only from originals by the master, never found in copies...”. Das verlorene Original dieser Komposition von Rubens‘ eigener Hand befand sich, so wird heute angenommen, in der Sammlung der genuesischen Patrizierfamilie Balbi.

Ebenfalls aus Genua, aus dem Besitz der berühmten Familie Spinola, stammte eine Version, die 2011 im Dorotheum, Wien, verkauft wurde. Held schrieb 1982, dass ihm (einschließlich dem hier vorliegenden Gemälde) sieben Versionen dieser Komposition bekannt seien. Zusätzlich nannte er einen Holzschnitt von Christoffel Jegher und andere druckgraphische Blätter, die manchen schwächeren Kopien als Vorlage gedient haben mögen. Das verschollene Original aus dem Palazzo Balbi in Genua wird von Michael Jaffé um 1628 datiert (vgl. M. Jaffé, Rubens, Catalogo Completo, Mailand 1989, S. 306, Nr. 914). Jaffé nennt eine weitere Werkstattwiederholung, die sich ehemals in der Eremitage in St. Petersburg und nach 1928 in einer Berliner Privatsammlung befand. Unter den zahlreichen Wiederholungen dieser populären Komposition ist das hier vorliegende Gemälde eine der qualitätvollsten in der Werkstatt von Rubens unter Mitarbeit des Meisters entstandenen Versionen. Es befand sich möglicherweise bereits im 18. Jahrhundert in der Sammlung der Fürstbischöfe von Bamberg, deren Sommerresidenz Schloss Seehof war. Das Schloss gelangte nach dem Ende des Bamberger Hochstifts in Folge der Säkularisation an das Haus Wittelsbach. Dieses verkaufte es 1841 an einen Freiherrn von Zandt, in dessen Familie es bis 1951 verblieb. Heute befindet sich Seehof im Besitz des Freistaats Bayern.

Zu dem hier vorliegenden Gemälde existiert ein ausführliches technologisches Gutachten von Professor Franz Mairinger (1991), ehemals Leiter der Restaurierungswerkstätten an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Er schreibt: “Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die technologischen Befunde für eine Entstehungszeit des Gemäldes in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts sprechen und dass gegen die eingangs erwähnte Zuschreibung (an die Werkstatt des Peter Paul Rubens) keine material- und maltechnischen Einwände bestehen [...]”.

Wir danken Herrn Professor Hans Vlieghe, der das Bild anhand eines Fotos als Werk der Rubens-Werkstatt bestätigte.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

17.04.2013 - 18:00

Schätzwert:
EUR 250.000,- bis EUR 300.000,-

Peter Paul Rubens, Werkstatt


(Siegen 1577–1640 Antwerpen)
Der Christusknabe mit dem kindlichen Johannes dem Täufer in einer Landschaft,
Öl auf Leinwand, 125 x 158 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Freiherr Franz Josef von Zandt (gest. 1951), Schloss Seehof bei Bamberg;
Sammlung Peter Wirth, Zürich;
Österreichische Privatsammlung

Der große Rubens-Kenner Julius Held schrieb 1982 an den damaligen Eigentümer des Bildes: “I believe that the best version (of this composition) that has come down to us is the one at present in the reserve of the Alte Pinakothek in Munich. This picture was formerly exhibited at Castle Schleissheim. [...] While the Munich picture, as I said, is the best version known to me, and indeed in my opinion is a work of Rubens himself (though in Munich it is listed at present as coming from the Rubens-School), your painting comes very close to it in quality and is certainly the best version after the Munich one, known to me. I am very confident that Rubens must have had a hand in it, not only in the beautiful figure of the Infant Christ, but also in the brilliantly painted landscape. The brushwork throughout is forceful and spontaneous, the impasto - particularly in the trees and sky - of a solidity known to me only from originals by the master, never found in copies...”. Das verlorene Original dieser Komposition von Rubens‘ eigener Hand befand sich, so wird heute angenommen, in der Sammlung der genuesischen Patrizierfamilie Balbi.

Ebenfalls aus Genua, aus dem Besitz der berühmten Familie Spinola, stammte eine Version, die 2011 im Dorotheum, Wien, verkauft wurde. Held schrieb 1982, dass ihm (einschließlich dem hier vorliegenden Gemälde) sieben Versionen dieser Komposition bekannt seien. Zusätzlich nannte er einen Holzschnitt von Christoffel Jegher und andere druckgraphische Blätter, die manchen schwächeren Kopien als Vorlage gedient haben mögen. Das verschollene Original aus dem Palazzo Balbi in Genua wird von Michael Jaffé um 1628 datiert (vgl. M. Jaffé, Rubens, Catalogo Completo, Mailand 1989, S. 306, Nr. 914). Jaffé nennt eine weitere Werkstattwiederholung, die sich ehemals in der Eremitage in St. Petersburg und nach 1928 in einer Berliner Privatsammlung befand. Unter den zahlreichen Wiederholungen dieser populären Komposition ist das hier vorliegende Gemälde eine der qualitätvollsten in der Werkstatt von Rubens unter Mitarbeit des Meisters entstandenen Versionen. Es befand sich möglicherweise bereits im 18. Jahrhundert in der Sammlung der Fürstbischöfe von Bamberg, deren Sommerresidenz Schloss Seehof war. Das Schloss gelangte nach dem Ende des Bamberger Hochstifts in Folge der Säkularisation an das Haus Wittelsbach. Dieses verkaufte es 1841 an einen Freiherrn von Zandt, in dessen Familie es bis 1951 verblieb. Heute befindet sich Seehof im Besitz des Freistaats Bayern.

Zu dem hier vorliegenden Gemälde existiert ein ausführliches technologisches Gutachten von Professor Franz Mairinger (1991), ehemals Leiter der Restaurierungswerkstätten an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Er schreibt: “Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die technologischen Befunde für eine Entstehungszeit des Gemäldes in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts sprechen und dass gegen die eingangs erwähnte Zuschreibung (an die Werkstatt des Peter Paul Rubens) keine material- und maltechnischen Einwände bestehen [...]”.

Wir danken Herrn Professor Hans Vlieghe, der das Bild anhand eines Fotos als Werk der Rubens-Werkstatt bestätigte.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 17.04.2013 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 06.04. - 17.04.2013