Lot Nr. 107


Koloman (Kolo) Moser


(Wien 1868–1918)
„Hl. Theresia“, Entwurf zum linksseitigen Fenster (Glasfenster) „Die geistigen Tugenden“ für die Kirche am Steinhof, ca. 1905, Stempel: „Nachlass Koloman Moser“, Bleistift, Feder, Tinte, Deckweiß, Gouache auf dünnem Japan, Passepartout-Ausschnitt 36,5 x 14 cm, Blattgröße ca. 42 x 30,5 cm, gerahmt

Siehe:
Werner Fenz, Koloman Moser, Residenz Verlag, 1984, S. 204 - zwei Studien „Hl. Theresia“

Provenienz:
Privatsammlung, USA
Dorotheum Wien, 28. November 2006, Los 17
Privatsammlung, Wien

DIE KIRCHE AM STEINHOF

Am 18. Oktober 1904 wurde Wagners Entwurf für die Anstaltskirche St. Leopold am Steinhof zur Ausführung genehmigt, nachdem sein aus dem Wettbewerb von 1902 hervorgegangenes Projekt Anfang 1903 in den beanstandeten Punkten modifiziert worden war.
Der erste Spatenstich erfolgte am 6. Juni 1905, und am 5. Oktober 1907 wurde die Kirche der Verwendung übergeben. […]
Mit der Kirche am Steinhof verwirklichte Wagner seine Vorstellungen von einer zeitgemäßen Kirche, die er bereits 1899 in seiner Studie Die Moderne im Kirchenbau formuliert hatte. Damals waren seine Ideen, die er auf der V. Secessionsausstellung anhand eines Kirchenprojekts auf dem Währinger Friedhof, zusammen mit seiner die praktischen Gesichtspunkte besonders hervorhebenden Studie, vorgestellt hatte, auf heftige Ablehnung gestoßen.
»Was? Riefen die ewigen Wasrufer, ein Gebäu mit Luft, Licht, Sanität, Zweckdienlichkeit, sogar Komfort, sogar Closets (!), das soll eine Kirche sein? Und gebaut aus den gotteslästerlichsten Stoffen: armiertem Beton, Kupfer, Glas, Belag von brettdünnen Marmorplatten; … Das ist nicht liturgisch, darin kann man nicht Messe lesen.«
Eine Kirche dieser Art konnte anscheinend nur in einem Ausnahmefall, als Gotteshaus für Geisteskranke, genehmigt werden. Nur hier schienen Wagners zweckrationale Forderungen von Hygiene, Ökonomie und reibungsloser Benützbarkeit am Platz zu sein. Es bestand jedoch weiterhin große Skepsis seitens kirchlicher Behörden, die im Baukomitee durch den Hofkaplan und Universitätsprofessor Heinrich Swoboda als Beirat vertreten waren. Da die Gestaltung der Kirche in liturgischer Hinsicht keinen Angriffspunkt bot, konzentrierte sich Swobodas Kritik auf die Neuheit von Stil und Ausführungsmaterial des Bildprogramms im Innenraum. Wagner beklagte sich darüber bei Kolo Moser, der von ihm für den Entwurf der Glasfenster und der Altarwand bestellt worden war:
»Nachdem sich Professor Swoboda über keinen einzigen Punkt in liturgischer Hinsicht ergehen konnte, beackerte er naturgemäß das künstlerische Gebiet, und was dabei herauskommt, und was ich ausstehe, davon kannst Du Dir keine Vorstellung machen.« […]
Die Glasfenster, die wahrscheinlich noch sparsamerer Farbigkeit konzipiert worden waren, wurden trotz großer Streitigkeiten tatsächlich nach Entwürfen Kolo Mosers ausgeführt, hingegen führte die Ablehnung seines Hochaltars zum Ausscheiden Mosers.
»Also bitte! – lasse Deinen Traum von einem Einheitskunstwerk fahren. -«, schrieb Moser am 18. Februar 1907 an Wagner. […]

Aus: Otto Wagner, Möbel und Innenräume, Residenz Verlag 1984, S. 240-241 (siehe auch S. 242-245)
Vgl.: Werner Feuz, Koloman Moser, Residenz Verlag, 1984, S. 202, Abbildung 114
Maria Rennhofer, Koloman Moser, Leben und Werk 1868-1918, Verlag Christian Brandstätter, 2002, S. 160-164
Koloman Moser 1868-1918, Leopold Museum Privatstiftung, Wien, Prestel Verlag, 2007, S. 255-258

28.11.2018 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 5.000,-
Schätzwert:
EUR 4.000,- bis EUR 7.000,-

Koloman (Kolo) Moser


(Wien 1868–1918)
„Hl. Theresia“, Entwurf zum linksseitigen Fenster (Glasfenster) „Die geistigen Tugenden“ für die Kirche am Steinhof, ca. 1905, Stempel: „Nachlass Koloman Moser“, Bleistift, Feder, Tinte, Deckweiß, Gouache auf dünnem Japan, Passepartout-Ausschnitt 36,5 x 14 cm, Blattgröße ca. 42 x 30,5 cm, gerahmt

Siehe:
Werner Fenz, Koloman Moser, Residenz Verlag, 1984, S. 204 - zwei Studien „Hl. Theresia“

Provenienz:
Privatsammlung, USA
Dorotheum Wien, 28. November 2006, Los 17
Privatsammlung, Wien

DIE KIRCHE AM STEINHOF

Am 18. Oktober 1904 wurde Wagners Entwurf für die Anstaltskirche St. Leopold am Steinhof zur Ausführung genehmigt, nachdem sein aus dem Wettbewerb von 1902 hervorgegangenes Projekt Anfang 1903 in den beanstandeten Punkten modifiziert worden war.
Der erste Spatenstich erfolgte am 6. Juni 1905, und am 5. Oktober 1907 wurde die Kirche der Verwendung übergeben. […]
Mit der Kirche am Steinhof verwirklichte Wagner seine Vorstellungen von einer zeitgemäßen Kirche, die er bereits 1899 in seiner Studie Die Moderne im Kirchenbau formuliert hatte. Damals waren seine Ideen, die er auf der V. Secessionsausstellung anhand eines Kirchenprojekts auf dem Währinger Friedhof, zusammen mit seiner die praktischen Gesichtspunkte besonders hervorhebenden Studie, vorgestellt hatte, auf heftige Ablehnung gestoßen.
»Was? Riefen die ewigen Wasrufer, ein Gebäu mit Luft, Licht, Sanität, Zweckdienlichkeit, sogar Komfort, sogar Closets (!), das soll eine Kirche sein? Und gebaut aus den gotteslästerlichsten Stoffen: armiertem Beton, Kupfer, Glas, Belag von brettdünnen Marmorplatten; … Das ist nicht liturgisch, darin kann man nicht Messe lesen.«
Eine Kirche dieser Art konnte anscheinend nur in einem Ausnahmefall, als Gotteshaus für Geisteskranke, genehmigt werden. Nur hier schienen Wagners zweckrationale Forderungen von Hygiene, Ökonomie und reibungsloser Benützbarkeit am Platz zu sein. Es bestand jedoch weiterhin große Skepsis seitens kirchlicher Behörden, die im Baukomitee durch den Hofkaplan und Universitätsprofessor Heinrich Swoboda als Beirat vertreten waren. Da die Gestaltung der Kirche in liturgischer Hinsicht keinen Angriffspunkt bot, konzentrierte sich Swobodas Kritik auf die Neuheit von Stil und Ausführungsmaterial des Bildprogramms im Innenraum. Wagner beklagte sich darüber bei Kolo Moser, der von ihm für den Entwurf der Glasfenster und der Altarwand bestellt worden war:
»Nachdem sich Professor Swoboda über keinen einzigen Punkt in liturgischer Hinsicht ergehen konnte, beackerte er naturgemäß das künstlerische Gebiet, und was dabei herauskommt, und was ich ausstehe, davon kannst Du Dir keine Vorstellung machen.« […]
Die Glasfenster, die wahrscheinlich noch sparsamerer Farbigkeit konzipiert worden waren, wurden trotz großer Streitigkeiten tatsächlich nach Entwürfen Kolo Mosers ausgeführt, hingegen führte die Ablehnung seines Hochaltars zum Ausscheiden Mosers.
»Also bitte! – lasse Deinen Traum von einem Einheitskunstwerk fahren. -«, schrieb Moser am 18. Februar 1907 an Wagner. […]

Aus: Otto Wagner, Möbel und Innenräume, Residenz Verlag 1984, S. 240-241 (siehe auch S. 242-245)
Vgl.: Werner Feuz, Koloman Moser, Residenz Verlag, 1984, S. 202, Abbildung 114
Maria Rennhofer, Koloman Moser, Leben und Werk 1868-1918, Verlag Christian Brandstätter, 2002, S. 160-164
Koloman Moser 1868-1918, Leopold Museum Privatstiftung, Wien, Prestel Verlag, 2007, S. 255-258


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 28.11.2018 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.11. - 28.11.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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