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Lot Nr. 58


Diana de Rosa, gen. Annella di Massimo


(Neapel 1601-1643)
Lucretia,
Öl auf Leinwand, 129 x 103 cm, gerahmt

Blog: Starke Frauen: Artemisia Gentileschi & Lucretia
Video: Artemisia Gentileschi "Lucretia"

Provenienz:
vermutlich Giovanni Jatta (1767-1844), Neapel und Ruvo di Puglia;
Giovanni Francesco Gaetano Jatta (1832-1895), Ruvo di Puglia;
im Erbgang an den jetzigen Besitzer

Wir danken Riccardo Lattuada, der die Zuschreibung des Gemäldes nach dessen Untersuchung im Original vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots.

Das vorliegende, bis dato unpublizierte Gemälde gibt Einblick in die künstlerische Bedeutung und Eigenständigkeit Diana De Rosas im reichen, künstlerischen Umfeld Neapels der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Diana De Rosa, gen. Annella di Massimo, hatte als eine der wenigen Künstlerinnen Neapels der damaligen Zeit beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Sie war die Schwester des Künstlers Pacecco De Rosa und wurde dem Biografien Bernardo de’ Dominici zufolge offenbar grundlos von ihrem Mann, dem Maler Agostino Beltrano, ermordet, der angeblich eifersüchtig auf ihre enge, wenn auch platonische Beziehung zu Massimo Stanzione war. Vor ihrem Tod 1643 hatte Diana De Rosa in der Kunstszene Neapels eine Vorrangstellung inne.

Das vorliegende Gemälde ist mehreren Werken vergleichbar, die Diana De Rosa zugewiesen wurden. Man vermutet in ihr die Schöpferin der Lebensgeschichte Marias in Santa Maria della Pietà dei Turchini in Neapel. Zu dieser Gruppe kamen drei weitere Bilder mit Szenen aus dem Leben der heiligen Maria hinzu, die für die Kirche San Giovanni Maggiore in Neapel entstanden sind und von denen heute zwei im Museo Diocesano in Neapel verwahrt werden (siehe F. Petrelli, Una luce su Annella de Rosa, in: Ricerche sul ‘600 napoletano. Saggi e documenti 2008, Neapel 2009, S. 87-92; G. Porzio in: P. L. Leone de Castris (Hg.), Il Museo Diocesano di Napoli. Percorsi di Fede e Arte, Neapel 2008, S.132, Nr. 40; G. Porzio, Ordine teatino e contesto artistico napoletano nel Seicento: Francesco Maria Caselli, Gaspare Del Popolo e una nota su Diana De Rosa, in: D. A. D’Alessandro (Hg.), Sant’Andrea Avellino e I Teatini nella Napoli del Viceregno spagnolo. Arte Religione e Società, Neapel 2012, S. 599-601, S. 609-621, Taf. 3-15). Zu den der Malerin glaubhaft zugeschriebenen Gemälden, mit denen das vorliegende Gemälde ganz besonders verglichen werden kann, zählen eine Heilige Agatha und eine Heilige Familie, die sich beide in Privatsammlungen befinden (siehe Porzio 2012, Taf. 8 und 11).

Das vorliegende Gemälde der Lucretia ist mit Stanziones Kleopatra in der Sammlung Durazzo Pallavicini in Genua verwandt, die auch als Inspirationsquelle für die Heilige Agatha Francesco Guarinos diente, die sich heute im Museo di Capodimonte in Neapel befindet (siehe S. Schütze, T. W. Willette, Massimo Stanzione. L’Opera completa, Neapel 1992, S. 213, A56; S. 322, Abb. 192-193; N. Spinosa, in: C. Cattaneo Adorno (Hg.), Il Palazzo Durazzo Pallavicini, Bologna 1993, S. 196/197, Nr. 79/80, mit Zuschreibung der Kleopatra an Francesco Guarino; R. Lattuada, Francesco Guarino da Solofra nella pittura napoletana del Seicento (1611-1651), Neapel 2000, (2. Aufl. 2012), S. 180; Zurückweisung der Zuschreibung der Kleopatra an Guarino und erneute Zuschreibung an Stanzione).

Gleichzeitig besteht auch eine Verbindung zum Schaffen Filippo Vitales, Dianas Paten, und ihres Bruders Pacecco De Rosa. Der Entwurf der Figur der Lucretia steht zum Beispiel in Beziehung zur Protagonistin im Martyrium der heiligen Ursula (Caylus Anticuario S.A., Madrid), welches Filippo Vitale und Pacecco De Rosa zugeschrieben wird (siehe V. Pacelli et al., Giovan Francesco de Rosa detto Pacecco de Rosa, 1607-1656, Neapel 2008, Taf. 50, S. 318/319, Nr. 50-53). Vom Körpertypus her gleicht die Lucretia der heiligen Maria in der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten Filippo Vitales in der Sammlung D’Errico, Matera (siehe V. Pacelli et al., op. cit., S. 278, Nr. 5).

Generell verraten die Komposition und der Ausdruck der Figuren den Einfluss Guido Renis auf die neapolitanische Malschule. Das vorliegende Werk ist mit Renis Kleopatra in Potsdam/Sanssouci vergleichbar (siehe S. Ebert-Schifferer in: S. Ebert-Schifferer, A. Emiliani (Hg.), Guido Reni e l’Europa, Ausstellungskatalog, Bologna 1988, S. 164/165, Nr. A16; zu Renis Ikonographie siehe E. Rossoni, Le interpretazioni di una tragica scelta: Lucrezia romana da Parmigianino a Guido Reni, in: M. Scalini (Hg.), Lucrezia romana. La virtù delle donne da Raffaello a Reni, Ausstellungskatalog, Cinisello Balsamo 2016, S. 106-115).

Vermutlich ist das vorliegende Gemälde gegen Ende der 1630er-Jahre, in Diana De Rosas letzte Schaffensphase, zu datieren. Ihre künstlerische Handschrift zeigt sich in der gelungenen Wiedergabe des offenen Hemds über der Brust der Dargestellten sowie des tiefblauen Gewands und des Faltenwurfs der dunklen Draperie im Hintergrund. Der Umgang mit den Malmitteln ist flüssiger als bei Pacecco De Rosa und näher am Stil Stanziones und Artemisia Gentileschis. Der Schmuck am Handgelenk und im Haar der Protagonistin glänzt. Schon ist die Dolchspitze ins Fleisch gedrungen, und ihre von Livius berichteten letzten Worte scheinen ihr über die Lippen zu kommen: „Ihr habt gesehen, was [Sextus Tarquinius] verdient. Ich aber erlasse mir, auch wenn ich mich von Schuld freispreche, nicht die Strafe. Und von nun an soll keine Schamlose unter Berufung auf das Beispiel der Lucretia weiterleben können!“

23.10.2018 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 87.500,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Diana de Rosa, gen. Annella di Massimo


(Neapel 1601-1643)
Lucretia,
Öl auf Leinwand, 129 x 103 cm, gerahmt

Blog: Starke Frauen: Artemisia Gentileschi & Lucretia
Video: Artemisia Gentileschi "Lucretia"

Provenienz:
vermutlich Giovanni Jatta (1767-1844), Neapel und Ruvo di Puglia;
Giovanni Francesco Gaetano Jatta (1832-1895), Ruvo di Puglia;
im Erbgang an den jetzigen Besitzer

Wir danken Riccardo Lattuada, der die Zuschreibung des Gemäldes nach dessen Untersuchung im Original vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots.

Das vorliegende, bis dato unpublizierte Gemälde gibt Einblick in die künstlerische Bedeutung und Eigenständigkeit Diana De Rosas im reichen, künstlerischen Umfeld Neapels der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Diana De Rosa, gen. Annella di Massimo, hatte als eine der wenigen Künstlerinnen Neapels der damaligen Zeit beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Sie war die Schwester des Künstlers Pacecco De Rosa und wurde dem Biografien Bernardo de’ Dominici zufolge offenbar grundlos von ihrem Mann, dem Maler Agostino Beltrano, ermordet, der angeblich eifersüchtig auf ihre enge, wenn auch platonische Beziehung zu Massimo Stanzione war. Vor ihrem Tod 1643 hatte Diana De Rosa in der Kunstszene Neapels eine Vorrangstellung inne.

Das vorliegende Gemälde ist mehreren Werken vergleichbar, die Diana De Rosa zugewiesen wurden. Man vermutet in ihr die Schöpferin der Lebensgeschichte Marias in Santa Maria della Pietà dei Turchini in Neapel. Zu dieser Gruppe kamen drei weitere Bilder mit Szenen aus dem Leben der heiligen Maria hinzu, die für die Kirche San Giovanni Maggiore in Neapel entstanden sind und von denen heute zwei im Museo Diocesano in Neapel verwahrt werden (siehe F. Petrelli, Una luce su Annella de Rosa, in: Ricerche sul ‘600 napoletano. Saggi e documenti 2008, Neapel 2009, S. 87-92; G. Porzio in: P. L. Leone de Castris (Hg.), Il Museo Diocesano di Napoli. Percorsi di Fede e Arte, Neapel 2008, S.132, Nr. 40; G. Porzio, Ordine teatino e contesto artistico napoletano nel Seicento: Francesco Maria Caselli, Gaspare Del Popolo e una nota su Diana De Rosa, in: D. A. D’Alessandro (Hg.), Sant’Andrea Avellino e I Teatini nella Napoli del Viceregno spagnolo. Arte Religione e Società, Neapel 2012, S. 599-601, S. 609-621, Taf. 3-15). Zu den der Malerin glaubhaft zugeschriebenen Gemälden, mit denen das vorliegende Gemälde ganz besonders verglichen werden kann, zählen eine Heilige Agatha und eine Heilige Familie, die sich beide in Privatsammlungen befinden (siehe Porzio 2012, Taf. 8 und 11).

Das vorliegende Gemälde der Lucretia ist mit Stanziones Kleopatra in der Sammlung Durazzo Pallavicini in Genua verwandt, die auch als Inspirationsquelle für die Heilige Agatha Francesco Guarinos diente, die sich heute im Museo di Capodimonte in Neapel befindet (siehe S. Schütze, T. W. Willette, Massimo Stanzione. L’Opera completa, Neapel 1992, S. 213, A56; S. 322, Abb. 192-193; N. Spinosa, in: C. Cattaneo Adorno (Hg.), Il Palazzo Durazzo Pallavicini, Bologna 1993, S. 196/197, Nr. 79/80, mit Zuschreibung der Kleopatra an Francesco Guarino; R. Lattuada, Francesco Guarino da Solofra nella pittura napoletana del Seicento (1611-1651), Neapel 2000, (2. Aufl. 2012), S. 180; Zurückweisung der Zuschreibung der Kleopatra an Guarino und erneute Zuschreibung an Stanzione).

Gleichzeitig besteht auch eine Verbindung zum Schaffen Filippo Vitales, Dianas Paten, und ihres Bruders Pacecco De Rosa. Der Entwurf der Figur der Lucretia steht zum Beispiel in Beziehung zur Protagonistin im Martyrium der heiligen Ursula (Caylus Anticuario S.A., Madrid), welches Filippo Vitale und Pacecco De Rosa zugeschrieben wird (siehe V. Pacelli et al., Giovan Francesco de Rosa detto Pacecco de Rosa, 1607-1656, Neapel 2008, Taf. 50, S. 318/319, Nr. 50-53). Vom Körpertypus her gleicht die Lucretia der heiligen Maria in der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten Filippo Vitales in der Sammlung D’Errico, Matera (siehe V. Pacelli et al., op. cit., S. 278, Nr. 5).

Generell verraten die Komposition und der Ausdruck der Figuren den Einfluss Guido Renis auf die neapolitanische Malschule. Das vorliegende Werk ist mit Renis Kleopatra in Potsdam/Sanssouci vergleichbar (siehe S. Ebert-Schifferer in: S. Ebert-Schifferer, A. Emiliani (Hg.), Guido Reni e l’Europa, Ausstellungskatalog, Bologna 1988, S. 164/165, Nr. A16; zu Renis Ikonographie siehe E. Rossoni, Le interpretazioni di una tragica scelta: Lucrezia romana da Parmigianino a Guido Reni, in: M. Scalini (Hg.), Lucrezia romana. La virtù delle donne da Raffaello a Reni, Ausstellungskatalog, Cinisello Balsamo 2016, S. 106-115).

Vermutlich ist das vorliegende Gemälde gegen Ende der 1630er-Jahre, in Diana De Rosas letzte Schaffensphase, zu datieren. Ihre künstlerische Handschrift zeigt sich in der gelungenen Wiedergabe des offenen Hemds über der Brust der Dargestellten sowie des tiefblauen Gewands und des Faltenwurfs der dunklen Draperie im Hintergrund. Der Umgang mit den Malmitteln ist flüssiger als bei Pacecco De Rosa und näher am Stil Stanziones und Artemisia Gentileschis. Der Schmuck am Handgelenk und im Haar der Protagonistin glänzt. Schon ist die Dolchspitze ins Fleisch gedrungen, und ihre von Livius berichteten letzten Worte scheinen ihr über die Lippen zu kommen: „Ihr habt gesehen, was [Sextus Tarquinius] verdient. Ich aber erlasse mir, auch wenn ich mich von Schuld freispreche, nicht die Strafe. Und von nun an soll keine Schamlose unter Berufung auf das Beispiel der Lucretia weiterleben können!“


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 23.10.2018 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 13.10. - 23.10.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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