Lot Nr. 328


Florentiner Schule, 17. Jahrhundert

[Saleroom Notice]

Der über das Wasser wandelnde Christus,
Öl auf Lapislazuli, oktogonal, 23 x 35 cm, gerahmt

Saleroom Notice:

Das vorliegende Gemälde ist: Öl auf Lapislazuli auf Schiefer

Während des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts waren Malereien auf pietre dure (Halbedelsteinen) in Florenz besonders gefragt und begehrt. Die Wertschätzung für dieses Material zeigt sich auch im aufwendigen Rahmen des vorliegenden Werks, der sich aus unterschiedlichen Halbedelsteinen zusammensetzt, sowie vor allem im repräsentativen Bildträger Lapislazuli.

Insbesondere die Familie Medici schätzte diese Art von Werken: Cosimo I. (1519–1574) und Francesco I. (1541–1587) zeigten ebenso wie Ferdinando I. (1549–1609), der 1588 in Florenz das Opificio delle Pietre Dure begründete, und Cosimo II. (1590–1621) Interesse für diese Art Bildträger. Derartige Gemälde waren an Prunk kaum zu überbieten. Künstler wie Jacopo Ligozzi, Lodovico Cigoli und Filippo Napoletano erhielten in dieser Zeit zahlreiche Aufträge. Das vorliegende Gemälde lässt sich in diesen florentinischen Kontext einordnen und ist daher in das frühe 17. Jahrhundert zu datieren.

Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts findet sich in den Inventarverzeichnissen der meisten führenden Adelsfamilien eine Reihe von Gemälden auf dem Bildträger Stein, die meisten auf Alabaster, Jaspis oder Achat, aber auch auf Lapislazuli. Im Fall des letztgenannten Materials sind ähnliche Bildthemen wie das des vorliegenden Gemäldes vermerkt, jedoch gibt es kaum Hinweise auf deren Schöpfer. Ein bekanntes Beispiel befand sich 1626 in der Sammlung des Francesco Barberini, ein weiteres tauchte 1628 in der Sammlung der Gräfin von Lemos, Catalina de Zúñiga, auf. Tatsächlich dürfte das Thema besonders beliebt gewesen sein, zumal in dieser Zeit Filippo Napoletano eine diesbezügliche Zahlung erhielt: „sc. 10 p la barca di S. Pietro depinta in lapis lazaro per Monsù del Bene“ [„10 Scudi für das Boot des hl. Petrus, gemalt auf Lapislazuli für Monsù del Bene’] (zit. in: M. Aronberg Lavin, Seventeenth-Century Barberini Documents and Inventories of Art, New York 1975, S. 26, Nr. 215).

Des Thema des vorliegenden Gemäldes ist einer Episode des Matthäusevangeliums (Kapitel 14) entnommen, in der Christus den hl. Petrus rettet. Die verfeinerte Darstellung der Gesichtszüge Christi, der Hände und der Gewandfalten sprechen stilistisch für Lodovico Cigoli. Der Bug und der Mast des Bootes sowie die beiden darin sitzenden Apostel sind einem Stich aus dem Jahr 1568 von Cornelis Cort entnommen (British Museum, London, Inv.-Nr. W.8.90), der wiederum auf einer Zeichnung von Girolamo Muziano basiert. Der Schöpfer des vorliegenden Gemäldes hat die Komposition vereinfacht und die dritte Figur im Boot weggelassen. Darüber hinaus hat er den Raum der Szene verengt und die Landschaft nur sparsam angedeutet: Es finden sich Bäume links von Christus und die Andeutung einer Stadt im Hintergrund. Der Bildträger Lapislazuli wird hier zum Protagonisten der Szene. Die Farben der Gewänder – Rot, Gelb und Blau – sowie die Hauttöne kontrastieren mit dem Blau des Lapislazuli und lassen Christus und Petrus reliefartig hervortreten. Zudem verweist der kostbare Bildträger, der einen Teil des Gewandes des einen Apostels sowie das Fischernetz bildet, auf eine Herangehensweise, die ansonsten für das Schaffen Antonio Tempestas beispielhaft ist. Das vorliegende Werk verrät eine Meisterschaft, die die Virtuosität seines Schöpfers vor Augen führt. Dieser hat sich mit großem Geschick der Farbabstufungen des Steins bedient und damit den Bildträger in die Komposition einfließen lassen.

Wir danken Anne-Laure Collomb für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 56.550,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Florentiner Schule, 17. Jahrhundert

[Saleroom Notice]

Der über das Wasser wandelnde Christus,
Öl auf Lapislazuli, oktogonal, 23 x 35 cm, gerahmt

Saleroom Notice:

Das vorliegende Gemälde ist: Öl auf Lapislazuli auf Schiefer

Während des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts waren Malereien auf pietre dure (Halbedelsteinen) in Florenz besonders gefragt und begehrt. Die Wertschätzung für dieses Material zeigt sich auch im aufwendigen Rahmen des vorliegenden Werks, der sich aus unterschiedlichen Halbedelsteinen zusammensetzt, sowie vor allem im repräsentativen Bildträger Lapislazuli.

Insbesondere die Familie Medici schätzte diese Art von Werken: Cosimo I. (1519–1574) und Francesco I. (1541–1587) zeigten ebenso wie Ferdinando I. (1549–1609), der 1588 in Florenz das Opificio delle Pietre Dure begründete, und Cosimo II. (1590–1621) Interesse für diese Art Bildträger. Derartige Gemälde waren an Prunk kaum zu überbieten. Künstler wie Jacopo Ligozzi, Lodovico Cigoli und Filippo Napoletano erhielten in dieser Zeit zahlreiche Aufträge. Das vorliegende Gemälde lässt sich in diesen florentinischen Kontext einordnen und ist daher in das frühe 17. Jahrhundert zu datieren.

Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts findet sich in den Inventarverzeichnissen der meisten führenden Adelsfamilien eine Reihe von Gemälden auf dem Bildträger Stein, die meisten auf Alabaster, Jaspis oder Achat, aber auch auf Lapislazuli. Im Fall des letztgenannten Materials sind ähnliche Bildthemen wie das des vorliegenden Gemäldes vermerkt, jedoch gibt es kaum Hinweise auf deren Schöpfer. Ein bekanntes Beispiel befand sich 1626 in der Sammlung des Francesco Barberini, ein weiteres tauchte 1628 in der Sammlung der Gräfin von Lemos, Catalina de Zúñiga, auf. Tatsächlich dürfte das Thema besonders beliebt gewesen sein, zumal in dieser Zeit Filippo Napoletano eine diesbezügliche Zahlung erhielt: „sc. 10 p la barca di S. Pietro depinta in lapis lazaro per Monsù del Bene“ [„10 Scudi für das Boot des hl. Petrus, gemalt auf Lapislazuli für Monsù del Bene’] (zit. in: M. Aronberg Lavin, Seventeenth-Century Barberini Documents and Inventories of Art, New York 1975, S. 26, Nr. 215).

Des Thema des vorliegenden Gemäldes ist einer Episode des Matthäusevangeliums (Kapitel 14) entnommen, in der Christus den hl. Petrus rettet. Die verfeinerte Darstellung der Gesichtszüge Christi, der Hände und der Gewandfalten sprechen stilistisch für Lodovico Cigoli. Der Bug und der Mast des Bootes sowie die beiden darin sitzenden Apostel sind einem Stich aus dem Jahr 1568 von Cornelis Cort entnommen (British Museum, London, Inv.-Nr. W.8.90), der wiederum auf einer Zeichnung von Girolamo Muziano basiert. Der Schöpfer des vorliegenden Gemäldes hat die Komposition vereinfacht und die dritte Figur im Boot weggelassen. Darüber hinaus hat er den Raum der Szene verengt und die Landschaft nur sparsam angedeutet: Es finden sich Bäume links von Christus und die Andeutung einer Stadt im Hintergrund. Der Bildträger Lapislazuli wird hier zum Protagonisten der Szene. Die Farben der Gewänder – Rot, Gelb und Blau – sowie die Hauttöne kontrastieren mit dem Blau des Lapislazuli und lassen Christus und Petrus reliefartig hervortreten. Zudem verweist der kostbare Bildträger, der einen Teil des Gewandes des einen Apostels sowie das Fischernetz bildet, auf eine Herangehensweise, die ansonsten für das Schaffen Antonio Tempestas beispielhaft ist. Das vorliegende Werk verrät eine Meisterschaft, die die Virtuosität seines Schöpfers vor Augen führt. Dieser hat sich mit großem Geschick der Farbabstufungen des Steins bedient und damit den Bildträger in die Komposition einfließen lassen.

Wir danken Anne-Laure Collomb für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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