Lot Nr. 329


Artus Wolffort


(Antwerpen 1581–1641)
Die vier Elemente,
Öl auf Leinwand, 158 x 200 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Paris, bis 2018

Wir danken Hans Vlieghe und Jean-Pierre de Bruyn, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt haben.

Wie vor ihm Rubens war Artus Wolffort in Antwerpen in die Werkstatt Otto van Veens eingetreten. Beide verstärkten den moderaten Klassizismus ihres Lehrers durch eine ausgeprägte Bewegtheit und Individualität. Wolfforts Werk verrät etwas von der monumentalen Plastizität im Schaffen Rubens’ der Dekade nach der Rückkehr des Meisters aus Italien. Die illusionistische Wiedergabe des Haars und die steifer wirkenden Faltenwürfe des jüngeren Malers ergeben gepaart mit der besonderen Muskulosität und der eigenwilligen Gestik der Figuren, die eine größere Nähe zu Rubens’ älterem Zeitgenossen Abraham Janssens verraten, einen eigenen Stil, an dem der Künstler erkennbar wird. Man weiß, dass Rubens später auf Wolfforts Hilfe zurückgreifen sollte, unter anderem für sein grandioses mehrere Triumphbögen umfassendes Ausstattungsprogramm anlässlich des Einzugs des Kardinalinfanten Ferdinand im Jahr 1635. Ein visuelles Zeugnis hat sich in Form von Stichen der Pompa Introitus Ferdinandi (Antwerpen, um 1638) erhalten.

Hans Vlieghe und Jean-Pierre de Bruyn haben das vorliegende Gemälde als eine weitere eigenhändige Fassung Wolfforts seines größeren Leinwandbildes in der Staatsgalerie Stuttgart (Inv.-Nr. 2223) identifiziert. Obschon das Gemälde zuvor zwei anderen Gehilfen Rubens’, nämlich Jan Boeckhorst (1604–1668) und Frans Snijders (1579–1657), zugeschrieben war, schreibt Vlieghe: „Es ist mir gelungen, dieses Werk aus stilistischen Gründen Artus Wolffort zuzuschreiben (siehe dazu Hans Vlieghe, Zwischen Van Veen und Rubens: Artus Wolffort, ein vergessener Antwerpener Maler, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte, XXXIX, 1977, S. 109, 111). Er führt weiter aus: „Die vier Elemente sind hier durch vier nahezu lebensgroße Figuren verkörpert, die um einen Bach sitzend dargestellt sind. Von links nach rechts sind das Feuer, die Luft, das Wasser und die Erde zu erkennen. Das Feuer ist hier als Vulcanus mit einer brennenden Fackel oder großen Kerze und einem Schmiedehammer wiedergegeben, die Luft als nackter junger Mann, der womöglich als Sonnengott Apollo zu identifizieren ist. Auf Wolken thronend, hält er einen Paradiesvogel und einen Stab, von dem tote Vögel herabhängen, in seinen Händen. Das Wasser wird durch Neptun mit Dreizack dargestellt, der Wasser und Fische in einen Bach gießt. Die Erde erscheint schließlich als Ceres, die Göttin der Fruchtbarkeit, die hier mit einem Füllhorn und einem weißen Kaninchen als besonders fortpflanzungsfreudigem Tier zu sehen ist. In beiden Fassungen ist die Darstellung der Figuren auffallend ähnlich jener in anderen Gemälden dieses Meisters, von denen manche auch signiert oder monogrammiert sind.“

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 320.500,-
Schätzwert:
EUR 150.000,- bis EUR 250.000,-

Artus Wolffort


(Antwerpen 1581–1641)
Die vier Elemente,
Öl auf Leinwand, 158 x 200 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Paris, bis 2018

Wir danken Hans Vlieghe und Jean-Pierre de Bruyn, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt haben.

Wie vor ihm Rubens war Artus Wolffort in Antwerpen in die Werkstatt Otto van Veens eingetreten. Beide verstärkten den moderaten Klassizismus ihres Lehrers durch eine ausgeprägte Bewegtheit und Individualität. Wolfforts Werk verrät etwas von der monumentalen Plastizität im Schaffen Rubens’ der Dekade nach der Rückkehr des Meisters aus Italien. Die illusionistische Wiedergabe des Haars und die steifer wirkenden Faltenwürfe des jüngeren Malers ergeben gepaart mit der besonderen Muskulosität und der eigenwilligen Gestik der Figuren, die eine größere Nähe zu Rubens’ älterem Zeitgenossen Abraham Janssens verraten, einen eigenen Stil, an dem der Künstler erkennbar wird. Man weiß, dass Rubens später auf Wolfforts Hilfe zurückgreifen sollte, unter anderem für sein grandioses mehrere Triumphbögen umfassendes Ausstattungsprogramm anlässlich des Einzugs des Kardinalinfanten Ferdinand im Jahr 1635. Ein visuelles Zeugnis hat sich in Form von Stichen der Pompa Introitus Ferdinandi (Antwerpen, um 1638) erhalten.

Hans Vlieghe und Jean-Pierre de Bruyn haben das vorliegende Gemälde als eine weitere eigenhändige Fassung Wolfforts seines größeren Leinwandbildes in der Staatsgalerie Stuttgart (Inv.-Nr. 2223) identifiziert. Obschon das Gemälde zuvor zwei anderen Gehilfen Rubens’, nämlich Jan Boeckhorst (1604–1668) und Frans Snijders (1579–1657), zugeschrieben war, schreibt Vlieghe: „Es ist mir gelungen, dieses Werk aus stilistischen Gründen Artus Wolffort zuzuschreiben (siehe dazu Hans Vlieghe, Zwischen Van Veen und Rubens: Artus Wolffort, ein vergessener Antwerpener Maler, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte, XXXIX, 1977, S. 109, 111). Er führt weiter aus: „Die vier Elemente sind hier durch vier nahezu lebensgroße Figuren verkörpert, die um einen Bach sitzend dargestellt sind. Von links nach rechts sind das Feuer, die Luft, das Wasser und die Erde zu erkennen. Das Feuer ist hier als Vulcanus mit einer brennenden Fackel oder großen Kerze und einem Schmiedehammer wiedergegeben, die Luft als nackter junger Mann, der womöglich als Sonnengott Apollo zu identifizieren ist. Auf Wolken thronend, hält er einen Paradiesvogel und einen Stab, von dem tote Vögel herabhängen, in seinen Händen. Das Wasser wird durch Neptun mit Dreizack dargestellt, der Wasser und Fische in einen Bach gießt. Die Erde erscheint schließlich als Ceres, die Göttin der Fruchtbarkeit, die hier mit einem Füllhorn und einem weißen Kaninchen als besonders fortpflanzungsfreudigem Tier zu sehen ist. In beiden Fassungen ist die Darstellung der Figuren auffallend ähnlich jener in anderen Gemälden dieses Meisters, von denen manche auch signiert oder monogrammiert sind.“

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.