Lot Nr. 336


Cornelis Cornelisz. van Haarlem


(Haarlem 1562–1638)
Die Schindung des Marsyas,
Öl auf Leinwand, 148 x 120 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel John H. Collings Ltd., Banwell, Somerset;
Auktion, Christie’s, London 14. Oktober 1966, Lot 141 (als Goltzius);
Sammlung Federico Zeri, Mentana (Rom);
Europäische Privatsammlung

Literatur:
P. J. J. Van Thiel, Cornelis Cornelisz van Haarlem, His First Ten Years as a Painter, 1582–1592, in: Netherlandish Mannerism, hg. von G. Cavalli-Björkman, Stockholm 1985, S. 80;
E. J. Sluijter, De ’heydensche fabulen’ in de Noordnederlandse schilderkunst, circa 1590–1670, Den Haag 1986, S. 347, Nr. 15-2;
P. J. J. Van Thiel, Cornelis Cornelisz van Haarlem, a Monograph and Catalogue Raisonné, Gent 1999, Kat.-Nr. 143, Tafel 28

Das vorliegende Gemälde ist in der Datenbank des RKD als Werk von Cornelis Cornelisz. van Haarlem verzeichnet (Nr. 0000080801).

Diese Komposition stellt eine Szene aus dem Mythos von Apollo und Marsyas aus Ovids Metamorphosen dar. Der Satyr Marsyas fand im Wald einen Aulos, ein Blasinstrument, das Athene gemacht und dann weggeworfen hatte, als ihre Begleiterinnen ihr Spiel verspottet hatten. Marsyas jedoch wurde ein derart versierter Spieler und erntete so viel Anerkennung, dass er sich erdreistete, Apollo, den Gott der Musik, zum Wettstreit herauszufordern. Apollo nahm die Herausforderung an und rief die Musen als Jurorinnen herbei. Marsyas war überzeugt, den Gott besiegen zu können, bis dieser dazu überging, sein Lyraspiel mit Gesang zu begleiten. Das Blasinstrument des Satyrs ließ es nicht zu, es Apollo gleichzutun. Der Sieg wurde somit Apollo zugesprochen, der Marsyas für seine Dreistigkeit eine schreckliche Strafe auferlegte: Er band den Satyr an einen Baum und häutete ihn bei lebendigem Leib (Metamorphosen VI, 385–391).

Man hat das vorliegende Gemälde um 1588 datiert (siehe Literatur). Sluijter zufolge handelt es sich um eines der ersten Beispiele eines mythologischen Gemäldes der neu begründeten „Haarlemer Schule“, zu deren Gründungsmitgliedern Cornelis Cornelisz. van Haarlem zählte. Die kraftvolle, nackte Gestalt des Marsyas tritt aus der Dunkelheit hervor. Der gewundene Körper und die „unbequeme“ Haltung der linken Hand sind laut Van Thiel (1999, siehe Literatur) Elemente, die für eine Datierung noch vor 1588 sprechen.

Zu den in diesem Zeitraum ausgeführten Werken von Cornelisz. van Haarlem gehören das Bild Zwei Gefolgsleute des Kadmos werden vom Drachen verschlungen in der National Gallery, London (Inv.-Nr. NG 1893) und der Sturz der Titanen im Statens Museum for Kunst, Kopenhagen (Inv.-Nr. KMS 1). Einen weiteren Vergleich bietet die mit 1592 datierte Kreuztragung Christi im Nationalmuseum von Warschau (Inv.-Nr. M.ob.20): Auch dort hebt sich die Gestalt des Protagonisten kraftvoll vom dunklen Hintergrund ab. Die michelangelesken Körper sind muskulös, und der nackte Torso der statuenhaften Gestalten ist raumfüllend (siehe Van Thiel 1999, Kat.-Nr. 93, Tafel 78).

Cornelis wurde 1562 in Haarlem in den Niederlanden geboren. Er war Maler und Zeichner und einer der führenden Vertreter des Haarlemer Manierismus. Er ging bei Pieter Pietersz. (1540/41–1603) in die Lehre. Nach einer kurzen Reise nach Frankreich und einem Aufenthalt in Antwerpen 1580/1581 ließ er sich endgültig in seiner Heimatstadt nieder. Um 1583 schloss Cornelis Cornelisz. van Haarlem Freundschaft mit dem Historiker Karel van Mander (1548–1606), der den Maler zum Studium des Altertums ermunterte und dessen Lebensgeschichte der Veröffentlichung zuführte. Van Manders Text bildet die einzige Quelle für die Rekonstruktion der Frühzeit des Künstlers und zeichnet von ihm das Bild eines meisterhaften und produktiven Malers. Humanistische Kunstsammler der Zeit brachten ihm große Bewunderung entgegen (siehe J. L. McGee, Cornelis Corneliszoon Van Haarlem: Patrons, Friends, and Dutch Humanists, Nieuwkoop 1991, S. 33–52). Cornelis Cornelisz. van Haarlem traf auf den gefeierten Stecher Hendrick Goltzius (1558–1617); gemeinsam mit Karel van Mander sollten sie die „Haarlemer Schule“, die Wiege des niederländischen Manierismus, begründen. Die Werke dieser Künstler erlangten dank der Stiche von Hendrick Goltzius in ganz Europa Bekanntheit.

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 106.550,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Cornelis Cornelisz. van Haarlem


(Haarlem 1562–1638)
Die Schindung des Marsyas,
Öl auf Leinwand, 148 x 120 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel John H. Collings Ltd., Banwell, Somerset;
Auktion, Christie’s, London 14. Oktober 1966, Lot 141 (als Goltzius);
Sammlung Federico Zeri, Mentana (Rom);
Europäische Privatsammlung

Literatur:
P. J. J. Van Thiel, Cornelis Cornelisz van Haarlem, His First Ten Years as a Painter, 1582–1592, in: Netherlandish Mannerism, hg. von G. Cavalli-Björkman, Stockholm 1985, S. 80;
E. J. Sluijter, De ’heydensche fabulen’ in de Noordnederlandse schilderkunst, circa 1590–1670, Den Haag 1986, S. 347, Nr. 15-2;
P. J. J. Van Thiel, Cornelis Cornelisz van Haarlem, a Monograph and Catalogue Raisonné, Gent 1999, Kat.-Nr. 143, Tafel 28

Das vorliegende Gemälde ist in der Datenbank des RKD als Werk von Cornelis Cornelisz. van Haarlem verzeichnet (Nr. 0000080801).

Diese Komposition stellt eine Szene aus dem Mythos von Apollo und Marsyas aus Ovids Metamorphosen dar. Der Satyr Marsyas fand im Wald einen Aulos, ein Blasinstrument, das Athene gemacht und dann weggeworfen hatte, als ihre Begleiterinnen ihr Spiel verspottet hatten. Marsyas jedoch wurde ein derart versierter Spieler und erntete so viel Anerkennung, dass er sich erdreistete, Apollo, den Gott der Musik, zum Wettstreit herauszufordern. Apollo nahm die Herausforderung an und rief die Musen als Jurorinnen herbei. Marsyas war überzeugt, den Gott besiegen zu können, bis dieser dazu überging, sein Lyraspiel mit Gesang zu begleiten. Das Blasinstrument des Satyrs ließ es nicht zu, es Apollo gleichzutun. Der Sieg wurde somit Apollo zugesprochen, der Marsyas für seine Dreistigkeit eine schreckliche Strafe auferlegte: Er band den Satyr an einen Baum und häutete ihn bei lebendigem Leib (Metamorphosen VI, 385–391).

Man hat das vorliegende Gemälde um 1588 datiert (siehe Literatur). Sluijter zufolge handelt es sich um eines der ersten Beispiele eines mythologischen Gemäldes der neu begründeten „Haarlemer Schule“, zu deren Gründungsmitgliedern Cornelis Cornelisz. van Haarlem zählte. Die kraftvolle, nackte Gestalt des Marsyas tritt aus der Dunkelheit hervor. Der gewundene Körper und die „unbequeme“ Haltung der linken Hand sind laut Van Thiel (1999, siehe Literatur) Elemente, die für eine Datierung noch vor 1588 sprechen.

Zu den in diesem Zeitraum ausgeführten Werken von Cornelisz. van Haarlem gehören das Bild Zwei Gefolgsleute des Kadmos werden vom Drachen verschlungen in der National Gallery, London (Inv.-Nr. NG 1893) und der Sturz der Titanen im Statens Museum for Kunst, Kopenhagen (Inv.-Nr. KMS 1). Einen weiteren Vergleich bietet die mit 1592 datierte Kreuztragung Christi im Nationalmuseum von Warschau (Inv.-Nr. M.ob.20): Auch dort hebt sich die Gestalt des Protagonisten kraftvoll vom dunklen Hintergrund ab. Die michelangelesken Körper sind muskulös, und der nackte Torso der statuenhaften Gestalten ist raumfüllend (siehe Van Thiel 1999, Kat.-Nr. 93, Tafel 78).

Cornelis wurde 1562 in Haarlem in den Niederlanden geboren. Er war Maler und Zeichner und einer der führenden Vertreter des Haarlemer Manierismus. Er ging bei Pieter Pietersz. (1540/41–1603) in die Lehre. Nach einer kurzen Reise nach Frankreich und einem Aufenthalt in Antwerpen 1580/1581 ließ er sich endgültig in seiner Heimatstadt nieder. Um 1583 schloss Cornelis Cornelisz. van Haarlem Freundschaft mit dem Historiker Karel van Mander (1548–1606), der den Maler zum Studium des Altertums ermunterte und dessen Lebensgeschichte der Veröffentlichung zuführte. Van Manders Text bildet die einzige Quelle für die Rekonstruktion der Frühzeit des Künstlers und zeichnet von ihm das Bild eines meisterhaften und produktiven Malers. Humanistische Kunstsammler der Zeit brachten ihm große Bewunderung entgegen (siehe J. L. McGee, Cornelis Corneliszoon Van Haarlem: Patrons, Friends, and Dutch Humanists, Nieuwkoop 1991, S. 33–52). Cornelis Cornelisz. van Haarlem traf auf den gefeierten Stecher Hendrick Goltzius (1558–1617); gemeinsam mit Karel van Mander sollten sie die „Haarlemer Schule“, die Wiege des niederländischen Manierismus, begründen. Die Werke dieser Künstler erlangten dank der Stiche von Hendrick Goltzius in ganz Europa Bekanntheit.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.