Lot Nr. 352


Flämische Schule, 17. Jahrhundert


Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel,
Öl auf Leinwand, 170 x 199 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Belgien

Das vorliegende Gemälde mit seinen ganzfigurigen, naturalistisch dargestellten Protagonisten und dem als Repoussoir fungierenden Mann mit nacktem Oberkörper, der aus der Bildebene herauszutreten scheint, verrät deutlich den Einfluss Caravaggios. Hingegen weisen die feinen Faltenwürfe und die skulpturale Ausbildung der Muskulatur auf den Klassizismus des flämischen Barock.

In den Niederlanden erschien die erste zusammenhängende Lebensgeschichte Caravaggios, die ihn als einen Künstler beschrieb, der „sich von einem Spielfeld zum anderen bewegte, mit einem Degen im Halfter und einem ihm folgenden Diener, bereit, zu kämpfen und zu streiten […]“ (Karel van Mander, Schilderboek, Haarlem 1604). Mehrere flämische Nachfolger Caravaggios nahmen dieses Wanderleben auf und machten sich auf den Weg nach Neapel und Rom. Ihre Anführer waren Matthias Stom, Theodoor Rombouts und Louis Finson, aber auch noch unidentifiziert gebliebene Künstler wie „Giusto Fiammingo“.

Caravaggios bedeutender Zeitgenosse Bartolomeo Manfredi, dessen Werke für viele frühe Kenner nicht von jenen Caravaggios unterscheidbar waren, stellte ebenfalls die Vertreibung aus dem Tempel dar (um 1615, Metropolitan Museum, New York), wie auch Valentin de Boulogne (um 1618, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom).

Allen diesen Werken eigen ist eine ihnen innewohnende Dynamik sowie eine von den unterschiedlichen Texturen verliehene Haptik, erzielt durch die naturalistische Wiedergabe von Haut und Gewändern der Figurengruppen. Das vorliegende Gemälde stellt diese Eigenschaften mit größerer Unmittelbarkeit und einem stärkeren Realismus aus, als es für einen Künstler des Nordens üblich war. Details reichen vom Geflecht des Vogelkäfigs bis hin zur Peitschenschnur in der Hand Christi – eine Vorahnung der künftigen Geißelung, eines weiteren caravaggesken Themas.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 137.500,-
Schätzwert:
EUR 30.000,- bis EUR 40.000,-

Flämische Schule, 17. Jahrhundert


Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel,
Öl auf Leinwand, 170 x 199 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Belgien

Das vorliegende Gemälde mit seinen ganzfigurigen, naturalistisch dargestellten Protagonisten und dem als Repoussoir fungierenden Mann mit nacktem Oberkörper, der aus der Bildebene herauszutreten scheint, verrät deutlich den Einfluss Caravaggios. Hingegen weisen die feinen Faltenwürfe und die skulpturale Ausbildung der Muskulatur auf den Klassizismus des flämischen Barock.

In den Niederlanden erschien die erste zusammenhängende Lebensgeschichte Caravaggios, die ihn als einen Künstler beschrieb, der „sich von einem Spielfeld zum anderen bewegte, mit einem Degen im Halfter und einem ihm folgenden Diener, bereit, zu kämpfen und zu streiten […]“ (Karel van Mander, Schilderboek, Haarlem 1604). Mehrere flämische Nachfolger Caravaggios nahmen dieses Wanderleben auf und machten sich auf den Weg nach Neapel und Rom. Ihre Anführer waren Matthias Stom, Theodoor Rombouts und Louis Finson, aber auch noch unidentifiziert gebliebene Künstler wie „Giusto Fiammingo“.

Caravaggios bedeutender Zeitgenosse Bartolomeo Manfredi, dessen Werke für viele frühe Kenner nicht von jenen Caravaggios unterscheidbar waren, stellte ebenfalls die Vertreibung aus dem Tempel dar (um 1615, Metropolitan Museum, New York), wie auch Valentin de Boulogne (um 1618, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom).

Allen diesen Werken eigen ist eine ihnen innewohnende Dynamik sowie eine von den unterschiedlichen Texturen verliehene Haptik, erzielt durch die naturalistische Wiedergabe von Haut und Gewändern der Figurengruppen. Das vorliegende Gemälde stellt diese Eigenschaften mit größerer Unmittelbarkeit und einem stärkeren Realismus aus, als es für einen Künstler des Nordens üblich war. Details reichen vom Geflecht des Vogelkäfigs bis hin zur Peitschenschnur in der Hand Christi – eine Vorahnung der künftigen Geißelung, eines weiteren caravaggesken Themas.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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