Lot Nr. 375


Johann Anton Eismann


(Salzburg 1604–1698 Venedig)
San Giorgio Maggiore, Venedig,
Öl auf Leinwand, 108,5 x 145,5 cm, gerahmt

Wir danken Dario Succi für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Succi zufolge handelt es sich bei dem vorliegenden Gemälde um die einzige bekannte Ansicht Venedigs von Johann Anton Eismann. Als solche ist das Bild eine wichtige Hinzufügung zum Werkkorpus des Künstlers.

Man weiß, dass Eismann bei der Verbreitung der Landschaftsmalerei in Venedig im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte, doch dass er sich auch im Genre der Ansichtenmalerei betätigte, war bis dato nicht bekannt. Eismann war in Venedig von 1687 bis 1700 in der fraglia (Gilde) der Maler registriert, und seine Werke sind in den Inventarverzeichnissen historischer venezianischer Sammlungen gut vertreten. Seine Schlachtenszenen sind häufig eine ausgesprochen nördliche Interpretation der poetischen Beispiele Salvator Rosas, während seine berühmten Seehäfen von charakteristischen macchiette (Figuren) belebt sind, was die Gemälde von Luca Carlevarijs (1663–1730) vorwegnimmt.

Es ist bekannt, dass Eismann mit dem viel jüngeren Carlevarijs zusammenarbeitete. Dies belegt ein Gemäldepaar in der berühmten venezianischen Sammlung des Feldmarschalls Graf Matthias von der Schulenburg, deren Inventar vom 30. Mai 1738 es wie folgt beschreibt: „Isman, e figure di Carlevari: due quadri compagni rappresentano vedute di mare con bastimenti e un castello“ [„Isman, und Figuren von Carlevari: zwei Gemälde, Pendants, Seeblicke mit Basteien und einer Burg darstellend“].

Carlevarijs gilt als Wegbereiter der venezianischen Stadtlandschaft bzw. Vedute; seine Gemälde gehörten zu den frühesten barocken Darstellungen der Stadt. Seine berühmten Stiche venezianischer Ansichten mit den wichtigsten Plätzen der Stadt waren weit verbreitet. Diese Bilder sollten großen Einfluss auf das spätere Schaffen Canalettos, Francesco Guardis und das gesamte im 18. Jahrhundert florierende Ansichtengenre haben. Eismanns Rolle bei der Verbreitung dieser Bildsprache bedarf ausgehend von dem vorliegenden Gemälde weiterer Nachforschungen.

Dargestellt ist hier die Insel San Giorgio Maggiore, die von unzähligen Galeonen, Gondeln und anderen Schiffen umgeben ist. Die Kirche wurde 1566 von Andrea Palladio entworfen und 1610 fertiggestellt. Der auf einem quadratischen Grundriss erbaute Glockenturm mit seiner Spitze ist noch so dargestellt, wie er sich vor seinem Umbau 1727 präsentierte. Der Vordergrund wird von der prächtigen gondola d’oro (Goldenen Gondel) eines ausländischen Botschafters mit in rote Livreen gekleideten Gondolieres belebt. Ebenfalls im Vordergrund sind elegant beschriebene örtliche Würdenträger in schwarzer Kleidung, orientalische Händler und Träger zu sehen.

Das vorliegende Gemälde zeichnet sich durch eine lebendige Wiedergabe der Atmosphäre und klare Farben sowie durch eine strahlende Palette im Bereich des von Wolkenstreifen durchzogenen Himmels aus. Eismanns atmosphärische Darstellungen hallen gelegentlich selbst noch im 20. Jahrhundert wider, wie die Venedigansichten Giorgio De Chiricos zeigen (siehe Abb. 1).

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 100.300,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Johann Anton Eismann


(Salzburg 1604–1698 Venedig)
San Giorgio Maggiore, Venedig,
Öl auf Leinwand, 108,5 x 145,5 cm, gerahmt

Wir danken Dario Succi für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Succi zufolge handelt es sich bei dem vorliegenden Gemälde um die einzige bekannte Ansicht Venedigs von Johann Anton Eismann. Als solche ist das Bild eine wichtige Hinzufügung zum Werkkorpus des Künstlers.

Man weiß, dass Eismann bei der Verbreitung der Landschaftsmalerei in Venedig im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte, doch dass er sich auch im Genre der Ansichtenmalerei betätigte, war bis dato nicht bekannt. Eismann war in Venedig von 1687 bis 1700 in der fraglia (Gilde) der Maler registriert, und seine Werke sind in den Inventarverzeichnissen historischer venezianischer Sammlungen gut vertreten. Seine Schlachtenszenen sind häufig eine ausgesprochen nördliche Interpretation der poetischen Beispiele Salvator Rosas, während seine berühmten Seehäfen von charakteristischen macchiette (Figuren) belebt sind, was die Gemälde von Luca Carlevarijs (1663–1730) vorwegnimmt.

Es ist bekannt, dass Eismann mit dem viel jüngeren Carlevarijs zusammenarbeitete. Dies belegt ein Gemäldepaar in der berühmten venezianischen Sammlung des Feldmarschalls Graf Matthias von der Schulenburg, deren Inventar vom 30. Mai 1738 es wie folgt beschreibt: „Isman, e figure di Carlevari: due quadri compagni rappresentano vedute di mare con bastimenti e un castello“ [„Isman, und Figuren von Carlevari: zwei Gemälde, Pendants, Seeblicke mit Basteien und einer Burg darstellend“].

Carlevarijs gilt als Wegbereiter der venezianischen Stadtlandschaft bzw. Vedute; seine Gemälde gehörten zu den frühesten barocken Darstellungen der Stadt. Seine berühmten Stiche venezianischer Ansichten mit den wichtigsten Plätzen der Stadt waren weit verbreitet. Diese Bilder sollten großen Einfluss auf das spätere Schaffen Canalettos, Francesco Guardis und das gesamte im 18. Jahrhundert florierende Ansichtengenre haben. Eismanns Rolle bei der Verbreitung dieser Bildsprache bedarf ausgehend von dem vorliegenden Gemälde weiterer Nachforschungen.

Dargestellt ist hier die Insel San Giorgio Maggiore, die von unzähligen Galeonen, Gondeln und anderen Schiffen umgeben ist. Die Kirche wurde 1566 von Andrea Palladio entworfen und 1610 fertiggestellt. Der auf einem quadratischen Grundriss erbaute Glockenturm mit seiner Spitze ist noch so dargestellt, wie er sich vor seinem Umbau 1727 präsentierte. Der Vordergrund wird von der prächtigen gondola d’oro (Goldenen Gondel) eines ausländischen Botschafters mit in rote Livreen gekleideten Gondolieres belebt. Ebenfalls im Vordergrund sind elegant beschriebene örtliche Würdenträger in schwarzer Kleidung, orientalische Händler und Träger zu sehen.

Das vorliegende Gemälde zeichnet sich durch eine lebendige Wiedergabe der Atmosphäre und klare Farben sowie durch eine strahlende Palette im Bereich des von Wolkenstreifen durchzogenen Himmels aus. Eismanns atmosphärische Darstellungen hallen gelegentlich selbst noch im 20. Jahrhundert wider, wie die Venedigansichten Giorgio De Chiricos zeigen (siehe Abb. 1).


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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