Lot Nr. 399 -


Anton Maria Vassallo


(Genua um 1620–1664/72 Mailand)
Ruhe auf der Flucht nach Ägypten,
Öl auf Leinwand, 124,5 x 147 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunstmarkt, Rom;
Privatsammlung, Genua bis 2018;
Kunstmarkt;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Ausgestellt:
Genua, Galleria Nazionale di Palazzo Spinola, Genova nell’ Eta Barocca, 2. Mai – 26. Juli 1992, Nr. 177

Literatur:
F. Lamera, Anton Maria Vassallo, in: E. Gavazza et al., La pittura in Liguria, Il secondo Seicento, Genua 1990, S. 434, Abb. 526;
L. Lodi, in: E. Gavazza/G. Rotondi Terminiello (Hg.), Genova nell’Eta Barocca, Ausstellungskatalog, Bologna 1992, Nr. 177 (mit falschen Maßangaben);
A. Orlando, Anton Maria Vassallo, Genua 1999, Kat.-Nr. 43, S. 24, Abb. 24

Wir danken Anna Orlando für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Das vorliegende Gemälde ist ein typisches Werk Anton Maria Vassallos und verrät deutliche Rubens’sche Züge, die wohl vom Lehrmeister des Künstlers Vincent Malò herrühren, der ein direkter Schüler Rubens’ während dessen Zeit in Genua gewesen war. Orlando datiert das Gemälde in die Reifezeit des Genueser Künstlers während der 1630er-Jahre (siehe A. Orlando Anton Maria Vassallo pittore ‘universale’ tra committenza pubblica, collezionismo privato e mercato dell’arte, in: G. Zanelli [Hg.], Anton Maria Vassallo. Un dipinto per la Galleria Nazionale della Liguria, Genua 2018, S. 27–53, mit überarbeiteter Bibliografie und Werkverzeichnis).

Vassallo stellte die Flucht nach Ägypten auch in anderen Werken dar, insbesondere in einem kleinen Hochformat auf Leinwand in der Galleria Nazionale di Palazzo Spinola, Genua (49,5 x 36 cm, Inv.-Nr. 56); ein kleines Querformat befindet sich in einer Privatsammlung (Orlando 1999, Abb. 15); eine weitere, erst kürzlich entdeckte Fassung weist ähnliche Maße wie das vorliegende Gemälde auf (98 x 145,5 cm; Orlando 2018, op. cit., Abb. 6). Als Bildthema erlaubt die Flucht nach Ägypten zwei Varianten: Die Darstellung unterwegs oder bei der Rast, wie in diesem Fall. Wie die Heilige Familie stieß dieses biblische Thema im 17. Jahrhundert bei Auftraggebern auf besondere Zustimmung, da es die Verknüpfung von der Andacht dienenden religiösen Inhalten mit Alltagsthemen erlaubte: Damit gab es dem Künstler Gelegenheit, auch Gefühle rund um die ruhige Heiterkeit des häuslichen Lebens anzusprechen. Die Idee des vorliegenden Gemäldes, das Interesse des hl. Josef am Lesen – womöglich der Heiligen Schrift – in die Darstellung einzubinden, ist ungewöhnlich. Möglicherweise war es die Entscheidung Vassallos oder die eines belesenen Auftraggebers. Der Heilige scheint hier laut vorzulesen, um Maria abzulenken, und gerade Details wie dieses verliehen einer Darstellung Natürlichkeit und ruhige Ausstrahlung. Dies stand im Einklang mit Vorstellungen vom Alltagsleben, was bei den Auftraggebern der damaligen Zeit Gefallen fand und auch Vassallo und seinen Kollegen, den Protagonisten der zeitgenössischen Malerei Genuas in den mittleren Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts, entgegenkam.

Interessanterweise findet sich ein pentimento im Bereich des Fußes der Maria, der ursprünglich weiter unten erscheinen sollte. Der Künstler hat ihn mit bernsteinfarbenen Erdtönen übermalt, die mittlerweile verblasst sind, sodass die Skizze eines zweiten Fußes deutlich durchscheint.

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 41.247,-
Schätzwert:
EUR 30.000,- bis EUR 40.000,-

Anton Maria Vassallo


(Genua um 1620–1664/72 Mailand)
Ruhe auf der Flucht nach Ägypten,
Öl auf Leinwand, 124,5 x 147 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunstmarkt, Rom;
Privatsammlung, Genua bis 2018;
Kunstmarkt;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Ausgestellt:
Genua, Galleria Nazionale di Palazzo Spinola, Genova nell’ Eta Barocca, 2. Mai – 26. Juli 1992, Nr. 177

Literatur:
F. Lamera, Anton Maria Vassallo, in: E. Gavazza et al., La pittura in Liguria, Il secondo Seicento, Genua 1990, S. 434, Abb. 526;
L. Lodi, in: E. Gavazza/G. Rotondi Terminiello (Hg.), Genova nell’Eta Barocca, Ausstellungskatalog, Bologna 1992, Nr. 177 (mit falschen Maßangaben);
A. Orlando, Anton Maria Vassallo, Genua 1999, Kat.-Nr. 43, S. 24, Abb. 24

Wir danken Anna Orlando für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Das vorliegende Gemälde ist ein typisches Werk Anton Maria Vassallos und verrät deutliche Rubens’sche Züge, die wohl vom Lehrmeister des Künstlers Vincent Malò herrühren, der ein direkter Schüler Rubens’ während dessen Zeit in Genua gewesen war. Orlando datiert das Gemälde in die Reifezeit des Genueser Künstlers während der 1630er-Jahre (siehe A. Orlando Anton Maria Vassallo pittore ‘universale’ tra committenza pubblica, collezionismo privato e mercato dell’arte, in: G. Zanelli [Hg.], Anton Maria Vassallo. Un dipinto per la Galleria Nazionale della Liguria, Genua 2018, S. 27–53, mit überarbeiteter Bibliografie und Werkverzeichnis).

Vassallo stellte die Flucht nach Ägypten auch in anderen Werken dar, insbesondere in einem kleinen Hochformat auf Leinwand in der Galleria Nazionale di Palazzo Spinola, Genua (49,5 x 36 cm, Inv.-Nr. 56); ein kleines Querformat befindet sich in einer Privatsammlung (Orlando 1999, Abb. 15); eine weitere, erst kürzlich entdeckte Fassung weist ähnliche Maße wie das vorliegende Gemälde auf (98 x 145,5 cm; Orlando 2018, op. cit., Abb. 6). Als Bildthema erlaubt die Flucht nach Ägypten zwei Varianten: Die Darstellung unterwegs oder bei der Rast, wie in diesem Fall. Wie die Heilige Familie stieß dieses biblische Thema im 17. Jahrhundert bei Auftraggebern auf besondere Zustimmung, da es die Verknüpfung von der Andacht dienenden religiösen Inhalten mit Alltagsthemen erlaubte: Damit gab es dem Künstler Gelegenheit, auch Gefühle rund um die ruhige Heiterkeit des häuslichen Lebens anzusprechen. Die Idee des vorliegenden Gemäldes, das Interesse des hl. Josef am Lesen – womöglich der Heiligen Schrift – in die Darstellung einzubinden, ist ungewöhnlich. Möglicherweise war es die Entscheidung Vassallos oder die eines belesenen Auftraggebers. Der Heilige scheint hier laut vorzulesen, um Maria abzulenken, und gerade Details wie dieses verliehen einer Darstellung Natürlichkeit und ruhige Ausstrahlung. Dies stand im Einklang mit Vorstellungen vom Alltagsleben, was bei den Auftraggebern der damaligen Zeit Gefallen fand und auch Vassallo und seinen Kollegen, den Protagonisten der zeitgenössischen Malerei Genuas in den mittleren Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts, entgegenkam.

Interessanterweise findet sich ein pentimento im Bereich des Fußes der Maria, der ursprünglich weiter unten erscheinen sollte. Der Künstler hat ihn mit bernsteinfarbenen Erdtönen übermalt, die mittlerweile verblasst sind, sodass die Skizze eines zweiten Fußes deutlich durchscheint.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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