Lot Nr. 412


Andrea Casali


(Rom 1705–1784)
Herkules weist den Weg zum Tempel der Tugend,
signiert und datiert rechts unten (auf der Urne),
Öl auf Leinwand, 176,5 x 258,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Mailand;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Das vorliegende Gemälde vereint mehrere Episoden des Mythos von Herkules und Omphale, der Königin von Lydien, in einer einzigen Komposition. Herkules hat Iphitos, den Sohn des Eurytos, getötet und ist deshalb erkrankt. Der Prophezeiung des oben links dargestellten Orakels von Delphi zufolge kann Herkules nur geheilt werden, wenn er als Sühne für die Ermordung Iphitos’ als Sklave dient. Omphale kommt zu Ohren, was Herkules getan hat, und beschließt, ihn zu kaufen und zu ihrem Sklaven zu machen. Gezwungen, sich wie eine Frau zu kleiden und Wolle zu spinnen, lebt Herkules drei Jahre lang in ihrem Palast. Obwohl er in den Jahren seiner Knechtschaft Omphales’ Geliebter wird, verliebt er sich auch in Malide, eine der Dienerinnen der Königin, die man in der von Herkules umarmten jungen Frau des Gemäldes erkennen mag.

Der Mythos von Herkules und Omphale steht mit dem Pan-Mythos in Zusammenhang. Pan, der sich seinerseits in die Königin verliebt hat, findet sich links im Bild dargestellt. Die Quellen erzählen, wie die beiden Liebenden Herkules und Omphale in den Weingärten des Tmolos bei einer Grotte in der Nähe des Waldes von Bacchus Halt machen, um dort die Nacht zu verbringen, und in spielerischem Übermut die Kleider tauschen. Pan betritt die Grotte und glaubt, sich zu Omphale zu legen, findet sich jedoch Herkules gegenüber.

Das vorliegende großformatige mythologische Gemälde entstand in Andrea Casalis englischer Periode, in der er sich vornehmlich Porträts, aber auch religiösen und dekorativen Themen widmete. Ausgebildet wurde der Künstler in der Werkstatt Sebastiano Concas, bevor er eine Lehre bei Francesco Trevisani antrat. 1725 nahm er am Concorso Clementino teil. 1729 wurde Casali von Benedikt XIII. für seine Fresken im Kloster San Sisto Vecchio in Rom zum Ritter des Ordens vom Goldenen Sporn ernannt. Auf Einladung verschiedener englischer Adeliger wie Sir Charles Fredericks und des Earl of Carlisle entschloss sich Casali 1740 nach England zu gehen und machte sich über Paris auf den Weg. Er sollte 25 Jahre in England bleiben. 1753, im Entstehungsjahr des vorliegenden Gemäldes, schuf er für die Eingangshalle von Ranston House (Dorset) einen Ausstattungszyklus zum Thema Dichtung, Malerei und Bildhauerei; die Decke des Salons schmückte er mit zwei ovalen Bildern: Bacchus und Ariadne und Musik oder Die heilige Cäcilia. Die Society of Artists und die Free Society, in denen er regelmäßig ausstellte, zeichneten ihn mit vier Preisen aus. 1762 und 1766 bot er seine Werke und verschiedene Gemälde italienischer und niederländischer Meister in seinem Besitz zum Verkauf an. Unmittelbar nach der zweiten Auktion kehrte Casali nach Italien zurück, wo er 1784 in Rom verstarb.

30.04.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 100.000,-

Andrea Casali


(Rom 1705–1784)
Herkules weist den Weg zum Tempel der Tugend,
signiert und datiert rechts unten (auf der Urne),
Öl auf Leinwand, 176,5 x 258,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Mailand;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Das vorliegende Gemälde vereint mehrere Episoden des Mythos von Herkules und Omphale, der Königin von Lydien, in einer einzigen Komposition. Herkules hat Iphitos, den Sohn des Eurytos, getötet und ist deshalb erkrankt. Der Prophezeiung des oben links dargestellten Orakels von Delphi zufolge kann Herkules nur geheilt werden, wenn er als Sühne für die Ermordung Iphitos’ als Sklave dient. Omphale kommt zu Ohren, was Herkules getan hat, und beschließt, ihn zu kaufen und zu ihrem Sklaven zu machen. Gezwungen, sich wie eine Frau zu kleiden und Wolle zu spinnen, lebt Herkules drei Jahre lang in ihrem Palast. Obwohl er in den Jahren seiner Knechtschaft Omphales’ Geliebter wird, verliebt er sich auch in Malide, eine der Dienerinnen der Königin, die man in der von Herkules umarmten jungen Frau des Gemäldes erkennen mag.

Der Mythos von Herkules und Omphale steht mit dem Pan-Mythos in Zusammenhang. Pan, der sich seinerseits in die Königin verliebt hat, findet sich links im Bild dargestellt. Die Quellen erzählen, wie die beiden Liebenden Herkules und Omphale in den Weingärten des Tmolos bei einer Grotte in der Nähe des Waldes von Bacchus Halt machen, um dort die Nacht zu verbringen, und in spielerischem Übermut die Kleider tauschen. Pan betritt die Grotte und glaubt, sich zu Omphale zu legen, findet sich jedoch Herkules gegenüber.

Das vorliegende großformatige mythologische Gemälde entstand in Andrea Casalis englischer Periode, in der er sich vornehmlich Porträts, aber auch religiösen und dekorativen Themen widmete. Ausgebildet wurde der Künstler in der Werkstatt Sebastiano Concas, bevor er eine Lehre bei Francesco Trevisani antrat. 1725 nahm er am Concorso Clementino teil. 1729 wurde Casali von Benedikt XIII. für seine Fresken im Kloster San Sisto Vecchio in Rom zum Ritter des Ordens vom Goldenen Sporn ernannt. Auf Einladung verschiedener englischer Adeliger wie Sir Charles Fredericks und des Earl of Carlisle entschloss sich Casali 1740 nach England zu gehen und machte sich über Paris auf den Weg. Er sollte 25 Jahre in England bleiben. 1753, im Entstehungsjahr des vorliegenden Gemäldes, schuf er für die Eingangshalle von Ranston House (Dorset) einen Ausstattungszyklus zum Thema Dichtung, Malerei und Bildhauerei; die Decke des Salons schmückte er mit zwei ovalen Bildern: Bacchus und Ariadne und Musik oder Die heilige Cäcilia. Die Society of Artists und die Free Society, in denen er regelmäßig ausstellte, zeichneten ihn mit vier Preisen aus. 1762 und 1766 bot er seine Werke und verschiedene Gemälde italienischer und niederländischer Meister in seinem Besitz zum Verkauf an. Unmittelbar nach der zweiten Auktion kehrte Casali nach Italien zurück, wo er 1784 in Rom verstarb.


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019