Lot Nr. 420 -


Sebastiano Conca


(Gaeta 1680–1764 Neapel)
Mariä Geburt,
Öl auf Leinwand, 103 x 56 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich Luigi Vanvitelli (1700–1773), Neapel;
Privatsammlung, Mill Neck, Long Island;
Kunsthandel, New York;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
vermutlich J. Garms, Die Briefe des Luigi Vanvitelli an seinen Bruder Urbano in Rom. Kunsthistorisches Material, in: Römische historische Mitteilungen, 13, 1971, S. 271;
vermutlich N. Spinosa, Luigi Vanvitelli e i pittori attivi a Napoli nella seconda metà del Settecento: lettere e documenti inediti, in: Storia dell’arte, 14, 1972, S. 195, Anm. 9;
vermutlich F. Strazzullo, Le lettere di Luigi Vanvitelli della Biblioteca Palatina di Caserta, Galatina 1976, Bd. I, S. 558

Wir danken Matteo Borchia für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Das vorliegende Werk ist der Bozzetto für das erste einer Serie von fünf Bildern, die Sebastiano Conca im Sommer 1756 schuf. Der Auftrag für den Palast von Caserta sollte für Karl III., damals König von Sizilien und Neapel und ab 1759 König von Spanien, und dessen Frau, Maria Amalia von Sachsen, verschiedene Episoden aus dem Leben der Jungfrau Maria veranschaulichen. Das war sicher der wichtigste Auftrag, den der Künstler vom bourbonischen Hof in Neapel erhielt. Karl III. verpflichtete auch die Maler Giuseppe Bonito und Anton Raphael Mengs (aufgrund eines Bombenangriffs im August 1943 haben sich von dieser Arbeit nur Bonitos Unbefleckte Empfängnis und einige wenige Fragmente von Concas Geburt Christi erhalten).

Luigi Vanvitelli schrieb seinem Bruder in einem mit 13. Juli 1756 datierten Brief, dass er von Conca eine vorbereitende Studie für Mariä Geburt als Geschenk erhalten habe. Vanvitelli war der bourbonische Hofarchitekt, der für die Planung des Palasts von Caserta verantwortlich zeichnete, und kannte Conca seit Jugendtagen, als sowohl der Maler als auch der Architekt für Kardinal Pietro Ottoboni in Rom tätig gewesen waren. So hatten sie für die Kirche Santa Maria in Trastevere und die Fabbrica di San Pietro, die Dombauhütte von St. Peter, zusammengearbeitet.

Vor allem bei der Gruppe im Vordergrund erweist sich der Künstler als äußerst vertraut mit der Ikonografie der bekanntesten Darstellungen des Themas, die Annibale Carracci und Francesco Albani am Beginn des 17. Jahrhunderts gemalt hatten. Conca selbst hatte bereits 1741 für die Basilica della Misericordia in Macerata eine Geburt der Jungfrau Maria geschaffen – eine mehr auf das Wesentliche konzentrierte Komposition mit weniger Figuren. Die für Caserta geplante Szene reicherte er mit zahlreichen Figuren an, zu denen ihn einige seiner früheren Arbeiten angeregt hatten: Die Gruppe mit Gott Vater zum Beispiel wiederholt die in zwei Fassungen der Unbefleckten Empfängnis dargestellte – Fassungen, die sich in Mafra (Convento de Nossa Senhora e Santo António) und in Macerata erhalten haben. Die abermalige Verwendung kompositorischer Formeln – und das auch nach längerer Zeit – ist tatsächlich für Concas Arbeitsweise charakteristisch.

Die für diese Studie kennzeichnenden flüssigen und leuchtenden Pinselstriche tauchen auch in späteren Werken des Künstlers auf. Man begegnet ihnen etwa in den Arbeiten, die dem Künstler zur Vorbereitung der Gewölbemalereien in Santa Chiara in Neapel dienten und die Überstellung der Bundeslade (Pandolfini, Florenz, Dipinti Antichi, 15. Oktober 2013, Lot 151) bzw. die Begegnung Salomons mit der Königin von Saba (Christie’s, Mailand, Old Master Pictures, 25. Mai 2011, Lot 56) schildern. Besonders deutliche Berührungspunkte finden sich bei der Verkündigung (Sammlung Morton und Mary Jane Harris, New York) und der Anbetung der Könige (Sammlung W. Lacy, Lausanne), die beide in die Ausstellung 1981 aufgenommen wurden und bereits damals als Studien für dieselben Themen behandelnde Gemälde für Caserta angesehen wurden. Trotz seines fortgeschrittenen Alters war Sebastiano Conca in der Lage, im vorliegenden Werk eine Szene voller Leben zu schaffen, die vom arkadischen Klassizismus des frühen Settecento und von einem – vor allem an der Vordergrundfigur der heiligen Anna zu beobachtenden – starken Leuchten durchdrungen ist, welches an die Malweise seines Zeitgenossen Corrado Giaquinto denken lässt.

Giancarlo Sestieri ist der Ansicht, dass das vorliegende Gemälde eine Gemeinschaftsarbeit von Sebastiano Conca und Corrado Giaquinto sein könnte.

30.04.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 61.730,-
Schätzwert:
EUR 25.000,- bis EUR 30.000,-

Sebastiano Conca


(Gaeta 1680–1764 Neapel)
Mariä Geburt,
Öl auf Leinwand, 103 x 56 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich Luigi Vanvitelli (1700–1773), Neapel;
Privatsammlung, Mill Neck, Long Island;
Kunsthandel, New York;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
vermutlich J. Garms, Die Briefe des Luigi Vanvitelli an seinen Bruder Urbano in Rom. Kunsthistorisches Material, in: Römische historische Mitteilungen, 13, 1971, S. 271;
vermutlich N. Spinosa, Luigi Vanvitelli e i pittori attivi a Napoli nella seconda metà del Settecento: lettere e documenti inediti, in: Storia dell’arte, 14, 1972, S. 195, Anm. 9;
vermutlich F. Strazzullo, Le lettere di Luigi Vanvitelli della Biblioteca Palatina di Caserta, Galatina 1976, Bd. I, S. 558

Wir danken Matteo Borchia für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Das vorliegende Werk ist der Bozzetto für das erste einer Serie von fünf Bildern, die Sebastiano Conca im Sommer 1756 schuf. Der Auftrag für den Palast von Caserta sollte für Karl III., damals König von Sizilien und Neapel und ab 1759 König von Spanien, und dessen Frau, Maria Amalia von Sachsen, verschiedene Episoden aus dem Leben der Jungfrau Maria veranschaulichen. Das war sicher der wichtigste Auftrag, den der Künstler vom bourbonischen Hof in Neapel erhielt. Karl III. verpflichtete auch die Maler Giuseppe Bonito und Anton Raphael Mengs (aufgrund eines Bombenangriffs im August 1943 haben sich von dieser Arbeit nur Bonitos Unbefleckte Empfängnis und einige wenige Fragmente von Concas Geburt Christi erhalten).

Luigi Vanvitelli schrieb seinem Bruder in einem mit 13. Juli 1756 datierten Brief, dass er von Conca eine vorbereitende Studie für Mariä Geburt als Geschenk erhalten habe. Vanvitelli war der bourbonische Hofarchitekt, der für die Planung des Palasts von Caserta verantwortlich zeichnete, und kannte Conca seit Jugendtagen, als sowohl der Maler als auch der Architekt für Kardinal Pietro Ottoboni in Rom tätig gewesen waren. So hatten sie für die Kirche Santa Maria in Trastevere und die Fabbrica di San Pietro, die Dombauhütte von St. Peter, zusammengearbeitet.

Vor allem bei der Gruppe im Vordergrund erweist sich der Künstler als äußerst vertraut mit der Ikonografie der bekanntesten Darstellungen des Themas, die Annibale Carracci und Francesco Albani am Beginn des 17. Jahrhunderts gemalt hatten. Conca selbst hatte bereits 1741 für die Basilica della Misericordia in Macerata eine Geburt der Jungfrau Maria geschaffen – eine mehr auf das Wesentliche konzentrierte Komposition mit weniger Figuren. Die für Caserta geplante Szene reicherte er mit zahlreichen Figuren an, zu denen ihn einige seiner früheren Arbeiten angeregt hatten: Die Gruppe mit Gott Vater zum Beispiel wiederholt die in zwei Fassungen der Unbefleckten Empfängnis dargestellte – Fassungen, die sich in Mafra (Convento de Nossa Senhora e Santo António) und in Macerata erhalten haben. Die abermalige Verwendung kompositorischer Formeln – und das auch nach längerer Zeit – ist tatsächlich für Concas Arbeitsweise charakteristisch.

Die für diese Studie kennzeichnenden flüssigen und leuchtenden Pinselstriche tauchen auch in späteren Werken des Künstlers auf. Man begegnet ihnen etwa in den Arbeiten, die dem Künstler zur Vorbereitung der Gewölbemalereien in Santa Chiara in Neapel dienten und die Überstellung der Bundeslade (Pandolfini, Florenz, Dipinti Antichi, 15. Oktober 2013, Lot 151) bzw. die Begegnung Salomons mit der Königin von Saba (Christie’s, Mailand, Old Master Pictures, 25. Mai 2011, Lot 56) schildern. Besonders deutliche Berührungspunkte finden sich bei der Verkündigung (Sammlung Morton und Mary Jane Harris, New York) und der Anbetung der Könige (Sammlung W. Lacy, Lausanne), die beide in die Ausstellung 1981 aufgenommen wurden und bereits damals als Studien für dieselben Themen behandelnde Gemälde für Caserta angesehen wurden. Trotz seines fortgeschrittenen Alters war Sebastiano Conca in der Lage, im vorliegenden Werk eine Szene voller Leben zu schaffen, die vom arkadischen Klassizismus des frühen Settecento und von einem – vor allem an der Vordergrundfigur der heiligen Anna zu beobachtenden – starken Leuchten durchdrungen ist, welches an die Malweise seines Zeitgenossen Corrado Giaquinto denken lässt.

Giancarlo Sestieri ist der Ansicht, dass das vorliegende Gemälde eine Gemeinschaftsarbeit von Sebastiano Conca und Corrado Giaquinto sein könnte.


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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