Lot Nr. 650


Vincenzo Camuccini


(Rom 1771–1844)
Der Tod der Virginia,
Öl auf Leinwand, 54 x 64 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Rom;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Wir danken Pier Ludovico Puddu, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung.

Bei dem vorliegenden Gemälde handelt es sich um einen Bozzetto für den Tod der Virginia von Vincenzo Camuccini in der Galleria Nazionale di Capodimonte, Neapel (Inv.-Nr. 6583).

Die lange und komplexe Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Gemäldes im Museo di Capodimonte in Neapel belegen zahlreiche vorbereitende Studien, unter denen diese Skizze aufgrund der Art hervorsticht, wie der Künstler hier Farbe eingesetzt hat. Puddu zufolge ist diese Studie einer fortgeschrittenen Phase in der Genese der endgültigen Komposition zuzurechnen, die 1804 fertiggestellt wurde. Tatsächlich legen die im Vergleich zu anderen Studien erkennbaren Abweichungen in Haltung, Kleidung und Schleier der Frau rechts den Schluss nahe, dass die Studie unmittelbar vor dem Entwurf des Gemäldes entstand. Camuccinis üblicher Arbeitsprozess bestand darin, sich sowohl mit größeren Passagen als auch mit Details des gesamten Werks auseinanderzusetzen: Nachdem er den Aufbau des Gemäldes skizziert hatte, wandte er sich der Darstellung einzelner Figuren und der Farbgebung zu. Im vorliegenden Bozzetto fehlen die Figuren des Appio Claudio und die Figuren links im Bild; mit diesen befasste sich der Künstler getrennt davon in anderen Skizzen (siehe G. Piantoni De Angelis, Vincenzo Camuccini 1711‒1884. Bozzetti e disegni dallo studio dell’artista, Ausstellungskatalog, Rom 1978, S. 37). Im vorliegenden Fall richtet sich Camuccinis Interesse auf den entscheidenden Teil des Themas, auf Virginio, der seine Tochter opfert, um sie vor Schande zu bewahren.

Das Pendant zu Der Tod der Virginia ist Der Tod Julius Cäsars, ein ebenfalls zu den Beständen des Museo di Capodimonte zählendes Gemälde. Die beiden Werke wurden in den späten 1790er-Jahren von Lord Bristol (1730–1803) in Auftrag gegeben, der jedoch starb, bevor Vincenzo Camuccini die Bilder vollenden konnte. Schließlich erwarb Gioacchino Murat die Werke für das Königreich Neapel (siehe G. Piantoni De Angelis, ibid., S. 28f.).

Das vorliegende Gemälde stellt für den Komplex der Studien Vincenzo Camuccinis, der als einer der bedeutenden Vertreter der römischen Malschule des 19. Jahrhunderts anzusehen ist, eine wesentliche Bereicherung dar.

Vincenzo Camuccini war ein Schüler Domenico Corvis und wurde von Raffael, Michelangelo und vor allem von Poussin beeinflusst. Er war ein begabter Zeichner und Porträtist und galt in seiner Zeit als erster Historienmaler Roms (siehe F. Giacomini, Per reale vantaggio delle arti e della storia. Vincenzo Camuccini e il restauro dei dipinti a Roma nella prima metà dell’Ottocento, Rom 2007, S. 51‒61).

30.04.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 10.000,- bis EUR 15.000,-

Vincenzo Camuccini


(Rom 1771–1844)
Der Tod der Virginia,
Öl auf Leinwand, 54 x 64 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Rom;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Wir danken Pier Ludovico Puddu, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung.

Bei dem vorliegenden Gemälde handelt es sich um einen Bozzetto für den Tod der Virginia von Vincenzo Camuccini in der Galleria Nazionale di Capodimonte, Neapel (Inv.-Nr. 6583).

Die lange und komplexe Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Gemäldes im Museo di Capodimonte in Neapel belegen zahlreiche vorbereitende Studien, unter denen diese Skizze aufgrund der Art hervorsticht, wie der Künstler hier Farbe eingesetzt hat. Puddu zufolge ist diese Studie einer fortgeschrittenen Phase in der Genese der endgültigen Komposition zuzurechnen, die 1804 fertiggestellt wurde. Tatsächlich legen die im Vergleich zu anderen Studien erkennbaren Abweichungen in Haltung, Kleidung und Schleier der Frau rechts den Schluss nahe, dass die Studie unmittelbar vor dem Entwurf des Gemäldes entstand. Camuccinis üblicher Arbeitsprozess bestand darin, sich sowohl mit größeren Passagen als auch mit Details des gesamten Werks auseinanderzusetzen: Nachdem er den Aufbau des Gemäldes skizziert hatte, wandte er sich der Darstellung einzelner Figuren und der Farbgebung zu. Im vorliegenden Bozzetto fehlen die Figuren des Appio Claudio und die Figuren links im Bild; mit diesen befasste sich der Künstler getrennt davon in anderen Skizzen (siehe G. Piantoni De Angelis, Vincenzo Camuccini 1711‒1884. Bozzetti e disegni dallo studio dell’artista, Ausstellungskatalog, Rom 1978, S. 37). Im vorliegenden Fall richtet sich Camuccinis Interesse auf den entscheidenden Teil des Themas, auf Virginio, der seine Tochter opfert, um sie vor Schande zu bewahren.

Das Pendant zu Der Tod der Virginia ist Der Tod Julius Cäsars, ein ebenfalls zu den Beständen des Museo di Capodimonte zählendes Gemälde. Die beiden Werke wurden in den späten 1790er-Jahren von Lord Bristol (1730–1803) in Auftrag gegeben, der jedoch starb, bevor Vincenzo Camuccini die Bilder vollenden konnte. Schließlich erwarb Gioacchino Murat die Werke für das Königreich Neapel (siehe G. Piantoni De Angelis, ibid., S. 28f.).

Das vorliegende Gemälde stellt für den Komplex der Studien Vincenzo Camuccinis, der als einer der bedeutenden Vertreter der römischen Malschule des 19. Jahrhunderts anzusehen ist, eine wesentliche Bereicherung dar.

Vincenzo Camuccini war ein Schüler Domenico Corvis und wurde von Raffael, Michelangelo und vor allem von Poussin beeinflusst. Er war ein begabter Zeichner und Porträtist und galt in seiner Zeit als erster Historienmaler Roms (siehe F. Giacomini, Per reale vantaggio delle arti e della storia. Vincenzo Camuccini e il restauro dei dipinti a Roma nella prima metà dell’Ottocento, Rom 2007, S. 51‒61).


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 30.04.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 20.04. - 30.04.2019