Lot Nr. 210


Georges Mathieu *


(Boulogne-sur-Mer 1921–2012 Boulogne-Billancourt)
Sébastien, comte de Montecuculi, tiré à quatre chevaux, 1960, signiert und datiert Mathieu 60, auf dem Keilrahmen betitelt, Öl auf Leinwand, 89 x 130 cm, gerahmt

Wir danken Jean-Marie Cusinberche für die freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung des vorliegenden Werkes.

Provenienz:
Galerie Internationale d’Art Contemporain, Paris
Galleria del Naviglio, Mailand
Privatsammlung, Rom
Galleria Blu, Mailand (am Keilrahmen Stempel)
Privatsammlung, Asti
Millon, Hotel Drouot, Paris, 20. November 2017, Los 26
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Mailand, Galleria del Naviglio, Mathieu, Peintures et Gouaches, 14. Juni - 30. Juni 1961, Kat.-Nr. 3

„Bei der Arbeit auf einem zuvor vorbereiteten Hintergrund, führe ich eine Bewegung aus, welcher, sofern sie mit maximaler Effizienz ausgeführt wird, nichts hinzuzufügen ist; ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass für mich die Gemälde, in denen es mir gelungen ist, mithilfe des Minimums das Maximum auszudrücken, meine stärksten sind, meine wichtigsten.“
Georges Mathieu

[...] Georges Mathieu malte nur wenige ,Zen‘ Arbeiten im Laufe seiner Karriere, Arbeiten die mit minimalen Symbolen ihre maximale Kraft erreichen. [...] Sie erlauben uns, diesen Zustand ekstatischer Trance zu imaginieren, in welchen Mathieu sich manchmal nach vereinzelten Phasen intensiver Konzentration versetzte. Seine Gemälde sind entgegen ihres vorläufigen Anscheins vollkommener Schlichtheit tatsächlich das Ergebnis unglaublich gebündelter Energie, welche in schneller und intuitiver Weise auf Leinwänden, die mit „Pinselstrichen und Farbablagerungen, die von maximaler Effektivität“ durchdrungen sind, zum Einsatz kommt, was so weit geht, dass jegliche Hinzufügung überflüssig wird. Uns bleibt lediglich eine kleine Zahl an kraftvollen Ideogrammen, geschrieben in Mathieus Sprache, wo „das Zeichen der Bedeutung vorausgeht.“ [...]
georges-mathieu.fr (deutsche Übersetzung des engl. Originals)

Der Titel dieser Arbeit, „Sébastien, comte de Montecuccoli, tiré à quatre chevaux“ bezieht sich auf einen italienischen Adeligen im Dienste von Franz I. von Frankreich, der wegen Verdachts, den ältesten Sohn des Königs vergiftet zu haben, hingerichtet worden war.
Als Sekretär des Dauphins, des französischen Thronerben, war er verdächtigt worden, ihn mit einem Glas Wasser vergiftet zu haben, als dieser unerwartet am 10. August 1536 starb. Unter Folter gestand Montecuccoli, versucht zu haben, König Franz und den Dauphin zu vergiften. Später zog er sein Geständnis zurück, wurde aber durch écartèlement, also durch Vierteilung, hingerichtet.
Mathieu liebte es, historische Titel zu verwenden, selbst, wenn absolut kein Zusammenhang zu dem Werk selbst bestand. In diesem Kontext erklärte der französische Kunstkritiker Michel Tapié: „Ohne die geringste Reue, und [Mathieu] weiß das genau, aber mit einem Maximum gewollter Provokation, verleiht er ihnen Titel... welche den Betrachter zwangsläufig jenseits absurder alltäglicher Mittelmäßigkeit platzieren...“.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

05.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Georges Mathieu *


(Boulogne-sur-Mer 1921–2012 Boulogne-Billancourt)
Sébastien, comte de Montecuculi, tiré à quatre chevaux, 1960, signiert und datiert Mathieu 60, auf dem Keilrahmen betitelt, Öl auf Leinwand, 89 x 130 cm, gerahmt

Wir danken Jean-Marie Cusinberche für die freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung des vorliegenden Werkes.

Provenienz:
Galerie Internationale d’Art Contemporain, Paris
Galleria del Naviglio, Mailand
Privatsammlung, Rom
Galleria Blu, Mailand (am Keilrahmen Stempel)
Privatsammlung, Asti
Millon, Hotel Drouot, Paris, 20. November 2017, Los 26
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Mailand, Galleria del Naviglio, Mathieu, Peintures et Gouaches, 14. Juni - 30. Juni 1961, Kat.-Nr. 3

„Bei der Arbeit auf einem zuvor vorbereiteten Hintergrund, führe ich eine Bewegung aus, welcher, sofern sie mit maximaler Effizienz ausgeführt wird, nichts hinzuzufügen ist; ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass für mich die Gemälde, in denen es mir gelungen ist, mithilfe des Minimums das Maximum auszudrücken, meine stärksten sind, meine wichtigsten.“
Georges Mathieu

[...] Georges Mathieu malte nur wenige ,Zen‘ Arbeiten im Laufe seiner Karriere, Arbeiten die mit minimalen Symbolen ihre maximale Kraft erreichen. [...] Sie erlauben uns, diesen Zustand ekstatischer Trance zu imaginieren, in welchen Mathieu sich manchmal nach vereinzelten Phasen intensiver Konzentration versetzte. Seine Gemälde sind entgegen ihres vorläufigen Anscheins vollkommener Schlichtheit tatsächlich das Ergebnis unglaublich gebündelter Energie, welche in schneller und intuitiver Weise auf Leinwänden, die mit „Pinselstrichen und Farbablagerungen, die von maximaler Effektivität“ durchdrungen sind, zum Einsatz kommt, was so weit geht, dass jegliche Hinzufügung überflüssig wird. Uns bleibt lediglich eine kleine Zahl an kraftvollen Ideogrammen, geschrieben in Mathieus Sprache, wo „das Zeichen der Bedeutung vorausgeht.“ [...]
georges-mathieu.fr (deutsche Übersetzung des engl. Originals)

Der Titel dieser Arbeit, „Sébastien, comte de Montecuccoli, tiré à quatre chevaux“ bezieht sich auf einen italienischen Adeligen im Dienste von Franz I. von Frankreich, der wegen Verdachts, den ältesten Sohn des Königs vergiftet zu haben, hingerichtet worden war.
Als Sekretär des Dauphins, des französischen Thronerben, war er verdächtigt worden, ihn mit einem Glas Wasser vergiftet zu haben, als dieser unerwartet am 10. August 1536 starb. Unter Folter gestand Montecuccoli, versucht zu haben, König Franz und den Dauphin zu vergiften. Später zog er sein Geständnis zurück, wurde aber durch écartèlement, also durch Vierteilung, hingerichtet.
Mathieu liebte es, historische Titel zu verwenden, selbst, wenn absolut kein Zusammenhang zu dem Werk selbst bestand. In diesem Kontext erklärte der französische Kunstkritiker Michel Tapié: „Ohne die geringste Reue, und [Mathieu] weiß das genau, aber mit einem Maximum gewollter Provokation, verleiht er ihnen Titel... welche den Betrachter zwangsläufig jenseits absurder alltäglicher Mittelmäßigkeit platzieren...“.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 05.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 05.06.2019