Lot Nr. 236


Otto Muehl *


(Grodnau 1925–2013 Moncarapacho, Portugal)
Ohne Titel, auf der Rückseite signiert, datiert Otto Muehl 86, Öl auf Leinwand, 200 x 140 cm, auf Keilrahmen

Provenienz:
Kunsthandel, Wien
Privatsammlung, Graz

…man sollte vor solchen bildern eigentlich erschüttert sein und in tränen ausbrechen, aber stattdessen sind sie einfach
zu schön geworden, ich verlor während dem malen das unglück aus den augen, ich schäme mich, und ergötze mich stattdessen an strahlenden farben und an umrißlinien der gegenstände und des menschlichen körpers. so muß ich mein bemühen um die darstellung des unglücks als gescheitert ansehen. Wenn ich meine bilder betrachte, habe ich manchmal den peinlichen eindruck ins paradies zu blicken…
otto muehl, friedrichshof 1986, ausgewählte Arbeiten 1963-1986

Glaubst du nicht, dass es bei Cézanne auch eine Charaktersache war?

Sicher. Man braucht schon einen gewissen Charakter, dass man diesem Druck standhält und nicht ausweicht. Das nämlich tun fast alle jungen Künstler, die gehen nicht auf ihre innere Phantasie und Gefühle ein, sondern sie machen ihre Installationen, die nichts bedeuten. Ich glaube, jedenfalls, die Experimente waren gut, es war eine Forschung, das kann man alles verwenden. Was farbig van Gogh geleistet hat oder Cézanne, sogar formal – die Geometrisierung – ist wichtig, aber man muss wieder zum Thema zurück: diese Mittel vom Thema her einsetzen. Eine Gestaltung, die das Thema realisiert, ist wichtig. Cézanne hat ja gesagt, er hat den Umriss, die Figur, die Kontur verloren, einer wird kommen, der das alles benützen und wieder realisieren kann. Er hat es nicht aufgegeben. Und ich fühle mich ganz bescheiden aufgerufen zu probieren. …
Otto Muehl 1991 – Aus dem Gefängnis 1991-1997

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

05.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 70.000,- bis EUR 90.000,-

Otto Muehl *


(Grodnau 1925–2013 Moncarapacho, Portugal)
Ohne Titel, auf der Rückseite signiert, datiert Otto Muehl 86, Öl auf Leinwand, 200 x 140 cm, auf Keilrahmen

Provenienz:
Kunsthandel, Wien
Privatsammlung, Graz

…man sollte vor solchen bildern eigentlich erschüttert sein und in tränen ausbrechen, aber stattdessen sind sie einfach
zu schön geworden, ich verlor während dem malen das unglück aus den augen, ich schäme mich, und ergötze mich stattdessen an strahlenden farben und an umrißlinien der gegenstände und des menschlichen körpers. so muß ich mein bemühen um die darstellung des unglücks als gescheitert ansehen. Wenn ich meine bilder betrachte, habe ich manchmal den peinlichen eindruck ins paradies zu blicken…
otto muehl, friedrichshof 1986, ausgewählte Arbeiten 1963-1986

Glaubst du nicht, dass es bei Cézanne auch eine Charaktersache war?

Sicher. Man braucht schon einen gewissen Charakter, dass man diesem Druck standhält und nicht ausweicht. Das nämlich tun fast alle jungen Künstler, die gehen nicht auf ihre innere Phantasie und Gefühle ein, sondern sie machen ihre Installationen, die nichts bedeuten. Ich glaube, jedenfalls, die Experimente waren gut, es war eine Forschung, das kann man alles verwenden. Was farbig van Gogh geleistet hat oder Cézanne, sogar formal – die Geometrisierung – ist wichtig, aber man muss wieder zum Thema zurück: diese Mittel vom Thema her einsetzen. Eine Gestaltung, die das Thema realisiert, ist wichtig. Cézanne hat ja gesagt, er hat den Umriss, die Figur, die Kontur verloren, einer wird kommen, der das alles benützen und wieder realisieren kann. Er hat es nicht aufgegeben. Und ich fühle mich ganz bescheiden aufgerufen zu probieren. …
Otto Muehl 1991 – Aus dem Gefängnis 1991-1997

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 05.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 05.06.2019